Westerwelles Floskeln Regierung ohne Erklärung
Floskeln und Selbstlob, viel mehr fiel Westerwelle heute im Bundestag zu Afghanistan nicht ein. Dabei ist die Lage am Hindukusch dramatischer denn je. Ein Kommentar
Es ist schon eine Weile her, da forderte Guido Westerwelle in einem Interview, die Bundesregierung müsse "unserem Volk erklären, warum wir uns in Afghanistan engagieren." Am Freitag hätte er eine gute Gelegenheit dazu gehabt. Doch er wollte nicht oder er konnte nicht.
Seinerzeit war Westerwelle bloß Chef einer kleinen Oppositionspartei. Inzwischen ist er Außenminister, und als solcher gab er Freitag vor dem Bundestag eine Regierungserklärung zu Afghanistan ab. Oder soll man sagen: Er musste sie abgeben? Uninspirierter, emotionsloser und floskelhafter als das, was der Außenminister in knapp 18 Minuten referierte, hätte man sich einen Vortrag zu einem der brisantesten Themen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik kaum vorstellen können.
Sicher, es gab schon viele uninspirierte Reden zum Afghanistan-Engagement der Deutschen. So gesehen muss sich Westerwelle nicht unbedingt vor seiner Kanzlerin oder seinen beiden Vorgängern verstecken. Bloß, und das ist ein entscheidender Punkt, stellt sich die Lage am Hindukusch in diesem Jahr so schlecht dar wie lange nicht. Seit Ende 2001 versucht die internationale Gemeinschaft aus dem failed state ein funktionierendes Land zu machen – mit vorrangig militärischen Mitteln. Doch auch im neunten Jahr des Einsatzes sind – von einigen lokalen Ausnahmen abgesehen – nur wenig Fortschritte erkennbar. Afghanistan ist der zweitkorrupteste Staat der Welt. Hilfsgelder verschwinden, nach wie vor stammt der Großteil des Heroins, das sich Drogenabhängige in aller Welt spritzen, von Opiumpflanzen aus Afghanistan. In vielen Regionen des Landes hat die Zentralregierung keinerlei Einfluss, die Macht teilen sich, mehr oder weniger blutig, Provinzgouverneure, Warlords und Schattenregierungen der Taliban.
Nicht nur das: Selbst das größte Bedürfnis der afghanischen Bevölkerung – und das sind weder Mädchenschulen noch freie Wahlen – wurde nicht erfüllt: das nach Sicherheit. Niemals zuvor gab es mehr Terroranschläge im Land als in diesem Jahr.
Und niemals zuvor wurden mehr internationale Soldaten getötet als im vergangenen Monat. Das ist dramatisch und kommt doch nicht überraschend. Die Gegenwehr der Aufständischen war vorhergesagt worden, und auch die Strategie des kürzlich gefeuerten Isaf-Chefs Stanley McChrystal, Militäroffensiven zuvor mit Flugblättern publik zumachen, forderte ihren Tribut.
In Afghanistan geschieht Dramatisches. Die Aufständischen wissen, dass der Westen die Lust an dem Einsatz verliert, dass die Menschen in Deutschland, Großbritannien und auch den USA den Sinn des Engagements mehr und mehr infrage stellen. Sie wissen, dass die ersten Nationen ihre Soldaten abziehen: die Niederlande in diesem Jahr, die Kanadier 2011 und Polen wohl ein Jahr später. Auch die Bundesregierung betont inzwischen mehr als alles andere, dass man im kommenden Jahr mit dem Abzug beginnen wolle.
- Datum 09.07.2010 - 17:17 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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- Gute Gründe gibt es keine
- Soll er statt dess sagen "Unser Lehensherr erwartet weiterhin Gefolgschaft, wir fügen uns, um Ärger zu vermeiden" ?
Man könnte ja glatt Verschwörungstheorien aufstellen, wenn man sieht, wie sich das Verhalten zwischen Opposition und Regierung ändert, als ob ein deutsches Regierungsmitglied bei Amtsantritt eine Brief mit den Befehlen des Lehensherrn bekommt, zusammen mit einer anschaulichen Beschreibung de Folgen, wenn man nicht folgsam ist.
Glaube ich aber eher nicht, es gilt "Nimm keine Verschwörung an, wenn die Dummheit der Handelnden als Erklärung ausreicht".
Nun einmal ehrlich: Wer hat denn wirklich anderes erwarten können? Nicht zu diesem Thema! Und schon gar nicht von Westerwelle.
Wecken Sie mich, wenn dieser machtversessene Kasperle etwas Wichtiges zu sagen hat, etwa ein "Hiermit trete ich von all meinen Ämtern zurück". Oder wenn in Deutschland wieder Politiker eine Chance haben, die kompetent und für die Gesellschaft leistungswillig sind. Ersatzweise dürfen Sie mich kurz anstubsen, wenn die deutsche Bevölkerung endlich genug hat.
Hallo.
Ich fürchte, da müssen Sie sich noch nen guten Winter- (naja, eig. Sommerspeck) anessen... irgendwie glaube ich nämlich, dass das ein sehr langer Schlaf wird...
Hallo.
Ich fürchte, da müssen Sie sich noch nen guten Winter- (naja, eig. Sommerspeck) anessen... irgendwie glaube ich nämlich, dass das ein sehr langer Schlaf wird...
Seltsam. Waren ZEIT- und SPIEGEL-Redakteure auf derselben Veranstaltung?
Warum sollte ein marktliberaler Innen- und Wirtschaftspolitiker, der nur wegen des Ansehens seiner Vorgänger Außenminister geworden ist, auf einmal im auswärtigen Amt glänzen?
