Bundespräsidentenwahl Zwischen Denkzettel und Parteiräson
Joachim Gauck oder Christian Wulff: Morgen entscheidet sich die Wahl zum Bundespräsidenten. ZEIT ONLINE rechnet vor, wie sicher das Ergebnis ist. Von Katharina Schuler
Als Joachim Gauck vor fast vier Wochen von SPD und Grüne für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden war, galt er als ehrenwerter, aber chancenloser Kandidat. Doch dann schwappte eine Welle der Gauckomanie über das Land. "Yes we Gauck" jubelte der Boulevard, ungezählte Kommentatoren erklärten, warum Gauck der bessere Kandidat sei.
In Umfragen zog der Ex-Bürgerrechtler und Pfarrer spielend an dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und Kandidaten des Regierungslagers vorbei. Am sichtbarsten zeigte sich das Sympathiegefälle im Internet, wo sich eine Reihe Unterstützerinitiativen für Gauck organisierten. Auf Facebook etwa hat Gauck einen Tag vor der Wahl mehr als 36.000 Fans, Christian Wulff muss sich mit kaum mehr als 4000 begnügen.
Hatte Gauck seine Chancen zu Beginn seiner Amtzeit mit dem Satz "ich kann auch rechnen" kommentiert, sagte er wenig später, er rechne nun "etwas fröhlicher".
Gleichwohl: Nüchtern betrachtet ist Gaucks Chance, die Wahl zu gewinnen, selbst dann noch zu euphorisch beschrieben, wenn man sie mit dem Wort "minimal" beschreibt.
1244 Wahlleute werden am Mittwoch in der Bundesversammlung den neuen Bundespräsidenten wählen. 644 Abgeordnete gehören dem schwarz-gelben Lager an. Union und FDP haben dort also 21 Stimmen mehr als für die absolute Mehrheit von 623 Stimmen erforderlich ist.
Bisher haben vier FDP-Wahlleute öffentlich angekündigt, nicht Wulff, sondern Gauck wählen zu wollen. Zu diesen gehören die drei Delegierten aus Sachsen, darunter der dortige Parteivorsitzende Holger Zastrow, und der einzige liberale Wahlmann aus Bremen, der 32-jährige Parteivorsitzende Oliver Möllenstädt. Um Gauck diese eine Stimme zu verschaffen, hatten die Liberalen bei der Aufstellung der Wahlleute eigens eine Zählgemeinschaft mit Grünen und SPD gegründet.
Noch offen gelassen haben sich ihre Entscheidung aber beispielsweise auch der thüringische FDP-Chef Uwe Barth und die FDP-Wahlfrau Marion Vogdt aus Brandenburg. Auch der frühere FDP-Chef Wolfgang Gerhardt hat sich vorbehalten, für Gauck zu stimmen.
Die Wahl ausdrücklich freigegeben haben die FDP-Landesverbände von Schleswig-Holstein und Hessen. Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, erklärte indes, zwar schlage sein Herz für Gauck, dennoch wolle er aus machttaktischen Gründen für Wulff stimmen. Auch der hessische Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn, der anfangs gewarnt hatte, das Verhalten der Union bei zahlreichen Streitfragen könne Wulffs Wahl gefährden, sprach sich später ebenso wie der Fraktionsvorsitzende Florian Rentsch für den schwarz-gelben Kandidaten aus.
Gefährlich sind für Wulff, wie er selbst sagt, nicht die sieben Wahlleute, die mit relativ offenem Visier kämpfen. Denn bleibt es bei dieser kleinen Zahl der Abweichler, hätte er im ersten Wahlgang, in dem er die absolute Mehrheit braucht, immer noch eine satte Mehrheit von 14 Stimmen.
- Datum 29.06.2010 - 12:24 Uhr
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"Als Joachim Gauck vor fast vier Wochen von CDU, CSU und FDP für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden war.."
Hab ich was nicht mitgekriegt?
Ja, sehr peinlich. Wir haben es zum Glück kurz nach der Veröffentlichung schon bemerkt und korrigiert.
