Euro-Krise Bundestag und Bundesrat beschließen Euro-Rettungsschirm

Mit Koalitionsmehrheit hat das Parlament Kreditgarantien für geschwächte Euro-Staaten beschlossen. Auch der Bundesrat stimmte dem Gesetz zu.

SPD-Chef Sigmar Gabriel griff in der Bundestagsdebatte die Regierung scharf an

SPD-Chef Sigmar Gabriel griff in der Bundestagsdebatte die Regierung scharf an

Der Bundestag hat mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen dem Euro-Schutzschirm im Umfang von bis zu 750 Milliarden Euro zugestimmt. Für den Gesetzentwurf stimmten 319 Abgeordnete, 73 votierten dagegen, 195 Parlamentarier enthielten sich der Stimme. SPD und Grüne hatten ihre Enthaltung angekündigt, die Linke ihre Ablehnung. Auch der Bundesrat stimmte dem Gesetz zu.

Zuvor hatte das Parlament eine teils heftige Debatte über den deutschen Anteil am 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für Not leidende EU-Länder geführt. SPD und Grüne griffen die Bundesregierung scharf an, während Außenminister Guido Westerwelle (FDP) der Opposition vorwarf, die Diskussion für innenpolitische Zwecke zu missbrauchen.

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In einer emotionalen Debatte hat SPD-Chef Sigmar Gabriel Finanzminister Wolfgang Schäuble und Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) einen Schlingerkurs bei der Euro-Rettung und im Kampf gegen Spekulanten vorgeworfen. Wenn die Regierung inzwischen für die Finanztransaktionssteuer sei, so stellte sich die Frage, "warum beschließen wir das nicht heute hier im Parlament?", so Gabriel. Der Grund sei, dass es sich nur um einen Formelkompromiss ohne inhaltliche Substanz handle. Die SPD sei nicht gegen das Rettungspaket, stellte Gabriel klar. Aber weil der Rest der Regierungspolitik nicht verlässlich sei und falsch in der Richtung, werde sich die SPD enthalten.

In seiner engagierten Rede hielt Gabriel der Kanzlerin vor, sie sei vor zwei Wochen in Brüssel überhaupt nicht im Bilde gewesen, als es um den Euro-Rettungsschirm gegangen sei. Die Kanzlerin des größten EU-Landes "kommt auf einen EU-Gipfel und wird von Frankreich und anderen EU-Staaten vor vollendete Tatsachen gestellt", hielt er Merkel vor. So sei seit Konrad Adenauer kein deutscher Bundeskanzler in Europa vorgeführt worden. Auch die "deutsch-französische Achse" habe Schaden genommen.

Nicht nur habe die Regierung noch kurze Zeit vor dem neuen Milliarden-Schutzschirm in Abrede gestellt, dass es neue Hilfen geben müsse. Auch bei der Transaktionssteuer gebe es immer neue Positionen der Koalition. "Sie sind doch nicht Deutschlands oberste Animateurin, sie müssen doch selbst führen", rief Gabriel Merkel zu. "Sie haben keine Linie, sie haben kein Ziel." In Europa habe man die Nase gestrichen voll von Merkels Taktieren.

Auch Schäuble ging Gabriel hart an. "Herr Schäuble, was sollen wir ihnen denn nun eigentlich glauben?", fragte er und warf auch ihm widersprüchliche Positionen gerade zur Finanztransaktionssteuer vor. Selbst in der Koalition gebe es Zweifel an Schäubles Glaubwürdigkeit, sagte Gabriel und bezog sich damit auf kritische Worte von CSU-Chef Horst Seehofer . Der hatte in einem Zeitungsinterview am Freitag gesagt, ihn hätten die Äußerungen Schäubles zur Transaktionssteuer irritiert. Die Bevölkerung fühle sich durch solche Äußerungen sogar verhöhnt.

Finanzminister Schäuble hatte das parlamentarische Eilverfahren zur Entscheidung über das Euro-Rettungspaket gegen die Kritik der Opposition verteidigt. Es müsse rasch in Kraft gesetzt werden, was auf EU-Ebene ausgehandelt worden sei, sagte Schäuble, "denn die Märkte vertrauen erst, wenn es in Kraft ist". Schäuble appellierte an die Opposition, dem Gesetz doch noch zuzustimmen. SPD und Grüne kündigten aber beide eine Stimmenthaltung an, die Linken wollen mit Nein stimmen.

