Guido Westerwelle Der unsichtbare Außenminister
Wofür steht die schwarz-gelbe Außenpolitik? Das fragen sich Diplomaten und Politiker. Guido Westerwelle gibt keine Antworten. Von H. Friederichs und M. Schlieben
Der blonde Junge steht auf einem Holzgerüst, neben seinem Vater. Beide blicken in den Osten. Sie sehen das verschlossene Brandenburger Tor, die Mauer und den Todesstreifen. Sie sehen ein geteiltes Land, das für ein Europa voller Grenzen steht.
Mehr als 35 Jahre später steht der einstige Jugendliche wieder in der Nähe des Brandenburger Tors. Diesmal unter dem Glasdach der Allianz Kulturstiftung am Pariser Platz. Vor ihm sitzen ergraute Herren des Netzwerks Europäische Bewegung. Eine große Pferdeskulptur steht am Rand. Kameras sind auf den Redner gerichtet.
Guido Westerwelle spricht über die Themen, die ihm wichtig sind: die Stabilität des Euro, die Bestrafung von Defizitsündern, bessere Kontrollmechanismen, eine Schuldenbremse für Europa und eine Transaktionssteuer für Finanzmärkte. Eigentlich ist die Ansprache als Grundsatzrede zur europäischen Außenpolitik angekündigt. Tatsächlich aber dreht sie sich vor allem um Finanz- und Wirtschaftspolitik. Einen originellen, neuen Gedanken enthält sie nicht. Stattdessen wirbt Westerwelle für Regulierungsinstrumente, unter anderem für solche, die seine Partei vor Kurzem noch bekämpft hat .
Wofür steht der liberale Außenminister? Das fragen sich auch die Mitarbeiter in seinem Haus, die deutschen Botschafter und ihre Kollegen aus der ganzen Welt in Berlin. Gibt es eine Agenda Westerwelle? Was will der FDP-Chef außenpolitisch erreichen, der sich vor seinem Amtsantritt vor allem mit der deutschen Innenpolitik beschäftigt hat? Eindeutig ist das nicht zu beantworten.
Der Reihe nach: Vor etwas mehr als einem Jahr, als Westerwelle noch Oppositionsführer war, hielt er schon einmal eine Grundsatzrede. Im Haus der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik schwärmte er von der Vision Barack Obamas: der nuklearen Abrüstung. Gleichzeitig verlangte Westerwelle den Abzug der rund 20 US-Atombomben aus Deutschland. Immer wieder hat er seither diese Forderung wiederholt, das Thema ist ihm wichtig. Kritiker indes sagen, er habe sich das Sprengkopf-Thema bloß ausgesucht, weil es populär sei.
Erfolgreich war der Vorstoß jedenfalls nicht. Dass er die US-Regierung lautstark zum Handeln aufforderte, kam nicht gut an. Brüsk wiesen ihn Hillary Clinton und andere Amtskollegen zurück. In dieser heiklen Frage wäre ein wenig Vorbereitung und Hinterzimmer-Diplomatie angebracht gewesen, wurde er belehrt.
Westerwelle liebäugelte schon als Generalsekretär öffentlich mit dem Auswärtigen Amt. Dennoch tut er sich noch immer schwer, den richtigen Ton zu treffen. Nach fast einem Jahr sind erste Akzente oder gar Erfolge kaum zu erkennen. Polen sei ihm wichtig, sagt er immer wieder. Seine erste Auslandsreise ging nach Warschau ; Erika Steinbach hat er in der Stiftung für Vertreibung verhindert, als Zeichen der Entspannungspolitik. Bilaterale Beziehung aufzubauen, brauche Zeit, wirbt Westerwelle um Verständnis. Allerdings ist das eines seiner größten Probleme. Seine Anhänger sind ungeduldig. Sie haben ihn als Politiker kennen gelernt, der täglich Knalleffekte und Slogans liefert. Als deutscher Chefdiplomat geht das nicht mehr.
Danach reiste er nach Südamerika, nach Argentinien und Brasilien. "Westerwelle trommelt für die deutsche Wirtschaft", lauteten zunächst die Schlagzeilen in Deutschland, ganz in seinem Sinne. Tatsächlich versteht Westerwelle Außenpolitik immer auch als Außenhandelspolitik. Die Liberalen waren zu Beginn der Koalition sehr stolz darauf, eine ministerielle Achse installiert zu haben, die dafür zuständig ist: Außen-, Wirtschafts-, und Entwicklungshilfeministerium (bei letzterem wird gern betont, es sei eigentlich ein Ministerium für "wirtschaftliche Zusammenarbeit"). So vermeide man Reibungsverluste, hieß es. Auf einen großen Wurf aus den Häusern Westerwelle, Brüderle, Niebel wartet man bisher aber vergeblich.
- Datum 24.06.2010 - 09:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 52
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Einwohnern wird von einer "Gurkentruppe" regiert.
Wenn das Bismarck wüsste ...
....80.000.000 Menschen ließen und lassen zu, dass sie so regiert werden, wie sie regiert werden. Dass die Politiker und öffentlichen Diener dann so handeln, wie sie handeln, darf man nicht ihnen vorwerfen.
