Streit um MehrwertsteuerFDP bewertet Hotelsteuer als Fehler

Schwenk in der Steuerpolitik: FDP-Generalsekretär Linder nennt die Einführung des umstrittenen Steuerrabatts verfrüht. Die Partei hätte ihre Prioritäten überdenken müssen.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner

FDP-Generalsekretär Christian Lindner

Die Kritik an der Koalition, insbesondere an FDP und CSU, war heftig, nachdem sie die Mehrwertsteuer für Hoteliers gesenkt hatte. Auch wegen dieser umstrittenen Entscheidung sank die Zustimmung des Wahlvolks für die Liberalen auf fünf Prozent. Darauf verzichten wollte die Partei von Guido Westerwelle nicht.

Nun aber räumt auch die FDP ein, dass die Entscheidung so hätte besser nicht fallen sollen. Generalsekretär Christian Lindner rückte von der erst zu Jahresbeginn eingeführten Steuerermäßigung ab. "Man hätte aus meiner heutigen Sicht diesen Satz nicht vorab senken sollen, sondern auf die große Reform warten müssen", sagte er . Zugleich lenkte er die Verantwortung aber auf die gesamte Regierung. Der "ordnungspolitische Kompass der Koalition" habe hier nicht richtig funktioniert.

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Schon vergangene Woche hatte es aus der FDP Kritik an der Hotelsteuer gegeben: Schleswig-Holsteins Landesparteichef Wolfgang Kubicki kritisierte in einem Interview, die Ausnahme für Hotels könne kein Mensch nachvollziehen. "Sie muss wieder weg. Es macht keinen Sinn außer bei den Grundnahrungsmitteln eine ermäßigte Mehrwertsteuer zu erheben", sagte er. Nur so lasse sich "finanziell Luft bekommen", um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten.

Nicht nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf Hotelübernachtungen sorgt für anhaltende Diskussionen. Auch das Wirrwarr bei der Mehrwertsteuer insgesamt beschäftigt neben dem Bundesrechnungshof auch die Bundesregierung. So kündigte FDP-Fraktionsgeschäftsführer Otto Fricke eine ergebnisoffene Debatte in der beim Bundesfinanzministerium geplanten Expertengruppe an. "Die Regierungskommission bekommt den Auftrag, alle ermäßigten Mehrwertsteuertatbestände auf den Prüfstand zu stellen", sagte er. Ihr dürften keine Tabus auferlegt werden, "sonst würde ihre Arbeit keinen Sinn machen". Demnach steht auch die Ermäßigung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen wieder zur Disposition.

Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) sagte, der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP werde sich nach der Sommerpause mit den Mehrwertsteuersätzen befassen. Geplant sei zunächst eine "Strukturdebatte", in der die "politischen Grundfragen" geklärt werden sollten.

Am Montag hatte sich der Bundesrechnungshof zu den Kritikern des Steuerchaos' gesellt: Die Behörde mahnte die Politik in einem Sonderbericht, die zahlreichen Ermäßigungen zu überprüfen und nicht mehr zeitgemäße Ausnahmeregelungen abzuschaffen. Die komplizierte Liste der mit nur sieben Prozent Mehrwertsteuer belasteten Dienstleistungen und Produkte sorgt immer wieder für Streit.

Der Staat lässt sich das System der ermäßigten Steuersätze rund 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten – allein der vor allem auf Betreiben von FDP und CSU eingeführte reduzierte Mehrwertsteuersatz für Hotel-Übernachtungen kostet pro Jahr rund eine Milliarde Euro.

Generalsekretär Lindner gab sich aber auch selbstkritisch zum Kurs der Bundesregierung und seiner Partei nach der Wahl. Man habe sich sehr an die Wahlzusagen gebunden gefühlt. "Aber bei einem geänderten Umfeld muss eine Regierungspartei ihre Prioritäten überdenken", räumte Lindner ein. "Da waren wir nicht schnell genug." Das sei ein Fehler der gesamten Parteiführung gewesen. Jetzt stehe die Sanierung des Finanzhaushalts im Mittelpunkt. Die FDP war im Bundestagswahlkampf 2009 – inmitten der Wirtschaftskrise – vor allem für Steuersenkungen und Entlastung der Bürger eingetreten. Zugleich stieg die Neuverschuldung des Staats auf einen Rekordwert, der Finanzminister brachte der Bundesregierung auf einen harten Sparkurs.

