Gespräch Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger legen Streit bei

Staat und Kirche wollen bei der Aufklärung von sexuellem Missbrauch in katholischen Einrichtungen künftig enger zusammenarbeiten.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, haben ihren Streit über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beigelegt. Nach einem gemeinsamen Treffen in Berlin teilten sie mit, man sei sich einig darüber, dass die "umfassende" Aufklärung vergangener Fälle sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen "entschlossen" vorangetrieben werden müsse.

Im Mittelpunkt dieser Aufarbeitung müssten immer die Opfer stehen. Ihnen sei großes Leid zugefügt worden. "Sie haben ein Recht auf eine ehrliche Aufklärung", hieß es in der gemeinsamen Mitteilung.

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Leutheusser-Schnarrenberger begrüßte zudem die von der Kirche als Reaktion auf den Skandal ergriffenen Maßnahmen. Dazu gehören eine Überarbeitung der Richtlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen und die Einrichtung einer Telefon-Hotline.

Die Ministerin erneuerte ihre Forderung, bei Missbrauchsverdacht auf jeden Fall die staatlichen Behörden einzuschalten. Innerkirchliche Maßnahmen dürften die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen "weder verzögern noch behindern".

Das Treffen war nach einem Streit zwischen der Ministerin und Zollitsch Ende Februar vereinbart worden. Leutheusser-Schnarrenberger hatte der katholischen Kirche mangelnde Kooperation mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in den eigenen Reihen vorgeworfen.

An dem Treffen nahmen unter anderem auch der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsfragen, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, und Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) teil. Zollitsch erklärte im Anschluss in Berlin: "Es war ein gutes Gespräch."

Dass der Missbrauchsskandal die katholische Kirche schwer erschüttert, musste Zollitsch selbst für sein Bistum schmerzlich erfahren. Im Erzbistum Freiburg kehrten allein im März fast 3000 Katholiken der Kirche den Rücken. Auch aus anderen Regionen kamen seit Jahresbeginn immer wieder Meldungen von steigenden Austrittszahlen. 

Allein der Missbrauchsskandal ist nach Ansicht der Kirche aber nicht Ursache dafür, dass Tausende die Kirche verlassen. So erklärte etwa der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck, die erschreckend vielen Fälle von sexuellem Missbrauch seien zwar der Anlass für viele Kirchenaustritte, "aber kein grundlegendes Motiv". Die Hauptgründe lägen der Erfahrung nach darin, "dass sich Menschen schon länger von Kirche und Gemeindeleben entfremdet haben".

 
Leser-Kommentare
    • star
    • 15.04.2010 um 18:03 Uhr

    Den Erneuerungs- und Aufklärungsversprechen, die zur Zeit – von Rom gesteuert – Hochkonjunktur besitzen, sollten nach wie vor mit einer gehörigen Portion kritischer Begleitung betrachtet werden; ; schließlich war es Kardinal Ratzinger, der noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen an alle Bischöfe der Welt sandte, in welchem die Missbrauchsfälle unter die "päpstliche Geheimhaltung" gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.

    Wenn jedoch ein Kardinal Bertone glaubt, er könne die Schuld am sexuellen Missbrauch durch Priester auf die Homosexualität schieben, also auf eine Beziehungsform, welche die katholische Kirche seit jeher verdammt, dann zeigt dieser Schritt, dass die kath. Kirche keineswegs gefestigt ist in ihren Absichten, eine Aufklärung ohne Wenn und Aber voranzutreiben, sondern dass sie ständig hin- und herschwankt zwischen Selbstschutz, Beschwichtigungen und eindeutigen Bekenntnissen. Denn am Tag zuvor hatte der Vatikan seine internen Regeln veröffentlicht, welche die kirchlichen Verantwortlichen verpflichten, bei sexuellem Missbrauch sofort den Staatsanwalt einzuschalten. Das war ein Schritt der Wahrheit.

    Die kath. Kirche darf nicht in den Irrtum verfallen, sie könne ohne nachhaltige systemimmanente Reformen diese schwere Krise erfolgreich bewältigen; zu diesen wichtigen Reformen gehört u.a. auch der endgültige Abschied von einer 2000-jährigen Leib-, Frauen- und Sexualfeindlichkeit.

