Studie des CDU-Wirtschaftsrates Schwarz-Gelb frustriert seine Kernklientel
CDU-nahe Unternehmer in Deutschland bewerten Schwarz-Gelb kaum besser als die Große Koalition. Die Regierung müsse Tempo machen, verlangen sie.
© Sean Gallup/Getty Images

In der Energiepolitik überraschen die CDU-nahen Unternehmer mit ihrer Präferenz für erneuerbare Energien. Insgesamt bewerten sie die bisherige Arbeit der schwarz-gelben Regierung ziemlich schlecht
Nur wenige Tage nachdem Bundespräsident Horst Köhler der schwarz-gelben Koalition eine "enttäuschende Bilanz" bescheinigt hat, muss sich das Bündnis erneut mit scharfer Kritik auseinandersetzen. Und wieder kommt sie nicht von der Opposition, sondern aus den eigenen Reihen.
Der Wirtschaftsrat der CDU, ein unternehmerischer Berufsverband mit 11.000 Mitgliedern, hat eine von dem Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid durchgeführte Studie zur Zufriedenheit mit der schwarz-gelben Koalition vorgelegt. Und auch wenn man an deren Repräsentativität durchaus seine Zweifel haben kann – beteiligt hat sich lediglich ein Viertel der Mitgliedsunternehmen –, so ist das Ergebnis für die amtierende Regierung, die Unternehmer schließlich zu ihrer Kernklientel zählt, wenig erfreulich.
Neun von zehn Mitgliedern bescheinigten Schwarz-Gelb einen "schlechten oder sehr schlechten" Start, fasst der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, das Ergebnis der Studie zusammen. Damit werde Schwarz-Gelb von denen, die das Bündnis mutmaßlich gewählt haben, nur unwesentlich besser beurteilt als die Große Koalition. 65 Prozent vermissen den Angaben zufolge ein überzeugendes wirtschaftliches Profil.
Auf den zweiten Blick allerdings fällt die Beurteilung nicht ganz so dramatisch aus. So beklagen zwar 52 Prozent der befragten Mitglieder eine zunehmende Sozialdemokratisierung der Union. Nur 29 Prozent nehmen CDU und CSU als "bürgerliche Partei" war. Zugleich allerdings bewerten 64 Prozent die CDU von allen Koalitionsparteien am besten.
Und auch wenn 48 Prozent der Regierung vorwerfen, sie mache zu wenig Tempo, lässt sich aus den Zahlen durchaus auch Übereinstimmung mit der bisherigen Politik der Koalition herauslesen. So haben für eine Mehrheit der Unternehmer Steuervereinfachungen Priorität vor der Haushaltskonsolidierung. 51 Prozent nennen Ersteres als wichtigstes Ziel, für 44 Prozent ist Letzteres relevanter.
Nach der Zustimmung zur Kopfpauschale im Gesundheitssystem hat der Wirtschaftsrat dagegen nicht gefragt – möglicherweise aus Angst vor den Ergebnissen. Sein Präsident unterstützt dieses Vorhaben jedoch aus ganzem Herzen.
Als Appell an die Regierung können die Angaben zu den energiepolitischen Präferenzen der Unternehmer verstanden werden. Die "konsequente Innovationsförderung im Bereich der erneuerbaren Energien" halten beispielsweise mit 81 Prozent deutlich mehr Befragte für einen wesentlichen Eckpfeiler eines künftigen Energiekonzepts als die "schnellstmögliche Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke", die 65 Prozent fordern.
Bei einer Beschreibung des Stimmungsbildes seiner Mitglieder belässt es der Präsident des Wirtschaftsrat freilich nicht. Dazu ist die Situation nach Angaben von Lauk zu dramatisch.
Derzeit würden in Deutschland 40 Millionen Steuerzahler genau so viele Transferleistungsbezieher unterstützen. Die Steuereinnahmen des Bundes reichten nicht einmal aus, um Sozialausgaben und Zinsen zu bezahlen, kritisiert Lauk. Dies sei in der Geschichte der Bundesrepublik eine historisch einmalige Situation. "In den nächsten zehn bis 15 Jahren stehen wir vor einer fundamentalen Umstrukturierung unserer Gesellschaft", so seine Schlussfolgerung. Noch vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen müsse die Bundesregierung deswegen deutlich machen, wie sie hier umsteuern wolle.
Spielraum für eine große Steuerstrukturreform mit einem Volumen von 40 bis 60 Milliarden Euro, wie sie einst im Wahlprogramm der FDP stand, sieht Lauk nicht. Von diesem Ziel allerdings haben sich ja auch die Liberalen längst verabschiedet. Die Beseitigung von Mittelstandsbauch und kalter Progression hält Lauk gleichwohl für dringend geboten. Eine Reform mit einem Volumen von zehn bis 20 Milliarden sei realistisch.
Um der Regierung die Arbeit zu erleichtern, hat der Wirtschaftsrat zudem eine Reihe von Einsparvorschlägen vorgelegt. 15 Milliarden könnten dem Gremium zufolge beispielsweise durch eine verbesserte Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs erwirtschaftet werden, bei den staatlichen Subventionen von jährlich 58 Milliarden Euro wird eine 20-Prozent-Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip empfohlen.