Der angedeutete Schwenk in der Steuerpolitik ist offenbar Teil einer inhaltlichen Neuorientierung der FDP. Auf einer zweitägigen Klausurtagung hatte die Parteispitze nach Wegen aus ihrer Krise gesucht: Seit der Bundestagswahl war sie von fast 15 Prozent am Wahlsonntag auf ein Drittel dieses Wertes abgesackt. Einberufen wurde das Treffen nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, bei der die FDP ebenfalls stark einbrach und die Regierungsmacht verlor. Nun wollen die Liberalen nicht nur Steuerpartei sein, sondern auch stärker Bildungs- und Bürgerrechtspolitik machen. Lindner ist eine zentrale Person in diesem Erneuerungsprozess: Er gehört als Generalsekretär zu einer Arbeitsgruppe, die das Grundsatzprogramm der FDP überarbeiten soll.

Kritik gab es während der Tagung auch an Parteichef und Außenminister Westerwelle. Dem Vizekanzler war vorgeworfen worden, mit seinem Doppelamt überfordert zu sein. Kritiker lasten ihm an, er habe zu lange und zu starr auf das Thema Steuersenkungen gesetzt. Nun soll er Parteichef bleiben, aber in dieser Funktion mehr Unterstützung aus der erweiterten Parteiführung bekommen.
 

 
Leserkommentare
  1. ...den die FDP aber wohl nicht zu Ende gehen wird. Keine Ausnahmeregelungen bei Steuersätzen. Keine Auf Butter, keine auf Bücher, keine auf Shrimps, keine auf Waffen. Gar keine!

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    ... genau deshalb läuft es aus dem Ruder: Es gibt irgendwie für alles einen Pro-reduiziertem Steuersatz-Standpunkt! Macht man dem einen Zugeständnisse, dann muss man es den anderen auch und Schwups sind wir bei auch so grünen ELektroautos, die doch wirklich eine Subvention in FOrm von reduzierten Steuersätzen verdient haben. Ein Cent mehr für die BUtter bringt keinen um. Genauso wenig wie sie als Tierhalter auf ihren Hund/Katze verzichten würden, wenn Schappi einen halben Cent mehr kostet!
    Also weg mit allen reduzierten SÄtzen!

    ... genau deshalb läuft es aus dem Ruder: Es gibt irgendwie für alles einen Pro-reduiziertem Steuersatz-Standpunkt! Macht man dem einen Zugeständnisse, dann muss man es den anderen auch und Schwups sind wir bei auch so grünen ELektroautos, die doch wirklich eine Subvention in FOrm von reduzierten Steuersätzen verdient haben. Ein Cent mehr für die BUtter bringt keinen um. Genauso wenig wie sie als Tierhalter auf ihren Hund/Katze verzichten würden, wenn Schappi einen halben Cent mehr kostet!
    Also weg mit allen reduzierten SÄtzen!

  2. und Lobbyismus. Fast keinem war das klar, warum ausgerechnet diese Unternehmergruppe Steuerrabatte benötigt. Weil die Gastronomie versackt, unsre Sehenswürdigkeiten ohne begleitende Wirte wären, der innerdeutsche Fremdenverkehr gestützt werden muss? Das ist zu viel Unklarheit und Ungerechtigkeit, damit kommen Wähler nicht mehr zurecht.

