Seit acht Jahren müssen Spenden an Parteien über 50.000 Euro unverzüglich vom Bundestag veröffentlicht werden. ZEIT ONLINE hat diese seit 2002 veröffentlichten Großspenden analysiert – und präsentiert die Ergebnisse in einer Serie. Anhand der heutigen Erhebungen lässt sich feststellen, wie viel Geld die einzelnen Parteien im Laufe der Zeit erhalten haben. Und wie verschiedene Branchen ihr Spendenverhalten geändert haben.

Spenden sind für die im Bundestag vertretenen Parteien eine wichtige Einnahmequelle. Sie finanzieren sich dem Politologen Martin Höpner zufolge zu durchschnittlich 20 Prozent über Spenden. Allerdings im unterschiedlichen Ausmaß. Während die SPD sich nur zu etwa neun Prozent über Spenden finanzierte, waren es bei der FDP immerhin 33 Prozent. In den Wahljahren sind es im bürgerlichen Lager sogar bis zu 40 Prozent und darüber.

Eine Aufschlüsselung nach Parteien zeigt, dass Union und FDP seit 2002 mit Abstand die meisten Großspenden erhalten haben. Auch bestätigt sich für das bürgerliche Lager die Annahme, dass in Jahren mit Bundestagswahlen mehr gespendet wird. Union und Liberale wurden in den Wahljahren 2005 und insbesondere 2009 erheblich stärker durch Großspenden unterstützt als SPD und Grüne. Bei der SPD brachen vor den Wahlen 2005 und 2009 die Großspenden sogar ein. Die Grünen wurden nahezu konstant in Höhe von 60.000 Euro jährlich unterstützt.

Immer wieder sorgten einzelne Großspenden für Kritik. Ungewöhnlich hoch etwa war die Zuwendung der CSU an die Schwesterpartei im Wahljahr 2005. Sie betrug über 2,3 Millionen Euro (so erklärt sich der spitze Ausreißer in Grafik I). Notwendig war die Spende geworden, nachdem die CDU in Folge eines Parteispenden-Skandals in Hessen über 21 Millionen Euro Strafe zahlen musste. Viel diskutiert war auch die Millionenspende des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann an die eigene Partei in den Jahren 2002 und 2003. Kritiker wie die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International fordern bislang vergeblich, dass Parteien und Parteimitglieder nicht spenden dürfen – und so das Verschleiern und verdeckte Weiterleiten von Spenden grundsätzlich erschwert wird.

Auffallend: Die Linkspartei ist auf der Grafik nicht zu finden. Sie erhielt nämlich im Untersuchungszeitraum keine einzige Großspende, anders etwa als die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD). Der Privatmann Michael May hatte über die Jahre 2005 bis 2008 über rund drei Millionen Euro an die Partei überwiesen. Das Geld stammte aus einem Erbe, das der kommunistische Bergmann aus Moers der Partei aus Dankbarkeit für ihre Solidarität mit den Kumpeln im Streik 1997 spendete.

Sporadische Großspenden aus privater Hand erhielten die rechtsextreme NPD, die mittlerweile nicht mehr aktiven Kleinstparteien der Bürgerlichen Sozialen Union (BSU) und die Allianz für Gesundheit, Frieden und Soziale Gerechtigkeit (AGFG). Großspender der 2005 gegründeten AGFG war der Alternativheiler Matthias Rat, der über sein Unternehmen in den Jahren 2006 bis 2008 rund 2,6 Mio. Euro spendete. Die Partei löste sich Ende 2009 wieder auf.

Die meisten Spenden kommen aus dem Sektor der Banken und Versicherungen. Auffallend hoch sind ihre Großspenden im Krisenjahr 2008, aber auch im Wahljahr 2005, als es um die Ablösung der rot-grünen Koalition ging.  Zu den größten Spendern zählen hier die Allianz und die Deutsche Bank. Die Branche spendete allerdings nicht nur den bürgerlichen Parteien, sondern auch an SPD und Grüne.