Schäuble sieht weiter Hürden für eine internationale Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte. "Die Frage, geht es global, wird sehr skeptisch von vielen beurteilt", sagte er. Wenn es beim G-20-Gipfel im Juni nicht möglich sei, müsse eine solche Steuer EU-weit geprüft werden. Dafür werde sich die Bundesregierung stark machen. "Dann wird es in Europa eine ganz zentrale Frage sein: Geht eine solche Steuer nur unter Einschluss des größten Finanzplatzes London?" Notfalls müsse es im Euro-Raum versucht werden. "Ob wir dafür eine Mehrheit im Euro-Bereich bekommen, kann ich Ihnen heute nicht versprechen."

Der Finanzminister verwies darauf, dass der Kurs des Euro nach einer kurzzeitigen Erholung nach der EU-Einigung wieder gefallen sei. Er hob auch hervor, dass Deutschland das erste Land sei, dessen Parlament über den Rettungsschirm entscheidet. Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich am Dienstag geeinigt, eine internationale Finanztransaktionssteuer einzufordern . Schäuble hatte am gleichen Tag in Brüssel jedoch Zweifel angemeldet.

Leser-Kommentare
    • Shizzo
    • 21.05.2010 um 12:51 Uhr

    Was soll ich dazu sagen?
    Sie versuchen fast alle durch Taktiken weiterhin gewählt zu werden. Aber das Wohl des Volkes geht außen vor.

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    • joG
    • 22.05.2010 um 8:34 Uhr

    ....der regionalen Staatsform.

    • joG
    • 22.05.2010 um 8:34 Uhr

    ....der regionalen Staatsform.

  1. dass das Ifo Institut in München den Schirm für vollkommen überflüssig hält. Vielmehr werden wir jetzt Zahlmeister für all diejenigen, die munter Schulden machen und auf Zahlungsunfähigkeit Plädieren

    • WIHE
    • 21.05.2010 um 13:01 Uhr

    Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen"

    Das ist die Devise, nach der Bundestag und die Regierung mit deutschen Milliarden um sich schmeißen.
    Irgendwann wird ihnen der Kessel um die Ohren fliegen, das Volk ist lange geduldig,
    irgendwann steht es wieder auf und man hört:
    "Wir sind das Volk", Wir sind das Volk, das dafür bluten muss.
    Wir haben es mit einer EURO-Iedeologie zu tun und wie man weiß, fahren Ideologien irgendwann frontal gegen die Wand, weil sie wider die Realitäten handeln. Sie können nicht anders, UDSSR, Jugoslawien, Tschechoslowakei vom Winde verweht.

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    Wir versaufen nicht unsrer Oma ihr klein Häuschen, sonder wir schmeißen eine lokalrunde, für die die schon unterm Tisch liegen und lassen anschreiben!

    Wir versaufen nicht unsrer Oma ihr klein Häuschen, sonder wir schmeißen eine lokalrunde, für die die schon unterm Tisch liegen und lassen anschreiben!

  2. sie verneint oder bejaht, dem Verfahren wohnt ein zu Lasten von Frau BK, mit Vorsatz oder nicht zu akzeptierender Fahrlässigkeit durch sie selbst begangener Verfassungsbruch festzustellen.
    Das ist gewichtig zu notieren, gewichtig in der Beurteilung des Zustandekommens dieses Gesetzes.
    Die Eile des Verfahrens ist nicht zu begründen, rational zumindest. Das Verfahren zeigt (auch), wie die bestehende, man sollte meinen bindende Gesetzeslage durch Regierende umgangen werden soll und auch umgangen wird.
    Die Folgen hieraus sind mehr denn nur bedenklich, lassen sie doch weitreichende Vermutungen zu, Befürchtungen gar.

    Das läßt den Inhalt des Gesetzesvorhabens der Regierung in den politischen Hintergrund treten, denn Verfassungsbruch ist offensichtlich zum Bestandteil einer Politik geworden,
    welche auch Gesetze ermöglicht, die ohne ausreichende und umfassende Kenntnis des Parlaments Regierungsvorhaben und deren Durchsetzung ermöglicht.

