Neuausrichtung FDP auf der Suche nach sich selbst

Negativrekord in Umfragen, interne Zerwürfnisse, Koalitionsstreit: Die FDP hat nicht nur ein Problem. Die Liberalen versuchen nun, das Steuersenker-Image abzustreifen.

Knapp die Hälfte der Deutschen gibt der FDP die Hauptschuld für den anhaltenden Streit in der schwarz-gelben Koalition. Nur zehn Prozent machten die CSU und sechs Prozent die CDU für die Krise des Regierungslagers verantwortlich, wie eine Umfrage im Auftrag des Stern ergab.

"Nach unseren Erhebungen schieben die Leute den Schwarzen Peter für das schlechte Erscheinungsbild von Schwarz-Gelb eindeutig den Liberalen zu", erläuterte der Chef des Umfrageinstitutes Forsa, Manfred Güllner.

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Fehlende Sympathie, Abschied von einstigen Zielen und Streit mit den Koalitionspartnern hatten den Liberalen aber auch intern zu Schaffen gemacht. Angesichts der miserablen Umfragewerte will die FDP mit neuen programmatischen Schwerpunkten Wählerstimmen zurückgewinnen. "Wir wollen eine Neuausrichtung der FDP", sagte die Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger und bekräftigte damit Äußerungen des Generalsekretärs Christian Lindner.

Für Lindner ist die Lage der FDP gegenwärtig nicht so, "dass wir damit zufrieden wären". Nun will die FDP auf einer Klausurtagung Ende Juni über die Lage beraten. Bundes- und Fraktionsvorstand werden diskutieren, mit welchen Themen die Koalition wieder in die Offensive kommt. Themen wie Bürgerrechte und Bildung sollten künftig ein größeres Gewicht erhalten. Zur Neuaufstellung der Partei gehört auch die Debatte über das künftige Grundsatzprogramm der Liberalen, das bis zum Jahr 2012 entstehen soll.

Die Partei will sich insgesamt inhaltlich wieder breiter aufstellen. "Das heißt aber nicht, dass wir von der Forderung nach Steuersenkungen zur Forderung nach Steuererhöhungen kommen", warnte Homburger.

Denn in der Öffentlichkeit wird die FDP fast ausschließlich mit ihren Forderungen nach Steuersenkungen wahrgenommen. "Man kann auch Vertrauen verlieren, wenn man sein Handeln nicht ausreichend an den Realitäten orientiert", sagte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler dem Magazin Stern zur Lage seiner Partei.

Zum Streit um Steuererhöhungen, in dem der schleswig-holsteinische FDP-Landeschef mit einer Forderung nach einem höheren Spitzensteuersatz aufgefallen war, kamen in den letzten Tagen auch innerparteiliche Differenzen über die Bundespräsidentenwahl. Vor allem aus Ostdeutschland meldeten sich Liberale, die in der Bundesversammlung für den Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, stimmen wollen und nicht für den Koalitionsbewerber Christian Wulff, derzeit niedersächsischer Ministerpräsident. Und in Hessen arbeiteten Liberale an der Demontage von Bundeschef Guido Westerwelle.

Homburger sagte auch, die Koalition mit der Union sei nicht selbstverständlich. Zwar habe man sich vor der Bundestagswahl für eine Koalitionsaussage entschieden. "Das heißt aber nicht, dass wir ein für alle mal nur diese Aussage machen können." Natürlich sei man auch offen für Gespräche mit anderen Parteien. In der jüngsten Vergangenheit war es im Streit um die Gesundheitsreform wieder zu Spannungen zwischen FDP und CSU gekommen. In Nordrhein-Westfalen war eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen jedoch bereits in den Sondierungsgesprächen gescheitert.

In der jüngsten Umfrage fiel die FDP um einen Punkt auf fünf Prozent und müsste damit bei einer Wahl um den Einzug in den Bundestag bangen. Das ist ihr schlechtester Wert in den regelmäßigen Umfragen für den ARD-Deutschlandtrend seit 2003. In der jüngsten Forsa-Umfrage im Auftrag von Stern und RTL legte die FDP zwar einen Punkt auf sechs Prozent zu – bei der Bundestagswahl im September hatten die Liberalen aber noch mehr als 14 Prozent geholt.
 

 
Leser-Kommentare
  1. hält durchaus einige Ansichten zu Themen parat, die durchaus nicht unbedingt verkehrt sind - man denke da z.B. an die klassische liberale Haltung zum Thema Bürgerrechte und Datenschutz.
    Leider hat die FDP aber mit dem Schwenk hin zum ewigen Erfüllungsgehilfen der CDU ihren sozial-liberalen Flügel weitgehend selbst ausgemerzt, und wurde im Gefolge zur Yuppie-, Bonzen- und Lobbypartei, die sie auch heute noch ist (und vermutlich auch bleiben wird).
    Ich jedenfalls sehe keinerlei Entwicklung weg vom Marktradikalismus am Horizont. Der politische Nachwuchs dieser Partei gleich exakt jenem Stereotyp des gelackten Karrieristen mit BWL-Diplom, das man auch erwartet.

    Nun ja, mit etwas Glück wacht die Bevölkerung doch so langsam auf, und diese Partei verschwindet endlich unter der 5%-Hürde, wo sie hingehört.

