Kraft vs. Rüttgers Duell der Misstrauischen

Eigentlich schien alles klar in NRW: Politprofi Rüttgers schlägt Außenseiterin Kraft. Doch nun könnte alles anders kommen. Szenen aus einem unerwarteten Zweikampf.

Sie könnten sich zwischendurch an den Händen fassen, so nah sollen sie beieinander stehen. Aber mehr als einen kurzen, kühlen Händedruck zu Beginn und zum Ende wird es wohl nicht geben an diesem Montagabend in der Vulkanhalle in Köln-Ehrenfeld. Wo früher Straßenlaternen fabriziert wurden, machen sich um viertel nach acht Uhr zwei Politiker ans Werk, die auch persönlich wenig verbindet: In dem aufwendig restaurierten Backsteinbau kommen Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft zum einzigen Fernsehduell vor der NRW-Wahl am 9. Mai zusammen. Der Ministerpräsident von der CDU und seine Herausforderin von der SPD haben dann eine Stunde Zeit, sich selber in ein gutes Licht zu rücken. Und den Kontrahenten in ein schlechtes.

Das Wortgefecht vor den Kameras des WDR ist der vorläufige Höhepunkt eines politischen Zweikampfes, den so niemand erwartet hat. Rüttgers gegen Kraft – die Auseinandersetzung zwischen dem weithin bekannten Regierungschef und der wenig profilierten Oppositionsführerin galt noch vor sechs Monaten als eher fade Angelegenheit, da alle Welt das Ergebnis schon zu kennen glaubte: Politprofi Rüttgers schlägt Seiteneinsteigerin Kraft. Inzwischen sieht es so aus, als könne die Wahl auch umgekehrt ausgehen: Außenseiterin kippt Favorit. In den Umfragen jedenfalls liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün knapp zwei Wochen vor der Wahl gleichauf. Fade findet das keiner mehr.

Anzeige

Dass es überhaupt so weit kommen konnte – manche in der CDU können es noch gar nicht fassen. Aber es gibt Gründe. Man findet sie, natürlich, in Berlin, wo sich die Regierungspartner CDU, CSU und FDP seit Monaten im Streit um Steuersenkungen ergehen – ein Umstand, der den einen oder anderen Wähler in Nordrhein-Westfalen am Wahltag zu Strafaktionen veranlassen könnte.

Man findet sie aber auch vor Ort.

An einem Mittwoch nach Ostern sitzt Hannelore Kraft in der Düsseldorfer Altstadt mit Genossen in der Hausbrauerei "Uerige" zusammen, einer Institution, deren Kellner die Bestellung eines Mineralwassers mit dem Hinweis ablehnen, man befinde sich hier nicht in der Badeanstalt. Die SPD-Spitzenkandidatin hat ein Glas Weißwein vor sich, die anderen halten sich ans Alt. Die Stimmung ist entspannt, das Gespräch dreht sich um Fußball, im Fernsehraum nebenan läuft das Champions-League-Rückspiel der Bayern gegen Manchester United. Dann kommen die Jusos.

Es sind nur zwei, aber sie wollen etwas, das Kraft nicht will. Es geht um die Abschaffung der Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen. Kraft hat versprochen, im Falle eines Wahlsieges schrittweise zur Gebührenfreiheit zurückzukehren. In der Mitte der Wahlperiode soll das Studium für die allermeisten dann wieder kostenfrei sein. Den beiden Jusos am Biertisch im "Uerige" dauert das viel zu lang. Sie verlangen sofortige Gebührenfreiheit nach der Wahl. Ganz so wie die Linkspartei.

Hannelore Kraft findet das nicht amüsant, sondern gefährlich. Wie soll die SPD an den Universitäten punkten, wenn die Juso-Hochschulgruppen genauso daherreden wie die Wünsch-dir-was-Genossen von der linken Konkurrenz? Ist es denn so schwer zu verstehen, dass Politik finanzierbar sein muss? Muss man denn alles immer von Neuem erklären?

Sie muss. Eine gefühlte Ewigkeit nimmt Kraft die jungen Männer ins Gebet. Streckt anklagend die rechte Hand vor: "Dann müsst ihr mir sagen, wo ich die 260 Millionen hernehmen soll! Woher?!" Stellt klar, dass sie, Kraft, nicht zu "dieser Art von Politikern gehört, die etwas versprechen und es dann nicht halten können." Fordert Solidarität: "Ihr müsst dafür einstehen, ihr müsst das vertreten!" Am Ende sagen die beiden Jusos nicht mehr viel. Kraft klopft einem der beiden begütigend auf den Oberschenkel: "Ich brauch’ euch ja", sagt sie. Die Unterredung ist vorüber. Es bleibt unklar, ob sie die Jusos dauerhaft überzeugt hat. Aber sie hat es zumindest versucht.