    Die Debatte hierüber sollte fortan geführt werden, auch durch Normenkontrollklage vor dem BVerfG - gleich mit welcher Wirkung auf das hiermit beschlossene Gesetz.

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    • joG
    • 22.05.2010 um 8:47 Uhr

    ....sind nicht von der Hand zu weisen, aber sie kommen etwas spät. Die Legitimierungskette vom Souverän ist schon lange kaputt. Das ist sie an mehreren Stellen und ist vermutlich unheilbar, ohne drastisch scheinende Maßnahmen, da die politische Elite kein Interesse daran haben kann die Risiken einzugehen, die die notwendigen Änderungen für sie bedeuten würden. Was könnte die Beamten veranlassen zu entscheiden, dass sie die Macht abgeben sollten?

    • joG
    • 22.05.2010 um 8:47 Uhr

    ....sind nicht von der Hand zu weisen, aber sie kommen etwas spät. Die Legitimierungskette vom Souverän ist schon lange kaputt. Das ist sie an mehreren Stellen und ist vermutlich unheilbar, ohne drastisch scheinende Maßnahmen, da die politische Elite kein Interesse daran haben kann die Risiken einzugehen, die die notwendigen Änderungen für sie bedeuten würden. Was könnte die Beamten veranlassen zu entscheiden, dass sie die Macht abgeben sollten?

  3. auf die Regierung den mündigen Bürger noch beeindrucken.

    Weit gefehlt, Sigmar Gabriel, wir haben kapiert, daß ihr noch schlimmer für die Bevölkerung seid.

    Und dann immer diese Überhöhungen, gräßlich!
    "So sei seit Konrad Adenauer kein deutscher Bundeskanzler in Europa vorgeführt worden. Auch die "deutsch-französische Achse" habe Schaden genommen."

    Das muss gerade ein Vasall Gerhard Schröders sagen!

  4. 6. Prost

    Wir versaufen nicht unsrer Oma ihr klein Häuschen, sonder wir schmeißen eine lokalrunde, für die die schon unterm Tisch liegen und lassen anschreiben!

  5. Die Sitzung des Bundestages am Bildschirm zu verfolgen war wenig erfreulich. Es wurde sehr viel behauptet. Wenig hingegen wurde bewiesen. Gabriel zielte mit seinen Argumenten zwar genau, aber kaum wirkungsvoll. Trittin kann ebenso schrill poltern wie man das bei Westerwelle beobachten kann. Gysi ist ein interessanter Redner und verfügt über gute Argumente und einer überzeugenden Logik. Leider gehört er zu den LINKEN und die werden ausgegrenzt wo immer man das kann. Die Wähler grenzen diese Parftei nicht so aus und deshalb erhält sie auch weiterhin Zuwachs.
    Wann werden das denn die anderen - sich stets demokratischen Parteien - zur Kenntnis nehmen ?

    Die Enthaltung der SP ist wenig überzeugend, eher halbherzig. In NRW zeigt die SPD ein besonderes "Polit-Theater". Wohlwissend, das man mit der LINKEN weder darf noch kann, werden formal "Gespräche" mit der LINKEN als "Alibi" geführt um zu beweisen, wie "demokratisch" man doch sei. In Wirklichkeit möchte Frau Kraft unbedingt Ministerpräsidentin werden und nunmehr biedert sie sich der CDU an. Was wird das Ergebnis sein ? Die angeblich abgewählte CDU nimmt wieder das Ruder in die Hand und Rüttgers kann sich erneut als "Landesvater" küren lassen. Alos, sioehe oben: viel Geschrei, viel Lärm und wenig Glaubwürdigkeit.

  6. Das braucht dieses Deutschland und wenn es ein Europa der Menschen geben soll, dann muß es diesen in ganz Europa geben.

    Nur so wird ein für allemal geklärt, für wen dieses Europa geschaffen wurde.
    Und für so eine Aktion bedarf es den Willen und die Kraft von millionen Menschen.
    Wenn sich alle einig sind, ist eine Wende zum Positiven möglich.
    Hier geht es nicht um Links oder Rechts, hier geht es um uns alle.

    Wenn wir einfachen Menschen den Zug verpassen, wartet auf den größten Teil zukünftig nur noch die Armut.

    Orpheus

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