Kaum werden die Details des Sparpakets der Bundesregierung konkret, melden sich die Gegner zu Wort. Die SPD kündigte erbitterten Widerstand gegen zu drastische Sozialkürzungen an. Das Hauptproblem beim Sparpaket der Bundesregierung seien die geplanten Kürzungen bei denen, die sich kaum wehren könnten, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles dem NDR. "Wir haben mit den Gewerkschaften, mit den Sozialverbänden, den Umweltverbänden durchaus Verbündete – und wir werden diese soziale Unwucht, die sich abzeichnet, nicht akzeptieren können."

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sieht den sozialen Frieden in Deutschland gefährdet. Seine Partei werde mit den Gewerkschaften eine gemeinsame Front bilden, um einen "neuen Lastenausgleich" zwischen Arm und Reich zu organisieren, sagte er im Deutschlandfunk. Es gehe um eine solidarische Lastenverteilung.

Nahles ergänzte, auf der anderen Seite traue sich die Bundesregierung nicht, zum Beispiel Spekulanten zu besteuern, um so die Einnahmesituation zu verbessern. "So könnte vielleicht die eine oder andere drastische Sparmaßnahme nicht nötig werden." Sie fände es nur angemessen, wenn nun auch die Verursacher der Finanzkrise für die notwendigen Konsolidierungsprogramme herangezogen würden. "Die kleinen Leute müssen wieder dafür einstehen, was Einige, die offensichtlich zu viele Risiken eingegangen sind, verjuxt haben", sagte Nahles. Insoweit sei es nicht gerecht, nur einseitig zu sparen.

Auch Oppermann sagte, "die Leute dürfen nicht das Gefühl bekommen, die Regierung rettet die Banken, Griechenland und den Euro, aber wenn es um das normale Leben der Menschen geht, dann schützt sie niemanden". Dadurch könne das Vertrauen der Bundesbürger in die Demokratie bröckeln.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte sich bei ihrer Klausur im Kanzleramt in wesentlichen Punkten auf das Sparpaket verständigt. Geplant sind demnach Kürzungen bei Sozialhilfen und in der Familienförderung. Das Elterngeld soll gedeckelt werden.

Auch die Gewerkschaften kritisierten die Pläne und kündigten Widerstand an. "Das ist eine Geschichte, die nicht geht und die wir auch nicht mitmachen werden", sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer. Sein Kollege von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, warnte, die Bundesregierung belaste "einseitig die Schwachen in der Gesellschaft, statt starke Schultern angemessen zur Finanzierung des Gemeinwesens heranzuziehen".

SPD-Politiker Oppermann forderte die Regierung auf, auch das umstrittene Wachstumsbeschleunigungsgesetz, zu dem auch die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen gehört, zurückzunehmen. Allein diese Maßnahme brächte sofort 5,6 Milliarden Euro für die öffentliche Hand.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, forderte, die ebenfalls geplante Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate von der Tagesordnung zu nehmen. "Die Verkürzung des Wehrdienstes in diesem Schweinsgalopp durchzuziehen, ist abenteuerlich." Dies gelte umso mehr, als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mittlerweile über eine komplette Aussetzung der Wehrpflicht nachdenke.

Nach der vom Kabinett im Mai beschlossenen Verkürzung des bisher neunmonatigen Wehrdienstes sollen pro Jahr künftig 50.000 junge Männer einberufen werden, 10.000 mehr als bisher. Allerdings strebt das Bundesfinanzministerium Einschnitte von 600 Millionen Euro im kommenden Jahr und 1,1 Milliarden Euro für 2012 im Verteidigungsetat an. Weil dafür insgesamt 40.000 Stellen für Berufs- und Zeitsoldaten gestrichen werden sollten, soll Verteidigungsminister Guttenberg vorgeschlagen haben, die Wehrpflicht auszusetzen.