Studie des CDU-Wirtschaftsrates Schwarz-Gelb frustriert seine KernklientelSeite 2/2

Bei einer Beschreibung des Stimmungsbildes seiner Mitglieder belässt es der Präsident des Wirtschaftsrat freilich nicht. Dazu ist die Situation nach Angaben von Lauk zu dramatisch.

Derzeit würden in Deutschland 40 Millionen Steuerzahler genau so viele Transferleistungsbezieher unterstützen. Die Steuereinnahmen des Bundes reichten nicht einmal aus, um Sozialausgaben und Zinsen zu bezahlen, kritisiert Lauk. Dies sei in der Geschichte der Bundesrepublik eine historisch einmalige Situation. "In den nächsten zehn bis 15 Jahren stehen wir vor einer fundamentalen Umstrukturierung unserer Gesellschaft", so seine Schlussfolgerung. Noch vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen müsse die Bundesregierung deswegen deutlich machen, wie sie hier umsteuern wolle.

Spielraum für eine große Steuerstrukturreform mit einem Volumen von 40 bis 60 Milliarden Euro, wie sie einst im Wahlprogramm der FDP stand, sieht Lauk nicht. Von diesem Ziel allerdings haben sich ja auch die Liberalen längst verabschiedet. Die Beseitigung von Mittelstandsbauch und kalter Progression hält Lauk gleichwohl für dringend geboten. Eine Reform mit einem Volumen von zehn bis 20 Milliarden sei realistisch.

Um der Regierung die Arbeit zu erleichtern, hat der Wirtschaftsrat zudem eine Reihe von Einsparvorschlägen vorgelegt. 15 Milliarden könnten dem Gremium zufolge beispielsweise durch eine verbesserte Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs erwirtschaftet werden, bei den staatlichen Subventionen von jährlich 58 Milliarden Euro wird eine 20-Prozent-Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip empfohlen.

Wenig überzeugend ist dagegen die Behauptung, dass bei jenen 40 Milliarden, die der Staat für Hartz IV ausgibt, zehn Prozent durch die Bekämpfung von Missbrauch eingespart werden könnten. Schließlich liegt die offizielle Missbrauchsquote gerade mal bei etwas über einem Prozent.

Der Wirtschaftsrat fordert zudem die Einführung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes. Zu Mehreinnahmen soll das allerdings nicht führen. "Dabei handelt es sich um eine Steuerstrukturreform", sagt Lauk. Die Anhebung des ermäßigten Satzes solle demnach durch eine Senkung des generellen Satzes ausgeglichen werden. Steuererhöhungen oder die Einführung von Mindestlöhnen, die schließlich ebenfalls geeignet sein könnten, die beklagte Schieflage zu beheben, zieht der Wirtschaftsrat freilich nicht in Erwägung.

Bei aller Kritik an der Regierung gibt es zumindest für die Kanzlerin dann aber doch noch ein großes Lob. In der Debatte über die Hilfe für das bankrotte Griechenland vollführe Merkel eine "diplomatische Meisterleistung", findet Lauk. Dass sie trotz europäischer Kritik an ihrer harten Haltung festhalte, gefällt dem Unternehmervertreter. "Das ist unerhört, was sie hier leistet".
 

 
Leser-Kommentare
    • tuxman
    • 24.03.2010 um 15:56 Uhr

    Warum hat man die nicht gefragt? Da ist die Regierung bestimmt beliebter!

    Parlamentarismus bedeutet Lobbyismus, damit muss schluss sein, es kann nicht weiter Politik für die wirtschaftliche Elite gemacht werden, während der Rest im Dreck verreckt!

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    und es wäre eine wirtschaftliche Elite. Die Zahl der jährlichen Konkurse spricht dagegen.

    und es wäre eine wirtschaftliche Elite. Die Zahl der jährlichen Konkurse spricht dagegen.

    • xpol
    • 24.03.2010 um 16:21 Uhr

    ... wird nach dieser Stellungnahme der "Klientel" aus dem Vorwurf der Klientelpolitik ???

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    • xtc
    • 24.03.2010 um 16:30 Uhr

    Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.

    • xtc
    • 24.03.2010 um 16:30 Uhr

    Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.

    • xtc
    • 24.03.2010 um 16:30 Uhr

    Auch schlechte Klientelpolitik ist Klientelpolitik.

    Antwort auf "Und was ..."
  1. Müssen die Unternehmen die Regierungskoalition darauf hinweisen, dass aus der Bekämpfung von Steuerbetrug, auch wenn sie hier explizit nur die Mehrwertsteuer anführen, beträchtliche Mehreinnahmen generiert werden können?
    Bei der FDP hat man den Eindruck, dass zusätzliche Maßnahmen zur Einziehung aller fälligen Steuern nicht erwünscht sind.

  2. So so, 64 Prozent der Befragten aus dem Wirtschaftsrat der CDU bewerten die CDU "von allen" Koalitionsparteien am besten.

    Wow. Als ich das las, mußte ich mich erst mal setzen.

    Ob vielleicht Mitglieder der FDP die FDP am besten finden, solche der Grünen die Grünen -- und (kühner Gedanke) Linke die Linke?
    Ist da vielleicht sogar eine Gesetzmäßigkeit zu erkennen?

    Mehr Befragungen müssen her, und dann mehr Artikel in der Zeit darüber:)

    • joG
    • 24.03.2010 um 17:17 Uhr

    ......als "bürgerliche Partei" war. "

    Erstaunlich, dass sie das erst jetzt zu registrieren scheinen. Immerhin sind die Volksparteien schon seit langer Zeit sehr weit links und eher etatistisch.

  3. Schwarz-Gelb hat bisher nicht viel auf den Weg gebracht. Diese ständige Streiterei führt zu nichts. Maßgebend für die Politik ist der Koalitionsvertrag, und an den müssen sich die Koalitionsparteien halten, ob es ihnen nun schmeckt oder nicht.
    Es ist aber auch zu beachten, dass sowohl Rot-Grün als auch die Große Koalition recht viel Mist hinterlassen haben, den es aufzuarbeiten gilt. Das macht die Sache nicht einfacher. Dennoch: Die Bürger warten darauf, das die Regierungsparteien endlich mit ihrer Arbeit beginnen. Dafür sind sie gewählt worden und an den Ergebnissen müssen sie sich messen lassen. Immer nur auf die nächste Wahl zu schielen, ist keine Lösung, denn Wahlen sind alle paar Monate.

  4. Sollte die Schere noch weiter aufgehen zwischen Arm und
    Reich werden hier Zustände herrschen wie Anfang der dreis-
    siger Jahre,der soziale Frieden wird sich in Deutschland
    erkauft und sollte es Streichungen geben,wird mancher hier
    noch Dumm gucken,denn die Armen sind in der Überzahl und
    da nützen den Reichen auch keine angeheuerten Söldner,die
    sie schon heute beschützt!Gerecht gestrichen wird sowieso
    nicht,denn der Reiche hat heute beim Kindergeld und Steuer-
    senkungen schon mehr Geld als ein Armer,der keine Steuer
    bezahlt,ausserdem mit dem Rasenmäher alles kürzen wird
    auch viele Reiche gegen die Regierung aufbringen,die Sub-
    ventionen für ihre Firmen beziehen und das durch Spenden
    an die jeweilige Partei zu verhindern wissen.Der Arme hat
    kein Geld und keine Lobby,also der Dumme sein!

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