Hamburg vor Referendum Rätseln um Beust

Intern heißt es, er geht. Doch der Koalitionspartner von Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust will nichts davon wissen. Die SPD fordert schon mal eine Neuwahl.

Vor Rücktritt: Ole von Beust

Vor Rücktritt: Ole von Beust

Nach neun Jahren an der Spitze des Hamburger Senats ist für Ole von Beust offenbar Schluss. Der 55-Jährige werde seinen Rücktritt wahrscheinlich am Sonntag offiziell erklären , wie in Parteikreisen zu erfahren ist. Doch der Koalitionspartner, die Hamburger Grünen (GAL), weiß davon offiziell nichts. Das jedenfalls ergab eine Nachfrage in der Landeszentrale. "Solange uns der Koalitionspartner nicht offiziell informiert, werden wir dazu nichts sagen", sagte eine Sprecherin. Man gehe davon aus, dass Beust, falls er zurücktritt, seinen Koalitionspartner entsprechend informiert.

Am Sonntagnachmittag will Beust an einer Sitzung des CDU- Landesvorstandes teilnehmen. Danach wird er sich wohl  im Rathaus äußern. Aus der CDU- Zentrale hieß es nur, die Sitzung stehe im Zusammenhang mit dem Volksentscheid zur Schulreform am Sonntag.

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Die Sitzung des CDU-Landesvorstandes findet nur wenige Stunden vor Bekanntwerden des Ergebnisses eines Volksentscheids statt, mit dem eine Bürgerinitiative das Kernstück der umstrittene Schulreform in der Hansestadt , die sechsjährige Primarschule, kippen will. Beust hatte sich gegen starken Widerstand aus Teilen der CDU für diese Reform eingesetzt, die mit dem Koalitionspartner Grün-Alternative-Liste Hamburg (GAL) vereinbart worden war. Laut Hamburger Abendblatt will Beust im Landesvorstand aber sagen, dass zwischen seiner Entscheidung zum Rücktritt und dem Ausgang des Volksentscheids kein Zusammenhang bestehe. Laut einem Bericht würde er zum 25. August aus dem Amt scheiden.

Prognosen über den Ausgang der von einer Bürgerinitiative namens "Wir wollen lernen" erzwungenen Volksentscheids sind schwierig, mit einem knappen Ausgang wird gerechnet. Umfragen zufolge lagen die Gegner der Schulreform unter den Abstimmungswilligen zuletzt zwar leicht mit 41 zu 38 Prozent vorn. Ein Volksentscheid ist in Hamburg erst gewonnen, wenn die Zahl der Ja-Stimmen zugleich mindestens einem Fünftel aller Wahlberechtigten entspricht. Das wären derzeit knapp über 247.000 Stimmen.

Von Beust ist seit fast neun Jahren Bürgermeister von Hamburg. Ins Amt verhalf ihm 2001 ein Bündnis mit dem populistischen "Richter Gnadenlos" Ronald Schill, dessen Partei aus dem Stand fast 20 Prozent erreicht hatte. Beim Koalitionsbruch 2004 wurde auch von Beust Opfer einer Schlammschlacht im Rathaus, als ihn der einstige Duz-Freund Schill als homosexuell outete. Seit 2008 regiert er Hamburg in der ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene.

Wer Beust nachfolgen könnte, ist ebenso offen wie das Referendum: Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) hatte sich als möglichen Nachfolger ins Gespräch gebracht. "Ich kann mir das grundsätzlich vorstellen, aber die CDU hat mehrere geeignete Kandidaten", sagte er in einem Interview. Auch der bisherige Innensenator der Hansestadt, Christoph Ahlhaus, ist unter den möglichen Kandidaten.

Sollte Beust tatsächlich gehen, will die Hamburger SPD eine Neuwahl. "Die Hamburger werden es nicht gerne sehen, wenn jetzt ein neuer Bürgermeister eingesetzt würde, ohne sie zu fragen", sagte -Landeschef Olaf Scholz in Interviews. Der Rücktritt des Bürgermeisters wäre eine Zäsur. "Danach kann der schwarz-grüne Senat nicht einfach weitermachen, als wäre nichts los." Scholz, früher Innensenator in Hamburg, gilt als erster Anwärter auf die SPD-Spitzenkandidatur.

Mit Beust ginge binnen eines Jahres der sechste CDU-Regierungschef eines Bundeslandes. Zunächst trat im vergangenen Herbst Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus nach einer verlorenen Landtagswahl zurück. Danach wechselte Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger in die EU-Kommission, Roland Koch (Hessen) erklärte seinen Rücktritt, Christian Wulff (Niedersachsen) wurde Bundespräsident und Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen) wurde abgewählt.

