Bildungsförderung Union-Länderchefs halten an Sparplänen fest

Studienplätze, Lehrerstellen, Kinderbetreuung: In vielen Bundesländern konkretisieren sich die Sparvorhaben. Der nächste Bildungsgipfel könnte zur Farce werden.

Streit um Bildungs- und Sparpolitik: Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten - allen voran Roland Koch - wollen in zwei verschiedene Richtungen

Streit um Bildungs- und Sparpolitik: Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten - allen voran Roland Koch - wollen in zwei verschiedene Richtungen

Der Bildungsgipfel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten in drei Wochen steht unter schlechten Vorzeichen. Mehrere Bundesländer planen Ausgabenkürzungen bei Schulen, Hochschulen und Kinderbetreuung – obwohl die Kanzlerin sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen hatte , in genau diesen Bereichen zu sparen.

Hessen beispielsweise will im nächsten Jahr angesichts der schwierigen Haushaltslage 45 Millionen Euro bei den Schulen und 30 Millionen Euro bei den Hochschulen einsparen. Andere Länder signalisieren vor allem Abstriche bei der Kinderbetreuung. Auch das vereinbarte Ziel, die Etats der Forschungsorganisationen pro Jahr um fünf Prozent zu steigern, steht in einigen Ländern zur Diskussion.

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Kanzlerin und Ministerpräsidenten waren beim ersten Bildungsgipfel im Oktober 2008 in Dresden übereingekommen, die Gesamtausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 stufenweise auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) anzuheben . Zugleich hatten die Länder zugesagt, Einsparungen durch den Schülerrückgang – die so genannte demografische Rendite – zur Qualitätsverbesserung in der Bildung einzusetzen. Noch vor der Bundestagswahl hatten die Regierungschefs milliardenschwere Sonderprogramme für Hochschulen und Forschung verabredet. Diese sollten ursprünglich beim nächsten Treffen am 10. Juni im Kanzleramt in Berlin bestätigt werden.

Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU) will das Zehn-Prozent- Ziel des Bildungsgipfels aufschieben . In Sachsen gibt es bereits in diesem Jahr Abstriche bei Ganztagsangeboten, Hochschulen, Forschung und Jugendarbeit. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) wird mit dem Satz zitiert: "Mehr Geld macht nicht automatisch klüger."

In Schleswig-Holstein hat Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU) den Verkauf der Uni-Klinik und den Abbau von Studienplätzen in Aussicht gestellt. In Baden-Württemberg stellt Finanzminister Willi Stächele (CDU) den Ausbau der Kinderkrippen zur Disposition - was Regierungschef Stefan Mappus (CDU) allerdings ablehnt. Mappus will jedoch das im schwarz-gelben Koalitionsvertrag ab 2013 vereinbarte Betreuungsgeld von 150 Euro monatlich streichen.

In Hamburg sind höhere Gebühren für die Kindertagesstätten angekündigt. Die Wissenschaftsbehörde muss bis 2013 gut 30 Millionen Euro einsparen. In Niedersachsen wird ähnlich wie in Schleswig-Holstein diskutiert, das jüngst eingeführte beitragsfreie letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung wieder zu streichen. In Bayern steht die von der Koalition vereinbarte Einstellung von 1000 neuen Lehrern zur Disposition.

Zuwächse bei den Hochschulen meldet hingegen Berlin. Sie sollen im nächsten Jahr 20 Millionen Euro mehr bekommen. Für die drei Kindergartenjahre wird dort bis 2011 schrittweise Beitragsfreiheit eingeführt. Brandenburg zahlt in diesem Jahr erstmals allen bedürftigen Schülern ab Klasse 11 das neue Landes-Schüler-Bafög. Aus mehreren anderen Ländern, so Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, liegen noch keine Haushaltsplanungen vor.

