Fehlersuche nach NRW CSU mahnt, Liberale schimpfen
Die Suche nach Schuldigen für das NRW-Wahlergebnis läuft intensiv: Die FDP kritisiert den CDU-Flirt mit den Grünen, CSU-Chef Seehofer Westerwelles Hartz-IV-Äußerungen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Mitverantwortung der Berliner Koalition für die Unionsverluste in Nordrhein-Westfalen eingeräumt. "Wir haben in den ersten Monaten der Regierung in Nordrhein-Westfalen nicht Rückenwind gegeben, im Gegenteil, sogar Gegenwind." Es habe in der Berliner Koalition "an zu vielen Stellen zu unterschiedliche Meinungsäußerungen" gegeben, außerdem sei der Schwerpunkt zu stark auf das Thema Steuersenkungen gelegt worden. "Da waren viele beteiligt", sagte die CDU -Chefin. Dies solle sich nun bessern. In der inhaltlichen Grundausrichtung sah sie hingegen "keinen Veränderungsbedarf". Auch eine Kabinettsumbildung schloss die Kanzlerin aus.
Auch Guido Westerwelle hielt sich zurück. Kritisch, aber ohne direkte Angriffe kommentierte der FDP-Vorsitzende die für seine Partei und die Koalition desaströse NRW-Wahl . Zwar verlangte er eine bessere Zusammenarbeit und "mehr Teamgeist" in der schwarz-gelben Bundesregierung; zwar kündigte er an, die Arbeit der Koalition werde "sachorientierter" und "reibungsloser" werden. Doch Schuldzuweisungen waren von ihm nicht zu hören.
Ganz anders Westerwelles Parteifreund und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. An dem Wahlergebnis sei abzulesen, dass derjenige, der unklare Botschaften sende, weil er über Schwarz-Grün nachdenke , "bei bürgerlichen Wählern nicht ankäme", sagte er in Richtung CDU. Die FDP habe ihr Wahlziel nicht erreicht, aber sie gehöre angesichts der leichten Zugewinne nicht zu den Verlierern. "Andere müssen sich da mehr Gedanken machen", sagte der frühere FDP-Generalsekretär.
Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff warf dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers einen unklaren Kurs im Wahlkampf vor. Während sich die FDP ganz klar zur Fortführung der bürgerlichen Koalition bekannt habe, habe sich die Union von diesem Ziel verabschiedet, sagte er im Deutschlandradio. Rüttgers habe auf der Schlussveranstaltung die FDP nicht einmal mehr erwähnt. Zudem habe er sich zehn Tage vor der Wahl vom zentralen Motto des Landes "Privat vor Staat" verabschiedet.
Schon am Wahlabend war bei den Liberalen intern Kritik an Rüttgers laut geworden, der vor der Wahl die von der FDP geforderten Steuersenkungen abgelehnt hatte. "Jürgen Rüttgers lag völlig daneben, dass er als Johannes Rau für Arme auftrat und meinte, NRW-Politik sei nach Art der Kolpingfamilie zu machen", sagte der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki , der Leipziger Volkszeitung .
Kubicki kritisierte zudem, die FDP habe sich einseitig an die CDU gebunden. Die Partei müsse sich nun als selbstbewusste eigenständige Kraft darstellen und dürfe nicht als "abgeleitetes, unselbstständiges Anhängsel der CDU" erscheinen.
CSU-Chef Seehofer machte die Schuld an dem Wahldebakel bei der Bundesregierung und speziell der FDP fest. Neben landespolitischen Gründen und der Entscheidung zur Griechenland-Hilfe gebe es "ohne Zweifel auch bundespolitische Dinge: die Entscheidung, im Grunde vor NRW nicht zu entscheiden, nicht zu handeln", sagte Seehofer.
Dies habe abstrakte Diskussionen gefördert – etwa die von der FDP angestoßene Debatte über den Sozialstaat , die vor allem dem linken politischen Spektrum gedient habe. "Das war eine dieser Debatten, die besser unterblieben wären", kritisierte er.
Auf die Frage, ob auch die CSU durch koalitionsinterne Störfeuer zum schlechten Erscheinungsbild von Schwarz-Gelb beigetragen habe, antwortete Seehofer, seine Partei habe den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen nicht beeinträchtigt. "Es gab mit uns keine kontroversen Debatten in den letzten Monaten."
