Milliardenkredit Berlin entscheidet über Griechenland-Hilfe

Mit 110 Milliarden Euro wollen EU und IWF Griechenland helfen. Das Kabinett in Berlin wird heute über den deutschen Anteil von 22,4 Milliarden Euro beraten.

Die Sitzung der Euro-Finanzminister ging nicht ohne erneute Kritik an der zögerlichen deutschen Haltung vorüber. "Ich habe beinahe die Geduld verloren", sagte der Chef der Euro-Gruppe, der Luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker unter Verweis auf den wochenlangen Einigungsprozess.

Doch seit Sonntag ist die wichtigste Hürde genommen. Die 16 Euro-Finanzminister haben das 110-Milliarden-Kreditpaket für das überschuldete Griechenland beschlossen. Die Euro-Länder sollen 80 Milliarden Euro aufbringen, 30 Milliarden der Internationale Währungsfonds (IWF) . Die Bundesregierung kann die deutsche Hilfe nun auf den Weg bringen: Das Kabinett wird in einer Sondersitzung am heutigen Montag das Gesetzgebungsverfahren beginnen.

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Zudem will der Haushaltsausschuss des Bundestags ebenfalls in einer Sondersitzung darüber beraten. Auch die Bundestagsfraktionen sollen informiert werden. Bundestag und Bundesrat wollen das Verfahren bis zum Freitag abschließen.

Im Gegenzug verpflichtet sich Griechenland zu einem harten und streng überwachten Sparkurs . Dieser sieht massive Kürzungen bei Einkommen und Renten sowie Steuererhöhungen vor. So wird die Mehrwertsteuer zum zweiten Mal in diesem Jahr um zwei Punkte auf dann 23 Prozent heraufgesetzt. Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou sprach von "großen Opfern" für die Bevölkerung.

Deutschland

Im Zuge der Griechenland-Hilfe ist geplant, dass die staatliche Förderbank KfW der griechischen Regierung einen Kredit für zwölf Monate von bis zu 8,4 Milliarden Euro gewährt. Eine Bürgschaft des Bundes sichert ihn ab.

Bis 2012 sind insgesamt 22,4 Milliarden Euro vorgesehen.

Die Bundesregierung begründet das Gesetz damit, dass es die Stabilität des Euro sichern helfe, was auch Deutschland nütze.

Volumen

Die Euro-Länder haben ein Drei-Jahres-Kreditprogramm beschlossen. Sie sollen 80 Milliarden Euro aufbringen, 30 Milliarden der Internationale Währungsfonds.

Daran beteiligen sich alle 15 Euroländer entsprechend ihrer jeweiligen Beteiligung an der Europäischen Zentralbank. Für Deutschland sind das rund 28 Prozent, für 2010 also etwa 8,4 Milliarden Euro.

Die EU-Staaten betonen, dass die Hilfen keine Subvention darstellen – auf die Kredite muss Griechenland fünf Prozent Zins zahlen.

Zeitplan

Nach der Abstimmung der EU-Finanzminister ging das Gesetz im beschleunigten Verfahren durch Bundestag und Bundesrat. Bereits am Freitag stimmten beide Kammern darüber ab. 

Am selben Tag trafen sich die EU-Staats- und Regierungschefs, um die Kredithilfen für Griechenland endgültig abzusegnen. 

In Athen befasst sich das griechische Parlament mit dem Sparprogramm der Regierung. Am Donnerstag stimmten die Abgeordneten darüber ab. Die Maßnahmen sorgten für Protest.

Die erste Tranche des Hilfskredites soll vor dem 19. Mai ausgezahlt werden. An dem Tag steht eine Milliardenumschuldung der griechischen Regierung an.

Risiko

Der Bürger ist zunächst nicht betroffen. Die deutschen Kredite sollen über die Staatsbank KfW gewährt werden.

Der Bund muss sich dafür allerdings verbürgen. Das heißt: Erst wenn Athen nicht mehr in der Lage wäre, die Kredite zurückzuzahlen, würden der Bundeshaushalt und damit die Steuerzahler belastet.

Wird Griechenland gerettet, könnte der KfW-Kredit sogar ein Geschäft für die Deutschen werden.

EU-Vertrag

Umstritten bleibt, ob die EU-Hilfen für Griechenland einen Verstoß gegen den EU-Vertrag darstellen. Er verbietet den Euro-Staaten eigentlich, sich gegenseitig Schulden abzunehmen (die sogenannte "No-Bailout"-Klausel). Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, hält das Kreditprogramm für vertragskonform.