Herzlich,
Markus Horeld
ZEIT ONLINE
Ja, sehr peinlich. Wir haben es zum Glück kurz nach der Veröffentlichung schon bemerkt und korrigiert.
Herzlich,
Markus Horeld
ZEIT ONLINE
Oder wie sollen wir uns seine politische Zukunft nach dem Präsidialamt vorstellen? Der Mann ist gerade mal 51 Jahre alt und steht damit am Ende seiner poltischen Laufbahn.
Oder kann sich irgendwer vorstellen, das sich ein ehemaliger Bundespräsident später als Kanzler oder als Ministerpräsident zur Wahl stellt?
Ich eigentlich nicht..
sind nur drei Mittelchen aus dem großzügig bestückten Macherhaltungsschränkchen der Bundeskanzlerin.
sind nur drei Mittelchen aus dem großzügig bestückten Macherhaltungsschränkchen der Bundeskanzlerin.
geschieht so fernab vom Volk, wie die Politik des Bundes es sich sowieso in zunehmendem Maße leistet. Nie trat so deutlich zutage, dass das Machtstreben der Politiker wahrhaftig vor dem Interesse und dem Wohl des Volkes steht.
sind nur drei Mittelchen aus dem großzügig bestückten Macherhaltungsschränkchen der Bundeskanzlerin.
...von diesen Versagern gewählten Bundespräsidenten, sondern eine neue Politik, welche sich an den Interessen der Menschen orientiert!
Nicht an den Egoismen der Reichen!
Dieser Tage stand ich vor einem Standbild von Theodor Heuss in Brackenheim.
Wie weit ist doch diese Zeit entschwunden, in der es noch Politiker von Format gab.
Die Forderung "Weg mit Merkel und Westerwelle" greift zu kurz!
Wir müssen aus dem Selbstbedienungsladen wieder ein Land mit Zukunft machen.
Gauck hat das Vertrauen der meisten Menschen.
Den nehmen diese Dummköpfe auf gar keinen Fall!
Ja, sehr peinlich. Wir haben es zum Glück kurz nach der Veröffentlichung schon bemerkt und korrigiert.
Herzlich,
Markus Horeld
ZEIT ONLINE
Ich kann mir Herrn Wulff sehr gut als Moderator der TV - Show - Neuauflage "Einer wird gewinnen" vorstellen, oder als Generaldirektor eines multinationalen Konzerns für Weichspüler...
"Wolfgang Kubicki, erklärte indes, zwar schlage sein Herz für Gauck, dennoch wolle er aus machttaktischen Gründen für Wulff stimmen"
Genau DAS ist doch das Armutszeugnis dieser Wahl, eigentlich sollte sich jeder Delegierte (egal welche Partei ihn "eingeladen" hat) doch in erster Linie für das Wohl und Wehe des Vaterlandes interessieren.
Man könnte die Stimmung, zumindest in meinem sozialen (recht konservativen) Umfeld folgendermaßen zusammenfassen: Im Moment ist Gauck der Mann der Stunde, der Demokrat ohne Allüren, ein guter Redner, der in Zeiten der Verdrossenheit über Politik und Akteure für eine recht unabhängige Meinung steht. Gleichzeitig mögen alle Wulff und denken, dieser freundliche Niedersachse wäre dann nach Gauck, nach den schweren wirtschaftlichen Zeiten, der Mann der Stunde, ein paar Jahre älter und ein guter Nachfolger, wenn der Karren Deutschland wieder besser läuft.
Die Wahl verkommt und somit auch das Amt, auch wenn beide Kandidaten geeignet sind. Was ist also der Unterschied zu früheren Wahlen? Machtpolitik spielte bei jeder BuPrä Wahl eine Rolle, aber die Bürger, nunmehr Demokraten (im Gegensatz zu den fünfziger Jahren) wünschen sich ehrliche Persönlichkeiten und keine PR-optimierten Gebetsmühlen.
Die Wahlmänner und - frauen sollten in das Volk horchen und dann nach ihrem Gewissen wählen, wie es Biedenkopf angemahnt hat. Dies wäre ein erster Schritt Richtung Volk!
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