Atomkraft Mappus verlangt 15-jährige Laufzeitverlängerung
Der baden-württembergische Ministerpräsident will die Laufzeiten für Kernkraftwerke deutlich verlängern. Die SPD droht schon mal mit Klage.
© Maurizio Gambarini dpa/lno

Schwarz-Gelb will die Laufzeit von Kernkraftwerken verlängern
Bereits Anfang der Woche hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) mit seiner Rücktrittforderung an CDU-Umweltminister Norbert Röttgen in der Union ein politisches Erdbeben ausgelöst. Nun legte er noch einmal nach. Er gehe davon aus, dass es zu einer Laufzeitverlängerung von mindestens 15 Jahren kommen werde, sagte Mappus in Stuttgart.
Mappus zeigte sich außerdem überzeugt, dass der Bundesrat in der Frage nicht eingeschaltet wird. "Ich bin mir sicher, dass die Sachargumente, die Baden-Württemberg, Bayern und Hessen im Kanzleramt vorgebracht haben, auch zum Tragen kommen." Der Regierungschef geht davon aus, dass es rechtlich einwandfrei möglich ist, den Bundesrat bei der Entscheidung außen vor zu lassen. "Ich will eine rechtssichere Lösung und bin gegen Tricksereien."
Anders als Mappus und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) geht Röttgen davon aus, dass die Zustimmung der Länder erforderlich ist. Zudem hatte sich Röttgen Anfang des Jahres dafür ausgesprochen, die Laufzeiten um höchstens acht Jahre zu verlängern. Auf Druck der Ministerpräsidenten und der Unionsfraktion werden derzeit allerdings auch Laufzeitverlängerungen um bis zu 28 Jahren geprüft.
Seit der Niederlage der schwarz-gelben Regierung bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die Koalition im Bundesrat keine Mehrheit mehr. Die Frage der Zustimmungspflicht der Länderkammer ist deswegen entscheidend dafür, ob sie überhaupt Laufzeitverlängerungen durchsetzen kann. Denn diese werden von allen anderen Parteien abgelehnt. Die Bundesregierung setzte am Dienstag eine Arbeitsgruppe ein, an der sowohl das Bundesumweltministerium als auch Innen- und Justizministerium sowie das Kanzleramt beteiligt sind. Bis Anfang Juni soll diese klären, ob die Länder bei dieser Frage beteiligt werden müssen oder nicht.
Seine Forderung nach wenigstens 15 Jahren begründete Mappus damit, dass dadurch Milliarden Euro zur Verfügung stünden, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben. Bei einer längeren Restlaufzeit müssten wenigstens 50 Prozent der zusätzlichen Erträge der Stromkonzerne zu diesem Zweck abgeschöpft werden. "Es macht keinen Sinn, nur über fünf bis sieben Jahre zu reden. Da käme nicht genug Geld herein, um die regenerativen Energien ausreichend zu fördern." Nur mit Steuermitteln käme der Ausbau zu langsam voran. Bei der Verlängerung der Laufzeiten gelte aber: "Oberstes Gebot ist die Sicherheit der Reaktoren."
Im Südwesten steht der zweitälteste deutsche Meiler Neckarwestheim I bei Heilbronn. Außerdem betreibt der Konzern Energie Baden- Württemberg (EnBW) noch Neckarwestheim II und die beiden Reaktoren in Philippsburg (Kreis Karlsruhe).
Die SPD kündigte unterdessen bereits an, vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen, falls die Bundesregierung die Länder in dieser Frage nicht beteiligen werde. Zunächst werde man ein Rechtsgutachten in Auftrag geben, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD- Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, dem Hamburger Abendblatt . "Die geplante Verlängerung am Bundesrat vorbei ist eine windige Konstruktion, mit der die Verfassung umgangen wird. Deswegen würden wir auch nicht den Gang nach Karlsruhe scheuen."
Wenn die Regierung wie zugesichert im Gegenzug für einen längeren Betrieb der Atomkraftwerke die Sicherheitsauflagen verschärfen wolle, greife sie in die Auftragsverwaltung der Länder ein. Und wenn sie auf die zusätzlichen Gewinne der Energieunternehmen Steuern oder Abgaben erheben wolle, treffe sie damit das Steueraufkommen der Länder. Daraus ergebe sich, dass der Bundesrat zustimmen müsse.
