Kraft gegen Rüttgers Duell ohne Feuer

Nicht fesselnd, aber aufschlussreich: Beide Spitzenkandidaten offenbaren im einzigen nordrhein-westfälischen TV-Duell ihre Schwächen. Von Michael Schlieben

Das TV-Duell ist schon fast vorbei, als in der Kölner Vulkanhalle für einen kurzen Moment doch noch einmal richtig Stimmung aufkommt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wettert gegen die "Extremisten". Er meint damit die Linkspartei, mit der seine sozialdemokratische Herausfordererin Hannelore Kraft nach der Landtagswahl angeblich paktieren will.

Kraft seufzt. Und sagt zum x-ten Mal ihr Standardsätzlein. Dass die Linke nicht "regierungs- und koalitionsfähig" sei. Die Schlussfolgerung, dass sie daher nicht als Koalitionspartner für sie infrage komme, zieht sie aber auch diesmal nicht explizit.

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Rüttgers macht das fuchsig: "Frau Kraft, wer soll Ihnen Ihre Aussagen glauben?" Sie kontert: "So reden Sie die Linke in den Landtag." Rüttgers empört: Er habe ihr angeboten, gemeinsam "gegen die Linken zu kämpfen". Sie habe sich verweigert. Deshalb sei sie Schuld an einem möglichen Landtagseinzug. Beide zeigen sich die Zähne. Vorwurf gegen Vorwurf.

Ansonsten verläuft das TV-Duell mäßig aufregend. In den 60 Minuten zeigt sich stattdessen exemplarisch, warum der einzige Wahlkampf in diesem Jahr, der ja beileibe kein unwichtiger ist, bisher nicht sonderlich elektrisiert. Es liegt auch an den Protagonisten. Anders als einst das Duell Koch gegen Ypsilanti in Hessen, das ebenfalls bis zum Ende offen war, bietet der Zweikampf Rüttgers gegen Kraft weniger Potenzial für eine totale Polarisierung.

Rüttgers wie Kraft sind bedächtiger und höflicher zueinander. Sie lassen sich meist ausreden, verdrehen nicht die Augen. Die Auseinandersetzung ist nicht giftig. Als Rüttgers Kraft vorwirft, "immer mit falschen Zahlen" zu argumentieren, ist das fast der schärfste Vorwurf, der an diesem Abend erhoben wird (sieht man von dem kurzen Extremismus-Epilog ab).

Hannelore Kraft, auf der linken Seite, im roten Kostüm, nimmt es tatsächlich nicht immer genau mit den Zahlen. Auch der Moderator meldet einmal Zweifel an, ob es tatsächlich nur "614" Schüler gewesen seien, die im letzten Jahr unter Rüttgers den Sprung von der Realschule aufs Gymnasium geschafft hätten. Oder nicht ein paar tausend mehr?

Aber Kraft lässt derlei an sich abtropfen. Selbstbewusst tritt sie auf, in ihrem ersten Wahlkampf als Spitzenkandidatin. Erst recht, seit die SPD in den Umfragen gestiegen ist und sie selbst bei den persönlichen Sympathiewerten Rüttgers fast eingeholt hat. Fast ein bisschen schnodderig kanzelt sie Rüttgers' Nachfragen und Vorwürfe ab, um ihm danach wieder charmant lächelnd zuzuhören. Gleichwohl ist Kraft keine fesselnde Erzählerin. Manchmal driftet sie noch in den sperrigen Politik-Slang ab, den sie sich im Wahlkampf eigentlich abgewöhnen wollte. Dann spricht sie im flotten Tempo von "Revisionsklauseln" und "Inobhutnahmen".

Auf der rechten Seite, im schwarzen Anzug: Jürgen Rüttgers. Er kämpft derzeit verzweifelt gegen den bundespolitischen Trend, der Schwarz-Gelb seit dem Machtwechsel in Berlin nicht mehr gewogen ist. Rüttgers ist gut vorbereitet auf dieses Duell. Mit Daten und konkreten Beispielen präpariert, arbeitet er sich fast mehr an Krafts Programm ab als umgekehrt. Ihre Ausführungen belauert er argwöhnisch.