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Michael Kretschmer, kritisierte die Sparpläne scharf. "Die deutschen Defizite bei der Bildung sind hinlänglich bekannt", sagte er. Wenn die Länder keine Priorität bei der Bildungspolitik setzten, dann müsse der Bund allein handeln. In Zeiten knapper Kassen müsse das zusätzliche Geld aber auch tatsächlich in der Bildung ankommen. "Eine Übertragung von Umsatzsteuerpunkten - wie von den Ländern verlangt - verbietet sich nach dieser Diskussion.".

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, sagte, er hoffe, dass die von Bund und Ländern ursprünglich versprochenen Mehrausgaben bei der Bildung "jetzt nicht nur als ein bloßer Vorwand für eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer herhalten müssen".
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...wird man nicht klüger: Da mag Tillich recht haben. Aber man kann sich Bildung kaufen. Damit man nicht dumm bleibt.

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    • Hickey
    • 17.05.2010 um 7:22 Uhr

    Den ich jemals gehört habe.

    Dieser Spruch vereint leider gottes die Dummheit und Kurzsichtigkeit von Herrn Tillich.

    Und sowas ist Politiker...bitte wegsperren oder abschaffen.

    • Hickey
    • 17.05.2010 um 7:22 Uhr

    Den ich jemals gehört habe.

    Dieser Spruch vereint leider gottes die Dummheit und Kurzsichtigkeit von Herrn Tillich.

    Und sowas ist Politiker...bitte wegsperren oder abschaffen.

  2. ...und noch klüger werden können sollten sie ihm bei der nächsten Wahl beweisen: Mit 10% minus für seine dämlichen Sprüche.

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    Minus 45% für alle diese "Machtpolitiker"!

    Minus 45% für alle diese "Machtpolitiker"!

  3. ... nach einigen Monaten des Regierens wird klar, dass die Pläne sooo ja nicht gehen, sie müssen ins Gegenteil verkehrt werden, dann stimmt's erst. Steuern hoch und Bildung runter, bis die Schulden akzeptabler sind.

  4. ...sollten die Bürger jetzt ihre "Länderfürsten": Um sie bei Verstößen gegen das Gerechtigkeitsprinzip fürstlich zu entlohnen: Mit Machtentzug bei den nächsten Wahlen.

  5. können Sie in diesem freien Feld ......................alle Anti-SPD-Parolen einführen, die vor der BW geschrieben und gebrüllt wurden- die treffen nämlich recht genau auf diese Partei zu. Das macht freilich die SPD nicht besser, aber es zeichnet die CDU REALER.

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    ...daß die 2 Millionen Wahlverweigerer der SPD drauf passen gibt es garnicht. Denen gehörte eine große Portion Nachhilfe in demokratischem Verhalten spendiert: Von der CDU können sie das gewiß nicht einfordern.

    ...daß die 2 Millionen Wahlverweigerer der SPD drauf passen gibt es garnicht. Denen gehörte eine große Portion Nachhilfe in demokratischem Verhalten spendiert: Von der CDU können sie das gewiß nicht einfordern.

  6. ... die Demografie und die zukünftige Entwicklung der CDU Wähler mal ansehen.
    Dann wird schon klar warum man ausgerechnet bei Kindern und Bildung spart.
    Da haben einige was vom Aussenminister gelernt.

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    • Mith
    • 16.05.2010 um 14:09 Uhr

    Das ist doch kein neues Phänomen; vielmehr möchte man meinen, dass es immerschon, wenn es darauf ankam, eine dergleichen gestaltete Asymmetrie in der christdemokratischen Politik gab:
    Das war 1957 bei der Rentenreform so, Rentenpolitik hatte Vorrang gegenüber Familien- und Bildungspolitik.

    Das war während der geistig moralischen Wende so, als Unternehmen steuerlich ent- und Familien durch Abstriche beim Kindergeld sowie Kinderfreibeträgen und ähnlichen Geschichten finanziell belastet wurden.

    Und es ist heute wieder so. Einführung der Studiengebühren und jetzt eine Abkehr von dringend benötigten Wandeln in der Ausgabenstruktur zu Gunsten einer fadenscheinigen Haushaltskonsolidierung.