    Paul Haverkamp, Lingen

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    Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    so sehr ich ihre Überzeugungen achte. Aber ich möchte Sie bitten, dabei bei der Wahrheit zu bleiben:
    Papst Benedikt hat wie kein anderer die Aufklärung in der Kirche vorangetrieben.
    Ihre so geschätzte "päpstliche Geheimhaltung" von 2001 bezieht sich auf die Akten und ERmittler die die kirchenrechtlichen Dinge prüfen. Das ist wie der Verschlusssachengrad und die Verschwiegenheitsverpflichtung von Teilnehmern an nichtöffentlichen Prozessen (die Missbrauchsprozesse meistens sind). Daneben war und ist das Schreiben zentral für die Aufklärung.
    Und bitte fordern sie nur umsetzbare Dinge, die auch was bringen. "Abschied von der 2000-jährigen Leib-, frauen- und Sexualfeindlichkeit." Nichts davon existiert in der kath. Kirche mehr als im Rest unserer Gesellschaft. Aber selbst wenn es so wäre, wie sie es sich vorstellen: Wie sollte das denn geändert werden? Wer frauenfeindlich ist, wird es auch ohne Zölibat sein.
    Und vor allem: Was hat das alles mit der Missbrauchsdebatte zu tun? Die Odenwaldschule war genau das Gegenteil von dem was sie beschreiben und da hatten sie genau dasselbe Verhalten. In der evangelischen Kirche sind Frauen Pfarrer und die haben genauso viele aktuelle Fälle wie die kath. Kirche. Sportvereine sind bestimmt nicht leibfeindlich, aber leiden auch unter vielen Missbrauchsfällen. Wer soll das was sie sagen überhaupt sein? Der Papst? Da müssen sie sich glaube ich wen anders suchen. Lesen sie mal "Deus Caritas Est".

    MfG

    Hainer

    Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    so sehr ich ihre Überzeugungen achte. Aber ich möchte Sie bitten, dabei bei der Wahrheit zu bleiben:
    Papst Benedikt hat wie kein anderer die Aufklärung in der Kirche vorangetrieben.
    Ihre so geschätzte "päpstliche Geheimhaltung" von 2001 bezieht sich auf die Akten und ERmittler die die kirchenrechtlichen Dinge prüfen. Das ist wie der Verschlusssachengrad und die Verschwiegenheitsverpflichtung von Teilnehmern an nichtöffentlichen Prozessen (die Missbrauchsprozesse meistens sind). Daneben war und ist das Schreiben zentral für die Aufklärung.
    Und bitte fordern sie nur umsetzbare Dinge, die auch was bringen. "Abschied von der 2000-jährigen Leib-, frauen- und Sexualfeindlichkeit." Nichts davon existiert in der kath. Kirche mehr als im Rest unserer Gesellschaft. Aber selbst wenn es so wäre, wie sie es sich vorstellen: Wie sollte das denn geändert werden? Wer frauenfeindlich ist, wird es auch ohne Zölibat sein.
    Und vor allem: Was hat das alles mit der Missbrauchsdebatte zu tun? Die Odenwaldschule war genau das Gegenteil von dem was sie beschreiben und da hatten sie genau dasselbe Verhalten. In der evangelischen Kirche sind Frauen Pfarrer und die haben genauso viele aktuelle Fälle wie die kath. Kirche. Sportvereine sind bestimmt nicht leibfeindlich, aber leiden auch unter vielen Missbrauchsfällen. Wer soll das was sie sagen überhaupt sein? Der Papst? Da müssen sie sich glaube ich wen anders suchen. Lesen sie mal "Deus Caritas Est".

