Nach dem Beust-Rücktritt Suche nach neuen CDU-Helden

Eine Kohorte geht, die die CDU lange prägte. Der Partei geht das Spitzenpersonal aus. Ihre Nachfolger kämpfen gegen ein erstarktes Rot-Grün.

Woran erkennt man, dass die CDU derzeit ein akutes Personalproblem hat? An ihrer Sprachlosigkeit.

Montagmorgen in Berlin, Tag eins nach Beusts Rücktrittsankündigung . Die CDU-Spitze hat zur Präsidiumssitzung geladen. Vor der Parteizentrale harren einige Journalisten aus. Sie wollen hören, was die Mitglieder des obersten Führungsgremiums der CDU an diesem Tag zu sagen haben. Aber die Herren und wenigen Damen, die da vorbei eilen, schweigen lieber. Etwa Maria Böhmer, die Staatssekretärin, oder Peter Altmaier, der Fraktionsgeschäftsführer. Fast unbehelligt betreten sie das Konrad-Adenauer-Haus. Ihnen kommt zu Gute, dass sich ihr Bekanntheitsgrad in Grenzen hält.

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Diejenigen, die sofort umringt werden und dann auch routiniert ein paar Sätze loswerden, sind die, die eigentlich schon gar nichts mehr zu sagen haben. Roland Koch zum Beispiel, der scheidende Ministerpräsident von Hessen. Sonst nöle die Presse doch immer, wenn Politiker an ihrem Amt festkleben, frotzelt er. Nach Koch kommt Jürgen Rüttgers, der scheidende CDU-Chef aus Nordrhein-Westfalen. Er ruft irgendwas von einem "schönen Morgen", und zeigt dabei sein Rüttgers-Grinsen, das nie besonders fröhlich aussieht.

Nach Rüttgers kommt Ole von Beust selbst. Er philosophiert ein wenig: Jeder Mensch sei ersetzbar. So sieht das offenbar auch Peter Harry Carstensen, der ein paar Minuten vor Beust, die CDU-Zentrale betreten hat. Es sei ein "großes Geschenk" selbst den richtigen Zeitpunkt zum Abschied wählen zu dürfen, sagt der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nein, richtig, Carstensen hat seinen Rücktritt noch nicht angekündigt. Wobei – oft genug damit kokettiert hat er auch schon.

Die CDU befindet sich – an diesem Montagmorgen merkt man das deutlich – momentan in einer Zwischenphase. Die Kohorte, die die Partei in den vergangenen zehn Jahren wie keine zweite geprägt hat, hört auf. Fünf mächtige Landesfürsten der CDU haben in den letzten Monaten angekündigt, das Feld der Landespolitik zu verlassen. Derzeit befinden sich einige von ihnen auf Abschiedstour.

Die Kochs, Rüttgers' und Beusts – dazu kommen noch Christian Wulff aus Niedersachsen und Günther Oettinger aus Baden-Württemberg  – haben zwar im inhaltlichen Spektrum der CDU verschiedene Positionen vertreten. Aber sie sind gemeinsam aufgestiegen, was ihre starke Stellung in der Partei ein Stück weit erklärt. Als Helmut Kohl an die Macht kam, waren sie Mitte zwanzig, ausgebildete Juristen – und stellten die Führungselite des CDU-Jugendverbandes. Im gemeinsamen "Andenpakt" hatten sie zudem vereinbart, niemals miteinander um einen Posten zu konkurrieren. Fast 20 Jahre später übten sie höflich Kritik am scheinbaren Endlos-Kanzler, was ihnen in den späten Neunzigern den Gruppennamen Junge Wilde einbrachte. Nach dem Machtwechsel 1998 profitierten sie vom schlechten Ruf, den Rot-Grün auf Bundesebene bald genoss.

Die Jungen Wilden gewannen ein Bundesland nach dem anderen für die CDU. Seither dominierten sie das Parteipräsidium und den Bundesrat. Nur ins Bundeskabinett schaffte es keiner von ihnen. Angela Merkel, vom "Andenpakt" immer als illegitime Platzhalterin auf dem Parteichef-Sessel wahrgenommen, wollte sie nicht um sich haben. Spätestens seit Koch und andere sie 2002 als Kanzlerkandidatin verhinderten, war das Vertrauensverhältnis gestört.

Jetzt machen die gealterten Jungen Wilden freiwillig Platz. Und es stellt sich die Frage, wer ihnen nachfolgt. Schließlich werden mit den Rücktritten auch drei von vier Stellvertreter-Posten der Parteivorsitzenden Merkel vakant. Wer drängt also nach vorn? Nicht viele, so die Antwort, auch von manchen Christdemokraten. Auf den ersten Blick sucht man eine Kohorte von vergleichbarer Qualität vergeblich.