Als Konsequenz aus der NRW-Wahl müsse Schwarz-Gelb in Berlin jetzt die Kräfte bündeln und klaren Kurs halten bei der Stabilität der Währung, der Konsolidierung des Haushaltes und der Sozialversicherungen, forderte Seehofer. Außerdem müsse die Koalition Impulse für weiteres Wirtschaftswachstum schaffen. "Ich glaube, es ist jetzt wirklich an der Zeit, dass man ganz konkret und mit hohem Tempo Politik macht", sagte Seehofer.
- Datum 10.05.2010 - 15:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 15
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oder eher das Selbe. Versprechen über Versprechen in der Hoffnung, dass der dumme Wähler nicht merkt, dass man sich nur noch im absondern von Worthülsen retten kann.
Aber immerhin hat Schwarz/Gelb die Karre so schnell in den Mist gefahren wie keine andere Koalition vor ihr. Und das in einer Zeit, in der statt Wortblabla echte Ideen und Taten erforderlich werden. Wir leben in interessanten Zeiten, um die uns die Historiker der Zukunft beneinden werden!!!
...hat sich Clown Westerwelle mal zurückgehalten (wurde der an einem Stuhl gebunden?) so fangen die anderen an zu kreischen...
Eine Partei die in einem Staat ohne Geld Steuern senken will, und Politik verkauft (siehe Mövenpick) kann doch niemand ernstnehmen.
Die FDP hat ihre (überhöhten) 6,x% nur bekommen weil der Rest des Volkes genug hat - "Randerscheinungen" der Politik haben immer ein leichteres Spiel wenn der Rest der Bevölkerung genug von den Politikern hat.
Hätten mehr Leute gewählt - ich bin mir recht sicher dass die FDP einen geringeren Stimmenanteil bekommen hätte.
Und warum will die niemand in NRW - ein Großteil von NRW ist das Ruhrgebiet und da sind nunmal nicht alle Millionäre - warum war NRW eine SPD Hochburg - weil sie ursprünglich die Partei der Arbeiter war.
Mittlerweile ist die SPD nicht mehr sozial und die "Arbeiterschaft" gibt es in der Form auch nicht mehr - aber trotzdem.
Was bleibt - CDU, Grüne - CDU will man nicht mehr...
Die Grüne - als Koalitionspartner ja, als Regierung bringt sie dem "kleinen Mann" auch nicht viel...
Dass die FDP überhaupt über 5% erreicht hat, wundert mich schon. Dieses miese Ergebnis ist die Antwort auf das unmögliche und teilweise infantile Auftreten des Herrn Westerwelle. Dieser Mann ist der Sargnagel der Berliner Koalition. Selten hat ein Politiker so miese Symphatienoten gehabt wie er.
Wann handelt die FDP endlich und wählt sich einen neuen Vorsitzenden. Intelligente Leute haben sie doch genug.
....wundert mich schon."
Eben. Sie hat sogar dazugewonnen. Nicht viel, aber sie hat. Das grenzt sie positiv zur CDU ab und lässt vermuten, dass sie etwas richtig machte. So kann man schon ableiten, dass ihre Politik Unterstützung findet. Dass gerade in NRW sie sich halten konnte ist signifikant. Sie hat halt das Pech, dass die meisten Wähler zwischenzeitlich Transferempfänger sind und die Steuern nie auf dem Konto ankommen, so dass die meisten Menschen gar nicht realisieren, wie viel ihnen genommen wird.
....wundert mich schon."
Eben. Sie hat sogar dazugewonnen. Nicht viel, aber sie hat. Das grenzt sie positiv zur CDU ab und lässt vermuten, dass sie etwas richtig machte. So kann man schon ableiten, dass ihre Politik Unterstützung findet. Dass gerade in NRW sie sich halten konnte ist signifikant. Sie hat halt das Pech, dass die meisten Wähler zwischenzeitlich Transferempfänger sind und die Steuern nie auf dem Konto ankommen, so dass die meisten Menschen gar nicht realisieren, wie viel ihnen genommen wird.
kann man eben nur bei einer Wahl erteilen, kurzer Kater und dann wird weitergewurstelt und die Bezuege erhoeht, mir reicht eine "Republik" wie diese hier.
Grad eben tobten sie doch noch....
Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff:
"Während sich die FDP ganz klar zur Fortführung der bürgerlichen Koalition bekannt habe, habe sich die Union von diesem Ziel verabschiedet, sagte er im Deutschlandradio."
und
Der SLH FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki: "Kubicki kritisierte zudem, die FDP habe sich einseitig an die CDU gebunden."
Nun meldet die dpa seit Mittag, eine Rot/Gelb/Grün-Koalition in NRW wäre nicht ausgeschlossen: "Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle will die Entscheidung über eine mögliche Ampel-Regierung in Nordrhein- Westfalen dem dortigen Landesverband überlassen. Diese Frage müsse man «vor Ort bewerten und entscheiden» ..." (http://de.news.yahoo.com/...)