    ... die kosmetisch sozialdemokratisierte CDU ihre Maske fallen. Dazu brauchte es nur schlechte Umfragen und eine verlorene Wahl. Jetzt ist also für Bildung und Kinderkrippen leider kein Geld mehr da. Schade. Ist es die Schuld der Herdprämie? Sollte man nicht lieber die streichen?
    Die Union kann nicht beides haben: Die Konservativen behalten und die Progressiven zugleich gewinnen geht auf dauer nicht. Und wenn die CDU wieder nach rechts rückt, bleibt der SPD zukünftig mehr Raum, auch ohne dass sie zur Linkspartei wird. Man kann der Herren Ministerpräsidenten also nur wünschen, dass sie der Bundesmama ihre Agenda erfolgreich aufdrücken. Profitieren werden langfristig SPD und Grüne.

    • Mith
    • 16.05.2010 um 14:09 Uhr

    Das ist doch kein neues Phänomen; vielmehr möchte man meinen, dass es immerschon, wenn es darauf ankam, eine dergleichen gestaltete Asymmetrie in der christdemokratischen Politik gab:
    Das war 1957 bei der Rentenreform so, Rentenpolitik hatte Vorrang gegenüber Familien- und Bildungspolitik.

    Das war während der geistig moralischen Wende so, als Unternehmen steuerlich ent- und Familien durch Abstriche beim Kindergeld sowie Kinderfreibeträgen und ähnlichen Geschichten finanziell belastet wurden.

    Und es ist heute wieder so. Einführung der Studiengebühren und jetzt eine Abkehr von dringend benötigten Wandeln in der Ausgabenstruktur zu Gunsten einer fadenscheinigen Haushaltskonsolidierung.

    ... die kosmetisch sozialdemokratisierte CDU ihre Maske fallen. Dazu brauchte es nur schlechte Umfragen und eine verlorene Wahl. Jetzt ist also für Bildung und Kinderkrippen leider kein Geld mehr da. Schade. Ist es die Schuld der Herdprämie? Sollte man nicht lieber die streichen?
    Die Union kann nicht beides haben: Die Konservativen behalten und die Progressiven zugleich gewinnen geht auf dauer nicht. Und wenn die CDU wieder nach rechts rückt, bleibt der SPD zukünftig mehr Raum, auch ohne dass sie zur Linkspartei wird. Man kann der Herren Ministerpräsidenten also nur wünschen, dass sie der Bundesmama ihre Agenda erfolgreich aufdrücken. Profitieren werden langfristig SPD und Grüne.

    • IllI
    • 16.05.2010 um 13:23 Uhr

    muss dumm gehalten werden, sonst käme es möglicherweise auf die Idee sich der politischen Klasse zu entledigen die sich auf unsre Kosten die eigenen und die taschen der nächsten vollstopfen und mit ihrer Klientel- und Lobbypolitik dafür sorgen, dass sich auch ja blos nicht allzuviel verändert.
    "Was glauben Sie was hier los wäre wenn mehr Menschen wüssten was hier bereits los ist?"
    -v.pispers-

    • NoG
    • 16.05.2010 um 13:26 Uhr

    rasenmaehermethode und kuerzungen im bildungsbereich.
    mehr- oder minderausgaben ersetzen noch lange keine politik,
    aber scheinbar sind diese moechtegern-volksvertreter solch einfallslose gesellen das sie weder wissen warum sie etwas tun noch abschaetzen koennen was die folgen ihres handelns (oder nichthandelns) sind.

    merkt euch die namen und gesichter, vielleicht nuetzt es ja mal was.

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    ..und wie sie noch alle heißen: Und ob wir sie uns merken. Sie stehen sozusagen schon auf der Gerechtigkeitsliste - Brutalstmöglich.

    ..und wie sie noch alle heißen: Und ob wir sie uns merken. Sie stehen sozusagen schon auf der Gerechtigkeitsliste - Brutalstmöglich.

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