Bundespräsidentenwahl Gauck warnt vor Parteiengeschacher

Mahnende Worte des Bürgerrechtlers: Joachim Gauck kritisiert die Instrumentalisierung der Wahl des neuen Bundespräsidenten – und bekommt nun auch Lob aus der Union.

"So wichtig Parteien sind, dieses Amt sollte keine Beute von Parteien sein": Der Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, hat vor einem Parteienschacher um das oberste Staatsamt gewarnt. Es gehe in dem Amt darum, Mut zu machen und zu versöhnen, sagte der von SPD und Grünen nominierte frühere DDR-Bürgerrechtler und Stasi-Aufklärer der Bild am Sonntag . "Deshalb ist es gut, wenn der Bundespräsident mitten aus dem Volk kommt."

Damit wirbt der 70-Jährige auch um Stimmen aus dem bürgerlichen Lager, die den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) ins Rennen schicken. Seine Nominierung sieht Gauck auch als "Signal der Öffnung". Es sei eine unkonventionelle Entscheidung gewesen, "dass ich von diesem Lager nominiert wurde", sagte er der Welt am Sonntag . Er wisse sehr wohl, "dass in beiden Parteien auch linke Positionen vertreten werden", die nicht völlig zu seinen politischen Grundüberzeugungen passten. So sei für ihn der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung – was im linken Spektrum zuweilen ganz anders gesehen werde, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorge hochgehalten würden. Freiheit sei "anstrengend und schwierig", fügte Gauck hinzu.

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Auch zu weiteren gesellschaftlichen Themen äußerte sich Gauck. So sagte er zur schwierigen Haushaltssituation der Republik und der Staatsverschuldung: "Es ist nicht zu erwarten, dass Politiker die Motoren dieser dringend notwendigen öffentlichen Debatte sein werden". Im Übrigen müsse die Politik lernen, deutlich über den nächsten Wahltermin hinauszudenken. Es sei nun "Aufgabe der Bürger, der Intellektuellen", Schwung in die Diskussion zu bringen. Die Politik stehe öffentlichen Konflikten allzu furchtsam gegenüber.

Für die Linkspartei ist die Nominierung Gaucks laut Fraktions-Vize Dietmar Bartsch "sehr, sehr problematisch. Er stehe im Osten nicht für Versöhnung, sondern für Spaltung". Gauck sei deshalb in den neuen Bundesländern auch nicht sehr populär. Er kritisierte, dass SPD und Grüne sich nicht um einen gemeinsamen rot-rot-grünen Kandidaten bemüht hätten. Ob die Linke einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicke, sei "offen", sagte Bartsch der Mitteldeutschen Zeitung . "Da gehen die Meinungen auseinander".

Der Kandidat der Koalitionsparteien, Christian Wulff, hält indes seinen Sieg trotz der schwarz-gelben Mehrheit in der Bundesversammlung nicht für gesichert. "Es kommt auf die Geschlossenheit von CDU, CSU und FDP an", sagte er der Bild am Sonntag . Sicher werde er erst sein können, "wenn die Mehrheit verkündet ist", sagte der CDU-Politiker.

Zuletzt wurde Unmut über Wulffs Nominierung laut . Insbesondere die FDP zeigte sich mit der Wahl der Koalitionsspitze unzufrieden. Es gebe "keinen Blankoscheck" für Wulff, sagte etwa der sächsische FDP-Landeschef Holger Zastrow. Die Liberalen in Sachsen würden erst nächste Woche entscheiden, wie sie in der Bundesversammlung abstimmen. Auch die FDP in Thüringen hat nach den Worten ihres Generalsekretärs Patrick Kurth noch nicht geklärt, ob der Landesverband Wulff oder Gauck unterstützt. "Die Parteiführung muss deutlich machen, welche strategischen Vorteile die Kür Wulffs für uns bringt", sagte Kurth dem Spiegel .

Selbst Unionspolitiker äußerten Sympathien für den langjährigen Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Der langjährige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm stellte im Spiegel die Frage, warum es nicht möglich gewesen sei, "sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen". Schönbohms Parteikollege, Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus, würdigte Gauck als "seriösen und intelligenten Mann mit großen Verdiensten". 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Wulff am Donnerstag gemeinsam mit den Vorsitzenden von CSU und FDP, Horst Seehofer und Guido Westerwelle, als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl präsentiert. Und so zweifelt auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nicht daran, "dass CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung geschlossen für Christian Wulff stimmen".

