Ausrüstungsdebatte Regierung will Leopard 2 in der Garage lassen

Bietet er Schutz für die Soldaten in Afghanistan oder steht er für Besatzung? In Berlin ist der Streit um den Einsatz des Leopard 2 am Hindukusch voll entbrannt.

Er bringt fast 62 Tonnen Kampfgewicht auf die Waage. Ihn bringen selbst Minen nicht aus dem Gleichgewicht. Er gilt als einer der modernsten seiner Art. Und er sorgt im politischen Berlin für Streit: Der Leopard 2 A6 ist der Standardpanzer der Bundeswehr, er hat laut Angaben des Heeres eine hohe Feuerkraft und einen effektiven Schutz gegen Sprengsätze. Im gefährlichsten Einsatz der deutschen Streitkräfte findet das stählerne Ungetüm jedoch keine Verwendung: In Afghanistan verzichtet die Bundeswehr bislang auf den Leopard-2-Panzer und ebenso auf die Panzerhaubitze 2000. Nun fordern Politiker diese beiden Waffentypen am Hindukusch einzusetzen.

Der Streit um die richtige Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan ist damit auf dem Höhepunkt angelangt. Nach einem mehrstündigen Gefecht bei Kundus am Karfreitag, in dem drei deutsche Soldaten fielen, prangerten der Wehrbeauftragte des Bundestages sowie Verteidigungspolitiker das vermeintlich nicht ausreichende Material der Bundeswehr und die schlechte Ausbildung der Soldaten an. Im aktuellen Weißbuch zur Sicherheitspolitik heißt es: "Soldatinnen und Soldaten im Einsatz haben Anspruch auf bestmöglichsten Schutz". Wie dieser Schutz aussehen kann, ist nun wie nach fast jedem tödlichen Angriff auf deutsche Soldaten in der Diskussion.

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Die Bundesregierung bemüht sich nach Kräften, dass die Männer und Frauen der Bundeswehr die bestmöglichste Ausbildung und Ausrüstung erhalten

Außenminister Guido Westerwelle

Außenminister Guido Westerwelle kündigte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin an, dass das Kabinett sich mit der Ausrüstung der Bundeswehr beschäftigen werde. Er sei kein Militärexperte, sagte er und äußere sich deswegen nicht zu einzelnen Detailfragen. "Die Bundesregierung bemüht sich nach Kräften, dass die Männer und Frauen der Bundeswehr die bestmöglichste Ausbildung und Ausrüstung erhalten", sagte Vizekanzler Westerwelle. Bislang schließt die Bundesregierung einen Einsatz des Leopard 2 in Afghanistan generell aus.

"Die Ausrüstung unserer Einsatzkräfte ist im internationalen Vergleich als gut zu bezeichnen", sagte auch Ernst-Reinhard Beck, verteidigungspolitischer Sprecher der Union im Bundestag. "Unsere Soldatinnen und Soldaten bekommen, was sie brauchen."

Fallschirmjäger hatten daran in der Vergangenheit durchaus Zweifel. Die getöteten Soldaten gehörten dem Fallschirmjägerbataillion 373 aus Seedorf in Niedersachsen an. Sie hatten den Auftrag, nach so genannten IEDs, Improvised Explosive Device – improvisierte Sprengsätze, zu suchen und zu entschärfen. Mit solchen Sprengfallen versuchen die Taliban ausländische und afghanische Patrouillen zu töten. Der Schutz vor IEDs für die deutschen Soldaten sei zu schwach, sagen nun viele Politiker. Die Bundeswehr weist die Kritik zurück.

Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er einen deutsche Patrouille angreift

Hellmut Königshaus im Tagesspiegel

Der designierte Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, fordert nun den Einsatz von Leopard-2-Panzern am Hindukusch. "Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er einen deutsche Patrouille angreift", sagte Königshaus im Tagesspiegel. Das Argument, dass das schwere Kettenfahrzeug im afghanischen Gebirge mit engen Straßen und wackeligen Brücken nicht einsetzbar sei, lässt der FDP-Politiker nicht gelten. Das häufig attackierte Feldlager Kundus liege in einer Hochebene. "Dort könnte dieser moderne Kampfpanzer Leben schützen", sagte Königshaus. "Er ist besser gegen Minen geschützt als der Marder oder der Dingo."