  2. Nun haben die Liberalen ein riesen Problem. Keiner glaubt Ihnen mehr. Die wahren liberalen Werte sind bis zur Unkenntlichkeit verstuemmelt und den Waehlern sind nur noch Slogans wie "die Partei der Besserverdienenden" im Ohr. Das aktuelle Programm, Steuern zu senken, ist nicht realisierbar und der Vorsitzende ist nun wirklich kein Vorzeigemodell. Diese Partei wird wohl oder uebel erst einmal durch ein Tal der Traenen marschieren mueesen, um sich selbst wieder zu finden.

  3. ... denn das mache ich selber schon !!

    Guido allein zu Hause. Wahrscheinlich braucht es einen gewissen Autimus, um in dieser Partei zu Hause zu sein. Es ist kalt dort geworden und die Karrieristen wollen ihre Posten haben und sichern, da kann man aus Angst vorm Tod schon mal Selbstmord probieren, wollte die FDP doch alles sein, nur keine Umfaller Partei mehr. Nun stellt sich die Alternative dazu klar da: Sie ist eine sich auflösende Überfluss Partei

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    • Buh
    • 17.06.2010 um 9:29 Uhr

    ...das Scheitern einer partei niemals nur mit seiner obersten Führungskraft rechtfertigen. Sosnt könnten einige dümmliche bürger auf die Idee kommen, eine FDP mit neuer Führung wäre eine neue FDP. Das würde der FDP also nur nutzen, und wer will schon dass eine Martradikale Partei der Besserverdiener, die ihren Sozialen Kern damit zeigen will alle drei minuten zu schreien "Aber wir haben doch ds Kindergeld erhöht", erfolgreich ist?

    • Buh
    • 17.06.2010 um 9:29 Uhr

    ...das Scheitern einer partei niemals nur mit seiner obersten Führungskraft rechtfertigen. Sosnt könnten einige dümmliche bürger auf die Idee kommen, eine FDP mit neuer Führung wäre eine neue FDP. Das würde der FDP also nur nutzen, und wer will schon dass eine Martradikale Partei der Besserverdiener, die ihren Sozialen Kern damit zeigen will alle drei minuten zu schreien "Aber wir haben doch ds Kindergeld erhöht", erfolgreich ist?

  4. ... suchen, wo ihr sozial-liberaler Flügel geblieben ist.
    Wo sind die Erben von Flach?
    Wo sind die Nachfolger von Hirsch und Baum, die für Bürgerrechte und Datenschutz stehen?
    Eine Frau Leutheuser-Schnarrenberger alleine ist zu wenig.

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    • Buh
    • 17.06.2010 um 9:32 Uhr

    mit Bürgerrechten oder gar Menschenrechten so wenig am Hut hat wie die CDU sieht man doch zb an deren Homosexuellenpolitik. Keine Geleichberechtigungsanstrengungen! Sollange unter FDP führung, die Homosexuellen immernoch als Bürger zweiter Klasse gelten, kann ich ihren "liberalen" Kerl nicht mal im Ansatz erkennen. Und das bei einem Schwulen parteivorsitzenden! Es sit wie mit Merkel, die tut auch nichts für die Gleichberechtigung der Frauen. An den taten sollen wir sie erkennen...

    • Buh
    • 17.06.2010 um 9:32 Uhr

    mit Bürgerrechten oder gar Menschenrechten so wenig am Hut hat wie die CDU sieht man doch zb an deren Homosexuellenpolitik. Keine Geleichberechtigungsanstrengungen! Sollange unter FDP führung, die Homosexuellen immernoch als Bürger zweiter Klasse gelten, kann ich ihren "liberalen" Kerl nicht mal im Ansatz erkennen. Und das bei einem Schwulen parteivorsitzenden! Es sit wie mit Merkel, die tut auch nichts für die Gleichberechtigung der Frauen. An den taten sollen wir sie erkennen...

  5. Nach Umfrage des CDU-Meinungs-Gestaltungs-Institutes Forsa geben die Bürger der FDP die Schuld am Versagen der Regierung.

    So kann man seinen Koalitionspartner natürlich auch in die Schranken weisen.

    Warum gibt es kein Gesetz, dass mit dem Ergebnis einer Umfrage auch die exakte Fragestellung samt Antwortmöglichkeiten veröffentlicht werden muss?

  6. ich kenne keine partei die meinen zielen so nahe kommt
    wenig steuern ,selbstverantwortlichkeit stärkung des mittelstands.
    aber sie sind kapitalisten
    d.h.exponentiellwachsende zinslast -> steuererhöhung
    die wähler warten auf eine arie und höhren einen furz

  7. als das sich die SPD auf das S in ihrem Namen besinnt. Wo soll das glaubwürdige Personal denn herkommen.

  8. "Die FDP auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Posten und ihre Macht zu erhalten."
    Als Unterüberschrift: "Schließlich geht es auch um die Verdienstmöglichkeiten nach der Amtszeit. Welcher Konzern vergibt schon hochbezahlte Stellen an Leute, die nicht dazu kamen, ihm kleine Gefälligkeiten zu erweisen?"
    Zugegeben, die Formulierung ist noch ein bisschen holprig, aber treffender als jetzige Überschrift wär's doch allemal.

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