    MfG

    Hainer

  1. Ob er woanders auch so durchgezogen wird, bleibt offen. Die Kirche hat ein Problem mit der Homosexualität und naturgemäß - da hat Bertone sicher recht - auch mit den homosexuellen Belästigungen, Missbräuchen von männlichen Kindern. Die restlichen 40 % sind heterosexuelle Vergehen. Ob der Aufklärungswille der vergangegen Fälle ausreicht?
    [...]
    Bitte bleiben Sie sachlich und unterlassen Sie Pauschalisierungen. Die Redaktion/km

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    • Ranjit
    • 15.04.2010 um 18:44 Uhr

    "Die Kirche hat ein Problem mit der Homosexualität ..."
    Das ist, gelinde gesagt, eine Unverschämtheit.

    Homosexualität hat damit nichts zu tun.
    Es spielen wohl eher zwei andere Faktoren hinein:
    1. Männliche Aufsichts- bzw. Vertrauenspersonen (z.B. Priester) haben in konservativen Kreisen eher Kontakt mit männlichen Kindern. Analog bei Frauen.
    2. Sich an Personen des gleichen Geschlechts zu vergehen, scheint den Tätern vielleicht weniger schändlich. Sie überzeugen sich vielleicht, dass es sich um "kumpelhafte" Kontakte handelt oder bemühen die verzerrte Idee des altgriechischen Mentorentums um ihr Gewissen zu beruhigen.

    Homosexuelle werden häufig mit Sexualstraftätern in einen Topf geworfen, was schlicht inakzeptabel ist. Homosexuelle fühlen sich von Personen ihres eigenen Geschlchets angezogen. Homosexuelle haben aber die gleiche Kontrolle darüber wie Heterosexuelle und die gleichen Alterpräferenzen. Alles andere ist Pädophilie

    Dass die Kirche nun diese wiederwärtigen Vorurteile auszuschlachten versucht (siehe Kardinal Bertone) ist ungeheurlich. Eben jener Bertone hat, wie hier in der Zeit zu lesen war, einen Priester vor Konsequenzen geschützt, der 200 taubstumme Kinder missbraucht hat.

    An anderer Front beschuldigt ein italienischer Bishof gerade die Juden als wahre Schuldige in einer Kampagne gegen die Kirche.
    http://www.guardian.co.uk...

    • Ranjit
    • 15.04.2010 um 18:44 Uhr

    "Die Kirche hat ein Problem mit der Homosexualität ..."
    Das ist, gelinde gesagt, eine Unverschämtheit.

    Homosexualität hat damit nichts zu tun.
    Es spielen wohl eher zwei andere Faktoren hinein:
    1. Männliche Aufsichts- bzw. Vertrauenspersonen (z.B. Priester) haben in konservativen Kreisen eher Kontakt mit männlichen Kindern. Analog bei Frauen.
    2. Sich an Personen des gleichen Geschlechts zu vergehen, scheint den Tätern vielleicht weniger schändlich. Sie überzeugen sich vielleicht, dass es sich um "kumpelhafte" Kontakte handelt oder bemühen die verzerrte Idee des altgriechischen Mentorentums um ihr Gewissen zu beruhigen.

    Homosexuelle werden häufig mit Sexualstraftätern in einen Topf geworfen, was schlicht inakzeptabel ist. Homosexuelle fühlen sich von Personen ihres eigenen Geschlchets angezogen. Homosexuelle haben aber die gleiche Kontrolle darüber wie Heterosexuelle und die gleichen Alterpräferenzen. Alles andere ist Pädophilie

    Dass die Kirche nun diese wiederwärtigen Vorurteile auszuschlachten versucht (siehe Kardinal Bertone) ist ungeheurlich. Eben jener Bertone hat, wie hier in der Zeit zu lesen war, einen Priester vor Konsequenzen geschützt, der 200 taubstumme Kinder missbraucht hat.

    An anderer Front beschuldigt ein italienischer Bishof gerade die Juden als wahre Schuldige in einer Kampagne gegen die Kirche.
    http://www.guardian.co.uk...

  2. ... und Ursache ist einzig und allein ihre Machtbesessenheit.

