Ampel-Koalition Lindner will FDP stärker an Rot-Grün binden

FDP-Generalsekretär Lindner erwartet für die Zukunft stärkeren Austausch zwischen SPD, FDP und Grünen. Man müsse wieder zu vernünftigen Diskussionen kommen.

Weg frei für die Ampel: FDP-General Lindner will seine Partei näher an Rot-Grün rücken

Weg frei für die Ampel: FDP-General Lindner will seine Partei näher an Rot-Grün rücken

In den vergangenen Jahren gab es für die FDP nur einen Koalitionspartner: die Union. Seit der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW), wo weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün eine Mehrheit haben, wollen viele Liberale diese eindeutige Festlegung lockern. Möglich wäre dann eine Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen, der zuletzt selbst Parteichef Guido Westerwelle wieder eine Chance eingeräumt hatte .

Nun äußert auch Generalsekretär Christian Lindner deutliche Sympathie für diese Konstellation. "Egal, wie es in NRW ausgeht: Danach muss es einen Gesprächsfaden zwischen FDP und SPD/Grünen geben", so plädierte er für eine dauerhafte Öffnung der Freien Demokraten zu Rot-Grün. Es müsse zwischen diesen Parteien eine "Atmosphäre des Austauschs von Argumenten" geben, betonte er. Man müsse zu einer vernünftigen Form der Diskussion zurückkommen.

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Ob diese Worte bei seinen Parteifreunden in Nordrhein-Westfalen auf Wohlwollen stoßen, darüber blühen die Spekulationen. "Im Landesverband gehen die Haltungen zu einer Ampel weit auseinander", sagt ein wichtiger NRW-Liberaler, der grundsätzlich "viel Sympathie" für diese Konstellation empfindet, zu ZEIT ONLINE. Eine Einschätzung, wie die Basis mehrheitlich denkt, sei "zurzeit unmöglich".

Kürzlich hatte sich FDP-Landeschef Andreas Pinkwart – nach anfänglicher Weigerung – doch zu Gesprächen mit der SPD-Landesvorsitzenden Hannelore Kraft und der Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann bereit erklärt . Im entsprechenden Beschluss des Landesvorstands heißt es: Im Fünf-Parteien-System bedürfe es "der Offenheit aller demokratischen Parteien bei der Regierungsbildung".

Seit dem Nachmittag sitzen die drei Parteien zusammen und loten die Chancen für ein gemeinsames Bündnis aus. Für Kraft ist es der dritte Anlauf zur Bildung einer neuen Regierung, nachdem die Runden mit der CDU bislang ergebnislos geblieben und die mit den Grünen sowie der Linkspartei gescheitert waren. Auch die aktuellen Gespräche gelten als schwierig – vor allem wegen der großen Differenzen zwischen FDP und Grünen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es in zentralen Bereichen wie Finanzen und Wirtschaft, vor allem bei den Themen Studiengebühren, Schulsystem, Energie- und Verkehrspolitik. In der Kommunalpolitik wollen die Grünen die FDP-Maxime "Privat vor Staat" brechen. "Ich sehe nicht, wie wir die inhaltlichen Differenzen mit den Grünen überwinden können", sagt ein FDP-Bundestagsabgeordneter aus NRW trocken.

Als weiterer Knackpunkt gilt das vergiftete Klima zwischen Grünen und FDP in Düsseldorf. Zwar versuchten sich alle Beteiligten in rhetorischer Abrüstung – die Spitzenpolitiker sagten, sie gingen "offen" in die Gespräche – , doch die Grünen erneuerten prompt ihre Forderung an die FDP nach einem politischen Richtungswechsel. Man wolle ausloten, "ob die FDP nicht nur politisch-strategisch jetzt 'Auf zu neuen Ufern' ist, sondern eben auch inhaltlich", sagte Löhrmann. Es gehe um die Frage, ob die Liberalen sähen, dass Schwarz-Gelb gescheitert sei und ob sie jetzt auch mitwirken wollten "an der sozial-ökologischen Erneuerung Nordrhein-Westfalens".

