Zukunft der Demokratie Akademiker, geht in die Politik!Seite 2/2

Wie aber lässt sich wenigstens in den gegebenen Grenzen beraten? Auch für einen Wissenschaftler gibt es schließlich Grenzen. Er gerät als Berater mit seinem Ethos des unabhängigen Forschers und gründlichen Denkers in Konflikt. Er taugt nur dann zur Beratung, wenn er die Eigeninteressen des zu Beratenden am Erwerb oder der Bewahrung von Macht anerkennt. Denn er findet nur Gehör, wenn er Sachfragen und Machtfragen zu verknüpfen weiß. Er muss wissen, wie es im politischen Geschäft zugeht, muss die Winkelzüge des politischen Prozesses reflektieren.

Man ist dann nicht mehr einfach Wissenschaftler. Man steht mit einem Fuß schon in der Politik, denkt mit anderen Personen, oft ohne wissenschaftlichen Hintergrund, darüber nach, wie man Mehrheiten sammelt, um das – vielleicht durchaus seriös wissenschaftlich begründete – Vorhaben gegen die Projekte der "anderen" durchzubekommen. Fast unvermeidbar ist dabei ein Stück Identifikation. Ist dem Berater die Mentalität des zu Beratenden (und seiner politischen Formation) gänzlich fremd, dann wird sich daraus keine gedeihliche Beziehung entwickeln.

Leicht ist wissenschaftliche Politikberatung also nicht. Denn inzwischen handelt es sich gar nicht mehr um ein Zwiegespräch der beiden "Systeme" "Politik" und "Wissenschaft". Als dritte Figur spielen noch die "Medien" mit, die ebenfalls eine innere Logik haben, die nicht den Kernanliegen und Rahmenbedingungen von Wissenschaft und Politik entspricht. Gerade sie verfahren selektiv mit Expertenwissen, verwenden vor allem die rasch zu dramatisierenden Thesen der Forschung. Das Thema wechseln sie noch schneller als die Politik.

Deshalb fürchten Wissenschaftler die Politikberatung. Im Grunde teilen die meisten die Ansicht, dass es besser sei, die Hände von der Politik und den Medien zu lassen. Aber kann ein Politikwissenschaftler wirklich das Feld meiden, in dem Meinungen sich bilden, Debatten erfolgen, Entscheidungen vorbereitet werden, also Politik gemacht wird? Wie will er seine Studierenden, die sich ja in ihren Praktika bereits als Vorbereitung für den Beruf in Fraktionen, Ministerbüros, Redaktionen oder Verbänden begeben, adäquat ausbilden, wenn er von all diesen Tätigkeitsräumen buchstäblich nicht die geringste Ahnung hat?

 
Leser-Kommentare
  1. Meinen Sie hauptsächlich Juristen,Politologen und Pädagogen?

    Ich dachte immer mittlerweile haben wir genug von ihnen im Parlament, vorallem von denen die mit ihren Abstimmunggen im Bundestag und-rat anschließen, nachdem teilweise großer murks damit verursacht wurde auch noch politisch und privat an der Behebung der entstandenen Probleme, die diese eben selber verursacht haben, sehr gut verdienen.

    So jetzt aber ertmal den Artikel lesen um ggf. die Kritik noch auszubauen!

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    Die Realtität lehrt für Naturwissenschaftler im Bezug zur Politik:

    1. Für Politiker ist Rechtssichheit und Schutz vor entsprechender Verfolgung Primärziel. Rest egal.

    2. Du bist mit deinem Fachwissen nur gefragt, wenn sich dieses passend instrumentalisieren läßt.

    3. Du darfst Keinen durch Hintergundinformationen verstören.

    4. Egal wozu Du dich äußerst, schreibe allgemein gehalten (werde ev. weiterbeschäftigt)oder politikerinterpretationsfest (suche dir andere Arbeit).

    MfG

    Karl Müller

    Die Realtität lehrt für Naturwissenschaftler im Bezug zur Politik:

    1. Für Politiker ist Rechtssichheit und Schutz vor entsprechender Verfolgung Primärziel. Rest egal.

    2. Du bist mit deinem Fachwissen nur gefragt, wenn sich dieses passend instrumentalisieren läßt.

    3. Du darfst Keinen durch Hintergundinformationen verstören.

    4. Egal wozu Du dich äußerst, schreibe allgemein gehalten (werde ev. weiterbeschäftigt)oder politikerinterpretationsfest (suche dir andere Arbeit).

