Hessen Kochs letzter Coup

Hessens Ministerpräsident kündigt seinen Abschied aus der Politik an – mit einem Schwindel. Von Michael Schlieben, Wiesbaden

Roland Koch bleibt cool wie immer. Der hessische Ministerpräsident spricht über die Zukunft der Politik, an der er allerdings nicht mehr mitwirken will. Er verliert einige warme Worte über seine hessische CDU und sagt zugleich, dass er nicht  Landesvorsitzender bleiben wird. Er zieht Bilanz, persönlich wie politisch, in hübschen, emotionalen Sätzen. Aber Koch spult sie gelassen herunter. Es klingt, als habe er sie in den Pfingstferien immer wieder vor sich hergemurmelt.

Roland Koch zieht sich von allen politischen Ämtern zurück, als Ministerpräsident, Landesvorsitzender seiner Partei, auch als stellvertretender Bundesvorsitzender. Sogar sein Landtagsmandat will er abgeben. Und er verkündet das so, wie er gerne auftritt, recht selbstzufrieden, auch etwas schelmisch.

So war es schon immer: Koch provoziert gern, produziert Emotionen, Zorn, Aufregung. Er selbst bleibt dabei immer kaltblütig, gibt den analytischen Politiker. Ganz gleich, ob Koch im Wahlkampf über kriminelle Migrantenkinder wütet oder ob er sich nach einer verheerenden Wahlniederlage seinen Anhängern stellt, die Contenance verliert er nie. Er weiß immer ganz genau, was er sagen und wie er es betonen will.

So auch an diesem Dienstag. Koch grinst. Er freut sich über seinen Coup. Alle haben stillgehalten an der hessischen CDU-Spitze. Seine Partei, dieser auf ihn eingeschworene Kampfverband, steht abermals geschlossen hinter ihm. Koch ist stolz auf sich. Er sei der erste Ministerpräsident, der "souverän sein Amt aufgibt". 

Dies ist die Botschaft des Tages. Der Einzige, der Roland Kochs politische Karriere beenden kann, ist er selber. Nicht die Kanzlerin, nicht die Medien und schon gar nicht die Bökels und Schäfer-Gümbels der hessischen SPD.

Am 31. August hört er auf, als dienstältester CDU-Ministerpräsident. Den Zeitpunkt für diese Nachricht habe er bewusst gewählt, nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen und vor dem nächsten Parteitag der hessischen CDU am 12. Juni.

 
Schon länger habe er den Plan verfolgt, aufzuhören, sagt Koch. "Im schwierigen Jahr 2008" sei seine Entscheidung gefallen, noch an der Bildung einer "stabilen bürgerlichen Regierung" zu arbeiten und sich dann zurückzuziehen. Koch hatte damals ein Jahr lang geschäftsführend regiert, nachdem er die absolute Mehrheit verloren hatte.

Tatsächlich hatte Koch seinen Rückzug schon nach dem bitteren Wahlabend 2008 zur Diskussion gestellt. Er sei aber bestürmt worden, zu bleiben, weil nur er den Zusammenhalt der CDU garantieren könne, hieß es damals. An seinem Vorsatz, aus der Politik auszuscheiden, habe sich seither aber nichts verändert, sagt Koch heute. Seine Familie sei ebenso wie die Kanzlerin seit Langem darüber informiert.

Und nun? Zu seinen Zukunftsplänen gibt der Ministerpräsident noch nicht allzu viele Details preis. Er werde vorerst nicht "auf der Pensionsliste" des Landes erscheinen, soviel sei sicher. Dann erzählt er von seinen Erfahrungen aus der Zeit, da er eine eigene Anwaltskanzlei aufbaute.

Merkel hatte Koch im vergangenen Jahr angeboten, EU-Kommissar zu werden. Er lehnte ab. In ihrem Kabinett wollte sie ihn nicht. Wer mit ihm sprach, bekam immer wieder zu hören, dass er irgendwann gerne in seinen alten Beruf zurückkehren wolle. Heute triumphiert er, weil ihm das niemand geglaubt hat. Kein Wunder: Schon als Teenager wurde Koch nachgesagt, er trainiere "auf Kanzler". 

Ganz lassen kann er es dann aber doch nicht. "Spekulationen" über seine Zukunft könne er niemanden verbieten, sagt Koch grinsend. Er werde in der "nationalen Politik" weiter seine Meinung vertreten, wie zuletzt im Streit um die Sparmöglichkeiten des Bundes. Mit "aller Loyalität" werde er auch künftig darauf drängen, dass man unangenehme Entscheidungen nicht vertagt "aus Angst vor dem Echo".

Ein Friedrich Merz will er dennoch nicht werden, kein beleidigter Dauer-Stänkerer. Viel mehr als der Sauerländer und Merkel-Feind sieht sich der Hesse als Parteisoldat. Er, der Ministersohn und Kohl-Liebling, würde seine CDU nicht spalten oder ihr schaden wollen.

Deshalb, wenn man ihn irgendwann doch noch einmal riefe: Er würde sich wohl nicht verweigern. Dass es geschieht, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Die oft liberalen Bundespolitiker halten ihn nicht für Mitte-kompatibel. Seine beiden letzten Wahlkämpfe mit den jeweils schwachen CDU-Ergebnissen haben allen vor Augen geführt, dass Koch trotz hoher Kompetenzwerte nicht beliebt ist in der Bevölkerung.

Die hessische CDU muss sich neu aufstellen. Das überrascht sie nicht. Seit Monaten galt Kochs Amtsmüdigkeit als offenes Geheimnis. "Wir haben damit gerechnet, dass er zur nächsten Wahl nicht mehr antritt", sagt Fraktionsgeschäftsführer Axel Wintermeyer. Keiner habe sich gewundert, als Koch am Vormittag seiner Fraktion mitteilte, dass sie künftig ohne ihn auskommen müsse.

Wie es nun weitergeht, werde die hessische CDU "geschlossen und kollektiv" regeln. Silke Lautenschläger wird keine Rolle mehr spielen. Die Politikerin, die immer wieder als Kochs Ziehkind und potenzielle Kandidatin für eine Nachfolge genannt wurde, kündigte ebenfalls an, aus dem Kabinett auszuscheiden. Vermutlich wird es auf Volker Bouffier hinauslaufen, Kochs Innenminister und langjährigen Weggefährten.

Koch wird da noch einmal (und bestimmt nicht das letzte Mal) die Fäden ziehen. Auf seiner Pressekonferenz berichtet er von "wackeligen Beinen", die er habe, wenn er an die Zukunft denke. Vermutlich stimmt das sogar. Jedenfalls ist dieser Satz aufrichtiger, als der zweite, den Koch ebenfalls loswerden wollte: "Politik ist nicht mein Leben." Ein Schwindel. In den vergangenen vierzig Jahren zumindest war die CDU weit mehr als nur seine politische Heimat.

 
Leser-Kommentare
    • ddkddk
    • 25.05.2010 um 16:31 Uhr

    Koch ist umstritten. Aber eines muss ihm selbst der politische Gegner zugestehen:

    Er ist eine Persönlichkeit, die führen kann und von denen wir viel zu wenige gerade in der Politik haben.

    Seine Begabung hat er wiederholt bewiesen und sicher gezeigt.

    Denken wir, wie er die Sache mit den "jüdischen Vermächtnissen" abgewettert hat.

    Erinnern wir uns, wie er eine gewisse Frau XY mit einer unglaublichen Sicherheit ausgespielt hat.

    Seine offenbar vorhandene Fähigkeit, auch außerhalb der Politik eine Existenz zu finden, hat es ihm erlaubt, nicht in der sonst üblichen Politikern zugeschriebenen Weise zu agieren.

    Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten, der zwar selten meine persönlichen Überzeugungen vertreten hat, aber als Politiker sehr vielen Menschen fehlen wird; Merkel natürlich gerade nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sollten Sie nicht unerwähnt lassen, dass sein Finanzminister
    eifrige Steuerfahnder für unzurechnungsfähig hat erklären
    lassen, mit Entfernung aus dem Dienst.

