Haushaltskonsolidierung Koalition uneins über Steuererhöhungen
Neuer Koalitionskrach bahnt sich an: Finanzminister Schäuble bereitet die Deutschen auf höhere Abgaben vor. Wirtschaftsminister Brüderle plant weiter Steuersenkungen.
Es ist ein Paradigmenwechsel, auf den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Bevölkerung einstimmt. Wenige Wochen nach der für Schwarz-Gelb so desaströsen NRW-Wahl und inmitten der Eurokrise sind nicht nur die von der FDP geforderten Steuersenkungen vom Tisch. Schäuble unternimmt nun auch rhetorische Vorbereitungen für Steuererhöhungen. "Ich diskutiere jetzt keine einzelnen Maßnahmen, aber ich nehme sie auch nicht aus", sagte der Finanzminister, auf das Thema in der Bild am Sonntag angesprochen.
Der Job der schwarz-gelben Koalition sei es, möglichst wenig Geld auszugeben. Im Steuerrecht könnten daher Vergünstigungen wegfallen. "Wenn Sie Subventionen im steuerlichen Bereich abschaffen, werden manche sagen: Das ist eine Steuererhöhung."
Damit geht Schäuble auf Konfrontationskurs zu Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der jedwede Steuererhöhung – auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf bisher begünstigte Produkte – ablehnt. Nach wie vor gelte das Ziel, die Steuern zu senken. "Von den Steuervereinfachungen und Steuersenkungen verabschieden wir uns nicht", sagte Brüderle. Es bleibe "ein ganz entscheidendes Ziel, die Bürger noch in dieser Wahlperiode spürbar zu entlasten".
Die Koalition muss von 2011 bis 2016 jedes Jahr ein Etatloch von zehn Milliarden Euro dauerhaft schließen, um die Schuldenbremse im Grundgesetz einzuhalten. Wie dies geschehen soll, will die Regierung in einer Klausurtagung am 6. und 7. Juni im Kanzleramt entscheiden. Zum Tabu hat Kanzlerin Angela Merkel bisher nur die Bereiche Bildung und Forschung erklärt.
Bisher hatte Schwarz-Gelb großflächige Steuererhöhungen ausgeschlossen. Allerdings zeichnet sich ab, dass auf einige bisher begünstigte Produkte künftig der volle Mehrwertsteuersatz fällig werden könnte. Außerdem denkt man in Berlin über Kürzungen von Subventionen wie die Pendlerpauschale oder der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen nach. Und auch ein ganz besonders umstrittenes Projekt könnte die Koalition bei der Gelegenheit kassieren: Den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen , der auf Druck der Liberalen zustande kam. Eine Rücknahme brächte der Staatskasse eine Milliarde Euro.
Es ist offen, ob Brüderle und die FDP dem Spardruck standhalten werden. Dass jetzt auch hochrangige Liberale offen Kritik am starren Steuersenkungskurs üben, spricht allerdings dagegen. "Wir hätten die Verschuldungskrise früher anders bewerten müssen", sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberg dem Spiegel . Vor allem Subventionen müssten jetzt radikal gekürzt werden.
Gewerkschaften und SPD warnten die Koalition indes vor einem sozialen Raubbau. Die Regierung dürfe nicht auf Kosten der Arbeitnehmer und "kleinen Leute" sparen. DGB-Chef Michael Sommer zeigte sich kampfbereit. "Niemand sollte die Entschlossenheit der Gewerkschaften in diesem Punkt unterschätzen. Wir sind bereit, diese Konflikte, wenn sie kommen, in die Betriebe zu tragen." SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: "Nicht die kleinen Leute, nicht die Verkäuferin, nicht der Altenpfleger sind verantwortlich für die Krise."
Schäuble beschwichtigte. Der Sozialstaat dürfe nicht kaputt gespart werden. "Ich gebe zu bedenken: Einsparungen bei den Sozialausgaben treffen ganz überwiegend die weniger Begüterten im Land."
- Datum 29.05.2010 - 16:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 35
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Schon eine seltsame Koalition bei der der eine Partner Steuersenkungen fordert und der andere Steuererhöhungen nicht ausschliesst.
Fest steht doch eins - die Regierungen der letzten Jahre haben unverhältnismäßige Steuersenkungen beschlossen, die weder die Probleme am Arbeitsmarkt gelöst noch die Bankenkrise verhindert haben. Es mutet schon paradox an, wenn die Regierung ständig anführt, man habe in der Vergangenheit über seine Verhältnisse gelebt und gleichzeitig Milliarden bereit stellt um den Euro stabil zu halten. Hier stellt die Regierung Mittel bereit, das sie überhaupt nicht hat.