- Datum 20.05.2010 - 13:16 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 17
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Wurde auch Zeit, dass die Verfassung eingeschaltet wird.
Ich kann nur sagen: Danke, SPD, wenn die Grünen es nicht machen, beschützt ihr uns eben vor dem Ausstiegs-Ausstieg.
Weshalb sollte der Bundesrat eingeschaltet werden, wenn der
Atomausstieg rückgängig gemacht werden soll. Beim Ausstieg
aus der Atomenergie hat rot/grün den Bundesrat übergangen.
Sonst wäre es nicht zum Ausstieg gekommen.Jetzt jaulen die
Herrschaften von rot/grün auf, wenn die jetzige Regierung
genau so verfährt. Das ist schon sehr bemerkenswert. Offenbar
ist es nicht das Gleiche, wenn zwei dasselbe tun.
Wir brauchen die Kernkraft. Ohne Kernkraft ist der Industrie-
standort Deutschland im höchsten Maße gefährdet.
Inwiefern ist der "industriestandort" gefährdet, wenn Strom aus D heraus _exportiert_ werden kann, obwohl 7 der 17 angeblich für die _Grundlast_ benötigten AKW nicht am Netz sind?
Stattdessen:
- Uranversorgung neigt sich dem Ende
- Uran wird zu 100% importiert
- Endlagerung noch nicht mal technisch geklärt
- 1 mio. Jahre Strahlemüll
--> mehr dazu unter http://100-gute-gruende.de
ihr Chef sagt Ihnen, Sie können heute (bei voller Lohnfortzahlung) zuhause bleiben. Muss er den Betriebsrat fragen? Nein!
Ihr Chef sagt Ihnen, Sie müssen am Sonntag arbeiten kommen (ohne Lohnausgleich). Muss er den Betriebsrat fragen? Ja!
Ich denke, den Unterschied haben Sie verstanden?!
Hinzu kommt, dass die AKWs nur für eine Laufzeit von 40 Jahren ausgelegt sind und keines dem Stand der Technik entspricht, d.h. bei Verlängerungen über diesen Zeitraum hinaus wären auch sicherheitsrelevante Fragen zu beachten!
Inwiefern ist der "industriestandort" gefährdet, wenn Strom aus D heraus _exportiert_ werden kann, obwohl 7 der 17 angeblich für die _Grundlast_ benötigten AKW nicht am Netz sind?
Stattdessen:
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- Uran wird zu 100% importiert
- Endlagerung noch nicht mal technisch geklärt
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Hinzu kommt, dass die AKWs nur für eine Laufzeit von 40 Jahren ausgelegt sind und keines dem Stand der Technik entspricht, d.h. bei Verlängerungen über diesen Zeitraum hinaus wären auch sicherheitsrelevante Fragen zu beachten!
Inwiefern ist der "industriestandort" gefährdet, wenn Strom aus D heraus _exportiert_ werden kann, obwohl 7 der 17 angeblich für die _Grundlast_ benötigten AKW nicht am Netz sind?
Stattdessen:
- Uranversorgung neigt sich dem Ende
- Uran wird zu 100% importiert
- Endlagerung noch nicht mal technisch geklärt
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Ihrem Kommentar ist nichts hinzu zufügen.
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Mir ist ehrlich gesagt nicht klar, warum man Bundesländern wie Saarland, Thüringen, etc. da ein Mitspracherecht zugestehen will, betroffen sind doch die Länder, die die Aufsicht durchführen müssen und die sind ja sogar für eine Verlängerung.
Ganz davon abgesehen, dass Kommentar 2 richtig ist, wenn das Gesetz schon ohne Bundesratzustimmung durchging, dann sollte die Wiederrücknahme auch ohne gehen. Zudem geht man ja nun nur auf einen Aufsichtsstandpunkt zurück, der zuvor bereits Gültigkeit besaß.
ihr Chef sagt Ihnen, Sie können heute (bei voller Lohnfortzahlung) zuhause bleiben. Muss er den Betriebsrat fragen? Nein!
