Krisenmanagement Schäuble und Geithner – In Differenzen vereint

Der Bundesfinanzminister spart – das erregt Unmut jenseits des Atlantiks. Schäuble und sein US-Kollege mühen sich um Einigkeit, doch es bleibt ein Graben.

Sie suchen eine gemeinsame Linie, die Wirtschaft zu beleben und die Staatsschulden abzubauen. Zwar bekräftigten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein US-Kollege Timothy Geithner den Willen, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Nach einem Treffen in Berlin verwiesen beide aber auch darauf, dass es unterschiedliche Ansätze gebe.

Schäuble verteidigte den Kurs der Bundesregierung und anderer Euro-Staaten, die Staatsdefizite drastisch abzubauen. Diese seien eine Hauptursache der Euro-Krise. "Sie müssen maßvoll reduziert werden", sagte er.

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Anders als die USA habe Deutschland zudem mit einer rückläufigen und alternden Bevölkerung zu kämpfen bei gleichzeitig geringeren Wachstumsaussichten. "Das muss beim Defizit mehr berücksichtigt werden, als bei einem Land mit einer weit stärkeren Wachstumsdynamik wie den USA."

Die USA werfen Deutschland und anderen Staaten vor, sie gefährdeten mit ihren drastischen Sparprogrammen das weltweite Wachstum. Für Unmut in Washington hatte auch der deutsche Alleingang beim Verbot riskanter Börsenwetten mit Aktien und Euro-Anleihen gesorgt.

Geithner betonte nach dem Treffen mit Schäuble, es gehe nicht nur darum, die Haushaltspolitik zu stärken, sondern auch Wachstum und Beschäftigung. Dafür sei eine ausgewogene Strategie nötig. "Wir brauchen Bewegungsspielraum und Flexibilität". China etwa habe erkannt, dass es die Inlandsnachfrage stärken müsse.

Hintergrund des Treffens ist der G-20-Gipfel Ende Juni in Kanada. Ende nächster Woche treffen sich zur Vorbereitung die Finanzminister der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen in Südkorea. Eine gemeinsame Linie bei der Finanzmarktkontrolle und Wirtschaftspolitik droht zu scheitern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich auf dem Treffen für eine internationale Finanzmarktbesteuerung stark machen. Bislang ist aber offen, ob die Belastung in Form einer Finanzmarkttransaktionsteuer oder einer nur auf Gewinne und Boni erhobenen Finanzaktivitätsteuer geschehen soll.

Vor allem in den USA und Großbritannien gibt es große Vorbehalte gegen eine solche Besteuerung.
 

 
Leser-Kommentare
  1. schließlich waren es US-Banken, die das ganze Disaster ausgelöst haben - auch weil ihnen die Politik der USA keine Zügel angelegt hat.

    • knuham
    • 27.05.2010 um 17:15 Uhr

    Bernanke warnt vor neuen Blasen (scheint sein Steckenpferd zu werden?) und Geithner weist auf die Notwendigkeit von Wachstum und Beschäftigung in den USA hin. Derweil verbrennen die beiden Hypothekenfinanzierer Fanny Mae und Freddy Mac, wie gehabt, fröhlich Geld, das Bernanke mit dem Ankauf von Staatsanleihen bereitstellt. Geithner sollte sich mit seinen Wünschen an Krugman wenden, der weiss doch schließlich wie man so richtig große Wirtschaftsprogramme auflegt um von den Budgetdefiziten abzulenken und der Bevölkerung den American Way of Life schmackhaft zu machen. Deshalb Herrn Geithner einen schwachen Dollar zu präsentieren, mit dem Risiko auf den eigenen Staatsanleihen sitzen zu bleiben, kann nicht in Herrn Schäubles und des Bürgers Interesse sein. Manchmal ist einem eben doch das Hemd näher als der Rock...