Lasst ihn doch in Ruhe, er kann's halt einfach nicht!
Obwohl, wenn einer so viel Geld vom Staat bekommt, könnte er auch dem Staat etwas davon wieder zurück geben und sich wenigstens bemühen in dem Job, den er machen soll.
Man wird erst vollständig abziehen, wenn man sich die Bodenschätze unter den Nagel gerissen hat. Aber ich befürchte das man wie die russische Arme scheitern wird. Diese hat aber nicht ständig von Menschenrechten und Gleichberechtigung gesprochen, während sie die Zivilbevölkerung ermoderte.
Der Westen muss sich den Vowurf der Doppelmoral gefallen lassen, auch wenn ein Sieg dem Land gut tun würde. Was die USA und ihre Verbündeten unter Demokratie verstehen, hat man gesehen als die Wahl zu Gunsten von Karsai fälschten. Auch wenn der Ruf des Westens immer schlechter werden sollte, solange sie ihre eigenen Bevölkerungen weiterhin manipulieren können, wird sich nichts ändern.
die Chinesen ihr Glück dort probieren.
die Chinesen ihr Glück dort probieren.
die Bundesregierung müsse "unserem Volk erklären, warum wir uns in Afghanistan engagieren."
Es ging dem Amis erstmal darum, den Blutdurst der Öffentlichkeit, nach 9/11 zu stillen. Dafür musste Afghanistan herhalten.
Wie soll man unseren Kadavergehorsam gegenüber den Amis erklären?
Wie soll man was erklären, was nicht zu erklären ist?
Dann noch ausgerechnet Westerwelle?
....auch der SPD damals nicht ein, wenn ich mich recht erinnere.
Ist das nicht das Wesen der Politik allgemein?
Ist das nicht das Wesen der Politik allgemein?
Dank Kriegs-Schroeder und Pazifist-Fischer mit Unterstuetzung der Vasallen von der CDU/CSU und den ach so Liberalen von der FDP hat sich Deutschland in ein Abenteuer begeben, fuer das es weder Recht, noch Rechtfertigung gibt. Und nun rudert man hilflos herum und weiss nicht, wie man aus der Sache ohne Gesichtsverlust herauskommt. Das wird aber nicht gelingen. Milliarden Euro im Nirwana versenkt, um eine korrupte Regierung, die noch nicht einmal die Einheimischen wollen, am Leben und an der Macht zu halten. Und der "Aussenminister" schwaetzt von "nicht populaer, aber alternativlos" und von "Sicherheit fuer Deutschland" durch diesen Krieg. Als wenn Kriege jemals mehr Sicherheit fuer irgendwen gebracht haetten. Nur mehr Tote und mehr Hass. Raus aus Afghanistan!
Wir, einschließlich rot- rgrün haben alles versiebt, nostra culpa, kostet uns zu viel bringt nichts, Ihr wollt uns ja auch nicht, Tschüss dann?
Es tut mir persönlich sehr leid, dass wir uns über das, was die Väter des Grundgesetzes vorgesehen haben, zu Unrecht und in rechtlich bedenklicher Weise hinweggesetzt haben. Hätten wir besser keinen Verteidigungsfall am Hindukusch konstruiert.
Raus aus Afghanistan. Ja, das ist eine Option. (Wenn auch keine realistische.) Aber wollen wir das wirklich? Nicht mal die Führung der Linkspartei fordert, wenn man sie konkret danach fragt und das Mikro aus ist, den sofortigen Abzug. Die Folgen für Afghanistan wären noch fataler als der gegenwärtige Zustand. Ein langer, blutiger Bürgerkrieg wäre fast unausweichlich. Zumal dann auch Kräfte aus benachbarten Ländern versuchen würden, Einfluss zu gewinnen. Wollen wir das?
Ich denke auch, dass vieles falsch läuft am Isaf-Einsatz. Ehrlich gesagt bräuchte man die (politisch im Westen nie durchsetzbare) Zahl von 300.000 Soldaten und Polizisten, um den Menschen in Afghanistan ein ähnlich sicheres Umfeld zu bieten wie denen im Kosovo.
Dennoch: Einfach zu verschwinden, wäre verantwortungslos.
Wir, einschließlich rot- rgrün haben alles versiebt, nostra culpa, kostet uns zu viel bringt nichts, Ihr wollt uns ja auch nicht, Tschüss dann?
Es tut mir persönlich sehr leid, dass wir uns über das, was die Väter des Grundgesetzes vorgesehen haben, zu Unrecht und in rechtlich bedenklicher Weise hinweggesetzt haben. Hätten wir besser keinen Verteidigungsfall am Hindukusch konstruiert.
Raus aus Afghanistan. Ja, das ist eine Option. (Wenn auch keine realistische.) Aber wollen wir das wirklich? Nicht mal die Führung der Linkspartei fordert, wenn man sie konkret danach fragt und das Mikro aus ist, den sofortigen Abzug. Die Folgen für Afghanistan wären noch fataler als der gegenwärtige Zustand. Ein langer, blutiger Bürgerkrieg wäre fast unausweichlich. Zumal dann auch Kräfte aus benachbarten Ländern versuchen würden, Einfluss zu gewinnen. Wollen wir das?
Ich denke auch, dass vieles falsch läuft am Isaf-Einsatz. Ehrlich gesagt bräuchte man die (politisch im Westen nie durchsetzbare) Zahl von 300.000 Soldaten und Polizisten, um den Menschen in Afghanistan ein ähnlich sicheres Umfeld zu bieten wie denen im Kosovo.
Dennoch: Einfach zu verschwinden, wäre verantwortungslos.
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