Bundestag Eklat im Kundus-Untersuchungsausschuss

Die Koalition will künftig die Öffentlichkeit vom Ausschuss ausschließen. Die Opposition sieht darin ein Manöver, um Merkel und Guttenberg die Befragung zu ersparen.

Die Koalitionsparteien haben angekündigt, die Öffentlichkeit vom Kundus-Untersuchungsausschuss künftig ausschließen zu wollen. Diesen Donnerstag wollen Union und FDP einen Antrag einbringen, der die bisherige Praxis beendet, dass Politiker und Spitzenmilitärs im Ausschuss in Gegenwart von Journalisten und Zuschauern befragt werden. Grund dafür seien rechtliche Bedenken, dass die öffentliche Anhörung gegen das Gesetze verstoße, sagt Ernst-Reinhard Beck, verteidigungspolitischer Sprecher der Union. Lediglich in geprüften Einzelfällen sei die Union bereit, davon abzuweichen. "Die öffentlichen Sitzungen haben vor allem der Selbstdarstellung der Opposition gedient", sagte Beck. Die drei Regierungsparteien verfügen im Ausschuss über eine große Mehrheit.

Der Untersuchungsausschuss besteht ausschließlich aus Mitgliedern des Verteidigungsausschusses. Dieser kann sich selber einen Untersuchungsauftrag geben. Das Grundgesetz schreibt dem Verteidigungsausschuss jedoch eine strikte Geheimhaltung vor, wenn sicherheitsrelevante Themen behandelt werden. Selbst Parlamentarier aus anderen Ausschüssen dürfen an dessen Sitzungen nicht teilnehmen. Öffentlichkeit ist nicht vorgesehen. Der Geheimnisschutz ist nur eines der Probleme, das Siegfried Kauder, Abgeordneter der Union, ausgemacht hat. In einem Rechtsgutachten heißt es: "Die Anordnung der grundsätzlich öffentlichen Anhörung von Zeugen der politischen Leitungsebene ist rechtswidrig."

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Die Union will nun, dass die Opposition beantragen muss, wenn sie einen Zeugen öffentlich befragen will. Mit der Mehrheit der Regierungsparteien kann dies jedoch jederzeit abgelehnt werden. Und wie das aussehen soll, zeigt bereits die heutige Sitzung: Aus Zeitgründen wurde mit dem beamteten Staatssekretär Rüdiger Wolf lediglich ein Zeuge geladen. Aus der CDU war zu hören, dass selbst der Staatssekretär hinter verschlossenen Türen befragt werden soll.

Politiker der Opposition sehen damit den Untersuchungsausschuss vor dem Aus. Er wurde vor einem halben Jahr zur Aufklärung der Tanklaster-Bombardierung bei Kundus am 4. September und den zahlreichen Kommunikationspannen im Verteidigungsministerium gegründet. Abgeordnete der SPD drohten bereits, die Arbeit des Ausschusses sofort zu beenden und stattdessen einen neuen, vom Verteidigungsausschuss unabhängigen Untersuchungsausschuss einzurichten. Das berichten Teilnehmer eines Abstimmungsgesprächs.

Denn zu Beginn der Aufklärungsarbeit hatten die sechs Parteien sich auf einen Kompromiss geeinigt: "Mitglieder der politischen Leitungsebene (Mitglieder der Bundesregierung, beamtete und parlamentarische Staatssekretäre, Abteilungsleiter und Pressesprecher) und militärischen Führung (Generalinspekteur und Stellvertreter) werden grundsätzlich in öffentlicher Sitzung einvernommen." Dieser Einigung war bereits ein intensiver Streit vorausgegangen.

Juristen der Bundestagsverwaltung und der Parteien hatten im Dezember diese Einigung überprüft und keine grundsätzlichen Bedenken geäußert – schließlich wurde das Verfahren so bisher in den Befragungen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg , seinem Vorgänger Franz-Josef Jung , Ex-Staatssekretär Peter Wichert und des ehemaligen Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan umgesetzt.

Und auf diese politische Verabredung verweist auch Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD. "Das war überhaupt der eigentliche Grund, weshalb die Oppositionsparteien nicht auf die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschuss nach Art. 44 des Grundgesetzes bestanden haben, der ein viel größeres Maß an Öffentlichkeit und Transparenz bedeutet hätte." Die SPD sieht sich von der Union getäuscht. "Wenn die Koalition das mit ihrer Mehrheit gegen unseren Willen beschließt, ist das ein einmaliger Vorgang und eine Beschädigung des Vertrauensverhältnisses", sagt Arnold ZEIT ONLINE. "Wir haben mehrfach Zeugen in öffentlicher Sitzung befragt. Diese Praxis nun plötzlich zu ändern, macht keinen Sinn."

