Koalitions-Konflikte "Es fehlt das verbindende Element"

Der Konfliktforscher Carsten Schermuly erklärt im Interview, wie Schwarze und Gelbe ihre Streitereien lösen könnten. Und was Merkel dazu beitragen sollte.

ZEIT ONLINE: Schwarz-Gelb verstand sich einmal als Dreamteam, als Wunschkoalition. Doch davon ist nichts mehr zu sehen. Haben Sie als Organisationspsychologe schon erlebt, dass sich eine Führung binnen so kurzer Zeit dermaßen zerstreitet?

Carsten Schermuly: In anderen Organisationen, auch in der Wirtschaft, ist so etwas gar nicht so selten. Was hier speziell ist, dass hier drei Parteien und eine Menge Leute am Tisch sitzen. Das macht die Konflikte so kompliziert. Auch Rot-Grün hatte am Anfang erhebliche Probleme, aber da waren es nur zwei Parteien, die miteinander auskommen mussten. Hier müssen sich drei Parteien zusammenraufen, die – wie sich herausstellt – sehr unterschiedliche Auffassungen haben.

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ZEIT ONLINE: Mangelt es Schwarz-Gelb an Kompromissbereitschaft?

Schermuly: Ja. Jeder sieht nur auf seine eigenen Positionen. Herauskommen kann die Koalition aus diesem Dilemma nur, wenn sie Entscheidungen trifft, die zum gegenseitigen Vorteil sind, für CDU, CSU wie für FDP. Verschärfend kommt hinzu, dass die drei Parteien sich gar nicht so sehr auf ihre unterschiedlichen oder gemeinsamen Interessen konzentrieren, sondern auf feste Positionen. Die FDP hat daher lange auf Steuersenkungen beharrt, obwohl ihr Ziel, die Bürger zu entlasten, womöglich auch auf anderem Wege erreicht werden kann. Und von diesen Positionen kommen die Parteien dann nur noch schwer herunter, weil sie so lautstark nach außen getragen wurden.

ZEIT ONLINE: Weshalb war die FDP in diesem Konflikt so halsstarrig, obwohl doch jeder sehen konnte, dass Steuersenkungen nicht zu bezahlen sind?

Schermuly: Wahrscheinlich stand dahinter vor allem das Interesse, glaubwürdig zu bleiben. Die FDP hatte es nun einmal ihren Wählern versprochen, davon wollte sie daher solange es irgend ging, nicht lassen.

ZEIT ONLINE: Aber wie erklären Sie sich die gegenseitigen Beschimpfungen? Gehen Partner so miteinander um?

Schermuly: Da hat sich eine Konfliktdynamik entwickelt. Wenn sich CSU und FDP wechselseitig als "Wildsau" und "Gurkentruppe" bezeichnen, ist das längst nicht mehr Ausdruck eines Sach-, sondern eines Beziehungskonflikts. Der überlagert die sachlichen Auseinandersetzungen, die gemeinsame Regierung zerfällt in unterschiedliche Gruppen. Es gibt kein "Wir"-Gefühl, der andere wird zum Gegner.

ZEIT ONLINE: Und das führt zu einer gegenseitigen Abschottung.

Schermuly: Ja, man schart sich jeweils zusammen, obwohl möglicherweise sogar manche in der CSU Gefallen an den Ideen von FDP-Gesundheitsminister Rösler haben könnten. Aber solche personalisierten Konflikte führen dazu, dass gar nicht mehr erkannt wird, dass es auch Gemeinsamkeiten gibt. Und irgendwann trägt man dann die Beziehungskonflikte auch auf der Sachebene aus. Weil Herr Rösler und der bayerische Gesundheitsminister Söder sich nicht mögen, suchen sie dann irgendeinen Nebenkriegsschauplatz. So werden Sach- zu Beziehungskonflikten und umgekehrt. Das ist eine gefährliche Spirale, in der die Bundesregierung bereits tief steckt.

ZEIT ONLINE: Wie kommt die Koalition da heraus?

Schermuly: Indem man Menschen und Probleme zwar zusammen sieht, aber getrennt behandelt. Das heißt, Union und FDP sollten ihre wechselseitigen persönlichen Aversionen trennen von den sachlichen Differenzen. Und davon gibt es ja schon genug.

ZEIT ONLINE: Der Kanzlerin wird vielfach Führungsschwäche vorgeworfen. Kann ein Chef ein zerstrittenes Team durch autoritäre Führung und Machtworte disziplinieren?

