Die Stützungsmaßnahmen in Höhe von 100 bis 120 Milliarden Euro sollen über drei Jahre laufen, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nach einer Unterrichtung der Bundestagsfraktionen durch die Chefs von Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, Dominique Strauss-Kahn, und Jean-Claude Trichet. Beide waren zu Gesprächen nach Berlin gekommen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach gar von insgesamt 135 Milliarden Euro. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte, für Deutschland gehe es damit um einen Betrag von bis zu 25 Milliarden.

Deutschland hat unter den EU-Staaten den größten Anteil der Kredithilfe für Griechenland übernommen, 8,4 Milliarden sollen es allein in diesem Jahr sein. Derzeit handelt der Bund mit EU, Zentralbank und Währungsfonds Details und Bedingungen der Hilfe aus. Griechenland präzisiert derzeit sein Sparprogramm, mit dem es sein Staatsdefizit senken und die Überschuldung beseitigen will.

Griechenland solle de facto für drei Jahre vom Finanzmarkt genommen werden, gab Trittin den Plan von EZB und Währungsfonds wieder.Die Situation sei "dramatisch, aber nicht unkontrollierbar", sagte Oppermann nach dem Treffen im Bundesfinanzministerium.

Dass die Regierung in Athen mehr Kredithilfe als bisher bekannt benötigt, verlautete bereits aus Koalitionskreisen in Berlin. Eine kleine Kabinettsrunde unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch in Berlin über das weitere Vorgehen in der Griechenland-Krise beraten. Zudem gab es Gespräche mit Trichet und Strauss-Kahn.

In einer Diskussion machte die Bundesregierung ihre Position bereits klar: Ungeachtet entsprechender Forderungen aus allen Fraktionen lehnte sie eine Beteiligung von Banken an den Griechenland-Hilfen ab. Merkel teile die Position von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dass bei diesem Paket die Banken nicht beteiligt werden sollten, sagte eine Regierungssprecherin.

Das Finanzministerium widersprach zudem Befürchtungen, Portugal oder Spanien könnten in ähnliche Notlage wie Griechenland geraten. Die beiden Länder seien in keiner vergleichbaren Situation, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Am Montag will sich das Kabinett zu einer Sondersitzung treffen. Die Regierung hat inzwischen einen Krisenstab eingerichtet.

Am späten Nachmittag wollte sich Merkel noch mit den Chefs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation WTO treffen.

Bisher wollen die Euroländer – wenn Griechenland strenge Auflagen erfüllt – 2010 bis zu 30 Milliarden Euro Kredite geben, davon soll Deutschland 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Der Internationale Währungsfonds soll bis zu 15 Milliarden beisteuern. Die Financial Times hatte berichtet, der IWF sei angesichts der akuten Pleitegefahr Griechenlands bereit, seinen Anteil um zehn Milliarden Euro aufzustocken. Die Bundesregierung halte für denkbar, dass die Hilfen aufgestockt würden. Entsprechende Signale habe es in den vergangenen Tagen aus dem Umfeld des IWF gegeben, hieß es. Die spanische EU-Ratspräsidentschaft sprach sich ebenfalls für eine Aufstockung aus.

Bei der Besprechung wollte die Bundesregierung eine einheitliche Linie angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten abstimmen, die durch die Herabsetzung der griechischen Kreditwürdigkeit am Dienstag noch verschärft wurden. In den vergangenen Tagen hatte es vor allem aus der FDP Kritik an Finanzminister Schäuble gegeben.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verlangte in der ZEIT die Einführung einer Insolvenzordnung für Staaten. Ziel müsse sein, "dass ein insolventer Staat wieder auf eine finanzielle Grundlage gestellt wird". Brüderle will dazu auch die Gläubiger zahlungsunfähiger Länder zur Kasse bitten: "Die Käufer von Staatsanleihen müssten sich dann im Falle einer Insolvenz Abschreibungen gefallen lassen – wie im klassischen Vergleichsverfahren."

Der Wirtschaftsminister machte allerdings klar, dass sein Vorschlag im Fall Griechenland noch nicht anzuwenden sei. Eine Umschuldung mit Abschreibungen bei den Gläubigern lehnte er in der jetzigen Situation ab.

Ähnlich deutlich äußerte sich EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Es gibt kein Szenario, die griechischen Schulden zu restrukturieren", sagte ein Sprecher. Diese Regel gelte für alle Euro-Staaten. Eine Restrukturierung könnte beispielsweise bedeuten, dass griechische Anleihen später zurückgezahlt werden.

Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider kündigte an, dass er gemeinsam mit drei Mitstreitern eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht für den Fall vorbereitet, dass der Bundestag ein Gesetz zu Staatshilfen für Griechenland passieren lässt. "Sobald das Gesetz über die Griechenlandhilfen durch den Bundestag ist, klagen wir", sagte der pensionierte Professor für öffentliches Recht der Mitteldeutschen Zeitung. Das EU-Recht sehe keinen Finanzausgleich wie bei Bundesstaaten vor, wenn ein Euroland in Probleme gerate, da die Europäische Union nur ein Staatenbund sei.