NPD-Parteitag Weniger Ideologie, mehr Populismus

Die NPD trifft sich zum Parteitag in Bamberg. Nach anhaltenden Misserfolgen will sie sich künftig moderater geben – und steht womöglich vor einer Fusion mit dem Erzfeind DVU.

Hochtrabende Hoffnungen hatte die NPD, seit vor zwei Jahren die Wirtschafts- und Finanzkrise ausbrach: Die Bankenzusammenbrüche in den USA würden einen "Dominoeffekt ungeahnten Ausmaßes" anstoßen, schwadronierten Parteiführer. "Überall in Deutschland" stünden "die Zeichen auf Sturm". Massenhaft würden "die Deutschen" sich vom "volksfeindlichen Kapitalismus" abwenden – und hin zum "nationalen Sozialismus" der NPD.

Wenn sich die Rechtsextremisten von Freitag bis Sonntag in Bamberg zu ihrem Parteitag treffen, müssten sie sich eigentlich – wieder einmal – ihr Scheitern eingestehen: Bei der Bundestagswahl im September erreichte die NPD lediglich 1,5 Prozent, noch weniger als 2005. In Nordrhein-Westfalen kam sie vor fünf Wochen auf schlappe 0,7 Prozent, das reicht nicht einmal für die Teilnahme an der staatlichen Parteienfinanzierung. Mehrere Landesverbände, etwa Rheinland-Pfalz oder Berlin, liegen organisatorisch am Boden. Der einzige Lichtblick für die Partei war der knapp geglückte Wiedereinzug in den Dresdner Landtag – aber der gelang ausgerechnet jenem Landesverband, der sich zuletzt mit der Bundespartei und dem Vorsitzenden Udo Voigt heftig zerstritten hatte.

Anzeige

Trotzdem wird es in Bamberg zum ersten Mal seit Langem wohl keine Personalquerelen geben. Stattdessen ist ein "Arbeitsparteitag" geplant, auf dem ein neues Grundsatzprogramm beschlossen werden soll. Voigt hat es offenbar geschafft, die desolaten Parteifinanzen durch Widersprüche gegen Finanzrückforderungen der Bundestagsverwaltung, vorübergehende Entlassung von Mitarbeitern und einen Gehaltsverzicht zu stabilisieren, zumindest provisorisch. Und ihm gelang nach einem gescheiterten Putsch im Frühjahr, wieder Ruhe in die Partei zu bringen.

Paradoxerweise dürfte dabei der Tod von Jürgen Rieger sogar geholfen haben. Der finanzkräftige Hamburger Anwalt war bis zu seinem Schlaganfall Ende 2009 einer von Voigts wichtigsten Stützen – aber auch ein Hardcore-Rassist. Rieger gehörte zu den offenen Hitler-Nostalgikern in der Partei. Um seinen Rückhalt nicht zu verlieren, hatte Voigt Forderungen unter anderem aus Sachsen immer wieder abgelehnt, der Partei ein moderateres Image zu verpassen, um eventuell breitere Wählerschichten zu erreichen.

Nach Riegers "ruhmreichem Einzug in Walhalla" (wie es in Szene-Nachrufen hieß), ist Voigt zur Rolle des innerparteilichen Moderators zurückgekehrt, in der er seit Amtsantritt 1996 immer wieder zwischen den verschiedenen Parteiflügeln vermittelt hatte. Und gibt nun auch dem Drängen nach einem weicheren Auftreten nach. Das zeigt sich schon an der Tagungsmappe für die rund 240 Delegierten: Sie ist in Schwarz-Rot-Gold gehalten – früher benutzte die NPD lieber die Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot. Auch der Entwurf des neuen Grundsatzprogramms setzt weniger auf ideologische Klarheit, er wurde stattdessen mit populären Einzelforderungen vollgepackt. So will die NPD nun einen Mindestlohn, die Wiedereinführung der D-Mark und sogar ein flächendeckendes Angebot von Kindertagesstätten – diese lehnte sie früher als Teufelzeug ab und propagierte das traditionelle Bild der Mutter und Hausfrau, die sich am heimischen Herd um den Rassennachwuchs zu kümmern habe.

Die Ideologie müsse künftig "richtig dosiert" werden, schrieb Voigt kürzlich in einem Aufsatz der Parteizeitung Deutsche Stimme: "Der Wähler strebt nach persönlicher Absicherung, eigenem Nutzen, persönlichen Vorteilen für sich und seine Familie und ist nicht auf der Suche nach Verkündern der ‚reinen Lehre’ weltanschaulicher Grundlagen." Zwar verstehe man sich weiterhin als "Systemalternative zum kapitalistischen System der BRD"; in der Öffentlichkeit aber möge man bitte auf "für den Wähler unverständliche Thematiken wie ‚Das Grundgesetz – Die Verfassung der Alliierten’" verzichten, weil "die weithin umerzogenen Bundesbürger dies als unverständliches ‚Parteichinesisch’ abtun."