Schermuly: Das zeigt die Organisationpsychologie sehr deutlich: Autoritäre Führung führt meist zu Widerstand und Auflehnung. Selbst wenn der Chef seinen Willen durchsetzt – solange der Gegenüber sich noch einigermaßen mächtig fühlt, und die FDP hat im Moment noch genügend Selbstvertrauen, würde das die Konflikte nicht lösen, sondern nur verschärfen.

ZEIT ONLINE: Was würden Sie der Kanzlerin also empfehlen?

Schermuly: Sie sollte nicht versuchen autoritär zu führen, was ihrem Naturell auch gar nicht entspräche, sondern eine Vision entwickeln, eine gemeinsame Idee, hinter der sich CDU/CSU und FDP scharen können. Das fehlt in der jetzigen Regierung. Und das ist auch der Unterschied zu Rot-Grün: Damals stand hinter vielen Einzelgesetzen, etwa zur Integration und Einbürgerung, eine bestimmte gesellschaftliche Vorstellung, bei allen Konflikten. 2005 hatte Schwarz-Gelb das auch noch, mit ihren entschiedenen Reformvorstellungen. Aber 2009 gab es eine solche verbindende Idee nicht mehr, und es ist bisher auch keine entwickelt worden. Und auch das zeigt die Psychologie: Konflikte nehmen ab, wenn eine gemeinsame Idee oder Aufgabe gesehen wird. Dann steht man zusammen und kämpft für ein gemeinsames Ziel.

Leser-Kommentare
  1. wenn sich die dauer-streitenden Parteien einfach mal auf den eigentlichen Auftrag des Wählers besinnen könnten und, ganz im demokratischen Sinne, damit beginnen würden die Interessen des GANZEN Volkes nachhaltig zu vertreten?!

    In dieser, gemeinsam zu tragenden, hehren Aufgabe vereint, könnten sich die offensichtlich überschüssigen Kräfte der schwarzgelben Streithähne vielleicht auf die aktuellen, mannigfaltigen Problemfelder unseres Landes konzentrieren und dort Abhilfe schaffen, anstatt sich aneinander das Mütchen zu kühlen!

    Wofür bezahlen wir diese kleinkarierten Dauer-Kontrahenten in Berlin eigentlich? Doch wohl nicht dafür, um ihre Zeit mit lächerlichen Befindlichkeits-Scharmützeln und parteipolitischen Stellungskriegen zu verplempern!

    Gibt es denn nicht wirklich Wichtigeres zu tun?!!

    Wenn ich meine sauer verdienten Steuer-Euro dort in Berlins Mitte bei der nicht vollbrachten Arbeit agieren sehe, dann könnte ich platzen (um es gelinde und jugendfrei auszudrücken)!!!

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    Sehr geehrter Forist,

    Ihre Politikerverdrossenheit haben Sie in dem Appell zusammengefasst: "wenn sich die dauer-streitenden Parteien einfach mal (!?) auf den eigentlichen (!?) Auftrag des Wählers besinnen könnten und (...) damit beginnen würden die Interessen des GANZEN (?!) Volkes nachhaltig zu vertreten?!.

    Ihr Stoßseufzer geht aber - zum Glück - an der Wirklichkeit vorbei, denn die "Interessen des GANZEN Volkes" gibt es in Wirklichkeit nicht, sie zu behaupten, dazu bedürfte es einer wirklichen "Volkspartei" vom Format der NSDAP oder der SED.

    Was es gibt, das sind Individuen wie Sie und ich, die - je nach Interessenlage - bereits sich und ihre Umgebung so widerspruchsvoll erleben, dass sie in der Regel schon sich selbst nicht immer zufriedenstellend "regieren" können...

    Was Sie als die "aktuellen, mannigfaltigen Problemfelder unseres Landes" ansprechen, das dürfte die Vermeidung bzw. Bewältigung von Wirtschaftskrisen sein, doch diese Herkulesaufgabe ist von keiner Regierungsform zu meistern, da sich die Profiteure der Krise jeglicher Beeinflussung zu entziehen vermögen.

    Zwar ist mir Ihr Zorn sehr verständlich, aber auch für Sie gilt, was für mich gilt: mitgefangen - mitgehangen.

    Das Ende des "Kapitalismus" (Def.: http://profiprofil.wordpr...) war ja nur durch Globalisierung zu verzögern, doch da wir jetzt wirklich an die "Grenzen des Wachstums" (Club Of Rome) stoßen, ist auch unser "Goldenes Zeitalter" beendet.