Leser-Kommentare
  1. In NRW wirbt Frau Kraft auf ihren Wahlplakaten um Vertrauen. Dabei zeigt sie ein, mit Photoshop um zwanzig Jahre verjüngtes Gesicht. Wie soll man jemandem vertrauen schenken, der seinem eigenen Gesicht nicht trauen kann?!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Offensichtlich scheinen Sie nur begrenzte Ahnung von den Möglichkeiten von Fotobearbeitung zu haben, sicherlich kann man da sehr viel machen,
    aber vorher ist der Maskenbilder dran, da können Sie vor dem Fotografieren jeden
    Menschen um 20-30 Jahre jünger machen - oder glauben Sie, dass irgendein Politiker
    oder Spitzenkandidat einer Partei, ein Nachrichtensprecher oder ein Samstagsabend-Showmaster ohne Schminke, Puder, Eyliner oder Faltencreme auskommt? Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es noch Botox. Ich finde das auch nicht gut, wenn sich Menschen bei Veröffentlichungen verändern lassen - aber die Crux liegt bei den Fotografen und bei den Managern der abzulichtenden Menschen.
    Die Fotografen haben entweder keine oder nur wenig Ahnung oder trauen sich nicht, authentisch schöne Fotos zu machen, oder es ist ihnen gleichgültig und sie machen alles, was ihnen vorgeschrieben wird - von den Managern, die ohnehin dem Jugendwahn verfallen sind. Mit guten ausgeleuchteten künstlerischen Photos kann man überzeugender wirken als mit der Maskenhaftigkeit falscher Jugendlichkeit. Ohnehin haben es die meisten Menschen satt, die austauschbaren "Masken" dieser Politiker zu sehen, weil alles austauschbar und dadurch eben noch verlogener wird. Man kann jedem Politiker nur raten, sich Fotografen zu suchen, die imstande sind, gute Porträts ohne Hilfsmittel wirkungsvoll zu fotografieren. So ist der Ansatz Ihres Beitrages falsch, man muss den Dingen immer auf den Grund gehen.

    Jeannotloup

    Offensichtlich scheinen Sie nur begrenzte Ahnung von den Möglichkeiten von Fotobearbeitung zu haben, sicherlich kann man da sehr viel machen,
    aber vorher ist der Maskenbilder dran, da können Sie vor dem Fotografieren jeden
    Menschen um 20-30 Jahre jünger machen - oder glauben Sie, dass irgendein Politiker
    oder Spitzenkandidat einer Partei, ein Nachrichtensprecher oder ein Samstagsabend-Showmaster ohne Schminke, Puder, Eyliner oder Faltencreme auskommt? Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es noch Botox. Ich finde das auch nicht gut, wenn sich Menschen bei Veröffentlichungen verändern lassen - aber die Crux liegt bei den Fotografen und bei den Managern der abzulichtenden Menschen.
    Die Fotografen haben entweder keine oder nur wenig Ahnung oder trauen sich nicht, authentisch schöne Fotos zu machen, oder es ist ihnen gleichgültig und sie machen alles, was ihnen vorgeschrieben wird - von den Managern, die ohnehin dem Jugendwahn verfallen sind. Mit guten ausgeleuchteten künstlerischen Photos kann man überzeugender wirken als mit der Maskenhaftigkeit falscher Jugendlichkeit. Ohnehin haben es die meisten Menschen satt, die austauschbaren "Masken" dieser Politiker zu sehen, weil alles austauschbar und dadurch eben noch verlogener wird. Man kann jedem Politiker nur raten, sich Fotografen zu suchen, die imstande sind, gute Porträts ohne Hilfsmittel wirkungsvoll zu fotografieren. So ist der Ansatz Ihres Beitrages falsch, man muss den Dingen immer auf den Grund gehen.

    Jeannotloup

  2. Die SPD hat wegen Schröder, Clement( deren "Wohltaten für die Masse der Bürger ich hier nicht aufzählen will)die letzten Wahlen in NRW verloren.
    Ein Spur des Geistes der früheren SPD zu versprühen, dürfte Frau Kraft reichen, das alte Stammland der SPD zurück zu erobern. Frau Kraft muss es schaffen, das auch von ihr mitgetragene neoliberale Konzept der Schröder-Ära komplett zu Gunsten einer wirklichen sozialen Politik zu den Akten zu legen.
    Rüttgers, der immer den Arbeiterführer gibt, hat das Koalitionspapier inclusive Kopfpauschale unterschrieben.

  3. weil korrupt. Solche Leute sollten man als Wähler nicht freiwillig akzeptieren.

    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    • CM
    • 26.04.2010 um 13:33 Uhr

    Unter einem Profi versteht man allgemein jemanden, der mit einer Tätigkeit sein Geld verdient und sich daher relativ damit auskennt, wie er mit seiner Tätogkeit Geld verdienen kann.