    Am Schluss des an Information etwas dürftigen Artikels kann man doch noch etwas zur Grund einstellung der Kirche erfahren: Zitat:

    ------------------------------------------------------------
    Allein der Missbrauchsskandal ist nach Ansicht der Kirche aber nicht Ursache dafür, dass Tausende die Kirche verlassen. So erklärte etwa der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck, die erschreckend vielen Fälle von sexuellem Missbrauch seien zwar der Anlass für viele Kirchenaustritte, "aber kein grundlegendes Motiv". Die Hauptgründe lägen der Erfahrung nach darin, "dass sich Menschen schon länger von Kirche und Gemeindeleben entfremdet haben".
    ------------------------------------------------------------

    Da wird auch schon wieder vertuscht, gelogen und getäuscht: Die Mächtigen der Kirche WOLLEN einfach nicht wahrhaben, dass der Missbrauch von Kindern nicht in ein christliches Weltbild passt, und sie entfernen sich noch weiter vom Christentum und den Christen.

    Ich stimme zu: Den Missbrauch von Knaben der (angeblich) krankhaften Homosexualität zuzuschreiben - das ist schon eine Propagandaleistung. Der Bogen zu einer Zeit 70 Jahre früher in Deutschland ist da kaum gekrümmt ...

    Aber das sind die Machthaber dieser machtbesessenen Sekte - was ist mit den Menschen? Viele treten jetzt aus, sicher. Aber nach meiner Meinung sind dies nicht genug - schon möchte man rufen: Katholiken, besinnt Euch - lasst sie allein und geht - ALLE!

    Antwort auf "Autsch"
  3. Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    so sehr ich ihre Überzeugungen achte. Aber ich möchte Sie bitten, dabei bei der Wahrheit zu bleiben:
    Papst Benedikt hat wie kein anderer die Aufklärung in der Kirche vorangetrieben.
    Ihre so geschätzte "päpstliche Geheimhaltung" von 2001 bezieht sich auf die Akten und ERmittler die die kirchenrechtlichen Dinge prüfen. Das ist wie der Verschlusssachengrad und die Verschwiegenheitsverpflichtung von Teilnehmern an nichtöffentlichen Prozessen (die Missbrauchsprozesse meistens sind). Daneben war und ist das Schreiben zentral für die Aufklärung.
    Und bitte fordern sie nur umsetzbare Dinge, die auch was bringen. "Abschied von der 2000-jährigen Leib-, frauen- und Sexualfeindlichkeit." Nichts davon existiert in der kath. Kirche mehr als im Rest unserer Gesellschaft. Aber selbst wenn es so wäre, wie sie es sich vorstellen: Wie sollte das denn geändert werden? Wer frauenfeindlich ist, wird es auch ohne Zölibat sein.
    Und vor allem: Was hat das alles mit der Missbrauchsdebatte zu tun? Die Odenwaldschule war genau das Gegenteil von dem was sie beschreiben und da hatten sie genau dasselbe Verhalten. In der evangelischen Kirche sind Frauen Pfarrer und die haben genauso viele aktuelle Fälle wie die kath. Kirche. Sportvereine sind bestimmt nicht leibfeindlich, aber leiden auch unter vielen Missbrauchsfällen. Wer soll das was sie sagen überhaupt sein? Der Papst? Da müssen sie sich glaube ich wen anders suchen. Lesen sie mal "Deus Caritas Est".

    MfG

    Hainer

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    • star
    • 15.04.2010 um 22:23 Uhr

    Sehr geehrter „hainer“!

    Natürlich werden wir beiden nie zu einer Kompatibiliät unserer Meinungen kommen; ich erlaube mir einige Zitate von Küng in einem Beitrag für die SZ Ihnen zur Kenntnisnahme vorzutragen:

    Missbrauchsdebatte in der Kirche Ratzingers Verantwortung
    17.03.2010, 08:532010-03-17T08:53:00 CEST 0100 - SZ
    Ein Gastbeitrag von Hans Küng

    „……..
    Unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität
    Die Wahrhaftigkeit hätte gefordert, dass der Papst die schon längst von einer großen Mehrheit in Klerus und Volk gewünschte Überprüfung dieses Gesetzes zumindest versprochen hätte. Auch der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Alois Glück, und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke fordern ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität und ein Nebeneinander von zölibatär lebenden und verheirateten Priestern.
    ……..
    Es besteht aber ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen außerhalb der katholischen Kirche und den systemischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.“

    Paul Haverkamp, Lingen

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    • 15.04.2010 um 22:23 Uhr

    Sehr geehrter „hainer“!

