Wahl in NRW Harter Schlag ins schwarz-gelbe Kontor

Union und FDP sind an ihrer eignen zögerlichen Strategie gescheitert. Die SPD jubelt. Doch die wahren Sieger sind die Grünen. Karsten Polke-Majewski kommentiert

Es ist eine schwere Niederlage : für die christliberale Koalition in Düsseldorf, insbesondere für ihren Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, für FDP-Chef Guido Westerwelle, der aus Nordrhein-Westfalen stammt, für das schwarz-gelbe Projekt in Berlin, von dem niemand weiß, wofür es eigentlich steht.


Dabei hat die Gegenwart dieser Bundesregierung eine große Aufgabe vorgelegt: innenpolitisch unter dem Druck der Verschuldung den Haushalt zu sanieren und eine weitere Reform der Sozialsysteme voranzutreiben; außenpolitisch die schwer wankende Europäische Währungsunion und mit ihr die Einigung Europas zu retten.

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Doch die Regierung von Angela Merkel hat sich dieser Aufgabe nicht mit der nötigen Anstrengung angenommen, hat zugelassen, dass die Griechenland-Krise zu einem Thema für einen Landtagswahlkampf wurde. Nun haben ihr die Wähler in Nordrhein-Westfalen die richtige Antwort gegeben.

Hinweggefegt ist alle Euphorie, die schwarze und gelbe Wunschpartner nach der Bundestagswahl im vergangenen Herbst zusammenführte. Stillhalten nutzt nichts, ist die Lehre. Abwarten wollte man, statt ein halbes Jahr, in dem man die Mehrheit in Bundestag wie Bundesrat besaß, sofort zum großen Wurf zu nutzen. Das Kalkül: Nach einem Sieg in Düsseldorf werde aus einem halben ein ganzes Jahr des „Durchregierens“, vielleicht sogar noch viel mehr. Doch in Zeiten schwerster Finanzkrise erwies sich diese Strategie als großer Fehler.

Ebenso wie der lärmende Stil, mit dem die Koalitionäre das wenige taten, was sie überhaupt machen wollten. Dann noch merkwürdige Skandale und Geldgeschäfte um den Ministerpräsidenten , der trotz eifrigen Bemühens nie so recht zum neuen Landesvater Rau’scher Prägung wurde – das war’s dann.

Bundespolitisch bedeutet das Ergebnis in Nordrhein-Westfalen für die Regierung in Berlin nun zunächst den Verlust der Bundesratsmehrheit, gleich, welche Koalition (mit CDU-Beteiligung oder ohne) am Ende in Düsseldorf regiert. Steuersenkung, Gesundheitsreform, Ausstieg aus dem Atomausstieg: Alle diese Vorhaben sind blockiert, oder sie werden zumindest nur sehr anders Realität werden, als es sich die Koalitionäre einmal vorgestellt hatten.

Gleichwohl ist nicht mit einer Blockadepolitik lafontainescher Art zu rechnen, mit der der damalige saarländische Ministerpräsident den Bundeskanzler Kohl zur Bewegungslosigkeit zwang.

Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 10.05.2010 um 4:40 Uhr

    hervorragend, selten so gelacht. Die Grünen haben das Land mit an den Abgrund gebracht und sich dabei selbst die Pfründe gesichert. Sei es Agenda 2010, die Kriegsteilnahme auf dem Balkan/Afghanistan oder Unterstützung der Umweltzerstörung durch grüne Technologien (Stichwort Palmöl). Über die Klientelpolitik im grünen Sektor und die damit einhergehende Belastung der breiten Masse gar nicht erst zu reden. Wer wählt den Grün meist verkappte Liberale.
    Über die Arbeit von Herrn Özdemir und sein Selbstverständnis von Politik und Vorteilsnahme (http://www.spiegel.de/pol...) will man gar nicht erst reden. Gleiches gilt für Herrn Fischer - Nabucco lässt Grüßen.