Sollte es keine gemeinsame Grundlage geben, stehen Rot-Grün noch zwei weitere Optionen offen: Neuwahlen oder aber die Bildung einer Minderheitsregierung samt Tolerierung durch die Linkspartei. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau wäre Kraft für diesen Schritt bereit und würde sich im Notfall auf diese Art zur Ministerpräsidentin wählen lassen. "Als letzte Option vor Neuwahlen würden wir natürlich auch diese Karte ziehen", verlautete dem Blatt zufolge aus dem SPD-Landesvorstand. Dies wäre auch schon mit Blick auf den Bundesrat erforderlich, wo die SPD die bisherige schwarz-gelbe Mehrheit beenden möchte.

Diese Option wird auch in Berlin goutiert – allerdings bislang so offen nur von den Linken. Parteichef Klaus Ernst bekräftigte, dass seine Partei die SPD-Kandidatin zur Regierungschefin wählen würde, wenn dies dazu beitrage, über den Bundesrat Sozialabbau zu stoppen.

Für eine Wahl zur Regierungschefin wäre Kraft allerdings nicht zwangsläufig auf die Hilfe der Linken im Landtag angewiesen . Die SPD-Politikerin könnte laut NRW-Verfassung auch mit einfacher Stimmenmehrheit zur Ministerpräsidentin gewählt werden, falls es im vierten Wahlgang zu einer Stichwahl mit einem Gegenkandidaten kommt. Rot-Grün verfügt im neuen Landtag über 90 Sitze, Schwarz-Gelb über 80, die Linke stellt elf Abgeordnete.

 
Leser-Kommentare
  1. Das fände ich richtig großartig! Zumindest theoretisch müsste dann bei Abstimmungen immer über die Sache an sich geredet und entschieden werden - eben nicht mehr nach dem Motto: was der politische Gegner will, will ich auf gar keinen Fall.

    Fände ich demokratischer als das jetzige Lager-Gezänk mit Koalitions-Zwang etc.

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    Zitat: "Das fände ich richtig großartig! Zumindest theoretisch müsste dann bei Abstimmungen immer über die Sache an sich geredet und entschieden werden - eben nicht mehr nach dem Motto: was der politische Gegner will, will ich auf gar keinen Fall."

    Ich denke auch, dass man es damit versuchen sollte. Klappt aber nur, wenn die Oppositionsfraktionen kompromissbereit sind und die Regierung mit ihrer negativen Mehrheit nicht auflaufen lassen. Dann bleiben nur noch Neuwahlen, bei denen die destruktiven Taktiker hoffentlich baden gehen.

    Zitat: "Das fände ich richtig großartig! Zumindest theoretisch müsste dann bei Abstimmungen immer über die Sache an sich geredet und entschieden werden - eben nicht mehr nach dem Motto: was der politische Gegner will, will ich auf gar keinen Fall."

    Ich denke auch, dass man es damit versuchen sollte. Klappt aber nur, wenn die Oppositionsfraktionen kompromissbereit sind und die Regierung mit ihrer negativen Mehrheit nicht auflaufen lassen. Dann bleiben nur noch Neuwahlen, bei denen die destruktiven Taktiker hoffentlich baden gehen.

    • NoG
    • 08.06.2010 um 20:08 Uhr

    bringen nichts, fragen sie herrn seehofer:

    "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt ... und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden."

    http://www.youtube.com/wa...

    • Kenjin
    • 08.06.2010 um 20:10 Uhr

    Mit diesen Aussagen wird die FDP immer unglaubwuerdiger. Koalition mit den "Linken (Rot Gruen in diesem Falle)" erst strikt ablehnen, dann ja, dann wieder nein, dann vielleicht und jetzt doch irgendwie wieder.
    Die FDP muesste rech viel von ihren Plaenen aufgeben mit Rot-Gruen. Ich glaube, die FDP geht lieber stolz in die Opposition, um Basis und Waehler nicht mehr zu veraergern.

