Bahn-Verkehrsausschuss Grube und Ramsauer geloben Besserung
500 Euro für die Hitze-Opfer und mehr Austausch zwischen Minister und Bahnchef. Das ist das Ergebnis des heutigen Bahngipfels. Die Opposition bleibt skeptisch.
Schadensbegrenzung, darum ging es heute beim Krisentreffen im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags. Die Botschaft, die Vertreter der Bundesregierung und des Bahn-Konzerns heute entsenden wollten, war einfach: "Leute, fahrt weiter mit der Bahn in den Urlaub! Lasst euch von den unschönen Vorkommnissen um defekte Klimaanlagen nicht davon abhalten."
Vor zwei Wochen waren innerhalb weniger Tage bei heißem Wetter die Klimaanlagen in rund 50 ICE- und Intercity-Zügen ausgefallen. Fahrgäste – unter ihnen Schüler – erlitten einen Hitzekollaps und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Danach hagelte es gegenseitige Schuldzuweisungen . Bahnchef Grube versprach Besserung und Entschädigung, verscherzte es sich dabei aber mit dem Verband der Bahnindustrie. Grube hatte geklagt, dass die Bahn "fast nie Züge geliefert bekommen hat, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben". Diesen Vorwurf wies die Industrie pikiert zurück. Die Andeutungen Grubes seien geeignet, den guten Ruf einer ganzen Branche zu gefährden.
Verkehrsminister Peter Ramsauer kritisierte seinerseits im Vorfeld des Treffens die Bahn-Führung. Ihr harter Sparkurs sei Schuld für die vielen technischen Probleme in Zügen. Um sich für einen möglichen Börsengang fit zu machen, seien zahlreiche Kürzungen vorgenommen worden.
Auf dem heutigen Krisentreffen im Bundestag war von Streit aber nichts mehr zu hören. Stattdessen waren Grube und Ramsauer bemüht, Einigkeit und Zuversicht zu demonstrieren. "Wir können es uns nicht leisten, gegeneinander zu arbeiten", sagte Grube. Seine Rüge an die Bahnindustrie relativierte er. Man sei ordnungsgemäß beliefert worden, die Klimaanlagentechnik entspräche dem Standard aus den 1990er Jahren, als man bestellt hatte, hieß es von einem Bahnsprecher. Die neuen Züge seien aber selbstredend auf mehr als die 32 Grad ausgelegt, bei denen die jetzigen an ihre Grenze stoßen, sagte Grube. Der künftige ICE-X sei auf "spanisches Niveau" ausgelegt. Bis zu 45 Grad Außentemperatur könne seine Klimaanlage aushalten.
Grube hatte noch weitere gute Nachrichten für seine verunsicherten Fahrgäste: Wer in einem der überhitzten Züge Gesundheitsprobleme erlitten hat, erhalte auch ohne ärztliches Attest 500 Euro Schmerzensgeld. Bislang hätten sich etwa 300 Kunden an die Bahn gewandt, um Schmerzensgeld zu bekommen. Am Tag zuvor hatte die Bahn mitgeteilt, dass vor der Zahlung möglichst eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen sei. Andere Betroffene aus den überhitzten ICE-Zügen sollen die Hälfte des Reisepreises in Form eines Reisegutscheins als Entschädigung erhalten.
Offenbar wurde auch ein Weg gefunden, um die automatische Abschaltung der Klimaanlagen in den ICE-Zügen zu verhindern, die zuletzt für so viel Ärger gesorgt hatte. "In den letzten sechs Tagen hat es eine deutliche Stabilisierung der Lage gegeben", sagte Grube. Es seien in dieser Zeit nur noch zwei Defekte hinzugekommen. Allerdings seien auch die Außentemperaturen etwas gesunken.
Verkehrsminister Ramsauer beteuerte, dass er im täglichen Kontakt mit der Konzernleitung stehe. Künftig solle das ihm unterstellte Eisenbahn-Bundesamt im Zulassungsverfahren ein größeres Augenmerk auf die Klimaanlagen richten.
Andere Koalitionspolitiker nannten das 500-Euro-Angebot der Bahn "sehr fair". Patrick Döring von der FDP mahnte zwar an, dass Sparmaßnahmen selbstverständlich nicht zu Lasten der Sicherheit gehen dürften. Er glaube aber nicht, dass sich Profitabilität und Sicherheit grundsätzlich ausschlössen, sagte der liberale Verkehrsexperte.
