Hessen Böser Koch, guter Koch

Sein Ruf war schlecht, doch Koch hatte auch seine guten Seiten. Hätte Merkel ihn nach Berlin holen sollen? Vergeblich hat er auf ein Angebot gewartet.

Langweilig war es mit Roland Koch nie. Kein zweiter CDU-Politiker provozierte im vergangenen Jahrzehnt so viel Empörung wie der hessische Ministerpräsident. Seit seiner ersten Wahl vor elf Jahren verging kaum ein Jahr ohne Aufreger aus Wiesbaden.

Schon sein erster Wahlkampf, 1999, war ein starkes Stück. Gegen den Wunsch der damaligen Generalsekretärin, einer gewissen Frau Merkel, fuhr Koch eine Kampagne, wie sie die hessische Union noch nicht erlebt hatte. Binnen weniger Wochen sammelte er fünf Millionen Unterschriften gegen die geplante Staatsbürgerschaftsreform der rot-grünen Bundesregierung und holte einen Rückstand von 14 Prozentpunkten auf. Der Vorwurf, er habe fremdenfeindliche Ressentiments geschürt, juckte Koch angesichts seines Erfolgs wenig.

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Dieses Ursprungs-Erlebnis prägte Kochs politische Vita. Er hatte sich gegen die wenig geschätzte Parteiführung und gegen die veröffentlichte Meinung durchgesetzt und war darin vom Wähler auch noch bestätigt worden. Kein Grund also, die Strategie zu ändern: Immer wieder "vergaloppierte" er sich sprachlich, wie er das vermeintliche Kratzen an Tabus einmal nannte. Mal verglich er Kritik an den Reichen und Wirtschaftsbossen mit der Juden-Verfolgung ("Stern an der Brust"). Mal forderte er drakonische Strafen für faule Sozialhilfeempfänger.

Damit wirkte er stilprägend für die Politiker seiner Generation. Andere CDU-Landeschefs dachten eine Zeit lang, von Koch lernen, hieße siegen lernen. Jürgen Rüttgers etwa begann mit Blick auf Hessen seine "Kinder statt Inder"-Kampagne. War die CDU in den Wahlkämpfen der späten Kohl-Jahre eher verschnarcht und bieder aufgetreten, pflegte sie nun in den Ländern ein krawalliges und reformbegeistertes Image. Auch den damaligen Kanzler ließen die Koch'schen Vorstöße nicht kalt. Gerhard Schröder ernannte erst nach Koch "Fordern und Fördern" zum neuen Prinzip seiner Sozialpolitik.

Den größten Aufschrei provozierte Koch im Wahlkampf 2008. Heute auf seiner Pressekonferenz sagte Koch, seither habe er mit dem Gedanken an den Rücktritt gespielt. Nicht, so ist anzunehmen, weil er selbst inzwischen bereut, wie es damals gelaufen ist, sondern weil er feststellen musste, dass er sich verrannt und die Wähler falsch eingeschätzt hatte. Im Doppelpass mit der BILD -Zeitung hatte Koch schärfere Strafen für gewalttätige Jugendliche gefordert. Unangenehm für Koch, dass die Kriminalitätsstatistik gerade in seinem eigenen Land alles andere als gut war.

Bernd Ulrich schrieb damals im ZEIT-Leitartikel : "Roland Koch ist ein fähiger Ministerpräsident. Aber diese Wahl darf er nicht gewinnen." Die Hessen sahen es ähnlich und straften Koch mit 13 Prozentpunkten Verlust ab.

Ob Koch wirklich ein guter Ministerpräsident war, darüber lässt sich streiten. Die hessische SPD interpretieret Kochs Abgang heute naturgemäß anders: als Absprung vom sinkenden Schiff. Unter seiner Ägide hätten sich die Staatsschulden verdoppelt und vieles sei unnötig privatisiert worden. Es habe eine überhastete Schulreform gegeben und ein unschönes Maß an Vetternwirtschaft sei entstanden, diktierte Thorsten Schäfer-Gümbel heute freudig den Journalisten. Dabei verwies er auf zwei Untersuchungsausschüsse, der sich die CDU derzeit erwehren muss.

Leser-Kommentare
  1. Welche Person bekommt den besseren Nachruf? Der üble Gauner der irgendwo ein paar positive Eigenschaften aufweist, oder der Menschenfreund, der sich irgendwann einen kleinen Ausrutscher geleistet hat?
    Journalisten brauchen da man wohl nicht lange zu grübeln: Mag einer auch Schwarzgelder ausgerechnet als Judennachlässe auf Konten in die Schweiz verschoben und anschließend darüber so lange gelogen haben, bis er eindeutig überführt wurde. Mag er noch so sehr mit dem rechten Rand um Wahlstimmen geschmust haben...
    IMMERHIN war er ein verlässlicher Verhandlungspartner! (Und für die eine oder andere Autobahn wird er während seiner Regierungszeit bestimmt auch noch tätig geworden sein..)

    Was treibt unsere öffentlichen Meiner nur immer wieder zu dieser Haltung? Vielleicht die beruflich bedingte Erotik zum Verborgenen?

