Haushalt Schwarz-gelbe Rechenspiele

Soziales, Gesundheit, Verteidigung, Subventionen: Die Bundesregierung muss ein gigantisches Sparpaket auf den Weg bringen. Welche Vorschläge diskutiert werden.

Wo kann gespart werden? Auf seiner Haushaltsklausur im Kanzleramt wir das schwarz-gelbe Kabinett Antworten finden müssen

Wo kann gespart werden? Auf seiner Haushaltsklausur im Kanzleramt wir das schwarz-gelbe Kabinett Antworten finden müssen

Die Zahlen sind enorm und sie setzen die Koalition unter Handlungsdruck: 80 Milliarden Euro Neuverschuldung allein im Jahr 2010. Und ein Gesamtschuldenstand von rund 1800 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse: Ab 2011 müssen jährlich 10 Milliarden Euro gespart werden, um das strukturelle Defizit von 60 Milliarden Euro bis 2016 abzubauen.

Ein Weg, den Haushalt zu konsolidieren, wären Steuererhöhungen . Renommierte Wirtschaftswissenschaftler rechnen vor, dass an einer Mehrwertsteuererhöhung kein Weg vorbei führt. Doch bislang gibt es keine gewichtige Stimme aus der Koalition, die für diesen Schritt plädiert, der einen Bruch der Versprechen aus dem Koalitionsvertrag bedeuten würde. Zudem würden die Liberalen, die wegen der Kanzlerinnen-Absage an Steuerentlastungen ohnehin schon unter Druck stehen, die letzten Reste ihrer Selbstachtung aufgeben müssen, wenn sie einen solchen Schritt mittragen wollten. Deshalb bleiben nur drastische Sparmaßnahmen. Das Finanzministerium hat an alle Ressorts einen Brief mit den Einsparvorgaben verschickt. Nur einen Bereich wollen CDU und FDP ausschließen: Bildung und Forschung. Im Mittelpunkt stehen die Ressorts mit den größten Etats.

Anzeige

Arbeitsmarkt und Soziales

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gebietet über ein Drittel des gesamten Bundeshaushalts. "Dumpfes Kürzen kann schnell nach hinten losgehen", warnte die Ressortchefin nun vorsorglich in der FAZ . Rund 80 Milliarden Euro beträgt allein der Bundeszuschuss an die Rentenkasse, elf Milliarden der an die Bundesagentur für Arbeit. Ein Eingriff in die Rentenstruktur ist äußerst unwahrscheinlich. Jede Systemänderung würde sofort massiven Widerstand produzieren. Für sie sei die Rente "tabu", sagt von der Leyen. Koalitionspolitiker favorisieren Umstrukturierungen und Kürzungen bei den Arbeitsmarktprogrammen. Die Arbeitsministerin aber möchte in diesem Bereich 2011 noch nicht kürzen.

Die FDP schlug am Freitag eine einheitliche Mietpauschale für Hartz-IV-Empfänger vor. Demnach soll sich der Mietzuschuss am örtlichen Mietniveau orientieren. Weil die Pauschalierung Verwaltungsarbeit spart, rechnet der Städte- und Gemeindebund mit Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch in der Familienpolitik muss gespart werden. Ministerin Kristina Schröder (CDU) setzt darauf, dass sie einen Teil der Einsparungen aus der Verkürzung des Zivildienstes für andere Aufgaben im eigenen Haus einsetzen kann. Keine Indizien gibt es dafür, dass die Koalition vom Ausbau der Kinderbetreuung abrückt. Allerdings sind die Chancen gering, dass in zwei Jahren noch Mittel da sind für das Betreuungsgeld, das für das Jahr 2013 im Koalitionsvertrag verankert wurde.

Leser-Kommentare
  1. Steuererleichterungen einzuführen, wenn die so weiter machen verliert der Bundestag bei den nächsten Wahlen eine Partei

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 29.05.2010 um 1:23 Uhr

    ... einer Mehrwertsteuererhöhung kein Weg vorbei führt."

    ...und genauso renommierte Wissenschaftler sagen, dass eine Steuererhöhung die Wirtschaftsentwicklung abwürgt. Da ist für öffentliche Bedienstete nicht so schlimm....

    • joG
    • 29.05.2010 um 1:23 Uhr

    ... einer Mehrwertsteuererhöhung kein Weg vorbei führt."

    ...und genauso renommierte Wissenschaftler sagen, dass eine Steuererhöhung die Wirtschaftsentwicklung abwürgt. Da ist für öffentliche Bedienstete nicht so schlimm....

  2. Ich selbst bin statistisch gesehen "wohlhabend", das bedeutet, dass ich mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Jahresbruttoverdienstes in Deutschland bekomme. Hier redet also niemand, der selbst betroffen wäre.

    Eigentlich müsste ich ja ein strammer CDU oder FDP-Wähler sein, aber diese Parteien und ihre Politik ekeln mich nur noch an. Der Sozialetat in Deutschland ist ein vergleichsweise mickriger Posten, wie gesagt, wir reden beispielsweise bei der hier präsentierten Maßnahme um einen dreistelligen Millionenbetrag. MILLIONEN, wissen sie noch? Das sind diese Zahlen mit nur 6 Nullen. Echte Peanuts im Vergleich zu den hunderten von MILLIARDEN (Zahlen mit 11 Nullen!) mit denen Banken und Staaten gerettet werden.

