Koch-Rücktritt "Politik ist nicht mein Leben"

Roland Koch will zum 31. August als Ministerpräsident Hessens zurücktreten. Auch als CDU-Vize will er nicht wieder antreten. Innenminister Bouffier soll ihm nachfolgen.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch tritt zurück. Er werde am 31. August sein Amt als Regierungschef aufgeben, sagte der 52-jährige CDU-Politiker in Wiesbaden. Auch seine anderen politischen Ämter stelle er zur Verfügung: Beim Bundesparteitag der CDU im November werde er nicht mehr Vize-Vorsitzender kandidieren, sein Amt als Landesvorsitzender werde er am 12. Juni abgeben.

Koch sagte, er habe in den vergangenen Jahren eine "langfristige bürgerliche Mehrheit" in Hessen erreichen wollen, "und die ist jetzt stabil". Seine Entscheidung bezeichnete er als "richtig für Hessen, für meine Partei und für mich". Er wolle erreichen, "dass es bei Beibehaltung des politischen Kurses dieses Bundeslandes einen Wechsel gibt", sagte er. Diese Zäsur habe er nun bewusst herbeigeführt.

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Besonders wertvoll sei für ihn immer eine "angemessene Balance" zwischen dem politischen Engagement einerseits und "Selbstständigkeit und Unabhängigkeit auf der anderen Seite" gewesen. "Politik ist ein faszinierender Teil meines Lebens, aber Politik ist nicht mein Leben." Er habe stets darauf geachtet, dass "Mensch und Amt nicht miteinander verwachsen".

Von seinem Vorhaben, die Politik zu verlassen, wisse Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel seit einem Jahr grundsätzlich Bescheid. Den genauen Zeitpunkt kannte aber auch sie nicht, sagte Koch und wünschte der schwarz-gelben Bundesregierung "Mut und Geschlossenheit". Seiner Parteivorsitzenden empfahl er "Entscheidungen nicht nur deshalb zu verweigern oder zu verzögern, nur weil Angst vor dem Echo haben".

Koch will nach seiner Zeit in der Politik wieder in die Wirtschaft wechseln. Allerdings werde er darüber erst nach Ende seiner Amtszeit entscheiden und nun "erst mal ein paar Monate durchatmen". Zwar gehe er "nicht ganz ohne Plan", wolle aber nun auch zunächst "ein Stück abwarten und schauen, was kommt".

Koch zufolge steht sein Nachfolger bereits fest. Einen Namen wollte er allerdings nicht nennen. Medienberichten zufolge wird ihn der hessische Innenminister Volker Bouffier im Amt beerben. Der 58-jährige CDU-Politiker gilt als enger Vertrauter Kochs. Als neuer CDU-Vize ist der sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich im Gespräch. Dies will die Rheinische Post aus Parteikreisen erfahren haben.

Zusammen mit Koch wird auch Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger das hessische Kabinett verlassen. Ihren Rückzug hatte sie laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Entscheidung Kochs verbunden und ihn als ihr Vorbild bezeichnet.

Der studierte Jurist Koch meldet sich von Hessen aus – dort regiert er seit 1999 – stets auch zu bundespolitischen Themen zu Wort und stellt sich damit zuweilen gegen die Linie der Bundespartei . Zuletzt hatte er bei Parteifreunden Empörung mit der Forderung ausgelöst, angesichts der desolaten Haushaltslage auch bei Bildung und dem Ausbau der Kinderbetreuung zu sparen . Kanzlerin Angela Merkel hatte ihrem Parteivize in dieser Frage offen widersprochen.

 
Leser-Kommentare
    • ngw16
    • 25.05.2010 um 10:16 Uhr

    bitte nachmachen.

  1. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

    • M.M.
    • 25.05.2010 um 10:18 Uhr

    Vielen Dank Herr Koch und Auf-Nimmer-Wiedersehen !!!!!!!!

  2. Vermutlich ist auch Koch an der Bundeskanzlerin gescheitert!
    Wie so viele vor ihm.

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    - jüdische Vermächtnisse aus der Schweiz - angeblich nie etwas gewusst

    - "Es wird den Flughafenausbau nur mit Nachtflugverbot geben" - Das war die schönste Lüge des Jahres. Natürlich wird es kein vollständiges Nachtflugverbot wie angekündigt geben. Aber das wußten wir schon vorher.

    - Demagogie als Wahlkampfmittel - wie tief mussten wir noch sinken?

    Ich glaube, ab irgendeinem Zeitpunkt konnte er seine eigenen Untaten nicht mehr verdrängen.

    Hut ab, Herr Koch, Sie zeigen Mut und Reue!

    - jüdische Vermächtnisse aus der Schweiz - angeblich nie etwas gewusst

    - "Es wird den Flughafenausbau nur mit Nachtflugverbot geben" - Das war die schönste Lüge des Jahres. Natürlich wird es kein vollständiges Nachtflugverbot wie angekündigt geben. Aber das wußten wir schon vorher.

    - Demagogie als Wahlkampfmittel - wie tief mussten wir noch sinken?

    Ich glaube, ab irgendeinem Zeitpunkt konnte er seine eigenen Untaten nicht mehr verdrängen.

    Hut ab, Herr Koch, Sie zeigen Mut und Reue!