Leser-Kommentare
    • eklipz
    • 04.06.2010 um 12:50 Uhr

    "dass die zuletzt stark gewachsene Szene der Autonomen Nationalisten offene Gewalt gegen Polizisten, Journalisten und Andersdenkende einsetzt, passt ihm da gar nicht ins Konzept"

    finde es großartig. Wie blöd muss man auch sein, sich als pseudo-Schwarzer Block aufzuspielen, gleichzeitig aber NPD-nah erscheinen zu wollen. Rekrutierung aus den Reihen der Nazi-Autonomen hat nie so funktioniert, wie sie es sich vorgestellt haben - im Gegenteil, sie schaden eher. Hoffe die BILD titelt am 1.Mai irgendwann neben "Anarchos stürzen Kreuzberg ins Chaos" irgendwann mal "Nazi-Anarchos stürzen Kreuzberg ins Chaos"
    Für die Gleichschaltung geben sich die Nazi-Autonomen viel zu unabhängig. Umso besser.

    Ansonsten könnte ein Zusammenschluss der beiden "Parteien" und die Ausrichtung auf "Islamkritik", Teile der islamophoben Bevölkerung durchaus anziehen. Dann auch nicht nur im Osten.

    Das Beste: "Nach Riegers "ruhmreichem Einzug in Walhalla"(wie es in Szene-Nachrufen hieß)"
    -->Der wird aber von den Einherjern ordentlich vermöbelt werden hehe. Und als was soll er bei der letzten Schlacht im Ragnarök teilnehmen? Riesen zu Tode quatschen? - Spaß beiseite

  1. 'Die Bankenzusammenbrüche in den USA würden einen "Dominoeffekt ungeahnten Ausmaßes" anstoßen, schwadronierten Parteiführer. "Überall in Deutschland" stünden "die Zeichen auf Sturm". Massenhaft würden "die Deutschen" sich vom "volksfeindlichen Kapitalismus" abwenden – und hin zum "nationalen Sozialismus" der NPD.'

    Dass dies trotz des bemüht höhnischen Untertons der Berichterstattung irgendwann einmal wahr wird. Immerhin ist es schon einmal passiert, und nur wenige sind noch übrig, die sich an die Jahre 1929-1933 erinnern können.

    AUSLÄNDER BLEIBT HIER! LASST UNS NICHT ALLEIN MIT DIESEN HOLZKÖPFEN!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • eklipz
    • 04.06.2010 um 13:18 Uhr

    könnte das mangelnde Geschichtsinteresse von Teilen der jungen Generation bzw. mangelhafte Vermittlung.

    Das Problem mit Rechtsextremismus ist jedoch in Deutschland gegenwärtig kaum der Rede wert, wenn man es mit den Problemen in Russland und Teilen der ehemaligen Ostblockstaaten vergleicht.
    Selbst in Frankreich scheinen sie im Aufwind zu sein(Schändung jüdischer Friedhöfe). Man muss gestehen, dass die Politik in Deutschland diesbezüglich recht gut funktioniert, wie gesagt, im Vergleich.

    Ob die Bauern-Nazis in den USA der Rede wert sind - keine Ahnung.

    • eklipz
    • 04.06.2010 um 13:18 Uhr

    könnte das mangelnde Geschichtsinteresse von Teilen der jungen Generation bzw. mangelhafte Vermittlung.

    Das Problem mit Rechtsextremismus ist jedoch in Deutschland gegenwärtig kaum der Rede wert, wenn man es mit den Problemen in Russland und Teilen der ehemaligen Ostblockstaaten vergleicht.
    Selbst in Frankreich scheinen sie im Aufwind zu sein(Schändung jüdischer Friedhöfe). Man muss gestehen, dass die Politik in Deutschland diesbezüglich recht gut funktioniert, wie gesagt, im Vergleich.

    Ob die Bauern-Nazis in den USA der Rede wert sind - keine Ahnung.

  2. Mein geliebtes Bamberg, was musst du alles erleiden…

    Hoffentlich muss ich keinen Nazisgesindel erblicken wenn ich später einen Kaffee in der Altstadt trinke.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...in der Altstadt, sondern wehre Dich gegen die Verbrecher.