Für Nordafghanistan bezweifeln erfahrene Soldaten allerdings den Nutzen des Panzers. "Wer den Einsatz von Leopard-2-Panzern fordert, hat vom Einsatz vor Ort wenig Ahnung", sagt Robert Sedlatzek-Müller. Der Fallschirmjäger war bisher drei Mal in Afghanistan eingesetzt und wurde 2002 dort verwundet. Er sagt, dass das schwere Fahrzeug weder über die Brücken in der Region komme noch in den engen Städten und Dörfern agieren könne, ohne die aus Lehm errichteten Häuser und Hütten zu zerstören.

Leser-Kommentare
  1. Das ist das wahre Problem mit der Bundeswehr in Afghanistan: Man will zwar bleiben, aber Krieg will man auch nicht. So wird dann Ausrüstung abgelehnt, weil sie "zu sehr nach Krieg aussieht" oder ein "falsches Signal an die Bevölkerung sendet". Die Quittung dieser halbherzigen und inkonsequenten Handlungsweise kommt dann natürlich postwendend.

    Abgesehen davon sollte die Bundeswehr aufhören, ihre Fahrzeuge nach völlig unpassenden Tieren zu benennen, dies ist nämlich außerordentlich lächerlich.

    • ribera
    • 07.04.2010 um 21:45 Uhr

    Warum dann Deutschland nicht auch?
    Eine andere Frage ist, welchen Sinn Patrouillen machen, wenn man sich schon 15 Km außerhalb des Lagers nur noch unter Panzervollschutz bewegen kann. Da kann man kaum noch davon sprechen, dass man die Region unter Kontrolle hat.
    Dafür bräuchte man viel mehr, vermutlich Millionen von Soldaten.
    Dazu aber sind die Alliierten, auch Deutschland, nicht bereit.
    Wenn aber das Land mit den vorhandenen Mitteln nicht kontrolliert werden kann, welche Aussicht auf Erfolg hat die Mission dann noch? - Keine!! Deshalb kann nur ein zügiger Abzug die logische Konsequenz sein.

    • xpol
    • 07.04.2010 um 22:27 Uhr

    Die Erfahrung hat doch nun gezeigt, dass was nicht zwischen 30 und 60 Tonnen wiegt keinen ausreichenden Schutz bietet.

    Und sowas sieht dann eben auch nach einer Menge Eisen aus.
    Deshalb auf den Schutz verzichten???

    Vorschlag: Blümchen draufmalen!

    • A-Z
    • 07.04.2010 um 22:31 Uhr

    Wenn es eine nationale Meisterschaft für Kompetenzfreiheit aller bisherigen deutschen Regierungen gäbe, wäre diese wohl "Deutscher Meister"!

    Mir ist unbegreiflich wieso Politiker, deren Kampfeinsatz ausschließlich auf das Abwimmeln von Reportern beschränkt bleibt, sich nicht von Fachleuten sagen lassen, was effektiv zu tun ist. Ein Zivilist in ähnlicher Situation hätte wohl längst ein Strafverfahren wegen "unterlassener Hilfeleistung" anhängig.

    Es scheint, als wolle die Regierung mit den durchaus vorhandenen Waffensystemen allenfalls NATO-Richtlinien erfüllen, die aber jetzt im Ernstfall das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Auch gewinnt man langsam den Eindruck, als wenn der "Totalverlust" einiger Soldaten für unsere Regierung annehmbarer ist, als der Verlust millionenschwerer Waffensysteme!

    Der Vorwurf einer "Besatzung" ist völliger Blödsinn. Die Taliban mögen das so empfinden, was aber wohl keine Rolle spielen sollte; die Zivilbevölkerung schüttelt eher im Moment den Kopf über Deutsche, gerade weil sie nicht fähig scheinen zu Beschützen - weder sich selbst und schon gar nicht die Bevölkerung. Das ständige Gerede vom "planmäßigen Abzug" trägt sein Übriges zur kollektiven Verwirrung bei, sowohl auf Seite der Soldaten als auch bei der afghan. Zivilbevölkerung.

    Fehlt nur noch ein geistreicher Westerwelle-Vorschlag für einen Ausbau der Polizei. Die könnten dann diejenigen verhaften, die das Aussteigergeld nahmen und dann doch wieder (Hobby-) Taliban wurden!?

    • etm
    • 07.04.2010 um 22:39 Uhr

    Meine Güte, die Bundeswehr ist als Einsatzarmee nicht erntzunehmen, und anscheinend liegt das nicht nur an den Politikern, sondern auch an der Bundeswehrführung.

