Köhler-Nachfolge Zwitschern gegen "Zensursula"
Auf Twitter wird gejubelt, weil Ursula von der Leyen nicht neue Bundespräsidentin wird. Der tatsächliche Kandidat Wulff ist den Usern weitgehend gleichgültig.

Ursula von der Leyen ist in der Internetgemeinde auch bekannt als "Zensurursula"
Große Freude bei manchem Twitter-User: "Raus ! Raus! Sie ist raaaaaaauuuuus ! #Zensursula" zwitschern Sandra und Sven aus Nordrhein-Westfalen . Es ist Donnerstag, ein Feiertag in den meisten deutschen Bundesländern und kurz nach elf Uhr morgens.
Und auf Twitter kursiert bereits die Nachricht, die die meisten (arbeitspflichtigen, weil feiertagslosen) Hauptstadtjournalisten noch gar nicht mitbekommen haben: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen – von manchen Internetnutzern abfällig "Zensursula" genannt - wird wohl doch nicht Deutschlands erste Bundespräsidentin.
Auf Twitter überschlagen sich die Meldungen: " Damit hat der heutige Feiertag seinen Namen verdient " – " Alles besser als der Teufel in Person ", zwitschert es im Sekundentakt. Sandra und Sven haben bereits eine Fotomontage mit einer angeblichen "von der Leyen ist raus"-Jubelfeier online gestellt.
Seit Dienstag war die Bundesarbeitsministerin als Favoritin um das Bundespräsidentenamt gehandelt worden, am gleichen Tag bereits begann unter Bloggern, Piraten und anderen Internet-Nutzern der Protest gegen diese Personalie. Denn die Arbeitsministerin hatte in der vergangenen Legislaturperiode den Spott und teilweise auch den Hass vieler Internetaffiner auf sich gezogen.
Damals war von der Leyen noch Bundesfamilienministerin und sie hatte sich dem Kampf gegen Kinderpornografie im Internet verschrieben. Vehement focht sie für das Sperren verdächtiger Internetseiten. Für viele Internetnutzer glich dies einem Zensurvorhaben – von der Leyens Spitzname "Zensursula" war geboren. Gegen das Gesetz der damaligen Großen Koalition unterzeichneten mehr als 130.000 Bürger eine Online-Petition. In Kraft getreten ist die Internetsperre nie.
Nach wie vor ist von der Leyen für viele im Netz ein rotes Tuch. Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Zensursula – Not my president" verzeichnete kurz nach ihrer Gründung bereits 22.000 Mitglieder, zahlreiche ähnliche Gruppierungen fanden in dem sozialen Netzwerk Tausende Anhänger.
Der Slogan "Not my president" ist übrigens nicht neu – er kam bereits bei Wahlkämpfen in den USA zum Einsatz, als Bürger ihren Protest gegen den damaligen Amtsinhaber George W. Bush ausdrückten. In den vergangenen Tagen wurde der Spruch nun zum Symbol für von-der-Leyen-Gegner.
Auch bei Twitter wurde unter den Schlagworten "zensursula" und "notmypresident" geschimpft und diskutiert, bei Facebook vereinzelt gar zu Demonstrationen im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni aufgerufen: "Eine Idee wären bundesweite Mahnwachen und Protestmärsche jeden Samstag bis zur Wahl".
Blogger Markus Beckedahl von netzpolitik.org legte das Basteln von Stoppschildern mit von der Leyen-Konterfei und der Unterschrift "Not my president" nahe. Der Betreiber des Blogs Spiegelfechter , Jens Berger, schrieb : "Heute will am liebsten kein Unions- und SPD-Politiker etwas mit diesem Gesetz zu tun haben, an von der Leyens Hacken klebt es jedoch wie besonders hartnäckiger Hundekot. Ihr Name ist bei einer ganzen Generation von internetaffinen Bürgern für immer verbrannt." Protest kam – natürlich – auch von der Piratenpartei : Durch die Internetsperren habe von der Leyen "einer ganzen Generation den Krieg erklärt".
Selbst bereits im vergangenen Sommer ins Spiel gebrachte "Zensursula"-T-Shirts mit dem weißen von der Leyen-Konterfei auf schwarzem Untergrund erlebten in den vergangenen Tagen erneut Konjunktur. Was den ein oder anderen Twitterer zur der Vermutung verführte, dass es sich bei der ganzen Kampagne sicher nur um einen "Marketing-Gag des T-Shirt Versandhandels" handele.
Aber auch Rufe nach Vorschlägen für eine Alternative für die Bundespräsidentenwahl wurden laut, seien diese doch konstruktiver als das allgemeine Gemaule. Bei der Umfrage von Martin Oetting unter mehr als 200 Usern siegte dabei gleich der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). In der ZEIT ONLINE- Umfr age war es vor einigen Tagen die nach einer Alkoholfahrt zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.
Einige fühlten sich so auch durch die Nachrichten von der angeblichen Nicht-Nominierung von der Leyens bestätigt: "Gebt es zu: einer von euch hat der CDU das Internet erklärt" frohlockte einer auf Twitter.
Für den neuen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt , den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, hatten viele Twitter-Nutzer am Donnerstag hingegen vor allem Gleichgültigkeit übrig. " Kann ich mit leben, in Anbetracht der Alternativen. Zum debattieren, mal lächeln und Hände schütteln und unterschreiben ist er prima ", hieß es auf Twitter. Oder: " Wulff soll es machen. Na gut, der hat eh zu nichts eine Meinung ."