Kritik kam vor allem von der Opposition. Viele Abgeordnete zeigten sich skeptisch, ob es tatsächlich keine Versäumnisse bei der Wartung der Züge gegeben hat, wie vom Unternehmen angegeben. Uwe Beckmeyer von der SPD sagte, die Bahnleitung gehe äußerst restriktiv mit Informationen um.
Der grüne Verkehrspolitiker Anton Hofreiter kritisierte die "systematischen Probleme der Bahn". Mal seien es die Achsen, mal Signalstörungen, mal Flugschnee, jetzt eben die Hitze, die der Bahn zu schaffen mache. Das Problem sei, dass die Bahn ihrem "Rendite-Streben" alles andere unterordne.
- Datum 22.07.2010 - 16:59 Uhr
- Quelle dpa, misch
- Kommentare 8
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Das allererste Statement des Pressesprechers hat das wahre Gesicht der Bahn gezeigt: Arroganz vs. Kundenorientierung.
Jetzt wird auf politischen Druck schnellstens Besserung gelobt. Doch die Grünen haben es wohl auf den Punkt gebracht: hier herrscht ein Systemfehler. Grube müsste hart durchgreifen oder abdanken.
Na, ob den Ankündigungen auch Taten folgen (500€) bleibt abzuwarten.
Warum lernt man eigentlich nicht aus den Fehlern die 1996 in England begangen wurden. Ein besseres Beispiel, für das was passiert, wenn private Investoren nur noch Rendite machen wollen, kann es doch gar nicht geben.
http://www.3sat.de/page/?...
Es geht nicht um das, was vernünftig und gut für die Bürger wäre. Es gibtstarke Begehrlichkeiten am Privatisieren des Volkseigentumes sehr viel zu verdienen.
Es handelt sich um als Lobbyismus getarnte Korruption.
Es geht nicht um das, was vernünftig und gut für die Bürger wäre. Es gibtstarke Begehrlichkeiten am Privatisieren des Volkseigentumes sehr viel zu verdienen.
Es handelt sich um als Lobbyismus getarnte Korruption.
sollte sich endlich einmal darüber klar werden, was sie will. Solange eine klare Zielformulierung der Politik als Eigentümerin der Bahn an diese fehlt, kann diese letztlich nicht strukturiert planen und entsprechend agieren.
Die Konzepte sind doch sehr unterschiedlich. Die FDP z.B. wünscht sich eine strikte Trennung von Netz und Betrieb, wobei der Betrieb auf alle Fälle zu privatisieren sei, das Netz möglicherweise. Die Union steht mehr dem Mehdorn-Prinzip des "integrierten Konzerns" näher, der Netz und Betrieb unter einem Dach halten will, aber daher nur teilprivatisiert werden kann. Diese ist im Prinzip auch die Position der SPD (und der Gewerkschaften, die v.a. Angst vor zuviel Wettbewerb haben, der vermutlich jedenfalls teilweise zulasten der Beschäftigten ginge). Soweit ich sehe, wollen die GRÜNEN und die LINKE die Bahn insgesamt in staatlicher Hand lassen und auf Privatisierungen möglichst verzichten, wobei bei den GRÜNEN zumindest teilweise eine Trennung von Netz und Betrieb in Erwägung gezogen wird.
Solange diese Positionen sich je nach Ausgang der jeweiligen Bundestagswahl alle 4 Jahre aus Sicht der Bahn ändern können, ist es für diese nicht einfach, eine langfristige und verlässliche Unternehmenspolitik zu fahren, zumal wenn sie in den nächsten Jahren auch noch 500 Mio €/Jahr "Zwangsgewinn" bei Herrn Schäuble abliefern soll.
Daher: Politik:verständige Dich und mache klare und verlässliche Vorgaben, dann kann die Bahn endlich vernünftig planen und agieren.
CHILLY
"Verkehrsminister Peter Ramsauer kritisierte seinerseits im Vorfeld des Treffens die Bahn-Führung. Ihr harter Sparkurs sei Schuld für die vielen technischen Probleme in Zügen. Um sich für einen möglichen Börsengang fit zu machen, seien zahlreiche Kürzungen vorgenommen worden."
