Bundespräsidentenwahl Wulff sieht sich von Medien ignoriert
Christian Wulff ergeht sich in Medienschelte. Der Koalitionskandidat für das Amt des Bundespräsidenten sieht die Wahl in der Öffentlichkeit falsch dargestellt.
© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Fordert einen anderen Fokus der Berichterstattung über die Bundespräsidentenwahl: Kandidat Christian Wulff (CDU)
Christian Wulff, Niedersachsens Ministerpräsident und Kandidat von Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten, warf den Medien vor, den Anteil der Stimmen aus dem Regierungslager für den rot-grünen Konkurrenten Joachim Gauck zu überhöhen. "Es sind im Moment vier Liberale, die erklären, Gauck zu wählen. Wenn ich die Medien verfolge, habe ich den Eindruck, es könnten auch 400 sein", sagte Wulff.
Die Medien, klagte Wulff, gäben das Stimmungsbild falsch zugunsten des Theologen und früheren DDR-Bürgerrechtlers Gauck wieder. Obwohl der in Umfragen mit leichtem Vorsprung vorn liegt, fühlt sich Wulff nicht als zweite Wahl. "Da sehe ich nicht das, was vermittelt wird, diese überwältigende Zustimmung."
Die Medien würden jenen, die gegen den Strom schwimmen, die größte Bedeutung beimessen. "Die anderen, die ihre Entscheidungen im Mainstream verkünden, fallen ins mediale Loch und werden nicht vermittelt." Zu denen zählt der schwarz-gelbe Kandidat sich selbst. "Ich finde es gut, wenn nicht nur Alphatiere auf der politischen Bühne sind. Die Zukunft gehört den Sanftmütigen."
"Die Zukunft gehört den Sanftmütigen."
Koalitionskandidat Christian Wulff
Wulff spielte die Bedeutung der Wahl für die Koalition herunter. Am 30. Juni stünde keine Schicksalswahl für Schwarz-Gelb an, sondern "eine Entscheidung zwischen Joachim Gauck und mir". Man dürfe dies nicht mit anderen Fragestellungen beschweren.
Zugleich räumte er die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens ein. Natürlich werde die Wahl in der Öffentlichkeit danach interpretiert, wer sich mit welchem Kandidaten durchsetze. "Wenn man nicht naiv sein will, ist das natürlich ein politisches Signal dafür, wer in welchem Moment wie politisch kraftvoll ist, was er durchbringt, was er durchsetzt."
Die Tonlage der Auseinandersetzung um Gauck und Wulff wurde unterdessen sachlicher. Aus Union und FDP gab es keine neuen persönlichen Angriffe gegen Gauck. Auch SPD und Grüne verzichteten am Montag auf direkte Kritik an Wulff.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte die Koalition auf, keine Wahlmänner und -frauen der Bundesversammlung zu diskriminieren. Zuvor hatte Sachsens Ministerpräsident Stanilaw Tillich (CDU) die FDP-Führung aufgefordert, drei Liberale aus Sachsen davon abzubringen, für Gauck zu stimmen. Dies lehnte FDP-Generalsekretär Christian Lindner ab.
Die CSU appellierte, die schwarz-gelbe Koalition müsse möglichst geschlossen hinter Wulff stehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die FDP das Wackelimage der neunziger Jahre wieder zulegen will", sagte der CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Hans-Peter Friedrich. "Die Koalition hat einen gemeinsamen Vorschlag und wird ihn gemeinsam zum Tragen bringen", mahnte auch CSU-Chef Horst Seehofer. Die CSU werde jedenfalls geschlossen für Wulff stimmen.
- Datum 22.06.2010 - 19:41 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle dpa
- Kommentare 44
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






auch über ihn berichten?
Das Nichts ist unmöglich zu beschreiben und gar spannend darüber zu reflektieren ist einfach irreal!
fühlt sich ignoriert von den Medien?!
Seien Sie versichert Herr Wulff, als anerkannt verlängerter Arm von Merkel, sind es beileibe nicht nur die Medien, die sie lieber ignorieren ;))
Da haben es die BK Merkel und der AM Westerwelle wohl letzterdings mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg gehalten, der da vor vielen Jahren mal befohlen hatte:
"Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen"
und haben einen verlässlichen "Parteisoldaten" als BP vorgesehen. Schließlich muss diese Republik ja endlich mal durchregiert werden!
Und was machen die renitenten Untertanen? Sie wollen keinen "Parteisoldaten", mäkeln herum und wollen gar Mitspracherecht. Sie wollen in der Bundesversammlung eine "Wahl nur nach dem Gewissen" haben, als ob es sowas geben darf bei Untertanen. Die Renitenz greift mittlerweile schon auf die eigenen Vasallen über...
Und die Presse unterstützt das auch noch... Wo ist da der Respekt vor der Obrigkeit? Was soll denn das werden, wenn hier jeder denkt mitreden zu können?
Also:
Presse - wohlwollende Berichte, Volk - Fußball schauen...
-Ironie aus-
(Links zur Unterstützung Herr Gauck:
http://etwilli.myblog.de/)
Herr Wulff zeigt schon ausserordentlich beeindruckend im Vorfeld, wie ungeeignet er persönlich für das wichtige Amt ist.
Ihm ist allerdings auch klar, dass er auf diese Weise als einer der letzten populären Politiker der CDU Merkels Machtspiel zum Opfer gefallen ist (wie andere vor ihm gegangen wurde) und wird er nun nicht Präsident, kann er ohne großen Gesichtsverlust auch in der aktiven Politik kaum noch auftreten.
Tja, kaltgestellt Herr Wulff.
... über den Besten und nicht über den Zweitbesten, Herr Wulff!
Tatsächlich berichten die Medien mehr über Gauck als über Wulff und das ist absolut nachvollziehbar. Nach der unwürdigen Inthronisierung will der Niedersachse zwar als neuer Kaiser dastehen, aber im Gegensatz zum Märchen wissen all, auch er selbst, dass er keine Kleider vorzuzeigen hat, er steht nackt da, weil ihm ein präsidiales und charismatisches Profil fehlt. Immer nur lächelnd und immer mit einer gequält positivistischen Miene herumzulaufen, reicht eben nicht aus. Die Medien suchen und finden nichts und wenn sie was finden, ist es so belanglos, dass sie lieber darüber schweigen als sich lächerlich zu machen. Herr Gauck zeigt sich in einem scharfen und facettenreichen Licht, er hat keine langweilige und wenig überraschende Berufspolitikerkarriere hinter sich wie der CDU-Landesfürst, er kann eine reichhaltige und vielschichtige Vita präsentieren und hat intellektuell und volksnah sehr viel zu sagen. Wulff, der es sicherlich schon bereut, sich auf diese Ochsentour begeben zu haben, weiß um seine Schwächen und spielt nun den Beleidigten, weil die Medien ihn so gar nicht wertschätzen wollen, obwohl sie im Prinzip bislang nichts gravierend Negatives über ihn ausgesagt haben. Wenn er auskeilt, dann sollte er die Opfer in den Reihen der CDU/FDP suchen, denen er vertraut hat und die ihn zur Kandidatur gedrängt haben.
Er ahnt wohl, dass seine aktive politische Karriere mit 50 schon vorbei ist, denn nach einer gewonnenen Wahl tritt er eine lebenslange Rente an.
W. Neisser
kann es sein, das sie einen anderen gauck meinen?
nur weil jemand kein politiker ist,
ist er nicht automatisch volksnah.
gauck ist fuer mich ebenso langweilig wie wulff und thematisch viel zu eindimensional.
kann es sein, das sie einen anderen gauck meinen?
nur weil jemand kein politiker ist,
ist er nicht automatisch volksnah.
gauck ist fuer mich ebenso langweilig wie wulff und thematisch viel zu eindimensional.
kann es sein, das sie einen anderen gauck meinen?
nur weil jemand kein politiker ist,
ist er nicht automatisch volksnah.
gauck ist fuer mich ebenso langweilig wie wulff und thematisch viel zu eindimensional.
Am besten wäre es, der/die Kanzler/in würde ganz alleine den Bundespräsidenten bestimmen. Dann könnten wir uns diese Farce, die von der Koalition im Moment betrieben wird, in Zukunft sparen.
Hier geht es doch einzig und allein wieder um Machtspielchen.
Die Bedürfnisse der Bevölkerung spielen da doch nur eine untergeordnete Rolle.
Und ein Politiker wie Herrn Tillich sollte lieber in ein Land auswandern, in dem Demokratie nicht so hoch gestellt wird. Es ist schon schlimm, wenn Politiker so offensichtlich zur Schau stellen, wie es um unsere Demokratie steht. Die Wahlmänner und -Frauen sollen doch an keine Weisungen gebunden sein, oder wurde das Gesetz geändert?
Wie soll ein Präsident, der so "gewählt" wird, unsere Demokratie repräsentieren?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren