Schwarz-gelbe Koalition Merkel schiebt Steuersenkung auf

In den nächsten zwei Jahren sieht die Regierungschefin keine Chance für Steuersenkungen. Der Bundeshaushalt hat für sie Priorität. Die FDP zeigt sich einsichtig.

Sorge um den Bundeshaushalt: Kanzlerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin

Sorge um den Bundeshaushalt: Kanzlerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin

Bis 2013 erteilte Angela Merkel (CDU) Steuersenkungen eine Absage. "Steuersenkungen werden auf absehbare Zeit nicht durchsetzbar sein", sagte die CDU-Vorsitzende am Tag nach der Abwahl der schwarz-gelben Regierung in Nordrhein-Westfalen und dem Verlust der Bundesratsmehrheit.

Die Konsolidierung des Haushalts und die Einhaltung der Schuldenbremse hätten Vorrang. "Es muss klar sein, dass wir uns jetzt bestenfalls mit der Vereinfachung des Steuersystems befassen."

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Unterstützung bekam die Kanzlerin von der Schwesterpartei. Die CSU sehe "auf absehbare Zeit leider keine Chance der Durchsetzbarkeit einer Steuerentlastung", sagte Parteichef Horst Seehofer nach einer Sitzung des Parteivorstands in München. Seehofer erklärte, absolute Priorität habe jetzt – neben der Stabilisierung des Euro – die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte.

Zugleich verwies er auf den ohnehin massiven Widerstand von CDU-Ministerpräsidenten gegen die Steuersenkungspläne. Da hätten "schon sehr viele Länder ihre Bauchschmerzen" gehabt. "Wenn es schon innerhalb der Union da keine Verständigung gibt, dann brauchen wir eine Ehrenrunde in den nächsten Wochen nicht zu drehen", sagte er.

Am grundsätzlichen Ziel von Steuersenkungen halte die CSU aber fest. Einen konkreten Zeitpunkt nannte Seehofer nicht.

Die FDP zeigte sich bei den von ihr geforderten Steuersenkungen kompromissbereit. Seine Partei bleibe der Ansicht, dass ein Neuanfang für ein faires Steuersystem notwendig sei, bei dem die kleinen und mittleren Einkommen entlastet werden müssten, sagte Parteichef Guido Westerwelle nach Beratungen der Führungsgremien in Berlin.

Die Liberalen müssten aber zur Kenntnis nehmen, dass durch die veränderten Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat dieses Projekt nicht leichter geworden sei. "Wie weit die Spielräume jetzt da sind, werden wir in Gesprächen natürlich sondieren mit allen Beteiligten", sagte der Vizekanzler.

Auf konkrete Sparvorschläge legte sich Westerwelle nicht fest. Die Koalition sei gerade erst dabei, erstmals einen eigenen Haushalt aufzustellen. "Das wird noch ein hartes Stück Arbeit, die Konsolidierungspolitik. Da mache ich mir nichts vor und Ihnen nichts vor."

Die FDP hatte zuvor ungeachtet der Griechenland-Krise und den daraus resultierenden Belastungen für den Bundeshaushalt darauf gedrängt, ab 2012 Entlastungen von 16 Milliarden Euro auf den Weg zu bringen.

CDU/CSU und FDP waren vor der Wahl im Herbst mit Steuersenkungsversprechen in den Wahlkampf gegangen und hatten sich nach ihrem Sieg auf Entlastungen in dieser Wahlperiode im Umfang von 24 Milliarden Euro verständigt. Seitdem waren sie aber bei der Frage kaum weitergekommen, wie die Steuerausfälle von Bund, Ländern und Kommunen an anderer Stelle gegenfinanziert werden sollten. Denn wegen der Schuldenbremse im Grundgesetz ist ein Ausweg über zusätzliche Kredite ab 2011 weitgehend verbaut.

Die Schuldenbremse schreibt vor, dass der Bund von 2011 bis 2016 eine strukturelle Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von insgesamt 60 Milliarden Euro schließen muss – das sind rund 20 Prozent seines Etats. Wenig besser geht es den Ländern, die ab 2020 keine neuen Schulden mehr aufnehmen dürfen. Zudem sind den Kommunen in der Krise die Gewerbesteuereinnahmen weggebrochen.