    Natürlich werden wir beiden nie zu einer Kompatibiliät unserer Meinungen kommen; ich erlaube mir einige Zitate von Küng in einem Beitrag für die SZ Ihnen zur Kenntnisnahme vorzutragen:

    Missbrauchsdebatte in der Kirche Ratzingers Verantwortung
    17.03.2010, 08:532010-03-17T08:53:00 CEST 0100 - SZ
    Ein Gastbeitrag von Hans Küng

    „……..
    Unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität
    Die Wahrhaftigkeit hätte gefordert, dass der Papst die schon längst von einer großen Mehrheit in Klerus und Volk gewünschte Überprüfung dieses Gesetzes zumindest versprochen hätte. Auch der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Alois Glück, und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke fordern ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität und ein Nebeneinander von zölibatär lebenden und verheirateten Priestern.
    ……..
    Es besteht aber ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen außerhalb der katholischen Kirche und den systemischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.“

    Paul Haverkamp, Lingen

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    • 15.04.2010 um 22:23 Uhr

    Sehr geehrter „hainer“!

    Natürlich werden wir beiden nie zu einer Kompatibiliät unserer Meinungen kommen; ich erlaube mir einige Zitate von Küng in einem Beitrag für die SZ Ihnen zur Kenntnisnahme vorzutragen:

    Missbrauchsdebatte in der Kirche Ratzingers Verantwortung
    17.03.2010, 08:532010-03-17T08:53:00 CEST 0100 - SZ
    Ein Gastbeitrag von Hans Küng

    „……..
    Unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität
    Die Wahrhaftigkeit hätte gefordert, dass der Papst die schon längst von einer großen Mehrheit in Klerus und Volk gewünschte Überprüfung dieses Gesetzes zumindest versprochen hätte. Auch der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Alois Glück, und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke fordern ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität und ein Nebeneinander von zölibatär lebenden und verheirateten Priestern.
    ……..
    Es besteht aber ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen außerhalb der katholischen Kirche und den systemischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.“

    Paul Haverkamp, Lingen

    Antwort auf "Der Kern der Sache"
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    Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    ich glaube ehrlich gesagt, dass wir uns näher sind, als sie denken.
    Aber ich muss mich doch über eins wundern: Sie sind superkritisch gegen jedes Wort, dass aus der Kath.Kirche kommt, aber das Gerede von Hans Küng nehmen sie so wie es ist für bare Münze. Dabei sind von den derzeitigen Aussagen Küngs 90% absolut falsch.
    Und eins ist sicher: Die Mehrzahl aller Katholiken will gewiss keine Änderung der kirchlichen Sexualmoral. Das wollen ein paar Deutsche und andere Westler. Wissen sie was ich daran lustig finde: Die kath. Sexualethik ist seit 1978 erst richtig ausgearbeitet worden. Sie ist unglaublich reichhaltig und bietet so viele Ansätze für einen reflektierten Umgang mit Sexulität. Allerdings wurde das in Dtl. nie rezipiert, sodass hier keiner mehr weiß, worüber er eigentlich redet. Auch darum hat sich die dt. Theologie und die dt. Kirchverbände in der Gesamtkirche längst ins Aus geschossen. Keiner interessiert sich deswegen mehr in Rom für die Äußerungen dt. Theologen, Bischöfe oder Laienvertreter, weil die in der Gesamtkirche hoffnungslos in der Minderheit sind und ständig Probleme diskutieren, die sonst keiner hat. Rom kümmert sich seit Ende der 1990er um den Missbrauch, da haben die Leute hier noch nichtmal daran gedacht. Und während man in Rom jetzt über die Präzisierung der Maßnahmen nachdenkt, wollen hier wieder alle weltanschauliche Grundsatzdebatten führen.
    Da frage ich mich, wer hier im Raumschiff lebt.