Unstrittig geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Wenn dem aber so ist, dann lebt nur der obere Teil der Schere über seine Verhältnisse. Dies muss die Politik endlich ausgleichen. Aber sie tut eher das Gegenteil. Offensichtlich hat sie noch nicht begriffen, dass eine Schere nur dann funktioniert wenn sich beide Teile aufeinander zu bewegen. Wer auf den unteren Teil immer mehr Druck ausübt, um den oberen Teil weiter nach oben zu bringen, zerbricht irgendwann die Schere.
Dann aber sind beide Teile völlig wertlos.
....Schere nur dann funktioniert wenn sich beide Teile aufeinander zu bewegen."
Vielleicht daher, "hat sie das noch nicht bemerkt", weil es sich hier nicht um eine Schere handelt sondern um eine statistische Verteilung.
Bilder sind ein sehr probates Mittel, Sachverhalte zu klären, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
Und wenn man bedenkt, daß die HerrenDamen uns so gern mit falschen Bildern - "wir sitzen alle in einem Boot" - , oder "es geht um das europäische Haus" etc pp im Stadium des dummen Urnenpöbels halten will, so kann man ihr Bild nicht hoch genug schätzen.
respektvolle Grüße
keox
....Schere nur dann funktioniert wenn sich beide Teile aufeinander zu bewegen."
Vielleicht daher, "hat sie das noch nicht bemerkt", weil es sich hier nicht um eine Schere handelt sondern um eine statistische Verteilung.
Bilder sind ein sehr probates Mittel, Sachverhalte zu klären, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
Und wenn man bedenkt, daß die HerrenDamen uns so gern mit falschen Bildern - "wir sitzen alle in einem Boot" - , oder "es geht um das europäische Haus" etc pp im Stadium des dummen Urnenpöbels halten will, so kann man ihr Bild nicht hoch genug schätzen.
respektvolle Grüße
keox
Aufbau Ost stoppen, Gehälter im öffentlichen Dienst und aller Parlamentarier um 10% kappen und keine Neueinstellungen, Steuern auf Boni, Kapitalertragssteuer erhöhen und Steuertricks bekämpfen, damit alle ihren offiziellen Einkommenssteuersatz zahlen.
Mit vielem bin ich einverstanden von Ihrer Liste. Allerdings beim öffentlichen Dienst muss am differenzieren: Der mittlere Dienst hat ein sehr geringes Einkommen und eine hohe Belastung - das sind Polizisten, Feuerwehrleute, Krankenpfleger. Da möchte ich keine weiteren Personalengpässe riskieren (ebenso bei der Steuerfahndung, siehe Hessen) und da müssen die Gehälter sogar wachsen. Polizisten die Zweitjobs zum Überleben brauchen wären ein Sicherheitsrisiko und ein Teil der Probleme Griechenlands beruht auch auf unterbezahlten Beamten in den untersten Ebenen - ohne Schmiergeld können die ihre Familien nicht ernähren.
Abgesehen von diesem Punkt stimme ich Ihnen zu.
Mit vielem bin ich einverstanden von Ihrer Liste. Allerdings beim öffentlichen Dienst muss am differenzieren: Der mittlere Dienst hat ein sehr geringes Einkommen und eine hohe Belastung - das sind Polizisten, Feuerwehrleute, Krankenpfleger. Da möchte ich keine weiteren Personalengpässe riskieren (ebenso bei der Steuerfahndung, siehe Hessen) und da müssen die Gehälter sogar wachsen. Polizisten die Zweitjobs zum Überleben brauchen wären ein Sicherheitsrisiko und ein Teil der Probleme Griechenlands beruht auch auf unterbezahlten Beamten in den untersten Ebenen - ohne Schmiergeld können die ihre Familien nicht ernähren.
Abgesehen von diesem Punkt stimme ich Ihnen zu.
Sobald Schäuble von seiner Paranoia absehen kann, ist er einer der vernünftigsten Politiker unseres Landes. Ganz anders ist da sein Widersacher, jenen noch mit Mottenkugeln bedeckten Bock, den man auf den Garten Wirtschaft los gelassen hat. Aber eigentlich stellt sich mehr und mehr die Frage nach der Regierungsfähigkeit seiner ganzen Partei, denn nicht nur die von ihnen gestellten Minister, sondern das gesamte Auftreten dieser extremistischen Partei, die Liberalität mit Egomanie verwechseln, wird immer klarer realitätsfern. Die 15 Prozent bei den letzten Wahlen hatten mich erschreckt, aber dann dachte ich mir, es könnte so sein wie meist: In der Verantwortung müssen sie ihr wahres Gesicht zeigen. Und das scheint nun selbst ihrem größerem Koalitionspartner mehr und mehr unsympathisch. Wer glaubt da noch, dass sie gemeinsam die Legislaturperiode überstehen?