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    • Buh
    • 26.05.2010 um 0:39 Uhr

    Nicht aufregen!
    Seitdem der Schlieben Redakteur im Politikteil der Zeit ist, dürfen wir uns alle pber solche verherlichenden Artikel "freuen". Für den schlieben ist alls rechts von Merkel gut und alles Links von Merkel Teufelszeug. Das darf man leider in jedem seinen "kommentaren" (Die mitlerweile den neutralen Artikeln in der zeit längst den quantitaviven rang abgelaufen haben) bemerken, weshalb ich mich immer seltener hier aufhalte.

    Ich bin auch sehr erstaunt über die erstaunlich gute Kritik, die Koch am ende bekommt. Dieser Mann war an Koruption doch kaum zu überbieten! Er fischte nicht nur am Rechten Rand, er hatte/Hat die gleichen Ansichten wie dieser. Er hat gelogen und betrogen. Er hat Hessen runtergewirtschaftet und blieb nur an der Macht, weil in Hessen leider sehr viel Politikuninteressierte CDU-Traditionswähler leben, meist im alter von 50

    Niemand der sich mit Koch eingehend beschäftigt kann diesen Mann und seine CDU ernsthaft wählen wollen. Sexistische und rassistische Äusserungen, homophobe politik. politik gegen Tierschutz, Schüler und Studenten...der Koch zeigt was Konservativ bedeutet: Asozial.

    Hessen ist nun befreit von ihm. Und wie es sich für einenkorrupten politiker gehört, wird er sich nun in dei Writschaft einbetten. Viel erfolg! Bleib bloß dort.

    • Buh
    • 26.05.2010 um 0:39 Uhr

    Nicht aufregen!
    Seitdem der Schlieben Redakteur im Politikteil der Zeit ist, dürfen wir uns alle pber solche verherlichenden Artikel "freuen". Für den schlieben ist alls rechts von Merkel gut und alles Links von Merkel Teufelszeug. Das darf man leider in jedem seinen "kommentaren" (Die mitlerweile den neutralen Artikeln in der zeit längst den quantitaviven rang abgelaufen haben) bemerken, weshalb ich mich immer seltener hier aufhalte.

    Ich bin auch sehr erstaunt über die erstaunlich gute Kritik, die Koch am ende bekommt. Dieser Mann war an Koruption doch kaum zu überbieten! Er fischte nicht nur am Rechten Rand, er hatte/Hat die gleichen Ansichten wie dieser. Er hat gelogen und betrogen. Er hat Hessen runtergewirtschaftet und blieb nur an der Macht, weil in Hessen leider sehr viel Politikuninteressierte CDU-Traditionswähler leben, meist im alter von 50

    Niemand der sich mit Koch eingehend beschäftigt kann diesen Mann und seine CDU ernsthaft wählen wollen. Sexistische und rassistische Äusserungen, homophobe politik. politik gegen Tierschutz, Schüler und Studenten...der Koch zeigt was Konservativ bedeutet: Asozial.

    Hessen ist nun befreit von ihm. Und wie es sich für einenkorrupten politiker gehört, wird er sich nun in dei Writschaft einbetten. Viel erfolg! Bleib bloß dort.

  2. Wer - in Deutschland - ergaunertes Geld ausgerechnet als "jüdische Vermächtnisse" darstellt, der ist so schamlos, dass man ihm alles zutrauen muss.
    Es ist nur nicht entdeckt worden.
    Es sagt viel aus über die so genannte politische Klasse der Bundesrepublik, dass so eine Figur noch eine wichtige Rolle spielen kann.
    Gottlob, dass wir ihn los sind!

  3. Ich staune auch nur noch über die medialen Kommentare zum Koch- Rücktritt. Da wird gelobhudelt und dem schwarzen Roland Komplimente hinterhergeworfen, dass man sich ungläubig die Augen reibt. Jemand mit solchen Verfehlungen sollte doch zu kritischen Artikeln Anlass geben und nicht noch zur nachträglichen medialen Genehmigung seiner zweifelhaften Vorgehensweisen anregen?!

    Und es kann doch nicht sein, dass ein paar aus Wiesbaden (wohldosiert) abgefeuerte Provokationen gen Berlin dazu führen, dass man ihm nun als Mann schätzt, der immerhin seine Meinung vertritt. Soll das wirklich eine Qualifikation darstellen oder gar etwas bemerkenswertes?

  4. Mdeldet sich Herr Koch freiwillig zum Einrücken ins Gefängnis? Bei dem Vorstrafenregister wäre das angebracht, aber bitte mit brutalstmöglicher Härte

  5. Wie sind die Konservativen in der Union, die Koch vertreten hat? Sind sie nicht wertetreu, ehrlich, bodenständig usw. Ist das etwa auch Koch? Stichworte:"jüdische Vermächtnisse, populistische Hetzerei gegen Migranten und jugendliche Kriminelle, Sparen beim einzigen Wertstoff den wir haben, der Bildung, Erhöhung der Vorstandsgehälter der Flughafen AG, während die Belegschaft auf Weihnachtsgeld verzichten muss unvm.

  6. Was schreibt die Journaille sich eigentlich heute zusammen?
    Dieser Typ hat von Ausländerfeindlichkeit bis ZDF gehetzt, intrigiert, polarisiert, gelogen,
    gepetzt, geschachert, provoziert.

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    was er seiner Meinung nach meinen sollte...
    Völlig bentgeistert
    W.

    was er seiner Meinung nach meinen sollte...
    Völlig bentgeistert
    W.

  7. was er seiner Meinung nach meinen sollte...
    Völlig bentgeistert
    W.

  8. ich halte ihn nicht auf.

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