    Nebenbei ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass der gute Herr Linder wahnsinnige Aehnlichkeit mit Adam Monroe hat?
    http://en.wikipedia.org/w...

  2. Besser Rot und Grün gehen ihren gemeinsamen Weg, aber wenn die gelben Bundesversager ihren Tüv Stempel nun über NRW verlängern, dann werden wir sie nie los.....

    • Buh
    • 08.06.2010 um 21:05 Uhr

    Wäre gut. So können Rot-Grün das meiste Ihrer Politik durchsetzen und die schlimmen Schwenker nach rechts könnten die Linken dann blockieren. Sie brauchen ja nur zwei aus der Opposition die Zustimmen um die Mehrheit zu haben. Insofern wäre doch mit einer Minderheitenregierung sogar mehr programmatisch umzustezen als mit FDP zusammen, die ja dann mindestens ein Ministerium verschandeln dürften.

  3. Herr Lindner ist ein liberal, scharfsinniger "Jungtürke", den man nie unterschätzen sollte, auch wenn er noch so polemisch einher kommt und überall gezielte Provokation austeilt, die er taktisch einsetzt. Meines Wissens hat er Philosophie studiert, was ihn von all den Juristen, Betriebswirtschaftlern und Ökonomen wesentlich unterscheidet. Westerwelle fing als JuLi an und war immer nur ein publikumsgeiler Selbstdarsteller mit einer subtil eingesetzten brachialpopulistischen Rhetorikbegabung, die aber bei genauerer Betrachtung schnell zu durchschauen war. Lindner dagegen macht den Intellektuellen mit Durchsetzungkraft, der auch mal kräftig austeilt, aber immer mit einem sicheren Gespür für Sprache und Wortwahl. Lindner durchschaut als Kenner der Philosophie sicherlich das Haltbarkeitsdatum für diese "liberal/konservative" Regierung, er lotet jetzt schon aus, was taktisch für die Zukunft opportun erscheint - Seitenwechsel.
    In NRW hat die FDP noch die Chance für eine gewisse Zeit nicht aus allen Landtagen herausgewählt zu werden, Herr Pinkwart ist als Steigbügelhalter für eine Ampel auserkoren. Sollte das tatsächlich geschehen, muss sich die FDP allerdings von der radikalliberalen Wirtschaftspolitik verabschieden und in ihren Archiven nachschauen, wie das Duo Genscher/Lambsdorf zu Zeiten der sozialliberalen Koalition diese Kehrtwendung hingetrickst haben. Lindner verkörpert einen neuen Typus des Wendehalses, indem er mit einem Januskopf durch die Republik läuft.

    W. Neisser

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    • Buh
    • 08.06.2010 um 21:08 Uhr

    "Meines Wissens hat er Philosophie studiert, was ihn von all den Juristen, Betriebswirtschaftlern und Ökonomen wesentlich unterscheidet"

    Es gibt keine fieseren Leutchen als FDP-Taugliche Philosophen. Das sind Leute die an der MAterie vorbeistudiert haben und üüberhaupt keine soziale Kompetenz entwwickeln können. Die lernen meist nur auswendig und verbringen den Rest ihrer zeit in Rethorikkurse.

    ...wer da wohl wem eine Chance geben soll?
    Oder doch nur der nackte Kampf ums überleben, für die FDP?

    Das "Möchtegern Zünglein-an-der-Waage" erfindet sich gerade neu!

    • Buh
    • 08.06.2010 um 21:08 Uhr

    "Meines Wissens hat er Philosophie studiert, was ihn von all den Juristen, Betriebswirtschaftlern und Ökonomen wesentlich unterscheidet"

    Es gibt keine fieseren Leutchen als FDP-Taugliche Philosophen. Das sind Leute die an der MAterie vorbeistudiert haben und üüberhaupt keine soziale Kompetenz entwwickeln können. Die lernen meist nur auswendig und verbringen den Rest ihrer zeit in Rethorikkurse.