  2. Wer so viel Schulden hat, selbst bei den Chinesen sollte ruhig sein.
    Jetzt hat Herr Schäuble aber wirklich richtig gehandelt, wir
    müssen alle richtig sparen. Amerika selbst ist ja noch schlimmer dran als Griechenland, und über die Griechen zieht Europa her anstatt ordentliche Richtlinien und Gesetze zu schaffen und wirken zu lassen. Manche drucken halt Geld bis zum Abwinken und denken die
    Papierfetzen können das System retten, sie begreifen nichts.
    Sparen und Schulden tilgen, alles andere Gefasel von Wachstum in diesem System und Schulden machen ist unbewiesenes Geschwätz. Es gibt nicht mehr für alle Arbeit, Technik hat die Arbeitskraft vieler Menschen ersetzt.
    Das Gewinnsystem für wenige Wohlhabende und Zocker bleibt und wird gerade hier und über den großen Teich weitergeführt.
    Was sollen die Leute sonst mit Ihrem vielen Geld machen -
    Habgier wird auch deren Ende sein.
    Darum gebe ich Herrn Schäuble in diesem Falle recht.
    Amerika soll sich um seine Probleme kümmern und dass die Zocker
    und Mächtigen in England mit der Staatsverschuldung nicht am Euro beteiligt sind ist unser aller Glück. Also Griechenland ist gar nicht so weit weg, es liegt auch gerade über den Kanal der
    Nordsee mit Finanz - Roulette - Platz London und den geheimnisvollen Steueroasen der Inselstaaten.

  3. Jetzt ist das Risiko vergesellschaftet.
    Am 26. Mai ist der deutsche Michel in Geiselhaft genommen worden, denn die Politik bürgt mit Geld, das sie gar nicht hat, für das der Bürger aber geradestehen muss. Der Name dieses Gesetzes ist entlarvend. Man hat sich nicht gescheut, es (Kredit-)Ermächtigungsgesetz zu nennen.

    Werden die Banker sparen, wo Mama Merkel doch schon gebürgt hat? Natürlich nicht!

    Dabei bestünde die freiheitliche Ordnung gerade darin, dass Wirtschaftssubjekte die Verantwortung für ihre Entscheidungen selber trügen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere Regierung, dass das Expertengremium, das zur "Regulierung" der Finanzmärkte einberufen wurde, u. a. aus 10 hochrangigen Bankmanagern besteht, die die Rahmenbedingen für die Finanzmärkte möglichst weich abfedern werden.

    Letzten Endes wird man sich für einen Hauch Rouge entscheiden, um die Blässe des politischen Totalversagens zu überdecken.

  4. ...nicht passt ist völlig klar: Weil es ihn zu derselben zwingt. Die kann er aber nicht durchhalten, weil es längst zu spät dafür ist: Die sind schon pleite, wir erst kurz davor. Und während wir unseren Kopf noch aus der Schlinge ziehen können ist es für Geithner zu spät: Das will er nicht hinnehmen.

  5. ...Kanzler würde ich mir - so sehr ich ihn auch hasse - ein Dutzend hochkarätige Fachleute mit ackermannscher Kompetenz wünschen: Um uns und unsere (europäische) (Finanz-)wirtschaft in Stellung zu bringen: Gegen den Angriff der Amerikaner.

  6. 1. Es ist gut fuer die USA, dass Europa spart. Nein, das Gegenteil - nicht nur die Amerikaner aber die Welt.

    2.Falsch, am besten waere es, man exportiert soviel wie man importiert. Es waere gut fuer die Amerikaner (aber nicht fuer die Welt), wenn Sie das schaffen wuerden.

    3. Duie Amerikaner haben Angst vor den Chinesen. Wieso? Ganz falsch, je wohlstaendiger China, wird, desto besser.

    4. Leerverkaeufe verursachen den Schaden nicht. Wie ein Geier riechen sie Gestank, eheer als andere. Beschleunigen entweder Tot oder Erholung. Ob das eine oder andere am Ende des sogenannten Tages, niemand weiss das.

    5. Ob es Verkehrsgeld oder Fantasiegeld gibt, und wenn so wo und wie, ist ein Raetsel. Das sie uns wohl als Aufgabe stellen wollen. Klappt aber nicht, weil die beiden Begriffe nicht mal so weit auseinander stehen wie Irrsinn und Unsinn.

    6. "Ich habe es wenigstens versucht." Das ist eine Behauptung. Ich stufe sie als einen anderen "Gegenteil" ein, weil einem jeder moeglich "Versuch" als ein Maerchen erscheint.

    Antwort auf
  7. GELD ist für mich "gespecherte Arbeit". Schulden machen heist jetzt meine Arbeit für etwas ausgenben, für die ich später schuften soll.

    Ich erinnere an die MEFO-Wechsel, mit denen die Nazis ihre
    Kriegswirtschaft finanziert haben. Egebnis: Währungsreform.
    Wollen wir so etwas in EUROLAND ?

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