 
Leser-Kommentare
  1. wird Mensch genug sein, um einen Rücktritt selbst bekanntzugeben. Alles andere ist Spekulation, von welcher Seite auch immer am Wochenende und einen Tag vor dem Volksentscheid. - Hamburger, geht zum Volksentscheid; es kann jedem Kind nur gut tun, mit dem Nachbarkind zwei Jahre länger in der Klasse zu sein; hätte Ole von Beust das schon erlebt, hätte er wohl früher gewußt, daß nur soziale Gerechtigkeit eine Gesellschaft zusammenhält und starke Leistungen erbringt. - Auch die reichsten Hanseaten wußten das früher und handelten danach. -

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    Fast alle Schulreformen der letzten 40 Jahre haben sich als untaugliche, aber teure Kosmetik erwiesen. Im besten Falle wurde die Bildungsqualität gehalten, leider aber meist deutlich verschlechtert.
    Es gibt leider keinen Anlass hier etwas anderes anzunehmen.

    In NRW, wo Schwarz Gelb zunächst eine vernünftig Reform durchgeführt hat (mehr Lehrer, Förderung der Hauptschule, Kopfnoten, Zentralabitur), scheiterte die Regierung an der Sturheit mit der an Detailfragen festgehalten wurde, primär der Empfehlungspraxis und der überstürzten Verkürzung der Gymnasialzeit.
    Der aktuelle Regierungswechsel bringt nun das totale Chaos von Rot/Grün zurück, mit völlig sinnlosen Strukturreformen, die dem eher linken Glaubensbekenntnissen geschuldet sind, denn pädagogischer Sinnhaftigkeit entsprechen.

    Das zentrale Problem liegt darin, dass die politische Klasse keinerlei sinnvolle Vorstellung von den Notwendigkeiten der Beschulung hat. Möglichweise liegt das daran, das sie zu alt, zu ideologisiert oder zu polarisiert und zu vielen Fremdinteressen verpflichtet sind, um auch nur den Hauch einer Ahnung zu besitzen oder Sinnvollem zu folgen.

    Der Eindruck, das Regierungen immer mehr in einer eigenen irrealen Welt leben verstärkt sich von Jahr zu Jahr.
    Da spielt es dann keine Rolle ob man eher links oder rechts gelagert ist, diese Wahl ist nur noch dem Vorurteil geschuldet, wem man den geringeren Schaden zutraut.

    H.

    Fast alle Schulreformen der letzten 40 Jahre haben sich als untaugliche, aber teure Kosmetik erwiesen. Im besten Falle wurde die Bildungsqualität gehalten, leider aber meist deutlich verschlechtert.
    Es gibt leider keinen Anlass hier etwas anderes anzunehmen.

    In NRW, wo Schwarz Gelb zunächst eine vernünftig Reform durchgeführt hat (mehr Lehrer, Förderung der Hauptschule, Kopfnoten, Zentralabitur), scheiterte die Regierung an der Sturheit mit der an Detailfragen festgehalten wurde, primär der Empfehlungspraxis und der überstürzten Verkürzung der Gymnasialzeit.
    Der aktuelle Regierungswechsel bringt nun das totale Chaos von Rot/Grün zurück, mit völlig sinnlosen Strukturreformen, die dem eher linken Glaubensbekenntnissen geschuldet sind, denn pädagogischer Sinnhaftigkeit entsprechen.

    Das zentrale Problem liegt darin, dass die politische Klasse keinerlei sinnvolle Vorstellung von den Notwendigkeiten der Beschulung hat. Möglichweise liegt das daran, das sie zu alt, zu ideologisiert oder zu polarisiert und zu vielen Fremdinteressen verpflichtet sind, um auch nur den Hauch einer Ahnung zu besitzen oder Sinnvollem zu folgen.

    Der Eindruck, das Regierungen immer mehr in einer eigenen irrealen Welt leben verstärkt sich von Jahr zu Jahr.
    Da spielt es dann keine Rolle ob man eher links oder rechts gelagert ist, diese Wahl ist nur noch dem Vorurteil geschuldet, wem man den geringeren Schaden zutraut.

    H.

  2. was in etwa ihrem I.Q. entspricht muss SIE sich nicht wundern wenn Horden von Zwergen gegen sie mobil machen,
    lange wird auch SIE nicht standhalten koennen, noch drei Jahre wohl auf keinen Fall und das ist gut so !

    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich und bemuehen Sie sich um argumentativ konstruktive Kommentare, die eine interessante und anregende Diskussion naehren. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]

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    Es steht Ihnen natürlich frei, ein derart enges Blickfeld auf die Bundeskanzlerin zu haben.

    Aber Sie sollten sich schon mal fragen, ob Ihr Erkenntnishintergrund nicht ein wenig zu simpel gestrickt ist?

    Es steht Ihnen natürlich frei, ein derart enges Blickfeld auf die Bundeskanzlerin zu haben.

    Aber Sie sollten sich schon mal fragen, ob Ihr Erkenntnishintergrund nicht ein wenig zu simpel gestrickt ist?