  3. Vor dem Hintergrund der aktuellen Umfragen sucht die FDP eine grössere Wählerbasis und gibt sich staatsmännisch.

    Eine Mehrwertsteuerangleichung (im Grunde Erhöhung) würde nur einen kleinen Teil der Freunde der Plünderer treffen. Man will diesen kleinen Nachteil in Kauf nehmen, wenn es im Gegenzug zu keiner Erhöhung des Spitzensteuersatzes kommt und wenn man damit verhindert, daß eine Vermögensteuer (Reichensteuer) vom Tisch wäre.

    Also nicht vergessen: Der Kern der FDP ist schlecht.

  4. "... aber in dieser Funktion mehr Unterstützung aus der erweiterten Parteiführung bekommen."

    Und wer unterstützt ihn bei seiner Funktion als Außenminister?
    Seine bisherige Performance kann man nur als desaströs bezeichnen. Er ist der schlechteste Außenminister, den wir je hatten und schadet, wie inzwischen auch Merkel, unserem Land.

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    • Hokan
    • 29.06.2010 um 12:17 Uhr

    Ich bringe es wahrlich nur widerwillig in die Tastatur, doch hier muss ich in einem Punkt eine Mini-Lanze für Westerwelle als Außenminister brechen. Bei aller in der Tat tief desaströsen Darstellung der gesamten Regierung bleibt mir Westerwelles Einsatz für ein gutes deutsch-polnisches Verhältnis und gegen die Pläne einer CDU-Frau Steinbach positiv in Erinnerung. Wenn dieser Mann überhaupt einen positiven Leistungspunkt erhalten kann, dann hier.

    • Hokan
    • 29.06.2010 um 12:17 Uhr

    Ich bringe es wahrlich nur widerwillig in die Tastatur, doch hier muss ich in einem Punkt eine Mini-Lanze für Westerwelle als Außenminister brechen. Bei aller in der Tat tief desaströsen Darstellung der gesamten Regierung bleibt mir Westerwelles Einsatz für ein gutes deutsch-polnisches Verhältnis und gegen die Pläne einer CDU-Frau Steinbach positiv in Erinnerung. Wenn dieser Mann überhaupt einen positiven Leistungspunkt erhalten kann, dann hier.

  5. Immerhin gab es ja innerhalb der Partei Gründe für die Steuersenkung (die ich nicht teile). So hat man sich erst das Mövenpick-Image geholt (Finck hat sicherlich das letzte Mal gespendet) und kann jetzt auch die enttäuschen, die für das Steuerprivileg sind, also einen Teil des harten Kerns der Stammwählerschaft.

    Und Linder macht damit die Flanke natürlich ganz weit auf für die nächste Breitseite der Wildschweine aus Bayern. Die wollen die Hotelsteuer nämlich auf keinen Fall aufgeben und nehmen jede Gelegenheit wahr, die FDP in Bayern wieder in die Bedeutungslosigkeit zu schicken. Am Ende wird das aber auch nicht zu einer absoluten Mehrheit der CSU reichen, die Zeiten sind vorbei.

  6. Ach neh, auf einmal! Die FDP hat sich selbst ins Säurefaß geworfen.

  7. die FDP ist, wenn man so in manche Gesichter sieht, suizidgefährdet.

    Dies tritt ein, wenn man, die an sich freiwillig(?) gestellten Ansprüche nicht gerecht werden kann und dabei orientierungslos durch die neoliberale Welt stolpert.

    Dabei merken die inkompetenten Führer nicht, wie tief sie bereits gefallen sind. Sie hängen noch am Strick, baumeln aber schon und hoffen auf die Funktionalität des Sturzhelmes. Oder ist es noch schlimmer und sie befinden sich schon im freien Fall....

  8. Was heisst hier verfrüht?
    Gefühlte 79.999.900 Deutsche halten die Hotel-Lobby-Mehrwertsteuer-Reduzierung für unsinnig, überflüssig und unsozial.
    Nach 9 Monaten kapiert die FDP, dass sie damit nicht gut angekommen ist und nennt das verfrüht? Sieht so einsicht aus? Aber kann man da überhaupt Einsicht erwarten?

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    • stulle
    • 29.06.2010 um 22:20 Uhr

    Walter von der Vogel-EWeide sollte sich besser informieren!!