Übrigens, der Nachwuchs bei der FDP, etwa ein Lindner, ist ja keineswegs besser. Dabei - und das sei am Rande vermerkt - wären Erleichterungen für die Bürger auch DURCH Steuererhöhungen denkbar, falls diese zum Abbau der Schulden genutzt würden; denn dann würden die immensen Zinszahlungen schrumpfen. Aber Egomanen denken eben nur kurzfristig und bis zur Schuhspitze.
benimmt sich nur etwas besser, verzichtet auf die hysterische Tonlage, das ist alles.
Sein letzter Vorschlag, zur regional pauschalierten Übernahme der Wohnungskosten der Hatz4-Empfänger weist ihn als fdp-typischen Hardliner aus, daß er das Ganze in den Einzelheiten nicht durchdacht hat, macht ihn zu einem würdigen Repräsentanten seiner schäbigen Partei.
benimmt sich nur etwas besser, verzichtet auf die hysterische Tonlage, das ist alles.
Sein letzter Vorschlag, zur regional pauschalierten Übernahme der Wohnungskosten der Hatz4-Empfänger weist ihn als fdp-typischen Hardliner aus, daß er das Ganze in den Einzelheiten nicht durchdacht hat, macht ihn zu einem würdigen Repräsentanten seiner schäbigen Partei.
...durch Streichen von absetzbaren Dingen? Solange es keine MWST-Erhöhungen sind ist es erst einmal gut. Darüber hinaus gibt es offene Baustellen: Spitzensteuersatz für sehr gut verdienende, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer nach altem Recht etc. etc.
Man läßt einen Haufen Geld bei den richtig Wohlhabenden liegen. Reichenparadies Deutschland. Wehe wenn du nur mittelmäßig oder wenig verdienst.
.....auf 10.000 anheben. Würde Ihnen das gefallen?
.....auf 10.000 anheben. Würde Ihnen das gefallen?
sollte doch eigentlich klar sein, dass Schulden die Steuern von morgen sind. Er vertagt doch nur dass Problem, verspricht uns das Geld das wir erst morgen... .
Mann kann nur Geld ausgeben, dass erwirtschaftet wurde. Dann "wird" es halt noch erwirtschaftet. Aber eben nicht jetzt und nicht heute und auch nicht von mir.
Einfacher ist es die den eigenen Handlungsspielraum auf Kosten der Nachfolger zu erweitern (die werden wohl schon bald erwartet): schönes Beispiel: Bush - Clinton - Bush. Mit zugeschnürtem Haushalt ist für den Nachfolger keine Politik zu machen. Leider in übliches Spiel in der Politik. Insofern ist die Schuldenbremse sinnvoll, da sie alle Spieler bindet.
Diese ganze unsägliche Diskussion um die Steuern sind doch Spiegelfechtereien. Selbstverständlich wird es Steuererhöhungen geben. Selbstverständlich werden die Verbrauchssteuern erhöht werden, weil sich mit ihnen relativ problemlos per Handstreich höhere Staatseinnahmen generieren lassen. Vorteilhaft ist dabei, dass sie vordergründig alle treffen, die einen (mit kleinen Einkommen)halt mehr, die anderen weniger. Hinsichtlich der Pendlerpauschale wird man sich die Abschaffung nicht trauen. Es wird vermutlich auf eine generelle Halbierung hinauslaufen.Das hat auch vorm obersten Gericht Bestand.Wichtig ist aber vor allem eines: TROTZDEM noch konsumieren und Autos und anderen Plunder auf Pump kaufen, damit dem Götzen Wachstum und damit der Hoffnung auf eine Zukunft in Wohlstand in Ewigkeit gehuldigt wird. Amen.......
Auch wenn diese Info hier jetzt schon zum 2. Mal innerhalb einer
Woche derart verkündet wird, habe ich eine andere Info: Die Klausurtagung findet am 6. und 7. Juni statt.
Sehen wir das einfach mal als Ausdruck der Hochwertigkeit des uns hier vorgelegten Copy&Paste-Journalismus.
Aber was spielt das schon für eine Rolle? Ist ja doch nur eine weitere Nebelbank im Spiel dieser Koalition: erst die Steuerschätzung Anfang Mai, jetzt eine Klausurtagung Anfang Juni und bis dahin erinnert sich die Mehrheit des Wahlvolkes möglicherweise nicht mehr daran, dass diese bürgerliche Minderheitenregierung sich die Wahl mit einem klaren Versprechen für Steuersenkungen erschlichen hat.
Versprochen gebrochen, lieber Herr Westerwelle!
Vielen herzlichen Dank für Ihren Hinweis. Ist korrigiert. Die Redaktion/km
oh man...
was für eine "Wunschkoalition"!
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