Köhlers Demission Rücktritt setzt die Regierung unter Druck
Binnen 30 Tagen muss die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten wählen. Das bürgerliche Lager hat unter den 1244 Delegierten eine komfortable Mehrheit.
Der Rücktritt von Horst Köhler dauerte nur wenige Augenblicke – die Vorbereitung der Wahl eines neuen Staatsoberhaupts hingegen erfordert deutlich mehr Zeit. Dennoch ist dafür große Eile geboten: Denn innerhalb von 30 Tagen muss ein Nachfolger bestimmt werden. Die 14. Bundesversammlung wird demnach spätestens am Mittwoch, den 30. Juni, zusammenkommen, um den zehnten Bundespräsidenten zu wählen.
Solange übernimmt der Bundesratspräsident die Aufgaben des Staatsoberhaupts – turnusgemäß hat momentan der Bremer Bürgermeister, Jens Böhrnsen, das Amt inne. Er muss nun Gesetze prüfen lassen und unterschreiben, gegebenenfalls auf Vorschlag der Kanzlerin neue Bundesminister oder Bundesrichter und Bundeswehr-Generäle ernennen, Botschafter beglaubigen und nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen die Regierung den Bundestag auflösen.
Hinter den Kulissen suchen die Regierungsparteien nun nach einem geeigneten Kandidaten. Erneut dürfte sich ein Kandidat des bürgerlichen Lagers durchsetzen, da nach ersten Rechnungen der Experten von wahlrecht.de Union und FDP gemeinsam in der Bundesversammlung eine Mehrheit von rund 647 Delegierten haben. SPD und Grüne kommen gemeinsam auf rund 460 Wahlmänner und -frauen, zusammen mit der Linkspartei wäre dann Rot-Rot-Grün bei 585 Delegierten. Dazu kommen noch 14 Vertreter anderer Gruppierungen.
Anders als in vielen anderen Ländern, etwa in den USA, Frankreich, Österreich oder Polen, wird der deutsche Präsident nicht direkt von den Bürgern gewählt. Für die Wahl des Staatsoberhauptes ist hier zu Lande die Bundesversammlung zuständig. Sie hat keine andere Aufgabe und kommt nur alle fünf Jahre zusammen – es sei denn, der Bundespräsident stirbt, wird vom Bundesverfassungsgericht abgesetzt oder tritt zurück. Letzteres kam in der Geschichte der Bundesrepublik erst zwei Mal vor – aber noch nie hat ein Präsident mit sofortiger Wirkung das Amt aufgegeben. Heinrich Lübke legte 1969 sein Amt zehn Wochen vor dem Ablauf seiner zweiten Amtszeit nieder und hatte den Schritt ein halbes Jahr vorher angekündigt.
Erstmals muss nun eine Bundesversammlung überraschend und unter Zeitdruck zusammengestellt werden. Das Gremium setzt sich aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Zahl von Wahlfrauen und -männern der 16 Bundesländer zusammen. Zur kommenden Wahl werden 1244 Delegierte wahlberechtigt sein. Darunter sind nicht nur Politiker, die Länder entsenden in der Regel auch Sportler, Künstler und andere bekannte Persönlichkeiten. Die CSU in Bayern schickte 2004 etwa Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Die SPD entsandte in die vergangene Bundesversammlung den Schauspieler Ottfried Fischer, die Grünen den Saxophonisten Klaus Kreuzeder.
Die Wahl des Staatsoberhaupts ist im Grundgesetz, Artikel 54 , geregelt. Gewählt werden kann jeder Deutsche über 40 Jahren, solange ihm die Bürgerrechte nicht aberkannt wurden. Die Delegierten der Bundesversammlung stimmen in geheimer Wahl ab. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur ein Mal möglich.
Zusammengerufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten. Während die Abgeordneten des Bundestages schon feststehen, bleibt den Ländern ein gewisser Spielraum. Die Bundesregierung veröffentlicht im Bundesgesetzblatt, wie viele Delegierte die einzelnen Länder schicken dürfen. Das ergibt sich aus der Einwohnerzahl der Länder – je größer ein Bundesland ist, desto mehr Delegierte darf es benennen.