    Mehrwertsteuersenkung für Hotels unsozial?

    Die Mehrwertsteuersenkung bleibt doch nicht eins zu eins beim Betreiber eines Hotels zur persönlichen Nutzung. Führt er keine Maßnahmen im Betrieb durch, (wie z. B. Investitionen und Lohnerhöhungen) erzielt er bei gleicher Umsatzgröße einen höheren Gewinn.
    Dieser Gewinn führt zu einer höhere Gewerbesteuer und eine höhere Einkommensteuer. Er muss also klug arbeiten, um mit geeigneten Maßnahmen im Betrieb seine Steuerlast senken. Da diese Tatsachen ungeeignet sind, den politischen Gegner in der Diskussion zu verunglimpfen, werden diese Informationen nicht in die Öffentlichkeit gebracht. Ich betreibe auch ein kleines Hotel. Da ich sonst 450 Stunden im Monat (4,80 EURO in der Stunde) gearbeitet habe, dachte ich jetzt an eine Neueinstellung und die Erhöhung der Gehälter auf den Mindestlohn.
    Da aber in Deutschland 89 Mill. keine Senkung der Mwst. wollen, wird es keinen Mindestlohn im Gastgewerbe geben. Denn der Hotelbetreiber kann nur den Lohn aus den verbleibenen Einnahmen zahlen. Der Kunde oder Bürger in Deutschland entscheidet also, ob Geld für Mindestlöhne vorhanden sind. Ich kenne keine Unternehmen, die im Keller Geld für Lohnzahlungen drucken können.

    Was Sie da schreiben gilt für jeden selbständigen Unternehmer, aber es hat mir der Sache, um die es in dem Artikel und in meinem Kommentar geht, nichts zu tun.
    Aus welchem Grund sollen manche ermäßigte Mehrwertsteuer zahlen und andere nicht?
    Nebenbei bemerkt: Von welchen 89 Mio. reden Sie?

    • stulle
    • 29.06.2010 um 22:20 Uhr

    Walter von der Vogel-EWeide sollte sich besser informieren!!

    Mehrwertsteuersenkung für Hotels unsozial?

    Die Mehrwertsteuersenkung bleibt doch nicht eins zu eins beim Betreiber eines Hotels zur persönlichen Nutzung. Führt er keine Maßnahmen im Betrieb durch, (wie z. B. Investitionen und Lohnerhöhungen) erzielt er bei gleicher Umsatzgröße einen höheren Gewinn.
    Dieser Gewinn führt zu einer höhere Gewerbesteuer und eine höhere Einkommensteuer. Er muss also klug arbeiten, um mit geeigneten Maßnahmen im Betrieb seine Steuerlast senken. Da diese Tatsachen ungeeignet sind, den politischen Gegner in der Diskussion zu verunglimpfen, werden diese Informationen nicht in die Öffentlichkeit gebracht. Ich betreibe auch ein kleines Hotel. Da ich sonst 450 Stunden im Monat (4,80 EURO in der Stunde) gearbeitet habe, dachte ich jetzt an eine Neueinstellung und die Erhöhung der Gehälter auf den Mindestlohn.
    Da aber in Deutschland 89 Mill. keine Senkung der Mwst. wollen, wird es keinen Mindestlohn im Gastgewerbe geben. Denn der Hotelbetreiber kann nur den Lohn aus den verbleibenen Einnahmen zahlen. Der Kunde oder Bürger in Deutschland entscheidet also, ob Geld für Mindestlöhne vorhanden sind. Ich kenne keine Unternehmen, die im Keller Geld für Lohnzahlungen drucken können.

    Was Sie da schreiben gilt für jeden selbständigen Unternehmer, aber es hat mir der Sache, um die es in dem Artikel und in meinem Kommentar geht, nichts zu tun.
    Aus welchem Grund sollen manche ermäßigte Mehrwertsteuer zahlen und andere nicht?
    Nebenbei bemerkt: Von welchen 89 Mio. reden Sie?

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