    Ich erinnere an die Schlacht von Mogadischu ("Black Hawk Down"), wo die US-Soldaten auch aus P.C.-Gründen kein schweres Gerät hatten, und als es zu besagter Schlacht kam, mussten sie auf dasjenige der pakistanischen UN-Soldaten zurückgreifen - was etliche US-Soldaten das Leben kostete.

    Wenn man Soldaten in den Kampf schickt, gibt man ihnen alles was man hat, auch wenn sie es nur im Notfall (gestaffelt - Eskalationsstufen) einsetzen dürfen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • A-Z
    • 07.04.2010 um 23:01 Uhr

    In Somalia forderte die Militärführung unter General Montgomery sehr wohl schwer-gepanzerte Fahrzeuge an. Lediglich die Regierung verweigerte das angeforderte Material!

    Clinton, gerade neu im Amt, wollte "keine Fehler" machen. Unter Bush 41 hätte es wohl eine andere Entscheidung gegeben.

    Das Desaster dieses einen Tages aber zeigt überdeutlich was passiert, wenn Entscheidungen von Leuten getroffen werden, die nicht die geringste Ahnung von ihrem Tuhen haben -

    oder aber:

    Wenn das "Wohlbefinden" des zu befreienden Volkes politisch höher bewertet wird als das Leben und die (zumindest) körperliche Unversehrtheit der eigenen Soldaten, verliert der Einsatz seine Legitimation!

    • A-Z
    • 07.04.2010 um 23:01 Uhr

    In Somalia forderte die Militärführung unter General Montgomery sehr wohl schwer-gepanzerte Fahrzeuge an. Lediglich die Regierung verweigerte das angeforderte Material!

    Clinton, gerade neu im Amt, wollte "keine Fehler" machen. Unter Bush 41 hätte es wohl eine andere Entscheidung gegeben.

    Das Desaster dieses einen Tages aber zeigt überdeutlich was passiert, wenn Entscheidungen von Leuten getroffen werden, die nicht die geringste Ahnung von ihrem Tuhen haben -

    oder aber:

    Wenn das "Wohlbefinden" des zu befreienden Volkes politisch höher bewertet wird als das Leben und die (zumindest) körperliche Unversehrtheit der eigenen Soldaten, verliert der Einsatz seine Legitimation!

  2. Der Leo wurde doch nur mit Steuergeldern gebaut, um die Waffenlobby und die Waffenschmiede, Kraus Maffei und Diehl, noch reicher zu machen. Der effektive Schutz der Bundeswehrstandorte in AFG ist der Regierung und den Bundestagsmitgliedern doch egal. Schade, dass nicht ihre Söhne und Töchter dort Dienst verrichten für den sog. Frieden am Hindukusch, die Versager der letzten drei Verteidigungsminister steigerten sich mit ihren Aussprüchen emotional ins Abseits. Als Bundeswehrsoldat in AFG gibt es nur noch eines, zuerst schießen und dann fragen, das ist die Taktik gegen Heckenschützen. Das ist mein guter Rat und lasst Euch nicht von den Grüntischanwälten in Verwirrung bringen

    • Lyaran
    • 07.04.2010 um 22:47 Uhr

    Manche Kommentatoren sollten erstmal den Artikel richtig lesen bevor sie sich hier aufregen. Wenn erfahrene Soldaten vor Ort meinen das ein schwerer Panzer in dem Gebiet in dem die deutschen Truppen operieren nicht eingesetzt werden kann, höchstens in der Nähe des Lagers sollte man das vielleicht zur Kenntnis nehmen.
    Auch interessant woher hier einige Kommentatoren wissen was die "afghanische Bevölkerung" denkt.
    Das sich der Einsatz von Hubschraubern allerdings solange hinzieht ist ein Armutszeugnis der Ingenieure, da hätte man ja wohl mehr erwarten können. Es ist ja nicht so dass die deutschen Soldaten erst gestern dort im Einsatz sind.
    Auch eine bessere Ausbildung kann nicht schaden denke ich. Zwar sollte die Armee eine reine Verteidigungsarmee sein aber wenn das deutsche Volk so versessen darauf ist im Ausland Menschen für die "gute Sache" zu töten sollten die Soldaten entsprechend ausgebildet sein.
    Das alles hilft natürlich nicht wenn man nicht weiss wer Freund und wer Feind ist. Es gibt vielleicht einen Grund warum alle militärischen Eingriffe in diesem Land bisher scheiterten. Aber das waren bestimmt alles Versager und wir machen es besser.....

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