Ihr Chef sagt Ihnen, Sie müssen am Sonntag arbeiten kommen (ohne Lohnausgleich). Muss er den Betriebsrat fragen? Ja!
Ich denke, den Unterschied haben Sie verstanden?!
Hinzu kommt, dass die AKWs nur für eine Laufzeit von 40 Jahren ausgelegt sind und keines dem Stand der Technik entspricht, d.h. bei Verlängerungen über diesen Zeitraum hinaus wären auch sicherheitsrelevante Fragen zu beachten!
Ihren beispielhaften Unterschied hab ich zwar verstanden, aber der Vergleich hinkt dermaßen, dass ich da nicht weiter drauf eingehen will.
Aber mal angenommen, das Saarland will eine neue technische (z. B. nanotechnologische) Produktionsanlage errichten lassen. Der Bund wäre einverstanden und verabschiedet zur Thematik ein entsprechendes Gesetz, aber im Bundesrat scheitert dann das Ganze, weil alle anderen Länder dagegen wären, da das Land Saarland wahrscheinlich eine neue Aufsichtsabteilung braucht. Das ist das Ende jeglicher Investitionen. Das könnte man ewig weiterspinnen (Chemie, Gentechnik, etc. alles Aufsichtspflichtige wäre betroffen), na klasse.
wenn die Zuständigkeiten klarer getrennt wären!! Die Finanzbeziehungen und die Aufgaben zwischen Bund und Land sind in vielen Fällen allerdings so miteinander "verknotet, dass eine eindeutige Zuordnung nicht mehr möglich ist! Wie in diesem Fall auch! Jeder Vergleich hinkt im Übrigen, das liegt allerdings nicht am Vergleich, sondern am Betrachter! Sie können außerdem sicher, dass jede Neuregelung eine kurze Halbwertzeit haben wird. Die nächste Bundesregierung wird die Verlängerung der Laufzeiten wieder kippen!
wenn die Zuständigkeiten klarer getrennt wären!! Die Finanzbeziehungen und die Aufgaben zwischen Bund und Land sind in vielen Fällen allerdings so miteinander "verknotet, dass eine eindeutige Zuordnung nicht mehr möglich ist! Wie in diesem Fall auch! Jeder Vergleich hinkt im Übrigen, das liegt allerdings nicht am Vergleich, sondern am Betrachter! Sie können außerdem sicher, dass jede Neuregelung eine kurze Halbwertzeit haben wird. Die nächste Bundesregierung wird die Verlängerung der Laufzeiten wieder kippen!
auch mit den riesigen Problemen der Endlagerung herumschlagen müsste, wie sein Kollege Wulff, würde er garantiert nicht so leichtfertig für eine Laufzeitverlängerung votieren.
Da man Niedersachsen aber als atomare Müllkippe auserkoren (ausgemauschelt) hat, kann er natürlich vollmundig diesen Schwachsinn fordern. Höchstwahrscheinlich ordentlich geschmiert von der Atomindustrie!
Wie läuft das gerade in den USA zwischen Regierung und BP?
Geschenke, auch in Form von Drogen und Luxusfeten, haben die Politik dort auch sehr gefügig gemacht. USA ist überall!
Aguirre 1: Sie haben völlig Recht: Hier in Bad-Württ ist in ca. 10 Monaten wieder Wahl, er will deshalb die Sache so schnell wie möglich geklärt haben. Anscheinend hat er vor einem "NRW-Ergebnis" Angst trotz der "grundschwarzen" Haltung der Mehrheit der Bevölkerung, wenn erst im Herbst/Winter entschieden wird.
Aguirre 1: Sie haben völlig Recht: Hier in Bad-Württ ist in ca. 10 Monaten wieder Wahl, er will deshalb die Sache so schnell wie möglich geklärt haben. Anscheinend hat er vor einem "NRW-Ergebnis" Angst trotz der "grundschwarzen" Haltung der Mehrheit der Bevölkerung, wenn erst im Herbst/Winter entschieden wird.
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