Leser-Kommentare
    • Buh
    • 17.06.2010 um 11:00 Uhr

    Union und FDP bekommen gerade ziemlich Angst, dass ihre Gallionsfiguren Guttenberg und Merkel gestürtzt werdenkönnte. Jemand der nichts Dreck am Stecken hat, würde sich nicht dagegen wehren, diese Sache öffentlich aufzuklären.
    Die Argumentation der Koalition ist absoluter Humbug und nicht nachvollziehbar.
    Ich hoffe die opposiiton bleibt dran. Guttenberg hat sich meiner Meinung nach Schuldig gemacht. Er hat das Volk vorsätzlich falsch informiert und dadurch die egsamte Aufkläärung um Kundus in solche Bahnen geführt, welche für die Regierung am passendesten ist.

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    • joG
    • 17.06.2010 um 17:46 Uhr

    ....dass man einen Politiker stürzt? Wofür auch? Ein wenig gelogen, ein wenig die Verfassung gedehnt oder kreativ interpretiert..... Für so etwas wird man hier nicht bestraft. Seien Sie doch reel. Außerdem sind die wirklichen Brisanzen von der SPD und den Grünen eingeleitet und mit getragen worden. Zwar sind Figuren wie Schröder und Fischer weg, aber die Partei hatte die damaligen und späteren Entscheidungen doch auch getragen.

    • joG
    • 17.06.2010 um 17:46 Uhr

    ....dass man einen Politiker stürzt? Wofür auch? Ein wenig gelogen, ein wenig die Verfassung gedehnt oder kreativ interpretiert..... Für so etwas wird man hier nicht bestraft. Seien Sie doch reel. Außerdem sind die wirklichen Brisanzen von der SPD und den Grünen eingeleitet und mit getragen worden. Zwar sind Figuren wie Schröder und Fischer weg, aber die Partei hatte die damaligen und späteren Entscheidungen doch auch getragen.

  1. Die Vorfälle in Kunduz haben zu Guttenberg in sein Amt geholfen. Die verfehlte "Informationspolitik" hat nie wirklich jemanden gestört, die Verantwortung für den Vorfall selber reichte bloß nicht bis nach Berlin. Für mich entstand immer der Eindruck das hier nachgeholfen wurde um am Personalkarussel zu drehen.

    Auch nach dem Lesen des "Geheimen" ISAF-CAS-Kunduz Berichts : http://tinyurl.com/yd9xonc ist mir nicht klar welche Verfehlungen im Bundesministerium der Verteidigung wirklich gemacht wurden, und welche so stark gepusht wurden das die Verhältnisse sich ändern "mussten".

    Meiner MEINUNG nach war das Vorgehen des Oberst Klein gerechtfertigt. Mängel in der Kommunikation und in der Aufklärung haben von ihm diese "einsame Entscheidung" gefordert und er hat die richtige WAhl getroffen.

    Die unklaren und sich wiedersprechenden Aufklärungsdaten und Berichterstattung konnten auch zu keinen klaren Aussagen des BMVg führen. Warum es nachträglich immerwieder verlangt wurde bleibt fraglich.

    Es wird schwierig für Merkel und Guttenberg wenn sie wirklich zu den Ereignissen (aus Berlin !)aussagen müssten.

  2. wie soll sich ein Bürger ein richtiges Urteil bilden, wenn ihm Informationen für die Entscheidungsfindung vorenthalten werden.

    Für ein bestmögliches Urteil ist immer die Vollständigkeit der zugrunde liegenden Informationen erforderlich.

    Unsere Scheindemokratie, so schwach sie auch ausgeprägt ist, wird immer weiter mit Füßen getreten. Wähler entfernt solche Leute aus Ihren Ämtern. Für mich sind das schlichte Verfassungsfeinde.

  3. ...das werde ich bei der nächsten - vorgezogenen - Bundestagswahl mit der ganzen Kraft meiner rechten Finger in der Wahlkabine veranlassen.

  4. dass die Wahrheit über Kunduz noch während Merkels Regentschaft ans Licht kommt.

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    aber die Bürger haben ein Recht darauf. So offenkundig die Demokratie mit Füßen zu treten ist schon ein starkes Stück.
    Die Arroganz unserer Eliten ist einfach unerträglich.

    Wäre das ein Strafverfahren, hätten wir jetzt den Bescheid:

    Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt.

    aber die Bürger haben ein Recht darauf. So offenkundig die Demokratie mit Füßen zu treten ist schon ein starkes Stück.
    Die Arroganz unserer Eliten ist einfach unerträglich.

    Wäre das ein Strafverfahren, hätten wir jetzt den Bescheid:

    Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt.

  5. Bitte verzichten Sie auf NS-Vergleiche. Danke, die Redaktion/vv

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    ...die ich bestens verstehen kann. Wir haben zum Glück längst andere Möglichkeiten - u.a. die Möglichkeit, Kommentare zu veröffentlichen. Wieder ein Riesenfehler der Regierung - ich finde das toll. Die sind ganz schnell weg von der Macht - ohne RAF.