Gewählt werden die 622 Vertreter der Länder von den Landtagen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Jede in den Landtagen und Bürgerschaften vertretene Partei entsendet eine Anzahl von Delegierten, die sich nach der Stimmverteilung im Landtag richten. So sind die Freien Wähler, die im Bayerischen Landtag vertreten sind, mit rund zehn Delegierten in der Bundesversammlung dabei. Lediglich der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der die dänische Minderheit im Landtag in Kiel repräsentiert und dank einer Sonderregelung auch mit weniger als fünf Prozent der Stimmen in das Parlament einzieht, hatte bisher einen zu geringen Stimmenanteil, um einen Delegierten zu entsenden.
- Datum 31.05.2010 - 19:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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schreiben Sie doch nicht die Phrase vom "bürgerlichen Lager!".
Das ist die Kampfrethorik von "Mitte-Rechts", um "Mitte-Links" ins linke Abseits zu drängen.
Bei uns sind auch die Grünen und die Sozialdemokraten ziemlich bürgerlich. Und die "Linke" muss sich erst noch einigen und herausfinden, was sie ist.
Also:
Schwarz-gelb ist "mitte-rechts", und rot-grün ist "mitte-links".
Geht doch!
Für mich ist das alles der gleiche Klumpatsch.
Und für ein bürgerliches Lager braucht man doch ein Bürgertum, oder? Das sehe ich in Deutschland aber langsam sublimieren.
Für mich ist das alles der gleiche Klumpatsch.
Und für ein bürgerliches Lager braucht man doch ein Bürgertum, oder? Das sehe ich in Deutschland aber langsam sublimieren.
Muss ihnen voll und ganz zustimmen , th.
Die wachsende Instabilität bundesdeutscher Politik weckt große Befürchtungen.
Selbst der ärgste Gegner musste einer konservativ-liberalen Regierung einräumen, sie stehe für Stabilität.
Diskontinuität und Instabilität in gerademal einigen Monaten nach dem Regierungswechsel in Berlin sind Alarmsignale!
Während Herr Koch langüberlegt strategisch gehandelt hat, setzt Herr Köhler auf den schnellen Schockeffekt.
Dieses Verhalten wird insbesondere einem Bundespräsidenten nicht zugeschrieben. Fragt sich nur, wohin das führt?
Höchste Zeit, das Grundgesetz zu ändern und den Bundespräsidenten vom Volke wählen zu lassen.
Falls jetzt wieder ominös von Hindenburg gemurmelt wird, auch der Reichstag hat sich bei der Verteidigung der Demokratie nicht mit Ruhm bekleckert. Sollen wir deshalb auf Bundestagswahlen verzichten?
Die Wahl durch die Bundesversammlung gibt das höchste Staatsamt dem politischen Kuhhandel preis. Bei manchen der gehandelten Namen kann einen gruseln.
Aber was wäre die Alternative?
Lena, Nena, Raab, Jauch, Bohlen, Gottschalk, Beckenbauer?
Vielleicht wäre es besser, das Amt ganz abzuschaffen und die wenigen wirklichen Pflichten des BP je nachdem vom Bundesverfassungsgericht, dem Bundestag oder dem Bundesrat wahrnehmen zu lassen. Einen Grüßaugust brauchen wir jedenfalls nicht.
Die Franzosen wählen auch keine Schlagerstars oder Fußballer zum Präsidenten, warum fürchten Sie das bei den Deutschen?
Ich bin überzeugt, daß die Deutschen bei einer Direktwahl einen guten Präsidenten wählen würden. Nur die arrogante "Politische Klasse" ist überzeugt davon, daß besser sie als das Volk den Präsidenten wählen sollte.
Die Franzosen wählen auch keine Schlagerstars oder Fußballer zum Präsidenten, warum fürchten Sie das bei den Deutschen?
Ich bin überzeugt, daß die Deutschen bei einer Direktwahl einen guten Präsidenten wählen würden. Nur die arrogante "Politische Klasse" ist überzeugt davon, daß besser sie als das Volk den Präsidenten wählen sollte.