    Gerd Weghorn, Bonn

    Sehr geehrter Forist,

    Ihre Politikerverdrossenheit haben Sie in dem Appell zusammengefasst: "wenn sich die dauer-streitenden Parteien einfach mal (!?) auf den eigentlichen (!?) Auftrag des Wählers besinnen könnten und (...) damit beginnen würden die Interessen des GANZEN (?!) Volkes nachhaltig zu vertreten?!.

    Ihr Stoßseufzer geht aber - zum Glück - an der Wirklichkeit vorbei, denn die "Interessen des GANZEN Volkes" gibt es in Wirklichkeit nicht, sie zu behaupten, dazu bedürfte es einer wirklichen "Volkspartei" vom Format der NSDAP oder der SED.

    Was es gibt, das sind Individuen wie Sie und ich, die - je nach Interessenlage - bereits sich und ihre Umgebung so widerspruchsvoll erleben, dass sie in der Regel schon sich selbst nicht immer zufriedenstellend "regieren" können...

    Was Sie als die "aktuellen, mannigfaltigen Problemfelder unseres Landes" ansprechen, das dürfte die Vermeidung bzw. Bewältigung von Wirtschaftskrisen sein, doch diese Herkulesaufgabe ist von keiner Regierungsform zu meistern, da sich die Profiteure der Krise jeglicher Beeinflussung zu entziehen vermögen.

    Zwar ist mir Ihr Zorn sehr verständlich, aber auch für Sie gilt, was für mich gilt: mitgefangen - mitgehangen.

    Das Ende des "Kapitalismus" (Def.: http://profiprofil.wordpr...) war ja nur durch Globalisierung zu verzögern, doch da wir jetzt wirklich an die "Grenzen des Wachstums" (Club Of Rome) stoßen, ist auch unser "Goldenes Zeitalter" beendet.

    Gerd Weghorn, Bonn

  2. Sehr geehrter Forist,

    Ihre Politikerverdrossenheit haben Sie in dem Appell zusammengefasst: "wenn sich die dauer-streitenden Parteien einfach mal (!?) auf den eigentlichen (!?) Auftrag des Wählers besinnen könnten und (...) damit beginnen würden die Interessen des GANZEN (?!) Volkes nachhaltig zu vertreten?!.

    Ihr Stoßseufzer geht aber - zum Glück - an der Wirklichkeit vorbei, denn die "Interessen des GANZEN Volkes" gibt es in Wirklichkeit nicht, sie zu behaupten, dazu bedürfte es einer wirklichen "Volkspartei" vom Format der NSDAP oder der SED.

    Was es gibt, das sind Individuen wie Sie und ich, die - je nach Interessenlage - bereits sich und ihre Umgebung so widerspruchsvoll erleben, dass sie in der Regel schon sich selbst nicht immer zufriedenstellend "regieren" können...

    Was Sie als die "aktuellen, mannigfaltigen Problemfelder unseres Landes" ansprechen, das dürfte die Vermeidung bzw. Bewältigung von Wirtschaftskrisen sein, doch diese Herkulesaufgabe ist von keiner Regierungsform zu meistern, da sich die Profiteure der Krise jeglicher Beeinflussung zu entziehen vermögen.

    Zwar ist mir Ihr Zorn sehr verständlich, aber auch für Sie gilt, was für mich gilt: mitgefangen - mitgehangen.

    Das Ende des "Kapitalismus" (Def.: http://profiprofil.wordpr...) war ja nur durch Globalisierung zu verzögern, doch da wir jetzt wirklich an die "Grenzen des Wachstums" (Club Of Rome) stoßen, ist auch unser "Goldenes Zeitalter" beendet.

    Gerd Weghorn, Bonn

    Antwort auf "Wie wäre es denn,"
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    umfasst alle etablierten Parteien, die sich samt und sonders als willfährige Büttel des Kapitals und dessen Speerspitze aus der Banken-Gilde gerieren!
    Leider selbst die Grünen, die ihre "Unschuld" durch den feisten Fischer einst verkauften, bzw. dessen Kotau vor der antisozialen, dafür pro-neoliberalen Politik vom Gaz-Gerd.

    Sicher wird der Kapitalismus, so antisolidarisch, egozentrisch und rücksichtslos gegen Mensch und Natur, wie wir ihn kennen, zwangsläufig untergehen müssen. In etwa wie eine Feuersbrunst, der schlicht das Brennmaterial ausgeht, die also quasi an der eigenen rücksichtslosen Gier in sich zusammen fällt. Die Ausweitung auf den globalen Spielplatz, verhindert dies nicht, sondern hebt das ganze verheerende Theater lediglich auf eine etwas größere Bühne; Der o. g. Endeffekt wird sich dadurch wohl nur etwas verzögern.