  3. Seit Monaten keine so gute Nachricht mehr gehört. Fragt sich nur: Warum erst zum Jahresende?

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    • CM
    • 25.05.2010 um 10:22 Uhr

    Vermeiden Sie bitte pietätlose Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/sh

    Moin,
    ich gönne es keinem, auch nicht Koch, selbst wenn ich weder seine Politik noch seinen Stil für erträglich halte. Aber ganz ehrlich, er ist einfach in seinem Amt gealtert, wirkt grau und kraftlos. Seine letzte Attacke war längst nicht mehr das, was wir von ihm gewohnt waren, er ist jetzt auf gut Amerikanisch eine "Lame Duck", nicht mehr und nicht weniger. Wenn er es erkannt hat, also sich mit der letzten Attacke nicht im Sinne eines Befreiungsschlags selbst retten konnte, dann ist der Rückzug ja ein probater Weg. Und zu früh sollten wir uns auch nicht freuen, immerhin bleibt er noch bis zum Jahresende. Wer weiß, welchen Nachfolger er aus dem Hut zaubert, Wagner, Jung, Weimar, Bouffier? Alles ähnliche Kaliber. Gewonnen ist damit gar nichts.
    Beste Grüße
    Grabert

    aber: Geht er wirklich? - Kommt Besseres?? -

    • CM
    • 25.05.2010 um 10:22 Uhr

    Vermeiden Sie bitte pietätlose Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/sh

    Moin,
    ich gönne es keinem, auch nicht Koch, selbst wenn ich weder seine Politik noch seinen Stil für erträglich halte. Aber ganz ehrlich, er ist einfach in seinem Amt gealtert, wirkt grau und kraftlos. Seine letzte Attacke war längst nicht mehr das, was wir von ihm gewohnt waren, er ist jetzt auf gut Amerikanisch eine "Lame Duck", nicht mehr und nicht weniger. Wenn er es erkannt hat, also sich mit der letzten Attacke nicht im Sinne eines Befreiungsschlags selbst retten konnte, dann ist der Rückzug ja ein probater Weg. Und zu früh sollten wir uns auch nicht freuen, immerhin bleibt er noch bis zum Jahresende. Wer weiß, welchen Nachfolger er aus dem Hut zaubert, Wagner, Jung, Weimar, Bouffier? Alles ähnliche Kaliber. Gewonnen ist damit gar nichts.
    Beste Grüße
    Grabert

    aber: Geht er wirklich? - Kommt Besseres?? -

    • bediko
    • 25.05.2010 um 10:19 Uhr

    Koch war mir immer herzlich unsympathisch. Aber er war eine politische Kämpfernatur. Wenn man die sonstigen profillosen grauen Mäuse betrachtet, weiß man, was man an ihm verlieren wird! Deutschlands politische Landschaft wird noch armseliger!

  4. ... ich fand seine Freundschaft mit dem Dalai Lama früher sehr merkwürdig, sah ihn aber auch immer als integer und nicht auf Beliebtheit angewiesen. Dieser Schritt bestätigt alles, was ich von ihm halte und zeigt, dass man nur bei sich bleiben kann, wenn man nicht an der Macht klebt und sich dafür verkauft. Meine Bewunderung!

    • CM
    • 25.05.2010 um 10:21 Uhr

    Roland Koch ist wieder mal vorangestürmt: kürzt die Bildung zusammen, und Kindergärten brauchen wir Vertreter der Oberklasse-Herrenmenschen auch nicht, schließlich geben wir ja schon dem Kindermädchen Arbeit. Dieses Mal war es ein Eigentor.

    Bestimmt werden ihn seine Seilschaften nicht hängen lassen. Garantiert taucht er wie Mehdorn in einer wichtigen Position in der Wirtschaft wieder auf. Naheliegend wäre ein guter Job bei der Fraport AG oder bei einer der Firmen, die sich am Flughafenausbau eine goldene Nase verdienen. Aber auch andere bürger- und menschenverachtende Organisationen kämen in Betracht. Vielleicht findet unser "Hessen-Hitler" (so der Spitzname, der ihm vom Satiremagazin "Titanic" verlliehen worden war), ja auch endlich den Weg in seine weltanschauliche Heimat, die NPD.

    Ich trinke heute abend ein Bier mit Freunden. Wenn wir heute abend alle zusammensitzen wird jeder von uns erzählen können, was er Roland Koch zu verdanken hat - in keinem Fall war es etwas Gutes.

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    • toper
    • 25.05.2010 um 10:28 Uhr

    Schade! Ehrlichkeit zahlt sich leider für Politiker nicht mehr aus.

    • toper
    • 25.05.2010 um 11:12 Uhr

    Na ja, bei so viel Ehrlich und Machtwille führender SPD- Politiker vor allem in Hessen (Fr. Ypsilanti) und NRW (Frau Kraft) erübrigt sich ja eigentlich jeder Kommentar ;<)

    • toper
    • 25.05.2010 um 10:28 Uhr

    Schade! Ehrlichkeit zahlt sich leider für Politiker nicht mehr aus.

    • toper
    • 25.05.2010 um 11:12 Uhr

    Na ja, bei so viel Ehrlich und Machtwille führender SPD- Politiker vor allem in Hessen (Fr. Ypsilanti) und NRW (Frau Kraft) erübrigt sich ja eigentlich jeder Kommentar ;<)

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