Ölpest BP setzt nun auf eine kleine Kuppel
Noch immer laufen täglich 700 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko. Und der Mineralölkonzern BP sucht weiter verzweifelt nach Wegen, der Katastrophe Herr zu werden.
Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko setzt der Konzern BP nun auf eine kleine Stahlkuppel. Sie soll noch vor Ende dieser Woche über das Haupt-Leck in 1500 Meter Tiefe gestülpt werden, wie BP-Manager Doug Suttles sagte. Ein Versuch mit einem deutlich größeren Stahl-Container war vergangenes Wochenende gescheitert .
In New Orleans (Louisiana) laufen am Dienstag offizielle Untersuchungen zur Ursache des Ölunfalls an. Zum Auftakt hält die Küstenwache Anhörungen ab. Am selben Tag soll der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, vor dem Energieausschuss des Senats in Washington zur Zukunft der Ölförderung vor den US-Küsten aussagen.
Am Dienstag vor drei Wochen war die von BP geleaste Plattform Deepwater Horizon explodiert, zwei Tage später sank sie. Seitdem sprudeln täglich aus zwei Lecks mindestens 700 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko.
Zu schaffen macht den Behörden US-Medien zufolge das Wetter: Heftige Winde könnten in den kommenden Tagen Teile des Ölteppichs in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bislang waren die Küsten der südlichen Bundesstaaten am Golf vom Ölteppich so gut wie verschont geblieben.
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Vergangene Woche war eine mehr als 100 Tonnen schwere Stahlkuppel über das Hauptleck gesenkt worden , um den Ölaustritt einzudämmen. Wegen der großen Kälte so tief im Meer bildeten sich in dem Behälter aber Kristalle aus Öl und Wasser, die die Öffnung an der Spitze verstopften. Dadurch wurde ein Absaugen des Öls verhindert.
BP hofft, dass das Problem in der viel kleineren, nur rund zwei Tonnen schweren Kuppel-Variante nicht auftaucht – schon deshalb nicht, weil der Behälter deutlich weniger Wasser-Öl-Gemisch fasst. Außerdem sollen zusätzlich heißes Wasser und Methanol zur Verhinderung der Kristall-Bildung eingeleitet werden.
Der Ölriese arbeitet außerdem an einem Plan zum Verstopfen der Öl-Quelle. Dabei sollen Gummistücke wie zum Beispiel Teile alter Autoreifen oder Golfbälle unter Hochdruck in das tonnenschwere Sicherheitsventil auf der Quelle geschossen werden. Diese Methode wird als Junk Shot (Müll-Beschuss) bezeichnet. Sie könnte nach BP-Angaben in zehn bis 14 Tagen zum Einsatz kommen.
US-Präsident Barack Obama will die Ölindustrie für künftige Umweltverschmutzungen stärker zu Kasse bitten. Er forderte seine Regierung auf, dem Kongress einen Gesetzentwurf zuzuleiten, mit dem höhere Schadenersatzansprüche gegen die Multis geltend gemacht werden können. Im Kongress kursieren bereits zwei ähnliche Vorlagen. Der des Repräsentantenhauses sieht vor, den Maximalbetrag, den Konzerne für entstandene wirtschaftliche Schäden zahlen müssten, auf zehn Milliarden Dollar von 75 Millionen Dollar anzuheben.
Obama machte aber zugleich deutlich, dass er den Energiekonzern BP wegen der aktuellen Ölpest im Golf von Mexiko voll zur Übernahme der Kosten bewegen will. Diese werden auf mindestens 14 Milliarden Euro geschätzt.
- Datum 11.05.2010 - 09:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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als möglicher Schadenersatz überhaupt festgelegt? Reicht es nicht, Firmen für den Schaden, den ihr Handeln verursacht, in voller Höhe dieses Schadens heranzuziehen? - Aus den Berichten schließe ich, daß BP sich auf einen möglichen Schaden und seine Begrenzung überhaupt nicht eingestellt hatte, obwohl eine Bohrung in dieser Tiefe ungewöhnlich ist. - Learning by doing??! -
bei den Akteuren diese Rohoilaustritte in 1500 m Tiefe zu stoppen.Man zeigt Aktionismus um zu beruhigen,denn die wirklich effektiven Massnahmen ,Entlastungsbohrungen zum Abdichten der Lecks werden erst in einigen Monaten erfolgreich sein.Eine grosse Unbekannte kommt noch hinzu,im Juni beginnt die Hurrikanzeit,zieht wirklich einer durch den G.v.Mexiko ,werden möglicherweise noch ganz andere Küsten-Gebiete wie Texas u.o. auch Mexico erreicht.Bis dahin wird man wohl durch Abfackeln und Einleiten von Chemikalien zum angeblichen Auflösen des Rohoils der Natur noch mehr schaden zufügen.
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