Der Maastricht-Vertrag lässt aber für finanziellen Beistand Spielraum: Er macht Ausnahmen bei Naturkatastrophen und anderen unvorhersehbaren Ereignissen. Fraglich ist indes, ob die übermäßige Verschuldung eines Landes darunterfällt.

Die deutschen Euro-Kritiker Wilhelm Hankel, Joachim Starbatty, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider wollen vor Gericht ziehen, falls Geld für Griechenland fließen sollte.

Sparkurs

Griechenland verpflichtet sich zu einem harten und streng überwachten Sparkurs. Der sieht massive Kürzungen bei Einkommen und Renten sowie Steuererhöhungen vor. So wird die Mehrwertsteuer zum zweiten Mal in diesem Jahr um zwei Punkte auf dann 23 Prozent heraufgesetzt.

Bis 2013 will die Regierung in Athen 30 Milliarden Euro sparen und bis 2014 das Haushaltsdefizit von derzeit 13,6 Prozent auf die EU-Obergrenze von 3 Prozent drücken.

Bis 2013 will die Regierung in Athen 30 Milliarden Euro sparen und bis 2014 das Haushaltsdefizit von derzeit 13,6 Prozent auf die EU-Obergrenze von 3 Prozent drücken.

Das gefällt nicht allen: Die griechischen Gewerkschaften kündigten weitere Streiks an . Am Montag begann ein Ausstand der Müllabfuhr. Am Dienstag und Mittwoch wollen die Beamten in den Streik treten. Am Mittwoch will sich auch die Gewerkschaft für die private Wirtschaft anschließen. Die Fluglotsen kündigten an, den griechischen Luftraum für 24 Stunden komplett schließen.

Auf Deutschland entfällt nach den Worten von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein Anteil von 22,4 Milliarden Euro bis 2012. Für das laufende Jahr sind bereits 30 Milliarden der Euro-Länder vorgesehen, davon 8,4 Milliarden Euro aus Deutschland, sowie bis zu 15 Milliarden des IWF.

Schäuble lobte in Brüssel das griechische Sparpaket: "Das ist ein starkes Programm". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält es für die "einzige Möglichkeit", die Stabilität des Euro sicherzustellen. Schäuble sagte, Griechenland habe für seine Sanierung "ein Sanierungsprogramm akzeptieren müssen, das fast kein Beispiel kennt".

Der Minister sieht keinen weiteren Finanzbedarf. "Die Zahlen jetzt sind realistisch." Die Hilfsmaßnahmen seien "die beste Entscheidung, die wir für die Gewährleistung der Stabilität unserer gemeinsamen europäischen Währung auch in der Zukunft treffen können".

Die schwarz-gelbe Koalition kann die Maßnahmen mit ihrer Mehrheit im Bundestag allein beschließen. Ob auch die oppositionelle SPD diese mittragen wird, ist offen. "Ob wir zustimmen, wird davon abhängen, ob die Bundesregierung am Ende überzeugt werden kann, dass eine reine Kreditermächtigung nicht ausreicht", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in der ARD.

Er wiederholte eine Forderung, die auch aus anderen Bundestagsfraktionen gekommen war: eine Beteiligung der Banken, die Eindämmung von Devisenspekulationen und eine Regulierung auf den internationalen Finanzmärkten, "damit endlich diese schädlichen Spekulationen beendigt werden, die der Steuerzahler am Ende immer tragen muss".

Auch die Grünen knüpfen ihre Zustimmung an eine Beteiligung der Finanzbranche. Die Bundesregierung müsse endlich eine Finanztransaktionssteuer beschließen, sagte Fraktionschefin Renate Künast. Die Koalition aus Union und FDP strebt aber für die Abstimmung im Bundestag eine breite Mehrheit an.

Die Linksfraktion will das Hilfspaket ablehnen, weil Voraussetzungen fehlen, damit sich Krisen "nicht endlos fortsetzen". Fraktionschef Oskar Lafontaine sprach sich erneut für eine Finanztransaktionssteuer aus. "Die Banken müssen zur Kasse gebeten werden", sagte er im ZDF.

Die Banken sollen sich nach dem Willen der Euro-Länder freiwillig an den Hilfen beteiligen. Schäuble hatte vergangene Woche angekündigt, er wolle "rasch mit den maßgeblichen Vertretern des Finanzsektors" sprechen.

Nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) müssen die Kredite, die Deutschland und die anderen Staaten Griechenland einräumen, nicht verloren sein. "Wir haben eine große Chance, das Geld wiederzusehen", sagte IW-Direktor Michael Hüther dem Hamburger Abendblatt. Er hält einen Zins von fünf Prozent für möglich für das Geld, das Deutschland zu drei Prozent geliehen habe. "Auf lange Sicht muss das Hilfspaket den Steuerzahler nicht belasten."

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy berief für den kommenden Freitagabend einen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 16 Euro-Länder ein. Der soll letztlich die Griechenland-Hilfe formell beschließen.

Entscheidende Runde: Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zwischen Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker (r.) und Zentralbank-Präsident Jean-Claude Trichet am Sonntag

Entscheidende Runde: Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zwischen Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker (r.) und Zentralbank-Präsident Jean-Claude Trichet am Sonntag


 

 
Leser-Kommentare
    • JUKOS
    • 03.05.2010 um 7:38 Uhr

    Ich glaube bisher hat das noch keiner hier gesagt. Ich hätte da einige Alternativen wie Griechenland und der ganzen EU geholfen werden kann.
    1. Griechenland stoppt alle Staatsausgaben, viel mehr Korruption muss man sowieso nicht befürchten
    2. In der ganzen EU werden Sammelstellen für Altkleidung, Nahrungsmittel, Spilezeug, gebrauchte oder auch neue Elektrogeröte usw. eingerichtet.
    3. Wenn den aktiven und auch pensionierten Beamten und den Rentnern aus dem öffnetlichen Dienst und den Arbeitslosen in Griechenland das Geld ausgeht, können sie ja dann vom KARITAS oder der Wohlfart mit dem Gesammelten versorgt werden. Die ganzen EU Subventionen für Lebensmittel können auch sinnvoll verwendet werden, nämlich für das Verfrachten der Überkapazitäten nach Griechenland.
    Ich möchte nur an den Ernst der Angelegenheit erinnern und auch daran, dass genau das geschehen ist als die Sowjetunion sich aufgelöst hat. Dann hat man auch LKW Ladungen voll mit C&A Jacken nach Sibirien geschickt, wo alle Menschen mit Pelzmänteln bekleidet darauf gewartet haben, dass der Westen ihnen erklärt wie man eine Marktwirtschaft führt und nicht auf irgendwelche billigen Jacken. Außerdem haben dort viele Beamte, Lehrer, Polizisten... monatelang ihren Job gemacht ohne ihr Gehalt zu sehen! Dank Menschen wie Putin wurde es ihnen dann verspätet ausgezahlt!

    • joG
    • 03.05.2010 um 7:48 Uhr

    ....man zu dem Hilfspaket sagen kann. Nur eine Bemerkung hier. Wenn man 5% für die Kredite verlangt, so nutzt man die Situation, die die "Spekulanten" hervorriefen um einen windfall Gewinn von 2% zu machen, oder aber man denkt, dass ein Risiko mit der Vergabe verbunden ist und "spekuliert", dass das Geld zurückfließt. In beiden Fällen beteiligt man sich als "Spekulant" an der Situation.

  1. ...wird Geld aus dem Nichts heraus geschaffen. Sowas nennt man dann Buchgeld oider Giralgeld und dieses Geld bläht den Euro auf, wie eine Seifenblase. Nur noch etwa 10% aller Euros existieren wirklich. Bald werden es noch wenige sein. Dann platzt das ganze schimmernde Gebilde und der Euro ist am Ende. Denn als nächstes wird genau solches Buchgeld auch noch in Spanien und Portugal reingeblasen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie wahr gesprochen. Wenn nur ein Bruchteil der Deutschen wüsste wie Geld erschaffen wird, würde sich der Großteil auch die Frage stellen, wozu dieses Theater tagtäglich in den Medien abgehalten wird.

    Wer es immer noch nicht weiß, sollte mal die kurze Zusammenfassung an dieser Stelle lesen:
    http://www.ploync.de/geld...

    "wird Geld aus dem Nichts heraus geschaffen. Sowas nennt man dann Buchgeld oider Giralgeld und dieses Geld bläht den Euro auf"

    ... ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Unterscheidung zwischen Buchgeld/Giralgeld und Bargeld ist sowieso albern, mit beidem kann man kaufen und beides ist mit Sicherheiten zumindest teilweise gedeckt und beides ist Schuldgeld. Bargeld ist nichts weiter als eine materialistische Ausprägung von Sichtguthaben und nicht die Bohne besser oder stabiler.