Für mich ist das alles der gleiche Klumpatsch.
Und für ein bürgerliches Lager braucht man doch ein Bürgertum, oder? Das sehe ich in Deutschland aber langsam sublimieren.
Die Franzosen wählen auch keine Schlagerstars oder Fußballer zum Präsidenten, warum fürchten Sie das bei den Deutschen?
Ich bin überzeugt, daß die Deutschen bei einer Direktwahl einen guten Präsidenten wählen würden. Nur die arrogante "Politische Klasse" ist überzeugt davon, daß besser sie als das Volk den Präsidenten wählen sollte.
Sie wissen schon, dass der Präsident in Frankreich eine gänzlich andere politische Rolle spielt als in Deutschland. Absicht der Verfassungsväter war allerdings eine Stärkung des Parlaments. Deshalb wird der Bundeskanzler, welcher ja die Richtlinienkompetenz besitzt auch vom Parlament gewählt. Gleichwohl waren viele Bundestagswahlen auch "Kanzlerwahlen". Durch diese indirekte Wahl wurde ein Kompromiss geschlossen. Stärkung des Parlaments auf Kosten der Exekutive. Gleichzeitung wurde diese Schwächung durch die Richtlinienkompetenz und das konstruktive Misstrauensvotum ausgeglichen. Eine sinnvolle und tragfähige Konstruktion. Diese käme allerdings aus dem Gleichgewicht, wenn man dem Kanzler einen Bundespräsidenten an die Seite stellen würde, welcher nun über eine zusätzliche Legetimierung durch eine Volkswahl verfügen würde. Diese Konstruktion hat sich im übrigen über viele Jahre bestens bewährt. Wir hatten herausragende Bundespräsidenten wie Heuss, Heinemann und v. Weizsäcker und sonst durchweg fähige Präsidenten.
Sie wissen schon, dass der Präsident in Frankreich eine gänzlich andere politische Rolle spielt als in Deutschland. Absicht der Verfassungsväter war allerdings eine Stärkung des Parlaments. Deshalb wird der Bundeskanzler, welcher ja die Richtlinienkompetenz besitzt auch vom Parlament gewählt. Gleichwohl waren viele Bundestagswahlen auch "Kanzlerwahlen". Durch diese indirekte Wahl wurde ein Kompromiss geschlossen. Stärkung des Parlaments auf Kosten der Exekutive. Gleichzeitung wurde diese Schwächung durch die Richtlinienkompetenz und das konstruktive Misstrauensvotum ausgeglichen. Eine sinnvolle und tragfähige Konstruktion. Diese käme allerdings aus dem Gleichgewicht, wenn man dem Kanzler einen Bundespräsidenten an die Seite stellen würde, welcher nun über eine zusätzliche Legetimierung durch eine Volkswahl verfügen würde. Diese Konstruktion hat sich im übrigen über viele Jahre bestens bewährt. Wir hatten herausragende Bundespräsidenten wie Heuss, Heinemann und v. Weizsäcker und sonst durchweg fähige Präsidenten.
Ein sich beleidigt fühlender Bundespräsident schmeisst hin. Warum? Weil - zurecht - der allzu missverständliche Blödsinn, den er verzapft hat, zu Prostest geführt hat. Wie blauäugig ist Horst Köhler denn bitteschön? Die Zeiten der Aristokratie sind gottlob vor und damit darf ja wohl auch ein Bundespräsident kritisiert werden, wenn er - na sagen wir mal - ein wenig wirr daher redet. Man hört von Wutausbrüchen des Präsidenten, schlechter Stimmung im Bundespräsidialamt und einer recht hohen Personalfluktuation. Da konnte der Herr Bundespräsident in diesem Fall wohl seine Wut nicht an seinen Mitarbeitern auslassen und brach gleich aus dem Amt aus. Wer mit ein wenig berechtigter Kritik nicht umgehen kann und gleich die Flinte ins Korn wirft, der ist auch des höchsten Staatsamtes dieser Republik nicht würdig - und soll bleiben wo der Pfeffer wächst. "Zero points Horst!"
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