Wirtschaftskrise Merkel sagt Spekulanten Kampf an

Hedgefonds, Defizitsünder, die Märkte – sie will die Kanzlerin enger an die Kandare nehmen. Vor dem Eurostaaten-Treffen fordert sie zudem eine europäische Ratingagentur.

Der Handel an den Finanzmärkten soll nach Merkels Plänen stärker kontrolliert werden

Der Handel an den Finanzmärkten soll nach Merkels Plänen stärker kontrolliert werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die EU für einen geschlossenen Kampf gegen Finanzmarktspekulanten gewinnen. Einen Tag vor dem Sondergipfel der Euroländer zur Griechenland-Krise sagte Merkel: "Wir müssen jetzt in Europa deutlich machen, dass wir die politische Kraft haben – jeder in seinem Land – wieder auf den Kurs des Stabilitäts- und Wachstumspakts zusammenzukommen."

"Die Spekulanten sind unsere Gegner", griff Kanzlerin Angela Merkel vor allem Hedgefonds an. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy legte sie einen Forderungskatalog zur Finanzmarktregulierung und für Sanktionen gegen europäische Defizitsünder vor. Die Kanzlerin sagte bei einem Europa-Forum des WDR: "Es ist ein Stück weit ein Kampf der Politik mit den Märkten. Ich will wie alle meine anderen Kollegen diesen Kampf gewinnen." Es sei "perfide", dass zunächst die Banken die Weltwirtschaft in einen tiefen Abgrund gezogen hätten und nun gegen die selbst verursachten Schulden der Staaten spekulierten.

Anzeige

Die Staats- und Regierungschefs der Euroländer wollen an diesem Freitag in Brüssel die Nothilfe für Griechenland offiziell beschließen. Merkel und Sarkozy verlangen schärfere Kontrollen der Haushaltspolitik und Sanktionen bei zu hoher Verschuldung, bessere Koordination der Wirtschaftspolitik der Euro-Staaten und ein Verfahren zur Abwicklung maroder Großbanken. Bei der Regulierung der Finanzmärkte lassen sie eine Kostenbeteiligung von Finanzinstituten an Krisen offen. Sie fordern auch die Schaffung einer eigenen, unabhängigen, europäischen Ratingagentur.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Europäische Bankenverband (EBV) halten eine unabhängige Konkurrenz zu den US-Häusern für notwendig. "Es ist in der Tat wichtig, die Meinungsvielfalt zu stärken", erklärte EBV-Generalsekretär Guido Ravoet. Die FDP-Europaabgeordneten Wolf Klinz und Jorgo Chatzimarkakis stellten in Brüssel ein Konzept vor, wie die Idee realisiert werden könnte.

Die Bonitätsprüfer gerieten zuletzt erneut in die Kritik, weil sie Griechenlands Anleihen trotz des Kreditpakets auf Ramsch-Status herabgestuft hatten. Auch schlechtere Bewertungen für Portugal und Spanien verschärften den Druck auf die gesamte Euro-Zone. Der Ratingmarkt wird von den drei amerikanischen Anbietern Moody's, Standard & Poor's und Fitch Ratings dominiert. Angesichts der jüngsten Entscheidungen wollen Merkel und Sarkozy prüfen, inwiefern die Agenturen die Krise noch verschärfen. Sie ziehen eine Überarbeitung der bereits beschlossenen Aufsichtsregeln in der EU für Ratingagenturen in Betracht.

Den Agenturen war eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben worden. Die EU führte daraufhin als erste Region weltweit eine Meldepflicht und Regeln ein, um die Arbeitsweise der einflussreichen Bonitätswächter offen zu legen. In die Bewertung selbst greifen die Vorschriften aber nicht ein.

Bei der EU-Kommission rennen die beiden großen Mitgliedstaaten offene Türen ein. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier lässt schon Optionen zum Aufbau einer europäischen Ratingagentur prüfen. Der Vorwurf an die US-Agenturen lautet jetzt, sie achteten bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit zu sehr auf die Stimmung am Finanzmarkt und zu wenig auf die Fundamentaldaten.

Eine europäische Agentur, die auf Staatsanleihen spezialisiert wäre, würde nach Auffassung von Klinz und Chatzimarkakis eine verlässlichere Einstufung gewährleisten. Nach dem Konzept der FDP-Abgeordneten sollte als Träger eine Stiftung gegründet werden. Diese sollte mit einer Anschubfinanzierung von der EU-Kommission, der Europäischen Investitionsbank und den Regierungen der Euro-Zone ausgestattet werden, müsste von diesen aber unabhängig sein. Auch BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf sagte, eine europäische Agentur dürfe nicht an die Staaten gekoppelt sein. Die Agentur würde schließlich keine Akzeptanz finden, wenn die Regierungen Einfluss auf die Bewertung ihrer Staatsanleihen nehmen könnten.

Fraglich ist jedoch, wie sich eine zusätzliche Agentur am Markt behaupten soll. Die etablierten Häuser finanzieren sich von den Gebühren, die die bewerteten Unternehmen oder Staaten zahlen müssen. Diese Abhängigkeit soll es nach dem FDP-Plan nicht geben. Stattdessen sollen die Investoren für eine Einschätzung zahlen, die sie von Moody's und den anderen kostenlos bekommen. "Die Frage der Finanzierung müssen wir uns noch mal überlegen", sagte Klinz.