  1. Und Deutschland kann unter realen Bedingungen regiert werde.

    Zudem wird es der SPD, eventuell sogar den GRÜNEN, vergönnt sein, an der europäischen Krise über den Bundesrat teilzuhaben!

    Mal sehen, wie dann die Positionierung aussieht!

    • CM
    • 10.05.2010 um 8:00 Uhr

    Wenn man schlechte Politik macht wird man vom Wähler bestraft. Das und nichts anderes ist gerade passiert - wenn man Politik udn Wahlergebnis vergleicht bleibt allerdings der Schluß, daß die Strafe sehr milde ausfiel.

    Was übrigens Kommentar 1. und 2. angeht - den verbliebenen Anhängern des schwarz-gelben Chaos scheint dieser Zusammenhang nicht bewußt zu sein: es reicht nicht, wenn man schlechte Politik macht und irgendwen als Feindbild aufbaut.

  2. warum muss denn unbedingt ein Zusammenhang mit der Griechenlandkrise konstruiert werden - die Sache ist doch einfach: ein äußerst blasser Ministerpräsident, der beim letzten Mal vor allem deswegen gewonnen hat, weil sich die SPD in Land und Bund selbst demontiert hat, hat zwar passabel regiert, aber offenbar bei DEM Landesthema schlechthin (Schulen) Murks abgeliefert, und dann noch politische Dummheiten (z.B. bezahlte Gesprächstermine) zugelassen. So jemanden wählt man doch wenn, dann nur aus Mangel an Alternativen.

    Frau Merkel wird sich freuen - wieder ein parteiinterner Widersacher pulverisiert ... ich vermute sie telefoniert schon mit Steinbrück und Steinmeier, wie man schnellstmöglich eine Neuauflage der GroKo hinbekommt !?

  3. Ich zitiere mal aus der Seite der Forschungsgruppe Wahlen:
    "..Dabei war das zukünftige Schulsystem für 78 Prozent, die Griechenland-Krise hingegen für 56 Prozent und die CDU-Affären im Land nur für 38 Prozent relevant bei der Wahlentscheidung...."
    (Sieh : http://www.forschungsgrup.....)
    Mir ist schon klar, das dieses Forschungsergebnis(!) weniger spannend und von weniger Bedeutung für die Bundespolitik ist; trotzdem gehört es bei einer Wertung einfach dazu; finden Sie nicht?

    • ofos
    • 10.05.2010 um 12:33 Uhr

    An unserem Wahlkampfstand war die Griechenlandkrise tatsächlich ein sehr wichtiges Thema. Nur war es mehr die Bestürzung über die "Gesamtsituation". Niemand erwartet ernstlich, daß es Rot-Grün in dieser Krise anders oder besser machen würde als Schwarz-Gelb. Abgesehen davon natürlich, daß die Menschen endlich einen angemessenen Beitrag von den Banken erwarten. Hier schlägt der Unmut durch. Ansonsten gebe ich Ihnen recht. Der Ärger über die Bildungspolitik war sehr groß. Und da konnte die FDP noch so sehr mit den ach so vielen neuen Lehrerstellen (nur fragt sich jeder, an welcher Schule die denn eigentlich geschaffen wurden) werben, das Turbo-Abi haben sie gründlich versemmelt. Und wer ein Kind auf dem Gymnasium hat, der wird sich gestern daran erinnert haben.

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    Ich glaube wirklich die CDU würde jetzt noch regieren, wenn man die "Gute" spätestens 2008 nach dem Abi Chaos gefeuert hätte. Gerade die wirtschaftliche Leistung der CDU war eigentlich ok..

    Ich glaube wirklich die CDU würde jetzt noch regieren, wenn man die "Gute" spätestens 2008 nach dem Abi Chaos gefeuert hätte. Gerade die wirtschaftliche Leistung der CDU war eigentlich ok..

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