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Gauck hat eine Leistung gebracht, von den die Westdeutschen nur lernen können.
    Aber die Unfähigkeit unserer Regierung ist
    mit der Unfähigkeit der Partei der Linken gleich zu setzen.

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    Nämlich: Mit ständig schlechter werdenden Umständen umzugehen... U.a. als Land von Platz 3 auf 30 abzurutschen. Ostwege waren auch historisch immer hohle Holzwege. Entweder nu jetzt an die Wurzel, oder beim Zusammenkrachen zuschauen. Es braucht ne Bürerachse gegen die noch unbenannte neue Fürstenrepublik. Hamburg-Köln würde mir sehr liegen... Aus Berlin will ich nur einen neuen "Berliner Unwillen", sonst lieber nix. Ihbäh die Negativ-Schlusslicht-Kapitale... Ewigen Behauptungsstadt in Realprovinz. Achso... da wir sie nu schon bezahlen... die alten Strukturen, mit denen sich Grandmaster Kohl ganz wörtlich geeinigt hat, könnte man doch drüber nachdenken, ob man nicht etwas Gegenleistung einfordern sollte, das leere Brandenburg eignet sich z.B. hervorragend als Atommüllendlager. So... Nu schlagt mich...

    Nämlich: Mit ständig schlechter werdenden Umständen umzugehen... U.a. als Land von Platz 3 auf 30 abzurutschen. Ostwege waren auch historisch immer hohle Holzwege. Entweder nu jetzt an die Wurzel, oder beim Zusammenkrachen zuschauen. Es braucht ne Bürerachse gegen die noch unbenannte neue Fürstenrepublik. Hamburg-Köln würde mir sehr liegen... Aus Berlin will ich nur einen neuen "Berliner Unwillen", sonst lieber nix. Ihbäh die Negativ-Schlusslicht-Kapitale... Ewigen Behauptungsstadt in Realprovinz. Achso... da wir sie nu schon bezahlen... die alten Strukturen, mit denen sich Grandmaster Kohl ganz wörtlich geeinigt hat, könnte man doch drüber nachdenken, ob man nicht etwas Gegenleistung einfordern sollte, das leere Brandenburg eignet sich z.B. hervorragend als Atommüllendlager. So... Nu schlagt mich...

    • k2
    • 06.06.2010 um 11:04 Uhr

    Die Akte Merkel und die Akte Kohl sind aus den DDR-Archiven
    von Gauck entfernt worden ?

    Gauks Sibirienbesuche sind bekannt ?

    Warum ist von der Akte Merkel
    am Leninismus-Marxismus-Institut
    in Moskau alles getilgt worden ?

  2. Es gibt ostdeutsche Lösungen gegen (ehrenwerte!) ostdeutsche Kandidaten: Sich entziehen. Hier können Westdeutsche noch lernen. Weil: Wir brauchen mehr Westdeutschland, ALTE REPUBLIK, Nord-West-Schwerpunkt - die Kohlkiste und das Berliner Ding krachen eh zusammen. Zu wenig auf die Fundamentaldaten geschaut... Stehen jetzt vor Lose-Lose-Situation: Ostweg = Holzweg und Westbindung (Europa / Euro) brüchig, angeschlagen. Ne... Nicht richtig, die die das verursacht haben, jetzt zu unterstützen. Bitte Reset-Button, Ost 2.0 haben wir bereits... In und aus der Realität: Beste Grüße.

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    • M.M.
    • 06.06.2010 um 11:26 Uhr

    Äh,..,nun,..also,...was wollten Sie denn jetzt genau sagen, bitte schön ??

    • M.M.
    • 06.06.2010 um 11:26 Uhr

    Äh,..,nun,..also,...was wollten Sie denn jetzt genau sagen, bitte schön ??

    • knuham
    • 06.06.2010 um 11:11 Uhr

    Erhobener Zeigefinger und Krokodilstränen bevor er schon im Amt ist. Das hätte vielleicht für die Volkskammer gereicht. Nein, DANKE.