    Problematisch wird es erst an der Stelle, wo neues Geld geschöpft wird und als Sicherheiten nicht mehr realwirtschaftliche Forderungen sondern irgendwelche windigen gehebelten Finanzinnovationen hinterlegt werden oder die Mindestreservevorschriften lächerliche Größen vorschreibt (in der EU lächerliche 2%). Problematisch auch, wenn es in der Realwirtschaft oder Finanzwelt zu Blasen kommt und die hinterlegten Sicherheiten im Wert angeblich steigen. Wie man das rechtzeitig entdecken und vermeiden kann, ist aber umstritten, es entwickelt eine Eigendynamik, kann quasi in allen Lebensbereichen auftreten (siehe Tulpenmanie) und man kann sich nur schwer entziehen.

    Wie wahr gesprochen. Wenn nur ein Bruchteil der Deutschen wüsste wie Geld erschaffen wird, würde sich der Großteil auch die Frage stellen, wozu dieses Theater tagtäglich in den Medien abgehalten wird.

    Wer es immer noch nicht weiß, sollte mal die kurze Zusammenfassung an dieser Stelle lesen:
    http://www.ploync.de/geld...

    "wird Geld aus dem Nichts heraus geschaffen. Sowas nennt man dann Buchgeld oider Giralgeld und dieses Geld bläht den Euro auf"

    ... ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Unterscheidung zwischen Buchgeld/Giralgeld und Bargeld ist sowieso albern, mit beidem kann man kaufen und beides ist mit Sicherheiten zumindest teilweise gedeckt und beides ist Schuldgeld. Bargeld ist nichts weiter als eine materialistische Ausprägung von Sichtguthaben und nicht die Bohne besser oder stabiler.

    Problematisch wird es erst an der Stelle, wo neues Geld geschöpft wird und als Sicherheiten nicht mehr realwirtschaftliche Forderungen sondern irgendwelche windigen gehebelten Finanzinnovationen hinterlegt werden oder die Mindestreservevorschriften lächerliche Größen vorschreibt (in der EU lächerliche 2%). Problematisch auch, wenn es in der Realwirtschaft oder Finanzwelt zu Blasen kommt und die hinterlegten Sicherheiten im Wert angeblich steigen. Wie man das rechtzeitig entdecken und vermeiden kann, ist aber umstritten, es entwickelt eine Eigendynamik, kann quasi in allen Lebensbereichen auftreten (siehe Tulpenmanie) und man kann sich nur schwer entziehen.

  2. Wie wahr gesprochen. Wenn nur ein Bruchteil der Deutschen wüsste wie Geld erschaffen wird, würde sich der Großteil auch die Frage stellen, wozu dieses Theater tagtäglich in den Medien abgehalten wird.

    Wer es immer noch nicht weiß, sollte mal die kurze Zusammenfassung an dieser Stelle lesen:
    http://www.ploync.de/geld...

    Antwort auf "Und wieder mal..."
  3. ... säuft im Himmel und wird auf der Erde gemolken. Lange Zeit glaubte ich sie gäbe es nicht. Heute weiß ich, dass ich mich geirrt habe.

    • knuham
    • 03.05.2010 um 9:18 Uhr

    ist die Tatsache, dass UK diese Woche wählt. Der 9.Mai wäre an sich kein Problem, läge er vor dieser Entscheidung.

    Die Briten unter David Cameron, werden nicht mehr die Briten unter Gordon Brown sein. Für die GB-Zentralbank sind Veränderungen vorgeschlagen, die die Finanzmärkte in irgend einer Form verdauen werden müssen. Das GB-Staatsdefizit in %-BIP ist dem von GR vergleichbar. Die Konservativen werden ggf. einen völlig neuen Kurs in der Finanz- und Wirtschaftspolitik einschlagen.

    Die Euro-GR-Krise war möglicherweise nur ein erstes deutlich vernehmbares Signal im Vordergrund, quasi der Prolog. (?) Für die Liberalen GB war die GR-Hilfe kontraproduktiv, also man darf wirklich gespannt sein, wie es hier weitergeht wird, zumal die USA weiterhin nicht an einem stärkeren Dollar interessiert sind.

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    • knuham
    • 03.05.2010 um 11:28 Uhr

    der die Konsequenzen andenkt ....

    http://centreforeuropeanr...

    • knuham
    • 03.05.2010 um 11:28 Uhr

    der die Konsequenzen andenkt ....

    http://centreforeuropeanr...

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