    ...wer da wohl wem eine Chance geben soll?
    Oder doch nur der nackte Kampf ums überleben, für die FDP?

    Das "Möchtegern Zünglein-an-der-Waage" erfindet sich gerade neu!

    • Buh
    • 08.06.2010 um 21:08 Uhr

    "Meines Wissens hat er Philosophie studiert, was ihn von all den Juristen, Betriebswirtschaftlern und Ökonomen wesentlich unterscheidet"

    Es gibt keine fieseren Leutchen als FDP-Taugliche Philosophen. Das sind Leute die an der MAterie vorbeistudiert haben und üüberhaupt keine soziale Kompetenz entwwickeln können. Die lernen meist nur auswendig und verbringen den Rest ihrer zeit in Rethorikkurse.

    Antwort auf "Seitenwechsel"
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    Es geht nicht um Menschen oder Studenten, die Philosophie studiert haben, sondern um die Person des Politikers Lindner. In meinem Kommentar wird dieser Herr keineswegs verteidigt, auch nicht als Philosoph hochgelobt, sondern als Sophist enttarnt. Wenn man diesen Begriff überhaupt noch in unsere Zeit transportieren kann. Mir geht es um die Analyse politischer Schachzüge und nicht um irgendwelche Gestalten, die in sich in Philosophieseminaren unlöblich hervorgetan haben. Mir ist es wichtig, Zusammenhänge aufzudecken und nicht in Klein-Klein zu denken. Das sollte auch im Philosophiestudium heute noch gelehrt werden.

    W. Neisser

    Es geht nicht um Menschen oder Studenten, die Philosophie studiert haben, sondern um die Person des Politikers Lindner. In meinem Kommentar wird dieser Herr keineswegs verteidigt, auch nicht als Philosoph hochgelobt, sondern als Sophist enttarnt. Wenn man diesen Begriff überhaupt noch in unsere Zeit transportieren kann. Mir geht es um die Analyse politischer Schachzüge und nicht um irgendwelche Gestalten, die in sich in Philosophieseminaren unlöblich hervorgetan haben. Mir ist es wichtig, Zusammenhänge aufzudecken und nicht in Klein-Klein zu denken. Das sollte auch im Philosophiestudium heute noch gelehrt werden.

    W. Neisser

  4. ... heißt nur lange genug vorm Spiegel zu stehen.

    HeinzRudolfKunze

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    . . . . . . ist eine psychologische Perzeptionslüge. Ich kenne den Menschen im Spiegel nicht, auch nicht den Menschen "ich" auf einen Foto, ich kann nur vermuten, dass ich Ich bin, aber auch das ist unwesentlich, denn Spiegel sind für mich immer andere Menschen, wenn überhaupt. In meinem Blick von innen nach außen und umgekehrt sehe ich immer wieder andere Persönlichkeiten. Mal Kind, mal Greis. Wenn das bei Politikern und anderen Machtmenschen auch der Fall wäre, wäre es um einiges besser gestellt um unsere Gesellschaft.

    Grüße aus dem Rheinland Herr Kunze

    W. Neisser

    . . . . . . ist eine psychologische Perzeptionslüge. Ich kenne den Menschen im Spiegel nicht, auch nicht den Menschen "ich" auf einen Foto, ich kann nur vermuten, dass ich Ich bin, aber auch das ist unwesentlich, denn Spiegel sind für mich immer andere Menschen, wenn überhaupt. In meinem Blick von innen nach außen und umgekehrt sehe ich immer wieder andere Persönlichkeiten. Mal Kind, mal Greis. Wenn das bei Politikern und anderen Machtmenschen auch der Fall wäre, wäre es um einiges besser gestellt um unsere Gesellschaft.

    Grüße aus dem Rheinland Herr Kunze

    W. Neisser

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