Polarisieren tut Christian Wulff offenbar kaum. Seine Facebook-Gruppe " Christian Wulff als Bundespräsident " hatte am Morgen erst vier Unterstützer. Am Mittag waren es immerhin 17. Neu hinzu kam die Gruppe "Wackel Wulff is not my president " mit der Beschreibung: "Den wollen wir auch nicht haben". Immerhin 90 Facebook-User hatten sich hier bis Donnerstagmittag angeschlossen.
- Datum 03.06.2010 - 22:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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atmet auf.
ich trau' dem braten erst nach der wahl.
ich trau' dem braten erst nach der wahl.
behaupte ich jetzt mal....
also ich will wirklich!!! Das wäre ein echter Kandidat und keine Notlösung...
wir brauchen jemanden, der auch in Krisenzeiten (wie z.B. Herr Köhler bei dem Amoklauf in Winnenden) in der Lage ist, passende, menschliche Worte zu finden, die helfen soetwas zu verkraften...es geht ja bei dem Posten des BP nicht nur um das Unterschreiben von Gesetzen
Und Mut und eine eigene Meinung braucht der BP auch und das geht doch am besten, wenn man nicht so viel zu verlieren hat. Herr Wulff wirkt ja noch viel zu ambitionbiert, als dass er über den Tellerrand des aktuellen Tagesgeschäfts blicken könnte...lasst ihn mal lieber als Kontrahent von Frau Merkel reifen
Wenn selbst die FAZ über Zensursula negativ berichtet...
Die Karriere der Ursula von der Leyen
„Ein Geflecht aus Intrigen"
http://www.faz.net/s/RubF...
ich trau' dem braten erst nach der wahl.
Doch nur, dass der Stammtisch inzwischen ins Internet gewandert ist. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Wahl deswegen auf Wulff fiel, weil man vor der Dummheit im Lande kapituliert hat.
Ich schätze mal, Frau Merkel reibt sich grad das Händchen. Koch weg, jetzt wohl auch Wulff weg, endlich hat sie Kohlsche Verhältnisse für sich selbst geschaffen und keine innerparteiliche Konkurrenz mehr zu fürchten.
...aus einem solchen besteht auch das politische Berlin. An dem der neue Kandidat bereits Platz zu nehmen versucht. Not my president. My president was gone!
...aus einem solchen besteht auch das politische Berlin. An dem der neue Kandidat bereits Platz zu nehmen versucht. Not my president. My president was gone!
"In Kraft getreten ist die Internetsperre nie." Deswegen soll man die ganze Sache einfach vergessen oder wie?
Das Frau vdLeyen mit billigstem Populismus versucht hat einen Staat im Staate zu kreieren, der von Niemandem überwacht werden kann, ist zu verurteilen.
Zum Glück hat das Internet das Monopol von TV und Radio als einzige Wege zur Außenwelt gebrochen ( wenn es auch Nachteile gibt).
...aus einem solchen besteht auch das politische Berlin. An dem der neue Kandidat bereits Platz zu nehmen versucht. Not my president. My president was gone!
Der Artikel beschreibt die Folgen vom Verhalten von von der Leyen. Er tut aber doch ein bißchen so, als würden sie nur überzeugte Internetverfechter, die Angst vor Zensur haben, ablehnen. Das stimmt aber nicht.
Das Problem, das von der Leyen anhaftet ist, dass sie total inkompetent ist und nichts als operative Hektik an den Tag legt. Das war auch das Problem, bei ihrer schnapsidee mit den Internet Sperren. Denn anstatt darauf zu drängen, dass die Ermittler Möglichkeiten bekommen, verdächtigen Zahlungsverkehr gezielt zu überwachen, wollte sie den Zugang zu Internet Seiten sperren. Das hindert aber keinen Päderasten daran, sofort auf eine andere Seite auszuweichen und hätte überhaupt gar nichts gebracht. Und die Blogger haben dies auch klar so zum Ausdruck gebracht. Jeder, der etwas vom Internet versteht hat seinerzeit den Kopf geschüttelt. Es war pure, zwanghafte Selbstdarstellung was von der Leyen da veranstaltet hat und auch das, was sie heute so von sich gibt, entbehrt jedem Sachverstand.
Christian Wulff hat für Merkel den Vorteil, dass er noch grauer als sie ist. Für Deutschland hat er den Nachteil, dass er nicht auf den Tisch haut.
Ich wünschte mir einen als Präsidenten, der Leuten wie Westerwilli ordentlich eine auf die Rübe gibt, wenn er Leute pauschal diskriminiert. Joschka Fischer wäre da sicher die optimale Auwahl gewesen. Aber auch Joachim Gauck wäre um Meilen besser als Wulff, wenn er an Fischer auch nicht rankommt.
Von der Leyen versuchte, die i.d.R. Internet-unerfahrenen Stammwähler der CDU zu überzeugen. Mit dem Gegenwind hat sie nicht gerechnet. Jetzt, wo die Kontrolle der Bundesregierung durch den Bundespräsidenten wohl dahin ist, bleibt das einzige Machtinstrument der Bürger das Internet - ein Ort, worauf jeder Zugriff hat, wo jede Machenschaft von Politikern aufgedeckt werden kann.
Von der Leyen versuchte, die i.d.R. Internet-unerfahrenen Stammwähler der CDU zu überzeugen. Mit dem Gegenwind hat sie nicht gerechnet. Jetzt, wo die Kontrolle der Bundesregierung durch den Bundespräsidenten wohl dahin ist, bleibt das einzige Machtinstrument der Bürger das Internet - ein Ort, worauf jeder Zugriff hat, wo jede Machenschaft von Politikern aufgedeckt werden kann.
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