    MfG

    Karl Müller

  2. ... ganz guter Artikel, beim Aufmacher war ich noch etwas sekptisch. Leider bietet er letztlich auch nicht viel mehr als eine Situationsbeschreibung, verbunden mit der ziemlich albernen Aufforderung, Politikwissenschaftler sollten sich mehr mit realer Politik beschäftigen (zumindest kam das bei mir so an).

    Als ob das was verbessern würde, als ob Politikwissenschaftler bessere Antworten auf die dringenden gesellschaftlichen Fragen haben und deren Anwesenheit irgendeinen Politiker dazu bewegen würde weniger populistisch, opportunistisch und korrupt zu handeln.

    Das ist auch nicht ein Problem von Deutschland. Das Problem liegt in der Eigendynamik jeder repr. "Demokratie", die politische Klasse bildet darin eigene Milieus, eigene Sachzwänge, eigene Vorstellungen von politischer Karriere und "guter" Politik. Das allein ist schon schlimm genug, verstärkt wird das durch den Fettring an interessengeleiteten "Beratern" jeder Art, die mittlerweile ganz selbstverständliche Korruption (Sitz in x verschiedenen Aufsichtsräten und Gremien, lukrative Berater und Vortragsvereinbareungen etc). unserer Mandatsträger.

    Das einzige was dieses System nachhaltig verbessern könnte ist daher eine basisdemokratische "Erdung" per Volksentscheid. Sozusagen eine Rückkopplung, ob die (angebliche) demokratische Legitimation durch die Wahl sich in der Realität auch in abstimmungsfähigen bürgernahen Gesetzen niederschlägt, statt sich in Aktionismus, Selbstbedienung und Mediengeilheit zu erschöpfen.

  3. ... das diese beiden Bereiche gut zusammenpassen. Die Politik ist doch nicht an objektiven Fakten interessiert, sondern eher an solchen, die Wahlen gewinnen. Und solange sich die Politik lieber der Wirtschaft anbiedert, weil dort hoch dotierte Positionen winken, wird man lange darauf warten können, dass hier mit der Wissenschaft - wohl allen voran den Sozio- und Politologen - gearbeitet wird.

  4. Beim zweiten dann die Frage: Wie stellt sich Herr Walter das konkret vor? Stellt er doch schon in der einleitenden Beschreibung fest, das ein entsprechender (und zudem heiß umkämpfter) Markt bereits existiert. Was soll dann seiner Meinung nach geändert werden? Soll das Angebot noch breiter werden (ironisch gesagt: auf dass sich noch mehr akademisches Prekariat in Berlin herumtreibe)? Oder ist der Artikel eher als eine getarnte Werbung für junge Akademiker zur Mitarbeit innerhalb der Parteien zu verstehen? Das wäre einleuchtender; doch genau hierfür zeigt Herr Walter keine Perspektiven auf. Das kann er also eigentlich auch nicht gemeint haben?

    Aber: Was dann?

  5. haben wir doch nun sattsam genug in politischen Positionen -vor allem Juristen, die immer dafür sorgen, daß in Gesetzen auch die Schlupflöcher sind. - Akademiker sind nicht als solche schon gereifte Menschen. - Ich habe den Eindruck, daß sich in der Politik überwiegend die Menschen tummeln, die ansonsten in einem Beruf nicht allzuviel geschafft hätten und somit die Hilfe von Seilschaften und Rhetorik um der Rhetorik willen nutzen.

  6. Die Realtität lehrt für Naturwissenschaftler im Bezug zur Politik:

    1. Für Politiker ist Rechtssichheit und Schutz vor entsprechender Verfolgung Primärziel. Rest egal.

    2. Du bist mit deinem Fachwissen nur gefragt, wenn sich dieses passend instrumentalisieren läßt.

    3. Du darfst Keinen durch Hintergundinformationen verstören.

    4. Egal wozu Du dich äußerst, schreibe allgemein gehalten (werde ev. weiterbeschäftigt)oder politikerinterpretationsfest (suche dir andere Arbeit).

    MfG

    Karl Müller

    Antwort auf "Frage an Hr. Walter!"
    • Ranjit
    • 23.04.2010 um 14:42 Uhr

    Ich persönlich denke, dass Wissenschaft und Politik nur schwer harmonieren. Politik ist an sogfältigen, differenzierten Betrachtungsweisen nicht interessiert. Eher geht es darum, sich von Wissenschaftlern das Mäntelchen der unanfechtbaren wissenschaftlichen Autorität umhängen zu lassen. Aus Meinungen und Positionen werden Naturgesetze. Sobald die Medien mitspielen wird es noch verstrickter. Wissenschaft überlebt unter diesen Bedingungen nicht.