    • zacc
    • 17.06.2010 um 11:45 Uhr

    Oh schön. Wenn es die RAF wieder gäbe, würde das sicher viele nette Repressalien gegenüber der Bevölkerung erlauben, vielleicht ein bisschen mehr prophylaktische Überwachung ? Wer weiß das schon.
    Am Ende würde Kanzlerin Merkel noch mit Kriegsrecht regieren dank Ihnen und der RAF, ich würde es Ihnen herzlich danken.

    Sie sind leider ungeeignet für die RAF. Sie sollten lieber zu den Taliban gehen, die suchen nämlich noch verblendete Bombenträger denen keiner eine Träne nachweint.

    • joG
    • 17.06.2010 um 17:50 Uhr

    .....zu den großen Themen der deutschen Geschichte des 20ten Jahrhundert sehr angebracht sind, selbst zu Aspekten, die man an den Unis diskutiert, sind die Medien hier recht zurückhaltend. Man will nicht, dass auf die Gefahr verwiesen wird, die in diesem Land zusammen sich zieht und schon gar nicht will man, dass man auf die peinlichen Ähnlichkeiten hinweist, die zwischen heute und Gestern für den Ausländer klar ersichtlich bestehen.

    ...die ich bestens verstehen kann. Wir haben zum Glück längst andere Möglichkeiten - u.a. die Möglichkeit, Kommentare zu veröffentlichen. Wieder ein Riesenfehler der Regierung - ich finde das toll. Die sind ganz schnell weg von der Macht - ohne RAF.

    • zacc
    • 17.06.2010 um 11:45 Uhr

    Oh schön. Wenn es die RAF wieder gäbe, würde das sicher viele nette Repressalien gegenüber der Bevölkerung erlauben, vielleicht ein bisschen mehr prophylaktische Überwachung ? Wer weiß das schon.
    Am Ende würde Kanzlerin Merkel noch mit Kriegsrecht regieren dank Ihnen und der RAF, ich würde es Ihnen herzlich danken.

    Sie sind leider ungeeignet für die RAF. Sie sollten lieber zu den Taliban gehen, die suchen nämlich noch verblendete Bombenträger denen keiner eine Träne nachweint.

    • joG
    • 17.06.2010 um 17:50 Uhr

    .....zu den großen Themen der deutschen Geschichte des 20ten Jahrhundert sehr angebracht sind, selbst zu Aspekten, die man an den Unis diskutiert, sind die Medien hier recht zurückhaltend. Man will nicht, dass auf die Gefahr verwiesen wird, die in diesem Land zusammen sich zieht und schon gar nicht will man, dass man auf die peinlichen Ähnlichkeiten hinweist, die zwischen heute und Gestern für den Ausländer klar ersichtlich bestehen.

  6. aber die Bürger haben ein Recht darauf. So offenkundig die Demokratie mit Füßen zu treten ist schon ein starkes Stück.
    Die Arroganz unserer Eliten ist einfach unerträglich.

    Wäre das ein Strafverfahren, hätten wir jetzt den Bescheid:

    Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt.

  7. ...die ich bestens verstehen kann. Wir haben zum Glück längst andere Möglichkeiten - u.a. die Möglichkeit, Kommentare zu veröffentlichen. Wieder ein Riesenfehler der Regierung - ich finde das toll. Die sind ganz schnell weg von der Macht - ohne RAF.

    Antwort auf "[entfernt]"
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    Doch welcher Prozentsatz der Bevölkerung liest denn die Kommentare in den Online-Auftritten der Mainstreammedien bzw. sonstiger Foren. Politik ist Propaganda, so ist's nunmal leider.
    Mittlerweile ist's leider auch egal, ob man Union, SPD, FDP oder Grüne wählt. Einzige Alternative - momentan, ändert sich wohl auch - wären die Linken, die allerdings innenpolitisch recht lächerlich agieren.

    • joG
    • 17.06.2010 um 17:55 Uhr

    Wer ist schnell weg von der Macht? Welche Alternative wollen Sie als Alternative denn anerkennen? Es sind alle Parteien etatistisch und hängen einer verbrauchten und gescheiterten Ideologie nach. Selbst die FDP ist kaum als "liberal" zu bezeichnen; zumindest nicht, wenn man liberal meint.

    Doch welcher Prozentsatz der Bevölkerung liest denn die Kommentare in den Online-Auftritten der Mainstreammedien bzw. sonstiger Foren. Politik ist Propaganda, so ist's nunmal leider.
    Mittlerweile ist's leider auch egal, ob man Union, SPD, FDP oder Grüne wählt. Einzige Alternative - momentan, ändert sich wohl auch - wären die Linken, die allerdings innenpolitisch recht lächerlich agieren.

    • joG
    • 17.06.2010 um 17:55 Uhr

    Wer ist schnell weg von der Macht? Welche Alternative wollen Sie als Alternative denn anerkennen? Es sind alle Parteien etatistisch und hängen einer verbrauchten und gescheiterten Ideologie nach. Selbst die FDP ist kaum als "liberal" zu bezeichnen; zumindest nicht, wenn man liberal meint.

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