Mit der Absage der Kanzlerin an umfassende Entlastungen sind Steuervereinfachungen noch nicht vom Tisch. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wirbt seit Wochen für einen ersten Reformschritt, der Bürokratie abbauen soll. In der Regierung hieß es, weil auch Vereinfachungen Geld kosteten, könne es zu Entlastungen im unteren einstelligen Milliardenbereich kommen. "Dahin geht die Reise", bestätigte ein führender Liberaler.

Massive Steuerausfälle wollten vor allem die Länder nicht hinnehmen, die sich von der Koalition bereits nur mühsam zu den Steuerentlastungen zum Beginn dieses Jahres im Umfang von 8,5 Milliarden Euro hatten überreden lassen. Die Steuerschätzung hatte dann ergeben, dass die öffentliche Hand bis 2013 mit 39 Milliarden Euro geringeren Einnahmen auskommen muss als gedacht.

Im Bundesrat hätte die Koalition voraussichtlich auch die CDU-geführten Länder gegen sich gehabt. "Vor dem Hintergrund der Steuerschätzung und diesem Wahlergebnis müssen wir die Debatte über Steuersenkungen endlich beenden", sagte der saarländische Regierungschef Peter Müller (CDU) dem Handelsblatt . Sein niedersächsischer Kollege Christian Wulff forderte, die Koalition müsse die Wünsche der bürgerlichen Wähler nach Konsolidierung und Haushaltssanierung ernster nehmen als bisher. Er plädierte für eine Reform mit moderaten Entlastungen, die Gerechtigkeitsprobleme beseitige und zu Vereinfachungen führe.

 
Leser-Kommentare
  1. Es kommt darauf an, die Ausgaben zu senken. Wenn man das erfolgreich getan hat, dann kann man über Steuersenkungen nachdenken, nachdem man die Staatsschulden signifikant gesenkt hat.

    Zudem ist die Art und Weise der Steuer- und Abgabenerhebung massiv zu vereinfachen.

    Der gegenwärtige Steuergestaltungsspielraum für den, für den es sich lohnt, ist einfach nur Abzocke der Mittelschicht.

    Bis dahin ist jegliche Steuersenkungsdiskussion eine Phantomdiskussion.

    Das nun aber einige Politiker die massive Vereinfachung der Steuererhebung per Diskussion über die Höhe der Steuerlast abwürgen wollen, ist allerdings erbärmlich.

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    • joG
    • 10.05.2010 um 18:01 Uhr

    ....nicht ganz trivial: "Es kommt darauf an, die Ausgaben zu senken. Wenn man das erfolgreich getan hat, dann kann man über Steuersenkungen nachdenken, nachdem man die Staatsschulden signifikant gesenkt hat."

    Die Ausgabenreduzierung verringert auch das BIP bzw das Wachstum der Wirtschaft. Da unser Wachstum als Folge staatlichen Deleveragings relativ gering sein dürfte in den nächsten 10 Jahren, vor allem auf europäischer Ebene, ist eine Ausgabensenkung alleine etwas Problematisch, da wir statt wenig 0 oder minus Wachstum bekommen würden. So wäre es schon wichtig Impulse zu geben. Es ist halt wichtig jene Steuern zu reduzieren, die Wachstum stärker steigern, während man Ausgaben darauf abstimmt.

    • joG
    • 10.05.2010 um 18:01 Uhr

    ....nicht ganz trivial: "Es kommt darauf an, die Ausgaben zu senken. Wenn man das erfolgreich getan hat, dann kann man über Steuersenkungen nachdenken, nachdem man die Staatsschulden signifikant gesenkt hat."

    Die Ausgabenreduzierung verringert auch das BIP bzw das Wachstum der Wirtschaft. Da unser Wachstum als Folge staatlichen Deleveragings relativ gering sein dürfte in den nächsten 10 Jahren, vor allem auf europäischer Ebene, ist eine Ausgabensenkung alleine etwas Problematisch, da wir statt wenig 0 oder minus Wachstum bekommen würden. So wäre es schon wichtig Impulse zu geben. Es ist halt wichtig jene Steuern zu reduzieren, die Wachstum stärker steigern, während man Ausgaben darauf abstimmt.

  2. Dass die Steuersenkungspläne der FDP im Wahlkampf purer Populismus waren, sollte jetzt jeder begriffen haben. Jetzt im nachhinein wird mir aber die genaue Strategie klar.. Die FDP hat leider jetzt erst erkennen können, wie schlecht es um den Haushalt steht und deshalb können die Steuern leider nicht gesenkt werden. Zur Wahl wusste man natürlich nicht, dass Steuersenkungen nicht möglich wären. Und jetzt kann die FDP den Dummen unter uns auch verkaufen, dass sie die Steuern ja gerne gesenkt hätten, es aber wegen den Schulden gar nicht möglich ist(nehmen wir die Griechenlandgeschichte jetzt mal raus)... alles abgekartertes Spiel....