    Und weil man der "Mittelschicht" oder was davon übrig ist nicht noch mehr Unnehmlichkeiten machen will, greift man eben da hin, wo sicherlich niemand etwas sagen wird. In die Taschen nicht der faulsten Menschen, sondern im Gros der beklagenswertesten Existenzen unserer Gesellschaft, die "Schuldfrage" mal aussen vor.

    Während also Hoteliers begünstigt werden, die Mittelschicht halbwegs verschont wird und natürlich erst Recht die Reichen, die Beamten und der Öffentliche Dienst, wird also ganz unten Kleingeld eingesammelt.

    Genau darin sehe ich auch den großen Prüfstein für die EZB: Inflation ist der einzige Lösungsansatz, bei dem niemand "Schuld" ist und der wirkt. Wenn das zwei, drei Regierungen in der EU erkennen, wird sich die Unabhängigkeit der EZB offenbaren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Stimme Ihnen inhaltlich voll zu!

    Stimme Ihnen inhaltlich voll zu!

  3. ...Menschen vor ihre Wähler(!!!) stellen und sagen das man überall sparen und die Steuern erhöhen muss auf der anderen Seite aber weitere 10Millarden in die HRE stecken.
    Was denken die in diesem Moment?
    Wie schlafen die in der Nacht, wenn 6 Millionen H-IVlern die jeden Cent drei mal umdrehen müssen?
    Wann hat ein Politiker egal welcher Partei einen Wähler in die Augen gesehen und das vernünftig - nicht mit TINA - erklärt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 29.05.2010 um 1:27 Uhr

    ....die Anhebung der Gehälter für Minister und Beamte gewesen.

    • joG
    • 29.05.2010 um 1:27 Uhr

    ....die Anhebung der Gehälter für Minister und Beamte gewesen.

  4. - von einem Bundestagsabgeordneten - beträgt die geschätzte Differenz zwischen staatlichen Ausgaben und Einnahmen bis zum Ende der Legislaturperiode etwa 500 Milliarden Euro.
    Und das sei jedem Abgeordneten bekannt, werde aber nicht an die große Glocke gehängt.
    Hier ist jetzt die Rede von 60 Miiliarden Euro bis 2016.
    Werden wir da einmal mehr auf übelste Weise belogen, oder wie kann man die Diskrepanz verstehen?

    • Komabe
    • 28.05.2010 um 20:00 Uhr

    Vielen Dank!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 29.05.2010 um 1:30 Uhr

    ....dass man auf einem Gebiet, auf dem man weit weniger ausgibt als seine Partner und bereits jetzt als Trittbrettfahrer erkannt wird, weniger ausgeben will:

    "Der Verteidigungsetat gehört mit rund 31 Milliarden Euro zu den großen Brocken im Haushalt"

    Das wird für Verwerfungen im internationalen Geschäft sorgen.

    • joG
    • 29.05.2010 um 1:30 Uhr

    ....dass man auf einem Gebiet, auf dem man weit weniger ausgibt als seine Partner und bereits jetzt als Trittbrettfahrer erkannt wird, weniger ausgeben will:

    "Der Verteidigungsetat gehört mit rund 31 Milliarden Euro zu den großen Brocken im Haushalt"

    Das wird für Verwerfungen im internationalen Geschäft sorgen.

  5. z. B. mit einer Finanztransaktionssteuer in Höhe von
    0.0025%.
    Naja, dann doch lieber einige Millionen Leute, die kaum das Geld haben sich gesund zu ernähren, noch ein wenig mehr schröpfen.

    Gehts noch perverser?????

    Kein wirtschaftliches Argument rechtfertigt derartige Perversionen des Denkens.

  6. Und das beste ist daß dies jeder schon vor den BTW2009 wußte. Zumindest wenn man sich informiert hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 29.05.2010 um 14:11 Uhr

    es ist genau das passiert wovor Gegner und Opposition gewarnt haben: Begünstigung reicher, schröpfung der finanziellen Unter- und Mittelschicht. Erst vor einigen Monaten haben wir auf Wunsch der FDP große Summen in der Wirtschaft verteilt. VÖllig ohne System, sah eben wie Günstligswirtschaft aus. Und nun heisst es es gäbe zu wenig geld, wir seien zu verschuldet (Was vor der Bundestagswahl ja schon klar war), und jetzt wollen die bei den kleinen kürzen. Das werden Bildung, Soziales und Tierschutz sein. Und vielleicht zwei drei Panzer bei der Bundeswehr.
    DIe FDP sollte sich echt was schämen.

    • Buh
    • 29.05.2010 um 14:11 Uhr

    es ist genau das passiert wovor Gegner und Opposition gewarnt haben: Begünstigung reicher, schröpfung der finanziellen Unter- und Mittelschicht. Erst vor einigen Monaten haben wir auf Wunsch der FDP große Summen in der Wirtschaft verteilt. VÖllig ohne System, sah eben wie Günstligswirtschaft aus. Und nun heisst es es gäbe zu wenig geld, wir seien zu verschuldet (Was vor der Bundestagswahl ja schon klar war), und jetzt wollen die bei den kleinen kürzen. Das werden Bildung, Soziales und Tierschutz sein. Und vielleicht zwei drei Panzer bei der Bundeswehr.
    DIe FDP sollte sich echt was schämen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service