    Diese Definition bekommt durch Herrn Rüttgers eine ganz neue, eher griechische Bedeutung.

    Immerhin wüßte man bei ihm und seinem Wunschpartner FDP schon jetzt genau, daß der Wille einer beliebig großen Anzahl Wähler völlig irrelevant ist, weil eine offene oder verdeckte Parteispende beliebig geringer Höhe den Wählerwillen neutralisiert.

  4. Für mich ist Herr Rüttgers am überzeugendsten, wenn er nichts tut. Freundlich von den Plakatwänden lächelnd, ein paar Akten dekorativ in den Händen haltend, eine Art Votivbild der Postmodernen, bewacht er meinen politischen Seelenfrieden. Warum nur, warum muss er partout versuchen zu regieren?

  5. Wo ist das Problem?
    Frau Kraft und Herr Rüttgers wollen das Amt des MP.
    Jeder hat seinen Wunschpartner für die Mehrheit.
    Die SPD hat vielleicht sogar zwei Partner.
    Keiner sollte ungelegte Eier zählen, das geht meistens schief.
    Könnte ja sein, das man sich am Verhandlungstisch wieder trifft.
    Die Parteien und die Kandidaten zu beschimpfen und zu diffamieren, nur weil man ein anderes Parteibuch hat, ist Unsinn.
    Das einfachste ist, sie wünschen allen Kandidaten viel Erfolg, den einen etwas mehr und den anderen etwas weniger.

  6. Offensichtlich scheinen Sie nur begrenzte Ahnung von den Möglichkeiten von Fotobearbeitung zu haben, sicherlich kann man da sehr viel machen,
    aber vorher ist der Maskenbilder dran, da können Sie vor dem Fotografieren jeden
    Menschen um 20-30 Jahre jünger machen - oder glauben Sie, dass irgendein Politiker
    oder Spitzenkandidat einer Partei, ein Nachrichtensprecher oder ein Samstagsabend-Showmaster ohne Schminke, Puder, Eyliner oder Faltencreme auskommt? Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es noch Botox. Ich finde das auch nicht gut, wenn sich Menschen bei Veröffentlichungen verändern lassen - aber die Crux liegt bei den Fotografen und bei den Managern der abzulichtenden Menschen.
    Die Fotografen haben entweder keine oder nur wenig Ahnung oder trauen sich nicht, authentisch schöne Fotos zu machen, oder es ist ihnen gleichgültig und sie machen alles, was ihnen vorgeschrieben wird - von den Managern, die ohnehin dem Jugendwahn verfallen sind. Mit guten ausgeleuchteten künstlerischen Photos kann man überzeugender wirken als mit der Maskenhaftigkeit falscher Jugendlichkeit. Ohnehin haben es die meisten Menschen satt, die austauschbaren "Masken" dieser Politiker zu sehen, weil alles austauschbar und dadurch eben noch verlogener wird. Man kann jedem Politiker nur raten, sich Fotografen zu suchen, die imstande sind, gute Porträts ohne Hilfsmittel wirkungsvoll zu fotografieren. So ist der Ansatz Ihres Beitrages falsch, man muss den Dingen immer auf den Grund gehen.

    Jeannotloup

    Antwort auf "Vertrauen schaffen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wahlkampf ist immer Polemik lieber Vorredner. An genau dieser Polemik muss sich der so konterfeite Politiker auch messen lassen. Ein Mensch, der einen anderen ihm unbekannten per se der Unwissenheit, oder, um bei diesem Terminus zu bleiben, der Ahnungslosigkeit zu zeihen glauben muss, hat selbst nicht viel verstanden. Picasso hat einmal sinngemäß ganz treffend bemerkt, er könne kein chinesisch, aber er würde niemals auf die Idee kommen, die Existenz dieser Sprache in Frage zu stellen.

    Wahlkampf ist immer Polemik lieber Vorredner. An genau dieser Polemik muss sich der so konterfeite Politiker auch messen lassen. Ein Mensch, der einen anderen ihm unbekannten per se der Unwissenheit, oder, um bei diesem Terminus zu bleiben, der Ahnungslosigkeit zu zeihen glauben muss, hat selbst nicht viel verstanden. Picasso hat einmal sinngemäß ganz treffend bemerkt, er könne kein chinesisch, aber er würde niemals auf die Idee kommen, die Existenz dieser Sprache in Frage zu stellen.

  7. Die Kraftbrühe versalzt Rüttgers Suppe dazu ist das SPD Schlachtroß mit Frau Kraft an der Spitze zu abgemagert durch den langen Poilitikwinter gekommen um den Wagen aus dem Schröder-Schlamm zu ziehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service