    Jedoch ist es auch nicht mehr nötig, Politiker in Geheimratsmanier zu beraten und den Medien freie Hand zu lassen, beim verstümmeln der eigenen Ergebnisse. Stattdessen sollte Wissenschaft sowohl Politik und die traditionellen Medien umgehen und sich in Bestrebungen für Transparenz und freien Zugang zu Wissen und Daten engagieren. Warum denn Politiker XY mit Wissen ausstatten und nicht die Bevölkerung selbst? Warum denn mit schlechten Artikeln leben anstatt die eigene Forschung frei zugänglich zu Veröffentlichen?

    Das Volk muss wieder lernen selbst zu sehen, denken und zu entscheiden. Wissenschaftler können hier entweder eine Vorreiterrolle einnehmen oder sich an das sinkende Schiff des opportunistischen Politik-Medien-Komplexes zu ketten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...gut gebrüllt.

    "Stattdessen sollte Wissenschaft sowohl Politik und die traditionellen Medien umgehen und sich in Bestrebungen für Transparenz und freien Zugang zu Wissen und Daten engagieren."

    Zustimmung, nur: ist Wissenschaft nicht auch zunehmend kommerziell durchorganisiert und abhängig? Picken sich die Medien nicht ohnehin nur das raus, was ihnen passt?

    "Warum denn Politiker XY mit Wissen ausstatten und nicht die Bevölkerung selbst?"

    Weil wir nicht in einer Demokratie leben, das Volk hat in D nichts zu melden. Man darf sich hier lediglich zwischen mehreren Machtblöcken entscheiden, deren wahre Ziele maximal flexibel sind und bestens verschleiert. Was nützt es z.B. gegen den Euro zu sein, oder gegen den Afg.krieg, wenn man dann nicht gefragt wird und das Thema in der Wahl (noch) keine Rolle spielte?

    "Das Volk muss wieder lernen selbst zu sehen, denken und zu entscheiden."

    "Das Volk" trifft täglich millionenfach Entscheidungen, nur bei den eigenen Gesetzen darf es nicht mitreden, da darf es nur schweigen und zahlen und im Extremfall sich mal auf der Straße Luft machen, in der vagen Hoffnung die Adressaten verstehen die Botschaft.

    Deine Vision ist ja durchweg positiv, nur fürchte ich, wirklich realistisch ist sie nicht.

    ...gut gebrüllt.

    "Stattdessen sollte Wissenschaft sowohl Politik und die traditionellen Medien umgehen und sich in Bestrebungen für Transparenz und freien Zugang zu Wissen und Daten engagieren."

    Zustimmung, nur: ist Wissenschaft nicht auch zunehmend kommerziell durchorganisiert und abhängig? Picken sich die Medien nicht ohnehin nur das raus, was ihnen passt?

    "Warum denn Politiker XY mit Wissen ausstatten und nicht die Bevölkerung selbst?"

    Weil wir nicht in einer Demokratie leben, das Volk hat in D nichts zu melden. Man darf sich hier lediglich zwischen mehreren Machtblöcken entscheiden, deren wahre Ziele maximal flexibel sind und bestens verschleiert. Was nützt es z.B. gegen den Euro zu sein, oder gegen den Afg.krieg, wenn man dann nicht gefragt wird und das Thema in der Wahl (noch) keine Rolle spielte?

    "Das Volk muss wieder lernen selbst zu sehen, denken und zu entscheiden."

    "Das Volk" trifft täglich millionenfach Entscheidungen, nur bei den eigenen Gesetzen darf es nicht mitreden, da darf es nur schweigen und zahlen und im Extremfall sich mal auf der Straße Luft machen, in der vagen Hoffnung die Adressaten verstehen die Botschaft.

    Deine Vision ist ja durchweg positiv, nur fürchte ich, wirklich realistisch ist sie nicht.

  7. Das Juristenmonopol in der deutschen Verwaltung ist ja nun gemein bekannt.
    Um für frischen Wind zu sorgen und die Brücke zwischen Politik und Wissenschaft zu schließen, treten neue Studiengänge in Deutschland an. Zu nennen sind insbesondere Public Policy Studiengänge, wie zum Beispiel an der Willy Brandt School der Universität Erfurt. Deren Ziel ist es, neben der Befähigung zur Arbeit in politischen oder internationalen Organisationen, Studenten an das Berufsfeld der Politikberatung heranzuführen.

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