    Die Frage ist, was kommt danach? Werden "wir" daraus lernen und zukünftig eher solchen Protagonisten unser Geschick anvertrauen, die über ein gewisses Maß an Weisheit und Weitblick verfügen, denen Ethik und Gemeinschaftssinn keine Fremdworte sind, wie wir es bei unserer "gewählten" (Be)Herrschern bisher ohnmächtig erleben und wie gelähmt hinnehmen?!

    Goldenes Zeitalter, werter Gerd Weghorn? Golden ist dieses Zeitalter nur für eine verschwindend geringe Minderheit von Profiteuren und Gewinnlern, sowie deren politischen Lakaien!

    Ein goldenes Zeitalter hätte für mich andere Qualitäten und die würden nicht in Euro, Unzen oder Karat gemessen werden...

    umfasst alle etablierten Parteien, die sich samt und sonders als willfährige Büttel des Kapitals und dessen Speerspitze aus der Banken-Gilde gerieren!
    Leider selbst die Grünen, die ihre "Unschuld" durch den feisten Fischer einst verkauften, bzw. dessen Kotau vor der antisozialen, dafür pro-neoliberalen Politik vom Gaz-Gerd.

    Sicher wird der Kapitalismus, so antisolidarisch, egozentrisch und rücksichtslos gegen Mensch und Natur, wie wir ihn kennen, zwangsläufig untergehen müssen. In etwa wie eine Feuersbrunst, der schlicht das Brennmaterial ausgeht, die also quasi an der eigenen rücksichtslosen Gier in sich zusammen fällt. Die Ausweitung auf den globalen Spielplatz, verhindert dies nicht, sondern hebt das ganze verheerende Theater lediglich auf eine etwas größere Bühne; Der o. g. Endeffekt wird sich dadurch wohl nur etwas verzögern.

    Die Frage ist, was kommt danach? Werden "wir" daraus lernen und zukünftig eher solchen Protagonisten unser Geschick anvertrauen, die über ein gewisses Maß an Weisheit und Weitblick verfügen, denen Ethik und Gemeinschaftssinn keine Fremdworte sind, wie wir es bei unserer "gewählten" (Be)Herrschern bisher ohnmächtig erleben und wie gelähmt hinnehmen?!

    Goldenes Zeitalter, werter Gerd Weghorn? Golden ist dieses Zeitalter nur für eine verschwindend geringe Minderheit von Profiteuren und Gewinnlern, sowie deren politischen Lakaien!

    Ein goldenes Zeitalter hätte für mich andere Qualitäten und die würden nicht in Euro, Unzen oder Karat gemessen werden...

  3. umfasst alle etablierten Parteien, die sich samt und sonders als willfährige Büttel des Kapitals und dessen Speerspitze aus der Banken-Gilde gerieren!
    Leider selbst die Grünen, die ihre "Unschuld" durch den feisten Fischer einst verkauften, bzw. dessen Kotau vor der antisozialen, dafür pro-neoliberalen Politik vom Gaz-Gerd.

    Sicher wird der Kapitalismus, so antisolidarisch, egozentrisch und rücksichtslos gegen Mensch und Natur, wie wir ihn kennen, zwangsläufig untergehen müssen. In etwa wie eine Feuersbrunst, der schlicht das Brennmaterial ausgeht, die also quasi an der eigenen rücksichtslosen Gier in sich zusammen fällt. Die Ausweitung auf den globalen Spielplatz, verhindert dies nicht, sondern hebt das ganze verheerende Theater lediglich auf eine etwas größere Bühne; Der o. g. Endeffekt wird sich dadurch wohl nur etwas verzögern.

    Die Frage ist, was kommt danach? Werden "wir" daraus lernen und zukünftig eher solchen Protagonisten unser Geschick anvertrauen, die über ein gewisses Maß an Weisheit und Weitblick verfügen, denen Ethik und Gemeinschaftssinn keine Fremdworte sind, wie wir es bei unserer "gewählten" (Be)Herrschern bisher ohnmächtig erleben und wie gelähmt hinnehmen?!

    Goldenes Zeitalter, werter Gerd Weghorn? Golden ist dieses Zeitalter nur für eine verschwindend geringe Minderheit von Profiteuren und Gewinnlern, sowie deren politischen Lakaien!

    Ein goldenes Zeitalter hätte für mich andere Qualitäten und die würden nicht in Euro, Unzen oder Karat gemessen werden...

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