    In Wunsiedel beispielsweise hat man sich viel zu lange weggeduckt. Manchmal sind Franken wirklich viel zu lange zu stoisch.

    ...in der Altstadt, sondern wehre Dich gegen die Verbrecher.

    In Wunsiedel beispielsweise hat man sich viel zu lange weggeduckt. Manchmal sind Franken wirklich viel zu lange zu stoisch.

    • eklipz
    • 04.06.2010 um 13:18 Uhr

    könnte das mangelnde Geschichtsinteresse von Teilen der jungen Generation bzw. mangelhafte Vermittlung.

    Das Problem mit Rechtsextremismus ist jedoch in Deutschland gegenwärtig kaum der Rede wert, wenn man es mit den Problemen in Russland und Teilen der ehemaligen Ostblockstaaten vergleicht.
    Selbst in Frankreich scheinen sie im Aufwind zu sein(Schändung jüdischer Friedhöfe). Man muss gestehen, dass die Politik in Deutschland diesbezüglich recht gut funktioniert, wie gesagt, im Vergleich.

    Ob die Bauern-Nazis in den USA der Rede wert sind - keine Ahnung.

    Antwort auf "Wovor ich Angst habe:"
  3. Man kann nur hoffen, das diese beiden "Parteien" sich gegenseitig in den Untergang stürzen.
    Man hat ja gesehen bei den Linken, wenn sich radikale Splittergruppen zusammenschließen und eine neue Partei gründen. Sowas brauchen wir am rechten Ende des Parteienspektrums jetzt nicht wirklich.

    Faszinierend und durchaus amüsant finde ich aber für wie dämlich Udo Voigt seine Wähler, bzw. Anhängerschaft hält:

    "[...] in der Öffentlichkeit aber möge man bitte auf "für den Wähler unverständliche Thematiken wie ‚Das Grundgesetz – Die Verfassung der Alliierten’" verzichten, weil "die weithin umerzogenen Bundesbürger dies als unverständliches ‚Parteichinesisch’ abtun." "

    Da ist er doch näher dran an seinem Führer, als er vielleicht glaubt.
    Denn auch Hitler hat den Arier für Strohdumm gehalten, gerade gut genug zum Fortpflanzen und als Kanonenfutter.

    Die Holocaustleugnungen und andere Straftaten von Voigt wollen wir mal gar nicht aufzählen.

    Aber bald hat diese Partei sowieso keine Mitglieder mehr, so gekonnt wie die sich selbst deformieren und Straftaten aller Art begehen:

    http://www.kraftfuttermis...

    Zu dem Thema kann ich nur wärmstens empfehlen:

    Serdar Somuncu - Mein Kampf, Nachlass eines Massenmörders !!!

  4. Wenn sich die NPD in Zukunft Bürgernäher gibt, dann werden die rechten Kameradschaften wieder Zulauf bekommen. Denn die Radikalen konnten sich bisher in der NPD ganz wohl fühlen.

    Das kann man jetzt schon sehen, in Brandenburg macht eine neu gegründete Kameradschaft mit einer Demonstrationsreihe auf sich aufmerksam. Am 19.06. auch bei mir in Strausberg. Aber es gibt Hoffnung, denn die demokratischen Mechanismen funktionieren noch immer gut. So hat sich ein breites Bündnis aus Parteien, Kirchen- & Wohlfahrtsverbänden, sowie Vereinen und Einzelpersonen gegründet ("Brandenburg-Nazifrei"), um Allmachtsfantasien der Nazis zum Platzen zu bringen.

  5. ...in der Altstadt, sondern wehre Dich gegen die Verbrecher.

    In Wunsiedel beispielsweise hat man sich viel zu lange weggeduckt. Manchmal sind Franken wirklich viel zu lange zu stoisch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was sollte ich denn ihrer Meinung nach tun, ohne mich lächerlich oder strafbar zu machen?
    Achso, von Polizisten verprügelt werden möchte ich auch nicht.

    Was sollte ich denn ihrer Meinung nach tun, ohne mich lächerlich oder strafbar zu machen?
    Achso, von Polizisten verprügelt werden möchte ich auch nicht.

    • Klaue
    • 04.06.2010 um 14:38 Uhr

    Meine lieblings-Satirezeitung "Der Postillon" hat einen Liveticker für den NPD-Parteitag in Bamberg eingerichtet:

    http://www.der-postillon....

    "12:08 Uhr Mittag-SSen: Frechheit, die Parteitagskantine nimmt keine Reichsmark an. So müssen Heilbutt, Bismarckgöring und Goebbelsalat leider mit dem verhassten Euro bezahlt werden."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service