Wenig überzeugend ist dagegen die Behauptung, dass bei jenen 40 Milliarden, die der Staat für Hartz IV ausgibt, zehn Prozent durch die Bekämpfung von Missbrauch eingespart werden könnten. Schließlich liegt die offizielle Missbrauchsquote gerade mal bei etwas über einem Prozent.
Der Wirtschaftsrat fordert zudem die Einführung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes. Zu Mehreinnahmen soll das allerdings nicht führen. "Dabei handelt es sich um eine Steuerstrukturreform", sagt Lauk. Die Anhebung des ermäßigten Satzes solle demnach durch eine Senkung des generellen Satzes ausgeglichen werden. Steuererhöhungen oder die Einführung von Mindestlöhnen, die schließlich ebenfalls geeignet sein könnten, die beklagte Schieflage zu beheben, zieht der Wirtschaftsrat freilich nicht in Erwägung.
Bei aller Kritik an der Regierung gibt es zumindest für die Kanzlerin dann aber doch noch ein großes Lob. In der Debatte über die Hilfe für das bankrotte Griechenland vollführe Merkel eine "diplomatische Meisterleistung", findet Lauk. Dass sie trotz europäischer Kritik an ihrer harten Haltung festhalte, gefällt dem Unternehmervertreter. "Das ist unerhört, was sie hier leistet".
- Datum 24.03.2010 - 16:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Warum hat man die nicht gefragt? Da ist die Regierung bestimmt beliebter!
Parlamentarismus bedeutet Lobbyismus, damit muss schluss sein, es kann nicht weiter Politik für die wirtschaftliche Elite gemacht werden, während der Rest im Dreck verreckt!
und es wäre eine wirtschaftliche Elite. Die Zahl der jährlichen Konkurse spricht dagegen.
und es wäre eine wirtschaftliche Elite. Die Zahl der jährlichen Konkurse spricht dagegen.
... wird nach dieser Stellungnahme der "Klientel" aus dem Vorwurf der Klientelpolitik ???
Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.
Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.
Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.
Müssen die Unternehmen die Regierungskoalition darauf hinweisen, dass aus der Bekämpfung von Steuerbetrug, auch wenn sie hier explizit nur die Mehrwertsteuer anführen, beträchtliche Mehreinnahmen generiert werden können?
Bei der FDP hat man den Eindruck, dass zusätzliche Maßnahmen zur Einziehung aller fälligen Steuern nicht erwünscht sind.
So so, 64 Prozent der Befragten aus dem Wirtschaftsrat der CDU bewerten die CDU "von allen" Koalitionsparteien am besten.
Wow. Als ich das las, mußte ich mich erst mal setzen.
Ob vielleicht Mitglieder der FDP die FDP am besten finden, solche der Grünen die Grünen -- und (kühner Gedanke) Linke die Linke?
Ist da vielleicht sogar eine Gesetzmäßigkeit zu erkennen?
Mehr Befragungen müssen her, und dann mehr Artikel in der Zeit darüber:)
......als "bürgerliche Partei" war. "
Erstaunlich, dass sie das erst jetzt zu registrieren scheinen. Immerhin sind die Volksparteien schon seit langer Zeit sehr weit links und eher etatistisch.
Schwarz-Gelb hat bisher nicht viel auf den Weg gebracht. Diese ständige Streiterei führt zu nichts. Maßgebend für die Politik ist der Koalitionsvertrag, und an den müssen sich die Koalitionsparteien halten, ob es ihnen nun schmeckt oder nicht.
Es ist aber auch zu beachten, dass sowohl Rot-Grün als auch die Große Koalition recht viel Mist hinterlassen haben, den es aufzuarbeiten gilt. Das macht die Sache nicht einfacher. Dennoch: Die Bürger warten darauf, das die Regierungsparteien endlich mit ihrer Arbeit beginnen. Dafür sind sie gewählt worden und an den Ergebnissen müssen sie sich messen lassen. Immer nur auf die nächste Wahl zu schielen, ist keine Lösung, denn Wahlen sind alle paar Monate.
Sollte die Schere noch weiter aufgehen zwischen Arm und
Reich werden hier Zustände herrschen wie Anfang der dreis-
siger Jahre,der soziale Frieden wird sich in Deutschland
erkauft und sollte es Streichungen geben,wird mancher hier
noch Dumm gucken,denn die Armen sind in der Überzahl und
da nützen den Reichen auch keine angeheuerten Söldner,die
sie schon heute beschützt!Gerecht gestrichen wird sowieso
nicht,denn der Reiche hat heute beim Kindergeld und Steuer-
senkungen schon mehr Geld als ein Armer,der keine Steuer
bezahlt,ausserdem mit dem Rasenmäher alles kürzen wird
auch viele Reiche gegen die Regierung aufbringen,die Sub-
ventionen für ihre Firmen beziehen und das durch Spenden
an die jeweilige Partei zu verhindern wissen.Der Arme hat
kein Geld und keine Lobby,also der Dumme sein!
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