Leider richtig. Unser "geschnürter" Außen-Innen-Wirtschaftsminister zeigt jedoch leider nicht, was sein eigentliches Ziel ist. Er vertritt nämlich so lange die Realisierung von Steuerermäßigungen (unter Druck und als Machtmittel gegen Frau Merkel), bis dem Staat das Geld für wichtige Projekte eindeutig fehlt. Dann bietet er zwei Rettungswege an: 1. Noch mehr Kredite (das gefällt den Bänkern) oder 2. Privatisierung (das gefällt den Vermögenden). Beide Angebote garantieren Gewinne und werden dafür sorgen, dass diese maximiert werden. Dies geschieht nach zwei effizienten Methoden: Methode [A] wie "Arbeit", (bringt nicht viel) oder Methode [B] wie "Betrug" (garantiert Gewinne).Und Politiker dieser schlechtesten Regierung seit 1949 halten auch noch mit schlechten Gesetzen, von den Bänkern und Vermögenden mit erstellt, Türchen offen, um Methode B schamlos nutzen zu können. Wie sagte der russische Kriegsgefangene, als er zum ersten Mal ein Eichhörnchen sah? "Armes Deutschland, kleines Fuchs!" Der ersten Satzteil schwirrt ständig durch meinen Kopf: "Armes Deutschland...". Diese Regierung haben wir nicht verdient.
dann wäre der Bismarckhering ein Rollmops
....80.000.000 Menschen ließen und lassen zu, dass sie so regiert werden, wie sie regiert werden. Dass die Politiker und öffentlichen Diener dann so handeln, wie sie handeln, darf man nicht ihnen vorwerfen.
Leider richtig. Unser "geschnürter" Außen-Innen-Wirtschaftsminister zeigt jedoch leider nicht, was sein eigentliches Ziel ist. Er vertritt nämlich so lange die Realisierung von Steuerermäßigungen (unter Druck und als Machtmittel gegen Frau Merkel), bis dem Staat das Geld für wichtige Projekte eindeutig fehlt. Dann bietet er zwei Rettungswege an: 1. Noch mehr Kredite (das gefällt den Bänkern) oder 2. Privatisierung (das gefällt den Vermögenden). Beide Angebote garantieren Gewinne und werden dafür sorgen, dass diese maximiert werden. Dies geschieht nach zwei effizienten Methoden: Methode [A] wie "Arbeit", (bringt nicht viel) oder Methode [B] wie "Betrug" (garantiert Gewinne).Und Politiker dieser schlechtesten Regierung seit 1949 halten auch noch mit schlechten Gesetzen, von den Bänkern und Vermögenden mit erstellt, Türchen offen, um Methode B schamlos nutzen zu können. Wie sagte der russische Kriegsgefangene, als er zum ersten Mal ein Eichhörnchen sah? "Armes Deutschland, kleines Fuchs!" Der ersten Satzteil schwirrt ständig durch meinen Kopf: "Armes Deutschland...". Diese Regierung haben wir nicht verdient.
dann wäre der Bismarckhering ein Rollmops
Biogurken wären...
Das sind die großen Rätsel, die uns Herr Westerwelle aufgibt.
Das Deutsch/Fräzösische Verhältnis ist schlecht wie nie, durch Merkel verursacht.
Hier ist eine "saftige grüne Wiese" , die er nur "abmähen" müßte , um sich Reputation zu verschaffen.
Es scheint, dass Merkel ihn durch perönliche Gespräche und hofieren derart eingelullt hat, dass er nur noch sein Amt verwaltet, weil er froh ist noch drin zu sein (mit Merkels Gnaden). Er hat immer noch nicht verstanden, dass Merkel seine größte Gegenerin ist und ihn auf diese Weise in die politische Bedeutungslosigkeit treiben wird.
Dafür ließ er es sich nicht nehmen von Merkel innenpolitsch eingespannt zu werden und das Feld für die Kürzung von HartzIV Leistungen zu sondieren, damit Merkel beim ansschließenden Sparpaket glimpflich davonkam, da der Strum der Entrüstung sich schon gegen Westerwelle entladen hatte.
Merkt er diese Instrumentalisierung nicht?
Sehr merkwürdig....
Irgendwie muss Westerwelle seinem Ruf als politische Luftpumpe ja gerecht werden. :-)
Irgendwie muss Westerwelle seinem Ruf als politische Luftpumpe ja gerecht werden. :-)
Westerwelle schweigt.
Irgendwie muss Westerwelle seinem Ruf als politische Luftpumpe ja gerecht werden. :-)
Während seines Studiums wurde er von seinen Eltern (Anwälten) ausgehalten. Nach dem Studium hat er einige Jahre bei Papa mitarbeiten dürfen, ob er da wirklich gearbeitet hat?
Dann, sofort Generalsekret bei der FDP.
Fazit: Der Kerl hat NIE in seinem Leben richtig arbeiten müssen. Schon als Studenten müssen normale Leute dazuverdienen. Er kennt das nicht.