    • clubby
    • 06.06.2010 um 11:17 Uhr

    ... aber für mich kristalisiet sich mehr und mehr raus , dass Merkel irgendiwe wußte, dass Gauck wohl als Kandidat auch in Frage kommt (wir wissen ja alles nicht welche Infokanäle es gibt), und Wulff bewußt zum Verheizen vorgeschickt hat.
    Da stimmt was nicht... wir werden gerade alle mächtig ver....

    Sie scheint einzig und allein nur darauf bedacht zu sein, ihre Macht zusichern. Bundesklanzler zum Selbstzweck. Westerwelle wurde als Beisser gegen Hartz4 vorgeschickt (und hat sich dummer Weise drauf eingelassen), Koch ist weg, Rüttgers ist weg (wegen mangelnder Untrstützung im Wahlkampf) Wulff ist nun auch raus (er war nicht schlau genug und zu eitel, um seine Instrumentalisierung zu durchschauen) .... in diesen Sache ist Merkel wahrlich eine Meisterin nur...WO BLEIBT DAS LAND? und WARUM MERKT DAS NIEMAND?

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    ... nur nicht zu Glück, oder etwas herabgesetzter: Unserem Vorteil. Die neue Ostkiste wird genauso scheitern, wie alle vorher... Unser ewig, falschverbunden, aufgedrängtes Leiden. Ist strukturell. Rationalistisch interessierte mögen in die Bücher schauen, z.B. volkswirtschaftliche von vor 100-150 Jahren. Fühlen kann man das auch: Sie haben recht.

    Ein aus meiner Sicht berechtigter Verdacht. Nur würde er diesmal ihr selbst das Amt kosten.

    Ich bin nicht sicher, ob Ihre Vermutung, richtig ist. Jedoch spricht vieles dafür.

    ... nur nicht zu Glück, oder etwas herabgesetzter: Unserem Vorteil. Die neue Ostkiste wird genauso scheitern, wie alle vorher... Unser ewig, falschverbunden, aufgedrängtes Leiden. Ist strukturell. Rationalistisch interessierte mögen in die Bücher schauen, z.B. volkswirtschaftliche von vor 100-150 Jahren. Fühlen kann man das auch: Sie haben recht.

    Ein aus meiner Sicht berechtigter Verdacht. Nur würde er diesmal ihr selbst das Amt kosten.

    Ich bin nicht sicher, ob Ihre Vermutung, richtig ist. Jedoch spricht vieles dafür.

  3. Nämlich: Mit ständig schlechter werdenden Umständen umzugehen... U.a. als Land von Platz 3 auf 30 abzurutschen. Ostwege waren auch historisch immer hohle Holzwege. Entweder nu jetzt an die Wurzel, oder beim Zusammenkrachen zuschauen. Es braucht ne Bürerachse gegen die noch unbenannte neue Fürstenrepublik. Hamburg-Köln würde mir sehr liegen... Aus Berlin will ich nur einen neuen "Berliner Unwillen", sonst lieber nix. Ihbäh die Negativ-Schlusslicht-Kapitale... Ewigen Behauptungsstadt in Realprovinz. Achso... da wir sie nu schon bezahlen... die alten Strukturen, mit denen sich Grandmaster Kohl ganz wörtlich geeinigt hat, könnte man doch drüber nachdenken, ob man nicht etwas Gegenleistung einfordern sollte, das leere Brandenburg eignet sich z.B. hervorragend als Atommüllendlager. So... Nu schlagt mich...

    Antwort auf "Mangelde Reife"
  4. Herr Gauck könnte ein Hoffnungsträger für die Republik sein. Gerade weil er mir dem Anspruch zu entsprechen scheint, der Antrieb für den Wandel müsse von den Intellektuellen ausgehen. Aus der Politik sei dieser nicht zu erwarten. Sehe ich genauso und dem werden sich große Teile meiner Mitbürger wohl anschließen. Und aus eben diesem Grunde (und auch aus weiteren) ist Herr Wulff die falsche Wahl. Er ist doch nur ein Kind, das aus der Merkelschen Not geboren ist. Die Nottaufe soll dann am 30. Juni stattfinden - mit Herrn Lammert als Segenspender.
    Was die angeblichen Verfehlungen Gaucks im Amte der nach ihm vormals benannten Behörde angeht sowie solche, die er noch zu DDR-Zeiten sich habe zuschulden kommen lassen, kann ich nichts sagen. Merkwürdig jedoch, dass man einem aufrechten Menschen im Gegensatz zum Berufspolitiker einen Historienrucksack mit ins Rennen schickt. Bei letzterem scheint das nicht zu lohnen, weil er regelmäßig zu prall gefüllt ist.
    Was im Übrigen von der rechtsliberalen Konsensfindung zu halten ist, verdeutlicht der Satz vom Thüringer FDP-Kurth:
    "Die Parteiführung muss deutlich machen, welche strategischen Vorteile die Kür Wulffs für uns bringt". Ja liegt denn nicht auf der Hand, wo die Vor- und Nachteile eines BP-Kandidaten zu suchen sind, Herr Kurth? Ist es nicht das von allen Politikern bis zum Brechreiz bemühte 'unser Land', das es zu stärken und bewahren gilt? Nachdenken vor dem Sprechen hat noch keinem geschadet.
    Herr Gauck, übernehmen Sie!

    • Pangea
    • 06.06.2010 um 11:23 Uhr

    Herr Gauck ist von beiden Kandidaten der eindeutig besser geeignete. Was mich irritiert, ist diese Äußerung:

    "So sei für ihn der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung – was im linken Spektrum zuweilen ganz anders gesehen werde, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorge hochgehalten würden."

    Als wenn Freiheit, Solidarität und Fürsorge ein Widerspruch seien?!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • MeIkor
    • 06.06.2010 um 12:39 Uhr

    "Als wenn Freiheit, Solidarität und Fürsorge ein Widerspruch seien?!"
    Ich stimme Ihnen mit Rousseau zu:
    "Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit."
    Ohne Solidarität und Fürsorge gibt es für einen größer werdenden Teil unserer Bevölkerung Unterdrückung statt Freiheit.

    • keox
    • 06.06.2010 um 16:01 Uhr

    der Knackpunkt.

    "So sei für ihn der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung – was im linken Spektrum zuweilen ganz anders gesehen werde, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorge hochgehalten würden."

    Ein BP, dem Solidarität anscheinend eine 'linke' Marotte ist, und der den Sozialstaat so ganz beiläufig mit dem negativ besetzten Brgriff der "Staatlichen Fürsorge" abhakt.

    Ich beginne zu ahnen, welche Art von Intellektuellen er meint, denen er Innovationskraft zuschreibt.

    Da wird der Gauck zum Gaukler.

    mich hat der Satz von ihm irritiert,
    "er würde für das Amt des Bundespräsidenten
    seine Erfahrungen als DDR Bürger einbringen"?
    was er wohl damit meinte ?
    ich persönlich bin der Meinung wir haben schon
    jemanden an der Spitze mit Erfahrungen aus der
    DDR,na ja,zwei sind für mich einer zuviel,
    ohne jetzt Herrn Wulff als den besseren Kandidat
    zu sehen.

    • MeIkor
    • 06.06.2010 um 12:39 Uhr

    "Als wenn Freiheit, Solidarität und Fürsorge ein Widerspruch seien?!"
    Ich stimme Ihnen mit Rousseau zu:
    "Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit."
    Ohne Solidarität und Fürsorge gibt es für einen größer werdenden Teil unserer Bevölkerung Unterdrückung statt Freiheit.

    • keox
    • 06.06.2010 um 16:01 Uhr

    der Knackpunkt.

    "So sei für ihn der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung – was im linken Spektrum zuweilen ganz anders gesehen werde, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorge hochgehalten würden."

    Ein BP, dem Solidarität anscheinend eine 'linke' Marotte ist, und der den Sozialstaat so ganz beiläufig mit dem negativ besetzten Brgriff der "Staatlichen Fürsorge" abhakt.

    Ich beginne zu ahnen, welche Art von Intellektuellen er meint, denen er Innovationskraft zuschreibt.

    Da wird der Gauck zum Gaukler.

    mich hat der Satz von ihm irritiert,
    "er würde für das Amt des Bundespräsidenten
    seine Erfahrungen als DDR Bürger einbringen"?
    was er wohl damit meinte ?
    ich persönlich bin der Meinung wir haben schon
    jemanden an der Spitze mit Erfahrungen aus der
    DDR,na ja,zwei sind für mich einer zuviel,
    ohne jetzt Herrn Wulff als den besseren Kandidat
    zu sehen.

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