    Moin,
    brauchen wir wirklich "politische Führer", die für sich andere moralische Maßstäbe ansetzen als für den politischen Gegner und das gemeine Volk? Ich denke, nein. Genau solche Führungselite brauchen wir eben nicht, auch wenn er souverän über alle eignen Fehltritte hinweg gegangen ist, immer auch Bauernopfer in den eigenen Reihen gefunden hat, er misst mit unterschiedlichen Maßstäben, seine Fehltritte und die Fehltritte seiner Bundesgenossen sind gute Fehltritte, dienen sie doch der "Guten Sache", egal wir schwer sie wiegen. Die der anderen sind nicht der "Guten Sache" zuzuordnen und daher schlecht, egal wie unbedeutend sie sein mögen. Und genau so agiert diese Regierung Koch, so agierten auch die vorhergehenden Regierungen Koch, immer noch dabei Wagner, Weimar, Bouffier. Sie werden uns auch erhalten bleiben, wenn Koch als "Lame Duck" endlich seinen Hut genommen hat, werden das Werk der "Guten Sache", für die alles andere zurückstehen muss, unreflektiert fortsetzen. Man kann nur hoffen, dass die alte Farbe von diesem Regierungsmodell kräftig blättert, die Opposition entsprechend erstarkt ist und bleibt, damit diesem Stil der Bigotterie endlich ein Riegel vorgeschoben wird.
    Mir wird er nicht fehlen, auch wenn seine Truppe (Tankstellen-Connection) weiter am Werkeln ist.
    Beste Grüße
    Grabert

    sollten Sie nicht unerwähnt lassen, dass sein Finanzminister
    eifrige Steuerfahnder für unzurechnungsfähig hat erklären
    lassen, mit Entfernung aus dem Dienst.

    Moin,
    brauchen wir wirklich "politische Führer", die für sich andere moralische Maßstäbe ansetzen als für den politischen Gegner und das gemeine Volk? Ich denke, nein. Genau solche Führungselite brauchen wir eben nicht, auch wenn er souverän über alle eignen Fehltritte hinweg gegangen ist, immer auch Bauernopfer in den eigenen Reihen gefunden hat, er misst mit unterschiedlichen Maßstäben, seine Fehltritte und die Fehltritte seiner Bundesgenossen sind gute Fehltritte, dienen sie doch der "Guten Sache", egal wir schwer sie wiegen. Die der anderen sind nicht der "Guten Sache" zuzuordnen und daher schlecht, egal wie unbedeutend sie sein mögen. Und genau so agiert diese Regierung Koch, so agierten auch die vorhergehenden Regierungen Koch, immer noch dabei Wagner, Weimar, Bouffier. Sie werden uns auch erhalten bleiben, wenn Koch als "Lame Duck" endlich seinen Hut genommen hat, werden das Werk der "Guten Sache", für die alles andere zurückstehen muss, unreflektiert fortsetzen. Man kann nur hoffen, dass die alte Farbe von diesem Regierungsmodell kräftig blättert, die Opposition entsprechend erstarkt ist und bleibt, damit diesem Stil der Bigotterie endlich ein Riegel vorgeschoben wird.
    Mir wird er nicht fehlen, auch wenn seine Truppe (Tankstellen-Connection) weiter am Werkeln ist.
    Beste Grüße
    Grabert

    • orixen
    • 25.05.2010 um 16:38 Uhr

    Heute werden bei mir die Sektkorken knallen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auch bei allen selbsternannten Gutmenschen ! Prost
    Wer gegen das linke Meinungsdiktat verstößt, riskiert seine Karriere und seine berufliche Existenz. Die linken Gutmenschen haben all ihre Ziele erreicht, sie sind am Gipfel ihrer Macht. Und trotzdem, so richtig scheinen sie ihren Triumph nicht auskosten zu können. Irgendetwas scheint ihre Stimmung zu drüben, dunkle Wolken am Horizont.

    Vermutlich ahnen sie, was in nächster Zukunft auf sie zukommen wird, dass sie bereits das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Der Sieg der linken Gutmenschen ist ein Pyrrhussieg. Denn - die etwas intelligenteren Gutmenschen ahnen es bereits - mit ihrer linken Multikulti-Politik haben sie den Ast abgesägt, auf dem sie sitzen.

    auch bei allen selbsternannten Gutmenschen ! Prost
    Wer gegen das linke Meinungsdiktat verstößt, riskiert seine Karriere und seine berufliche Existenz. Die linken Gutmenschen haben all ihre Ziele erreicht, sie sind am Gipfel ihrer Macht. Und trotzdem, so richtig scheinen sie ihren Triumph nicht auskosten zu können. Irgendetwas scheint ihre Stimmung zu drüben, dunkle Wolken am Horizont.

    Vermutlich ahnen sie, was in nächster Zukunft auf sie zukommen wird, dass sie bereits das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Der Sieg der linken Gutmenschen ist ein Pyrrhussieg. Denn - die etwas intelligenteren Gutmenschen ahnen es bereits - mit ihrer linken Multikulti-Politik haben sie den Ast abgesägt, auf dem sie sitzen.

  1. 3. *freu*

    Gut so! Jetzt muss nur noch Rüttgers gehen und schon wird die CDU für mich fast wieder wählbar! :-)

  2. sollten Sie nicht unerwähnt lassen, dass sein Finanzminister
    eifrige Steuerfahnder für unzurechnungsfähig hat erklären
    lassen, mit Entfernung aus dem Dienst.

  3. Herr Koch wir sehen uns dann vor Gericht...als Privatperson verliert man seinen Sonderstatus vor der Justiz, oder? Einer der korruptesten Vertreter unser Politkultur verlässt uns. Dies ist ein guter Tag für Hessen...

  4. Moin,
    brauchen wir wirklich "politische Führer", die für sich andere moralische Maßstäbe ansetzen als für den politischen Gegner und das gemeine Volk? Ich denke, nein. Genau solche Führungselite brauchen wir eben nicht, auch wenn er souverän über alle eignen Fehltritte hinweg gegangen ist, immer auch Bauernopfer in den eigenen Reihen gefunden hat, er misst mit unterschiedlichen Maßstäben, seine Fehltritte und die Fehltritte seiner Bundesgenossen sind gute Fehltritte, dienen sie doch der "Guten Sache", egal wir schwer sie wiegen. Die der anderen sind nicht der "Guten Sache" zuzuordnen und daher schlecht, egal wie unbedeutend sie sein mögen. Und genau so agiert diese Regierung Koch, so agierten auch die vorhergehenden Regierungen Koch, immer noch dabei Wagner, Weimar, Bouffier. Sie werden uns auch erhalten bleiben, wenn Koch als "Lame Duck" endlich seinen Hut genommen hat, werden das Werk der "Guten Sache", für die alles andere zurückstehen muss, unreflektiert fortsetzen. Man kann nur hoffen, dass die alte Farbe von diesem Regierungsmodell kräftig blättert, die Opposition entsprechend erstarkt ist und bleibt, damit diesem Stil der Bigotterie endlich ein Riegel vorgeschoben wird.
    Mir wird er nicht fehlen, auch wenn seine Truppe (Tankstellen-Connection) weiter am Werkeln ist.
    Beste Grüße
    Grabert

    • mcbb
    • 25.05.2010 um 17:05 Uhr

    ......sich ein Beispiel nehmen und auch zurücktreten...von allen Ämtern!

  5. auch bei allen selbsternannten Gutmenschen ! Prost
    Wer gegen das linke Meinungsdiktat verstößt, riskiert seine Karriere und seine berufliche Existenz. Die linken Gutmenschen haben all ihre Ziele erreicht, sie sind am Gipfel ihrer Macht. Und trotzdem, so richtig scheinen sie ihren Triumph nicht auskosten zu können. Irgendetwas scheint ihre Stimmung zu drüben, dunkle Wolken am Horizont.

    Vermutlich ahnen sie, was in nächster Zukunft auf sie zukommen wird, dass sie bereits das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Der Sieg der linken Gutmenschen ist ein Pyrrhussieg. Denn - die etwas intelligenteren Gutmenschen ahnen es bereits - mit ihrer linken Multikulti-Politik haben sie den Ast abgesägt, auf dem sie sitzen.

    Antwort auf "Good riddance"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service