Was soll man von so einem anderes erwarten?!
Er kennt das nicht."
Das für mich interessante ist jetzt ja, Westerwelle demontiert sich selber und wird demontiert (was mir persönlich wirklich gefällt).
Aber gleichzeitig wird Guttenberg - dem man genau das auch vorwerfen könnte und vielleicht auch sollte - so richtig positiv wahrgenommen.
Deswegen würde ich gerne ein bisschen umformulieren:
"Schon als XYZ müssen normale Leute (dazu)verdienen. Die* kennen das nicht."
*Eliten(söhnchen und töchterchen)
Der Unterschied zwischen Ww und dem Baron ist aber, dass der Baron ein gelernter Außenpolitiker ist und durch seine Frau, genug "Hinterzimmer-Connection" hat um Dinge auch mal auf dem ganz kurzen Dienstweg zu regeln.
Auch ist der Baron schlau genug sich wirklich sachverständigen Rat einzuholen, auch über Herrn Schmidt.
Was auch noch ein Unterschied ist zwischen zG und Ww, der Baron könnte von jetzt auf gleich sagen, ich mach mein Ding alleine und könnte sich von allen Ämtern zurückziehen.
Westerwelle könnte eine Entlassung nicht so einfach verkraften, alleine schon wegen seines Egos.
Er kennt das nicht."
Das für mich interessante ist jetzt ja, Westerwelle demontiert sich selber und wird demontiert (was mir persönlich wirklich gefällt).
Aber gleichzeitig wird Guttenberg - dem man genau das auch vorwerfen könnte und vielleicht auch sollte - so richtig positiv wahrgenommen.
Deswegen würde ich gerne ein bisschen umformulieren:
"Schon als XYZ müssen normale Leute (dazu)verdienen. Die* kennen das nicht."
*Eliten(söhnchen und töchterchen)
Der Unterschied zwischen Ww und dem Baron ist aber, dass der Baron ein gelernter Außenpolitiker ist und durch seine Frau, genug "Hinterzimmer-Connection" hat um Dinge auch mal auf dem ganz kurzen Dienstweg zu regeln.
Auch ist der Baron schlau genug sich wirklich sachverständigen Rat einzuholen, auch über Herrn Schmidt.
Was auch noch ein Unterschied ist zwischen zG und Ww, der Baron könnte von jetzt auf gleich sagen, ich mach mein Ding alleine und könnte sich von allen Ämtern zurückziehen.
Westerwelle könnte eine Entlassung nicht so einfach verkraften, alleine schon wegen seines Egos.
Als Westerwelle von Merkel zum Aussenminister gemacht wurde, gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: 1.: Merkel scheut einen starken Gegenpart, der ihr Sympathie und Rang kosten könnte und 2.:Für Westerwelle als Typus ist das die denkbar ungeeignetste Position.
Diese Unpassung von Person und Amt ist wohl allen ausser ihm selbst aufgefallen - oder er wollte sich und der ganzen Welt beweisen, dass er die feinen Anzüge zu recht trägt?
Erwartet wird eine Persönlichkeit, die schon aussenpolitisches Talent bewiesen hat und über genügend Reputation verfügt, um weltweit Gehör zu finden. Das bedarf einer geschliffenen, diplomatischen Kommunikationsweise und der vertrauten Anlehnung an die Kanzlerin.
Für den ewigen Wahlkämpfer Westerwelle war Politik aber nur spottende Rhetorik, eine künstlich zur Empörung erhobene, schrille Stimme. Die politische Omnipotenz hat er sich wohl selbst tapfer eingeredet, unwidersprochen von den pokernden Parteigenossen. Nur: zwischen Wollen und Können ist doch noch ein fundamentaler Unterschied.
Deswegen ist es umso unverständlicher, dass sich Merkel auf diese Konstellation eingelassen hat. Ihr war anscheinend das eigene Ego wichtiger, als weltmännische Staatsfrau auf aussenpolitischer Bühne solo punkten zu können, um von ihrer innenpolitischen Grundschwäche abzulenken.
Zu Zeiten der großen Koalition mag es ihr zu wenig aufgefallen sein, welch großer Anteil des Regierungserfolges auf die SPD-Kollegen zurückgeht.
Sprücheklopfen weckt Erwartungen.
In der Opposition könnte Guido wieder das tun, was ihm wirklich Spaß macht: Mit dem Guidomobil durch Schland fahren, lachen, auf gute Laune machen und bei Big Brother strahlen. Wer hat von einem verwöhnten Muttersöhnchen den souveränen Staatsmann erwartet?
Bei der Zusammensetzung des Kabinetts wurde auch anderen Stellen mehrfach „Humor“ bewiesen:
- Finanzminister Schäuble (Spendenaffäre)
- Innnenminister de Maiziere (Sachensumpf)
- Entwicklungshilfeminister Niebel,
- etc., etc.
Da kommt Kabarett nicht mehr ran, weil das noch einen halbwegs realen Eindruck machen müsste. Man scheint sich wieder auf eine Totalamnesie des Wählers zu verlassen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren