Bundespräsidentenwahl Sachsens FDP lässt Präsidentschaftsentscheidung offen

Die Landtagsfraktion stellt ihren Wahlleuten frei, ob sie Christian Wulff zum Bundespräsidenten wählen. Der Landesparteirat ist sogar mehrheitlich für Gegenkandidat Gauck.

Der sächsische FDP-Vorsitzende Holger Zastrow möchte sich nicht auf einen Präsidentschaftskandidaten festlegen

Der sächsische FDP-Vorsitzende Holger Zastrow möchte sich nicht auf einen Präsidentschaftskandidaten festlegen

Sachsens FDP stellt ihren Mitgliedern in der Bundesversammlung frei, ob sie zur Bundespräsidentenwahl am 30. Juni den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff oder den Gegenkandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, wählen. Für wen die voraussichtlich drei sächsischen FDP-Vertreter votierten, sei "eine Gewissensentscheidung", sagte Landtagsfraktionschef Holger Zastrow.

Das Gremium der FPD-Parteibasis, der Landesparteirat, war sich in der Entscheidung bereits einig. Es sprach sich mit großer Mehrheit für den ostdeutschen Theologen, früheren DDR-Bürgerrechtler und ehemaligen Stasisakten-Beauftragten Gauck aus. Wulff ist der gemeinsam von Union und FDP nominierte Präsidentschaftskandidat.

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Die sächsische FDP aber war mit der Nominierung Wulffs nicht zufrieden gewesen. Es gebe "keinen Blankoscheck" für Wulff, hatte Zastrow Anfang der Woche gesagt. 

Skepsis gegenüber dem von der Parteiführung präsentierten Kandidaten wurde auch in anderen Bundesländern signalisiert. Der aus Bremen in die Bundesversammlung entsandte FDP-Landeschef Oliver Möllenstädt kündigte an, für Gauck und nicht für Wulff zu stimmen.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Zustimmung zu Wulff keineswegs gesichert. Sachsen-Anhalts FDP-Fraktionschef Veit Wolper sagte: "Wir werden in der Fraktion darüber zu sprechen haben, ob wir trotz Bedenken mit Herrn Wulff leben können." Wolpert sprach von einer "massiven Verärgerung" darüber, dass Parteichef Guido Westerwelle die Landesverbände bei der Nominierung Wulffs nicht in die Entscheidung einbezogen habe.

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth kritisierte laut Spiegel , es hätten von Anfang an "nur CDU-Parteisoldaten" zur Auswahl gestanden. Die Parteiführung müsse deutlich machen, "welche strategischen Vorteile die Kür Wulffs für uns bringt".

Auch die Generalsekretärin der bayerischen FDP, Miriam Gruß, bemängelte, ihre Partei hätte trotz der Hektik nach dem unerwarteten Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler "als eigenständige Partei sichtbar werden müssen".

In der Koalition wird daher befürchtet, dass frustrierte Politiker der FDP die Abstimmung am 30. Juni als Denkzettelwahl nutzen könnten und ihre Stimme dem bei den Liberalen hoch anerkannten ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Gauck geben.

 
Leser-Kommentare
  1. Heute ließ er sich vom Niedersächsischen Landtag zum Mitglied der Bundesversammlung wählen. Will er sich selbst ins höchste Deutsche Staatsamt wählen? Es scheint nicht nur so, es wird so sein!
    Dies ist ein weiteres Novum bei der Bundespräsidentenwahl. Nie zuvor wählte sich ein zukünftiger Bundespräsident selbst in sein Amt.
    Ist das der Respekt das dem Amt und Würde eines Bundespräsidenten gerecht wird?
    Was für ein Wert kann ein solcher Präsident für das Deutsche Volk noch haben?
    Quo vadis Deutschland?

  2. Wenn sich Wulff quasi selbst zum BP wählen lässt, sollte er sich schämen!

  3. dass man den Wahlleuten sogar freistellt, was sie wählen. Klingt ja fast schon nach Selbstbestimmung. Ein seltenes Gut in der Parteienlandschaft, die nach außen zwar ganz viel Demokratie darstellen möchte, doch im Inneren vor Zwängen nur so strotzt.
    Folgsam muss er sein, der erfolgreiche Emporkömmling aller Farben.
    Deutschland, hast du das gewollt und ... interessiert es dich überhaupt noch?

    • ast61
    • 12.06.2010 um 0:01 Uhr
    4. oha:-)

    "in der Koalition wird daher befürchtet, dass frustrierte Politiker der FDP die Abstimmung am 30. Juni als Denkzettelwahl nutzen könnten..."

    Sind die wahnsinnig? Die spielen mit ihrem eigenen Flugzeugabsturz :-D

  4. Da steht was drin, was "Parteisoldaten" nicht zuläßt, nämkich: daß Abgeordnete bei jeder Abstimmung ihrem Gewissen zu folgen haben, sogar, wenn sie von der FDP sind.

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    Sie schreiben so nett von dem Gewissen der Abgeordneten, das ist doch an der Gadrobe mit dem Rückrat zusammen abzugeben. Denn immer nach dem alten Motto Die Partei Die Partei hat immer Recht, da ist kein gewissen gefragt. Das gilt in meinen Augen für alle Deutschen Parteien.

    Sie schreiben so nett von dem Gewissen der Abgeordneten, das ist doch an der Gadrobe mit dem Rückrat zusammen abzugeben. Denn immer nach dem alten Motto Die Partei Die Partei hat immer Recht, da ist kein gewissen gefragt. Das gilt in meinen Augen für alle Deutschen Parteien.

  5. Sie schreiben so nett von dem Gewissen der Abgeordneten, das ist doch an der Gadrobe mit dem Rückrat zusammen abzugeben. Denn immer nach dem alten Motto Die Partei Die Partei hat immer Recht, da ist kein gewissen gefragt. Das gilt in meinen Augen für alle Deutschen Parteien.

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