Aber im Koalitionsvertrag steht immer noch, dass eine Privatisierung das Ziel ist und im Kürzlich verabschiedeten Sparpaket steht, dass sie jährlich 500 Mio. Euro Dividende von der Bahn wollen.
Wie sollen da die notwendigen Investitionen getätigt werden, wenn der Eigner diese Dividende erwartet?
Das ist doch alles so verlogen.
ist vermutlich, dass Herr Grube (wie auch seine Kollegen und Vorgänger) das Unternehmen DB von der "Brücke" aus führen, und wahrscheinlich in ihrer Dienstzeit noch keinen Ingenieur des Unternehmens persönlich gesprochen haben; deshalb weiss auch Herr Grube nicht, was wirklich los ist. Erstaunlich, dass ihn das nicht stört, er ist doch selbst Ingenieur!
Man kann ein Unternehmen, dessen Funktionsfähigkeit auf einer komplexen Technologie beruht, nicht wie eine Frittenbude führen. Alle bislang gelieferten Erklärungen sind nichts als Ausflüchte und unbewiesene Behauptungen.
Da man es nicht schaffen kann, direkte Informationen von den Mitarbeitern zu bekommen (sie sind schliesslich zur Loyalität dem Unternehmen gegenüber verpflichtet, auch wenn das Unternehmen es umgekehrt damit selbst nicht so genau nimmt) bleibt eigentlich nur die Möglichkeit eines politischen Verfahrens (= Untersuchungsausschuss). Das mag angesichts von Problemen mit den Klimaanlagen übertrieben erscheinen, aber aufgrund der Menge an anderen Problemen (Achsen) kann man sich schon fragen, inwieweit das schlechte Management der Bahn - bewusst oder unbewusst - Sicherheitsrisiken in Kauf nimmt.
Hat eigentlich der ICE-Fahrer in seiner Kabine eine separate Klimaanlage, oder gehen wir davon aus, dass der noch als Heizer auf Jim Knopfs Emma geschafft hat und daher bei
50 Grad und 300 km/h voll am Ball ist ?
Besser jetzt genau hingucken, als abzuwarten, bis ein vollbesetzter ICE aus der Spur springt.
Ich kann dieses ganze Geschwätz der Politiker nicht mehr hören - sie ziehen über die Bahnführung (die sicherlich nicht die beste ist) und über die Bahnmitarbeiter her, dann gibt es noch einen Seitenhieb auf die Fahrzeughersteller und die Zulieferer - und alle, alle die sind wieder einmal schuld.
Anstatt einmal ehrlich zu sein und einzugestehen: schuld ist einzig und allein die Politikerkaste, die gegen den Willen der Bevölkerung die Bundesbahn an die Börse bringen will und über Jahre ein rigoroses und skurpelloses Sparprogramm durch gezogen haben und nun auch noch jährlich die Bahn abzocken wollen. Weder ein Hr. Grube noch der ehemalige unselige Mehdorn (mit Verlaub: ein Brechmittel) sind die Schuldigen - sie sind nur Erfüllungsgehilfen der Politiker aus Berlin.
6. Verlogene Bagage
Weder ein Hr. Grube noch der ehemalige unselige Mehdorn (mit Verlaub: ein Brechmittel) sind die Schuldigen - sie sind nur Erfüllungsgehilfen der Politiker aus Berlin.
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mitgehangen !
Wer als vertretungsberechtigter Vorstandsvorsitzender bzw. als Mitglied im Vorstand, die Vorgaben der Aktionäre ohne Widerspruch umsetzt, der ist doch nichts als ein Handlanger des Kapitals.
Vorstände, welche die Kompetenz besitzen, einen ausgewogenen Mittelweg zu finden, findet man heutzutage sehr wenige.
Oder warum wurden ehemals Ludwig, Mehdorn und jetzt Grube als Vorstandsvorsitzende berufen ?
Mit Sicherheit nicht, um die Beförderungsleistung auf einem hohen Niveau sicher zustellen.
Es geht nicht um das, was vernünftig und gut für die Bürger wäre. Es gibtstarke Begehrlichkeiten am Privatisieren des Volkseigentumes sehr viel zu verdienen.
Es handelt sich um als Lobbyismus getarnte Korruption.
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