 
Leser-Kommentare
  1. ...und packt schonmal die wattebäuschchen aus.

  2. hat Frau Merkel-Ackermann, ich weiss nicht ob da der Bock
    nicht wieder zum Gaertner gemacht wird, was die Angst vor den NRW doch alles bewirkt, chapeau !

    • BerndL
    • 06.05.2010 um 19:25 Uhr

    an der Regierung?
    Bis jetzt ist nichts geschehen seit der Finanzkrise, fast alle Dinge sind so wie zuvor.
    Jetzt werden sich aber die Spekulanten ganz sehr fürchten, die Bösen !
    Passend zum Thema die Nachricht, daß EX-HRE-Chef Funke seine 3.6 Millionen Gehaltsforderungen und die 46000 Euro (pro Monat) and Altersbezügen einklagt.
    Und ich naiver Mensch hatte bei Ausbruch der Krise gedacht, daß Herr Funke angesichts einige Jahre in einer kleinen Zelle verbringen muß und haften muß.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Jetzt werden sich aber die Spekulanten ganz sehr fürchten, die Bösen !
    Passend zum Thema die Nachricht, daß EX-HRE-Chef Funke seine 3.6 Millionen Gehaltsforderungen und die 46000 Euro (pro Monat) and Altersbezügen einklagt.
    Und ich naiver Mensch hatte bei Ausbruch der Krise gedacht, daß Herr Funke angesichts einige Jahre in einer kleinen Zelle verbringen muß und haften muß."

    Ja, Sie vielleicht ... Aber Sie haben nicht beachtet, daß man so etwas nur groß genug aufziehen muß, um sich jenseits der allgemein anerkannten strafrechtlichen Bestimmungen zu stellen. Es war zwar eine ungeheure Lumperei, die zum Himmel stinkt, doch war es eine legale Lumperei.l

    "Jetzt werden sich aber die Spekulanten ganz sehr fürchten, die Bösen !
    Passend zum Thema die Nachricht, daß EX-HRE-Chef Funke seine 3.6 Millionen Gehaltsforderungen und die 46000 Euro (pro Monat) and Altersbezügen einklagt.
    Und ich naiver Mensch hatte bei Ausbruch der Krise gedacht, daß Herr Funke angesichts einige Jahre in einer kleinen Zelle verbringen muß und haften muß."

    Ja, Sie vielleicht ... Aber Sie haben nicht beachtet, daß man so etwas nur groß genug aufziehen muß, um sich jenseits der allgemein anerkannten strafrechtlichen Bestimmungen zu stellen. Es war zwar eine ungeheure Lumperei, die zum Himmel stinkt, doch war es eine legale Lumperei.l

  3. hat uns Frau Merkel versprochen, die Schuldigen an dem Desaster würden zur Verantwortung gezogen. Nichts als heiße Luft. Die Verantwortlichen oder ein Teil von ihnen kann im Kanzleramt Party machen und wird mit Steuergeldern in Milliardenhöhe unterstützt.

    Wahrlich, die Frau hätte es auch bis zur Staatsratsvorsitzenden gebracht!

  4. vor Frau Merkels Sachkunde bei der Schuldzuweisung.
    Nicht dass jemand meint, wir ernten gerade das Ergebnis von jahrelangen Totalversagen der nationalen und europäischen Politik. Wer regiert eigentlich seit 4 Jahren in Deutschlnd und hat wenig genug bewirkt in guten und in schlechten Zeiten?
    Wer reagiert in NRW gerade richtig Mutti-pampig?
    Statt noch eine Ratingagentur zu gründen (damit die die Griechen netter bewertet), könnte man mal aufhören, nationale Politiker nach Abwahl nach Europa auszulagern, man könnte auch mal wie unsere französischen "Freunde" auf nationale Interessen achten und zwar nachhaltig, statt den Zahlmeister zu geben und zu ignorieren, dass man der Depp ist, den jeder vorführt.
    Ich erinnere mich nur mal an die "Die haben unser Gold geklaut"-Lügen, die bis heute nicht zurückgezogen wurden.
    Wer solche Politiker und solche Partner hat, der brauch gar keine Probleme weiter.

    • CM
    • 06.05.2010 um 19:39 Uhr

    Warnungen werden unglaubwürdig, wenn ihnen keine Taten folgen. Wenn ich jetzt etwas Zeit hätte, würde ich die diversen öffentlichen Drohungen von Frau Merkel in Richtung von Bankhasardeuren und Spekulanten auflisten. Aber ich bezweifle, daß der Platz hier ausreicht.

  5. 7. Merkel

    Alias Trude Templin, die uckermarcksche Rouladenbraterin droht
    den Banken?
    Die Kostenbeteiligung der Banken an der Krise lässst sie offen!
    Meinem Steuerbescheid konnte ich heute entnehmen, dass ich Teile des Kindergeldes versteuern muss.

  6. Man sollte nicht ganz vergessen: Frau Merkel hat in der DDR eine ordentliche marxistische Grundausbildung genossen. Darum weiss sie, was eigentlich zu tun wäre.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service