    MfG

    Hainer

    Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    ich glaube ehrlich gesagt, dass wir uns näher sind, als sie denken.
    Aber ich muss mich doch über eins wundern: Sie sind superkritisch gegen jedes Wort, dass aus der Kath.Kirche kommt, aber das Gerede von Hans Küng nehmen sie so wie es ist für bare Münze. Dabei sind von den derzeitigen Aussagen Küngs 90% absolut falsch.
    Und eins ist sicher: Die Mehrzahl aller Katholiken will gewiss keine Änderung der kirchlichen Sexualmoral. Das wollen ein paar Deutsche und andere Westler. Wissen sie was ich daran lustig finde: Die kath. Sexualethik ist seit 1978 erst richtig ausgearbeitet worden. Sie ist unglaublich reichhaltig und bietet so viele Ansätze für einen reflektierten Umgang mit Sexulität. Allerdings wurde das in Dtl. nie rezipiert, sodass hier keiner mehr weiß, worüber er eigentlich redet. Auch darum hat sich die dt. Theologie und die dt. Kirchverbände in der Gesamtkirche längst ins Aus geschossen. Keiner interessiert sich deswegen mehr in Rom für die Äußerungen dt. Theologen, Bischöfe oder Laienvertreter, weil die in der Gesamtkirche hoffnungslos in der Minderheit sind und ständig Probleme diskutieren, die sonst keiner hat. Rom kümmert sich seit Ende der 1990er um den Missbrauch, da haben die Leute hier noch nichtmal daran gedacht. Und während man in Rom jetzt über die Präzisierung der Maßnahmen nachdenkt, wollen hier wieder alle weltanschauliche Grundsatzdebatten führen.
    Da frage ich mich, wer hier im Raumschiff lebt.

    MfG

    Hainer

  4. Sehr geehrter Herr Haverkamp,

    ich glaube ehrlich gesagt, dass wir uns näher sind, als sie denken.
    Aber ich muss mich doch über eins wundern: Sie sind superkritisch gegen jedes Wort, dass aus der Kath.Kirche kommt, aber das Gerede von Hans Küng nehmen sie so wie es ist für bare Münze. Dabei sind von den derzeitigen Aussagen Küngs 90% absolut falsch.
    Und eins ist sicher: Die Mehrzahl aller Katholiken will gewiss keine Änderung der kirchlichen Sexualmoral. Das wollen ein paar Deutsche und andere Westler. Wissen sie was ich daran lustig finde: Die kath. Sexualethik ist seit 1978 erst richtig ausgearbeitet worden. Sie ist unglaublich reichhaltig und bietet so viele Ansätze für einen reflektierten Umgang mit Sexulität. Allerdings wurde das in Dtl. nie rezipiert, sodass hier keiner mehr weiß, worüber er eigentlich redet. Auch darum hat sich die dt. Theologie und die dt. Kirchverbände in der Gesamtkirche längst ins Aus geschossen. Keiner interessiert sich deswegen mehr in Rom für die Äußerungen dt. Theologen, Bischöfe oder Laienvertreter, weil die in der Gesamtkirche hoffnungslos in der Minderheit sind und ständig Probleme diskutieren, die sonst keiner hat. Rom kümmert sich seit Ende der 1990er um den Missbrauch, da haben die Leute hier noch nichtmal daran gedacht. Und während man in Rom jetzt über die Präzisierung der Maßnahmen nachdenkt, wollen hier wieder alle weltanschauliche Grundsatzdebatten führen.
    Da frage ich mich, wer hier im Raumschiff lebt.

    MfG

    Hainer

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    "Das wollen ein paar Deutsche und andere Westler."

    derhainer, gehts noch?

    "Das wollen ein paar Deutsche und andere Westler."

    derhainer, gehts noch?

  5. "dass sich Menschen schon länger von Kirche und Gemeindeleben entfremdet haben".

    So schön, den Menschen das selbständige Denken und die moralische Empörung abzusprechen. Meine Güte, der alte Trick. Nice Try

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