Da wird man ja ganz kirre, wenn aus allen Richtungen gleichzeitig gegensätzliche Aussagen kommen. Entweder es war nur während des Wahlkampfes ernst gemeint, dass die FDP ausschließlich für Schwarz/Gelb zur Verfügung steht. Oder sie schließt auch jetzt andere Koalitionen aus.
Nach der Wahl also zwei klare Meinungen und nur eine ist die Wahrheit -- welche, wird dann noch entschieden.
In Hessen wurde die SPD mit Andrea Ypsilanti für eine solche Wackelei bei Koalitionsaussagen in die Wüste geschickt. Im Fall der FDP in NRW wäre es nur noch eine Randnotiz.
Alles Gute
Kai Hamann
Das der CSU-Chef endlich mal die NRW(!) Wahl analysiert!
Jetzt muss sich nur noch Barack Obama dazu äußern, dann wissen wir endlich welche Politik unser Bundesland braucht.
"Luja we can!"
W.
Ein paar Textschnipsel aus diesem Artikel:
"...weil er über Schwarz-Grün nachdenke, 'bei bürgerlichen Wählern nicht ankäme...'"
"Während sich die FDP ganz klar zur Fortführung der bürgerlichen Koalition bekannt habe, habe sich die Union von diesem Ziel verabschiedet..."
"...die FDP habe sich einseitig an die CDU gebunden. Die Partei müsse sich nun als selbstbewusste eigenständige Kraft darstellen..."
Es ist ziemlich offensichtlich, daß bei CDU und FDP die Meinung vorherrscht, man habe nur wahltaktisch ein paar Fehler gemacht und sich zu früh wie auch immer positioniert oder auch nicht.
Dabei ging es doch nicht, wie im letzten hessischen Landtagswahlkampf um eine künstlich herbeigeredete "rot-rote Gefahr" und den damit verbundenen Untergang des Abendlandes und die Implosion des Universums, und auch die Krawatten der Kandidaten saße richtig, die Plakate waren toll geklebt, und die vorbildliche Pressearbeit der NRW-CDU bietet kaum einen Grund zur Klage...
Es ging um Inhalte, und das haben Union und FDP offenbar immer noch nicht verstanden: die Politik, die Merkel, Westerwelle und die lokalen Statthalter vertreten, hat sich als unhaltbar, unzeitgemäß und unfinanzierbar entpuppt.
"Es ging um Inhalte, und das haben Union und FDP offenbar immer noch nicht verstanden: die Politik, die Merkel, Westerwelle und die lokalen Statthalter vertreten, hat sich als unhaltbar, unzeitgemäß und unfinanzierbar entpuppt."
Sie bringen es auf den Punkt. Aber das rührt daher, dass sowohl CDU als auch und vor allem die FDP nicht an Selbstkritik leiden. Für alles, was nach eigenen Fehlern aussieht, finden besagte Parteien immer eine Ausrede. Gutes Beispiel von Herrn Kubicki: Er sagt, die FDP dürfe nicht als "abgeleitetes, unselbstständiges Anhängsel der CDU" erscheinen. Sie erscheint aber dem Großteil der Bevölkerung als "abgeleitetes, unselbstständiges Anhängsel der Lobbyisten und der Besserverdiener". Na, aber das sehen FDP Anhänger wohl anders.
Leider auch immer noch 6 Prozent derjenigen, die ihre Stimme bei der NRW Wahl abgegeben haben.
"Es ging um Inhalte, und das haben Union und FDP offenbar immer noch nicht verstanden: die Politik, die Merkel, Westerwelle und die lokalen Statthalter vertreten, hat sich als unhaltbar, unzeitgemäß und unfinanzierbar entpuppt."
Sie bringen es auf den Punkt. Aber das rührt daher, dass sowohl CDU als auch und vor allem die FDP nicht an Selbstkritik leiden. Für alles, was nach eigenen Fehlern aussieht, finden besagte Parteien immer eine Ausrede. Gutes Beispiel von Herrn Kubicki: Er sagt, die FDP dürfe nicht als "abgeleitetes, unselbstständiges Anhängsel der CDU" erscheinen. Sie erscheint aber dem Großteil der Bevölkerung als "abgeleitetes, unselbstständiges Anhängsel der Lobbyisten und der Besserverdiener". Na, aber das sehen FDP Anhänger wohl anders.
Leider auch immer noch 6 Prozent derjenigen, die ihre Stimme bei der NRW Wahl abgegeben haben.
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