Zeitweilig kommt es so zum Rollenwechsel: Der Regierungschef attackiert die Oppositionsführerin. Dabei wirkt er allerdings manchmal etwas nervös, wie jemand, der sich auf eine wichtige Prüfung vorbereitet hat und sie nun nicht vergeigen will. Manches klingt reichlich auswendig gelernt, etwa sein Abschluss-Statement, als er in Hörbuch-Stimme NRW als "starkes", "stabiles" und "wunderschönes" Land preist.

Leser-Kommentare
  1. Gut gelungen der Titel.

    Der Verlauf ist hier ziemlich gut erläutert; es gab nicht wirklich einen Gewinner in diesem Duell, wobei ich doch Kraft (als junger Zuschauer) überzeugender fand. Was mich gestört hat, war die Hetze gegen die Linken. Ich muss schon sagen, wenn man die Linke in das extreme Lager zieht, so verweise ich auf die FDP mit ihrem (extremen) neoliberalem Programm (mehr Markt, weniger Staat, denke ich brauche jetzt nicht ins Detail zu gehen) als Wunschpanter der ach so korrekten (spenden) CDU. Obwohl ich SPD nicht wähle, begrüße ich doch, wenn sie es in die Regierung schaffen. Ich hoffe doch mit einem dunkelroten Aufpasser

  2. was ja zutrifft, wenn die SPD mit diesem Slogan in den Ring gestiegen wäre. Aber was macht die Partei ? Sie bleibt auch gegen einen schwachen MP Rüttgers kraftlos. Das ist schade, aber da Rüttgers auch keineswegs ein überzeugendes Konzept hat, ist noch alles offen. Hoffentlich gibt es endlich mal wieder eine hohe Wahlbeteiligung !

  3. Da haben sich zwei doch wieder alle Optionen offen gelassen. NRW als Vorbild/Wiedergänger für den Bund (wenn Schwarz-Gelb gecrasht ist) ? Na für den Wähler/Steuerzahler sind das keine tollen Aussichten. Die SPD wird indirekt in die Verantwortung gezogen, um bei diesem Griechenlanddesaster das Stimmvieh abzugeben.

    Wer hat uns verraten ? Sozialdemokraten.

    • M.M.
    • 27.04.2010 um 8:31 Uhr

    .........der "Arbeiterführer" und das "Hannelorchen".
    Man meint, es solle in NRW am Besten alles beim Alten bleiben, Hauptsache die pösen,pösen Linken kommen nicht in den Landtag.
    Der Autor hat Recht, die beiden Kandidaten trennt eigentlich gar nicht so viel.
    Und der Wähler schläft weiter !!!!

  4. Soso, die "Extremisten"! Bin kein Verehrer der "Linkspartei", gewählt habe ich sie trotzdem schonmal. Sie als "Extremisten" zu bezeichnen ist allerdings nicht anderes als einer Selbstbezeichnung. Rüttgers selbst merkt natürlich nicht, dass diese Aussage nichts anderes als Ideologie ist! Aber durch diese Indoktrinationsschule muss wohl ein jeder CDUler der was werden will.

    Peinlich, unwählbar, ekelhaft!

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    Hier ein S zu wenig, dort ein R zu viel. Man möge mir den Flüchtigkeitsfehler verzeihen. Hauptsache der Inhalt stimmt! ;)

    Hier ein S zu wenig, dort ein R zu viel. Man möge mir den Flüchtigkeitsfehler verzeihen. Hauptsache der Inhalt stimmt! ;)

  5. 6. Zu 5.

    Hier ein S zu wenig, dort ein R zu viel. Man möge mir den Flüchtigkeitsfehler verzeihen. Hauptsache der Inhalt stimmt! ;)

    • CM
    • 27.04.2010 um 9:41 Uhr

    Das ist der Mief der großen Koalition, der aus NRW herüberweht.

  6. hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

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