  3. Dass die Generation der um die 50jährigen Unions-Granden, die sich schon jahrelang in den Ländern mit dem Klein-Klein ihrer Provinzen herumschlagen muss, irgendwann keine Lust mehr hat, der stoisch durch alle Krisen regierenden Angela Merkel zuzuschauen - das ist doch nicht wirklich überraschend. Und bei Ole von Beust kommt hinzu: Er hat das nach 44 Jahren SPD-Herrschaft in Agonie und Niedergang befindliche Hamburg sieben Jahre sehr nach vorn gebracht. Erst mit Schwarz-Grün ist ihm - wg. Berliner Koalitionsträumereien und dem Hamburger Widerwillen über eine unstete FDP - 2008 ein schwerer politischer Fehler unterlaufen, nicht nur mit der überflüssigen "Schulreform", die an diesem Sonntag massenhaft durch Oles eigene Wählerschaft niedergestimmt werden wird. Das weiß er, also geht er - konsequent wie immer. Hochachtung !

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    Wohnen Sie in Hamburg? Ich schon! Der Niedergang hat mit der CDU-Herrschaft behonnen. Das Land ist fast pleite, man leistet sich aber trotzdem eine Elbphilharmonie. Hat sämtliches Tafelsilber in Form von Immobilien verschachtert, um den Haushalt zu frisieren und least die Gebäude nun teuer zurück.

    Die Kriminalität ist EXTREM. Man kann hier nicht mehr S-Bahn fahren ohne angepöbelt zu werden. Jeden morgen stehen im Abendblatt wieder Berichte über abgefackelte Autos, herumrandalierende Jugendbanden. Das ist alles erst in den letzen Jahren aufgetreten.

    Nach vorne hat Herr von Beust Hamburg nur beim Schuldenstand gebracht. Ich habe wirklich selten so eine lächerliche und haltlose Aussage gehört. Die kann nur von einem "Nicht-Hamburger" kommen, der die Verhältnisse hier nicht mitbekommt.

    Wohnen Sie in Hamburg? Ich schon! Der Niedergang hat mit der CDU-Herrschaft behonnen. Das Land ist fast pleite, man leistet sich aber trotzdem eine Elbphilharmonie. Hat sämtliches Tafelsilber in Form von Immobilien verschachtert, um den Haushalt zu frisieren und least die Gebäude nun teuer zurück.

    Die Kriminalität ist EXTREM. Man kann hier nicht mehr S-Bahn fahren ohne angepöbelt zu werden. Jeden morgen stehen im Abendblatt wieder Berichte über abgefackelte Autos, herumrandalierende Jugendbanden. Das ist alles erst in den letzen Jahren aufgetreten.

    Nach vorne hat Herr von Beust Hamburg nur beim Schuldenstand gebracht. Ich habe wirklich selten so eine lächerliche und haltlose Aussage gehört. Die kann nur von einem "Nicht-Hamburger" kommen, der die Verhältnisse hier nicht mitbekommt.

  4. Private Gründe für Ole von Beust's Rücktritt werden natürlich akzeptiert.

    Sollte aber die Mutterpartei und deren Rolle in Berlin Schuld mittragen, darf Deutschland laut über ihr Parteien-Gefüge nachdenken.

    2011 wird das neue Wahlgesetz ausgearbeitet. Es sollte auch Parteilosen die Gelegenheit geben, sich politisch einbringen zu können. Also weg mit der 5%-Klausel und der Ueberhang-Mandate.

    Gute Leute könnten so produktive, alternative und offene Politik betreiben und sich profilieren - ganz ohne Partei.

  5. Es steht Ihnen natürlich frei, ein derart enges Blickfeld auf die Bundeskanzlerin zu haben.

    Aber Sie sollten sich schon mal fragen, ob Ihr Erkenntnishintergrund nicht ein wenig zu simpel gestrickt ist?

  6. Wenn die CDU in Hamburg eventuell einen Wechsel des Ersten Bürgermeisters vornimmt, dann ist das für die Hamburger Bürger nicht hinnehmbar, und es muß Neuwahlen geben.

    Aber wenn die SPD in NRW eine Minderheitsregierung stellt, und das trotz einem desolaten Wahlergebnis, dann ist der dortige Bürger "gut bedient".
    "Man kann ja nicht den Bürger wählen lassen, bis es passt!"

    Naja, Sprachakrobatik a´la SPD eben!

  7. Etwas ist in der Hamburger CDU auffällig, die Kampfmittel sind viel feiner als im grobschlächtigen Berlin. Es liegt selbst beim Scheitern der Schulreform eigentlich kein Grund
    für einen Rücktritt des Bürgermeisters vor,schon garnicht so kurz vor der eigentlichen Wahl, in knapp zwei Jahren, in Hamburg, also muß es parteiinterne Gründe geben. Und die scheinen bei Frau Merkel in Berlin zu liegen, die sich von der schwachen FDP Ministerriege vorführen läßt. Frau Merkels Schwächen fielen in der großen Koalition weniger auf, da ein starker SPD Partner zur Seite stand.

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