  3. bis nur noch sehr wenige überhaupt einen nennenswerten steuerlichen Beitrag leisten können.

  4. keine Steuersenkung sondern eine Ausgabenerhöhung. Das ist genau das, wofür die FDP NICHT gewählt wurde. Sie kann sich aufgrund ihres versagens ihre Position durchzupeitschen auf einen massiven Vertrauensentzug in allen folgenden Wahlen einstellen. Einstellig um die 5% lautet dann das Wahlziel. Zu recht!

    Die Causa-Steinbach, die versagte Entlastung und Haushaltsdisziplin, Euro-Disaster, ... alles FDP induzierte Niederlagen. So kann man die CDU Wechselwähler nicht halten. Es wird Zeit diesen Selbstzerstörungskurs zu beenden und die Wunden ind er Opposition zu lecken...

    Jedensfalls sollte sich Merkel auf die Vertrauensfrage einstellen. Grundlage der Regierung kann nicht ständig neu aufbeschworene externe Krisen sein: Finanzmarkt, Vulkan, Griechenland, Euro, ...

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    "Was hält die FDP an der CDU?"
    Ich weiß es nicht. Die Euro-Krise wäre aber für die FDP jetzt
    eine unglaubliche Chance neu anzufangen. Das hieße radikal gedacht Ausstieg aus der Regierung in Berlin.

    "Was hält die FDP an der CDU?"
    Ich weiß es nicht. Die Euro-Krise wäre aber für die FDP jetzt
    eine unglaubliche Chance neu anzufangen. Das hieße radikal gedacht Ausstieg aus der Regierung in Berlin.

    • CM
    • 10.05.2010 um 15:03 Uhr

    Einen Tag nach dem sensationell schlechten Ergebnis der Steuersenkerparteien CDU und insbesondere FDP wird nun ein unhaltbares Versprechen einkassiert, mit dem bis gestern noch Wahlkampf gemacht wurde.

    Moderne Zeiten, selbst das Lügen geht immer schneller.

  5. "Weiter kündigte der Außenminister an, die gemeinsamen Projekte mehr in den Vordergrund zu stellen. Als Beispiel nannte er eine bessere Regulierung der Finanzmärkte. ,Hier brauchen wir eine Agenda, die die Märkte in ihren Exzessen wieder mit Leitplanken versieht´, sagte Westerwelle. ,Wir wollen nicht die Normalverdiener belasten, sondern die Profiteure dieser Spekulation.´" (Quelle: http://www.faz.net/s/RubB...)

    Hört hört... zeigt sich da jemand einsichtig? Ein Schelm ist, wer hier an Opportunismus denkt. Gerade angesichts der Weigerung der FDP nach einer Transaktionssteuer.

  6. Die größte Steuersenkung ist doch die Ausweitung des Niedriglohnsektors.

    • elwu
    • 10.05.2010 um 15:05 Uhr

    Denn angesichts der schier unendlichen Geldmittel, die für Banken und die Schluderwirtschaften anderer Euroländer bereitgestellt werden, ist es überhaupt nicht einzusehen, dass für die Bürger, die den ganzen Zirkus finanzieren, nichts mehr im Säckel sein soll.

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    finazieren sie doch die Pleitestaaten der EU.
    Eine Steuersenkung wäre in diesem Falle Gift! wer finanziert es denn sonst? das Prekariat?
    Die 'Oberschicht' hat sich schon lange abgesetzt.
    Die 'Mittelschicht', das sind die Hochleistungs Milchkühe, die wir extra zu diesem Zwecke gezüchtet haben. Und sie lassen sich 'gerne' melken!!!

    finazieren sie doch die Pleitestaaten der EU.
    Eine Steuersenkung wäre in diesem Falle Gift! wer finanziert es denn sonst? das Prekariat?
    Die 'Oberschicht' hat sich schon lange abgesetzt.
    Die 'Mittelschicht', das sind die Hochleistungs Milchkühe, die wir extra zu diesem Zwecke gezüchtet haben. Und sie lassen sich 'gerne' melken!!!

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