Leser-Kommentare
  1. Ein echt Bürgerlicher wählt nicht FDP... Höchstens hilfsweise. Und diese staatssozialistische Partei überhaut nicht mehr. Vielleicht, nach vielem Hingeschaue, grün: Aber dann eben doch das Original. Angie mit Ihresgleichen unter sich. JU-Kofferträger ist das eine, Wasserträger für die Kohlfortsetzende Experimental-Parteiumgestalterin sind die meisten dann doch eher nicht... Warum auch?

  2. Moin,
    die Situation ist doch altbekannt, sorgte seinerzeit bei CDU/CSU und FDP für Hohn und Spott. Seinerzeit betroffen war die SPD, die durch die harte Schule schon gegangen ist, die nun der CDU und auch der CSU noch bevorsteht. Beide tun es der SPD zeitlich verschoben und in unterschiedlicher Ausprägung gleich. Die CDU blutet vermutlich stärker aus als die CSU. Besonders auffällig ist aber der enge Zeitrahmen, in dem der potentielle Personalpool aus den inzwischen leicht ergrauten "Jungen Wilden" der 1980er und 1990er innerhalb der CDU schwindet. Angetreten, die Republik in die Weltsicht Adenauers zurück zu führen, mit einigen modern anmutenden Ausnahmen, treten sie nun quasi in einer Massenflucht aus dem zweiten Glied ins dritte oder vierte zurück, statt in die erste Reihe zu streben. Man schwankt zwischen der Vermutung, sie werden weggebissen von der Vorsitzenden, sobald sie zu mächtig werden, oder der Ahnung, sie fürchten die Dinge, die uns noch blühen. Noch tendiere ich zur ersten Variante. Dann aber hat Angela Merkel nichts gelernt aus den Fehlern der Eisernen Lady. Auch Thatcher hinterlies ein gerupftes Schlachtfeld, auf dem sich John Major nur schwach behaupten konnte.
    Man kann der SPD daher nur wünschen, dass wenigstens dort der Umgang mit dem Nachwuchs besser geworden ist, damit eine funktionsfähige Regierung gebildet werden kann, wenn der jetzige Laden vollständig versinkt. Dort sollte man aus den Fehlern der letzten Jahre gelernt haben.
    Beste Grüße
    Grabert

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    das die SPD aus dieser Phase nie ausgetreten ist und es steht zu erwarten, das dies bei der CDU nicht anders kommt.

    In der CSU scheint zu Guttenberg der einzige Lichtblick deutschlandweit, wobei sich noch herausstellen muss, ob er die Erwartungen auf Dauer erfüllen kann.
    Zumindest ist er dei einzige Politiker, dessen Handlungsweisen einer gewissen sinnhaften Logik folgen, statt Ideologie oder Lobbyisteninterssen.

    H.

    das die SPD aus dieser Phase nie ausgetreten ist und es steht zu erwarten, das dies bei der CDU nicht anders kommt.

    In der CSU scheint zu Guttenberg der einzige Lichtblick deutschlandweit, wobei sich noch herausstellen muss, ob er die Erwartungen auf Dauer erfüllen kann.
    Zumindest ist er dei einzige Politiker, dessen Handlungsweisen einer gewissen sinnhaften Logik folgen, statt Ideologie oder Lobbyisteninterssen.

    H.

    • CM
    • 19.07.2010 um 17:10 Uhr

    Ich werde mich bewerben, so schwierig kann das nicht sein, und da Frau Merkel das Personal ausgeht müßte sie sogar Typen wie mich nehmen.

    Bestimmt mache ich dann gar nicht viel anders, sondern mime das übliche, standardisierte, fachwissenfreie, universell einsetzbare, anzugtragende Meinungsfrettchen, das konservativ klingende Restposten in die Kameras und Mikrofone absondert.

    Hier ein erstes Highlight:

    "Aus christlicher Überzeugung, für die wir als C-Partei immer noch das Patent haben, bin ich dafür, aus dem Ausstieg vom Atomausstieg auszusteigen. Der Mittelstand in Form von überaus mittelständischen, arbeitsplatzschaffenden Mittelstandsunternehmen ist viel besser in der Lage, mit dezentralen Blockheizkraftwerken, Windenergieanlagen und anderen konservativ-werteorientierten Techniken das Land mit Arbeitsplätzen, Strom und Wärme zu versorgen als mit den sozialistischen, gleichmachenden Großkraftwerken der altkommunistischen Kader bei RWE, Vattenfall, Eon und EnBW."

    Ups... noch so ein Störenfried wie Röttgen...

    • joxx
    • 19.07.2010 um 17:27 Uhr

    Persönlichkeit, Engagement, Verantwortung - nicht mehr gefragt.
    Irgendwie hängt irgendwie alles mit der Finanzmarkt und deren Produkte zusammen.

    Irgendwie drehen immer noch die Kopfräder "DDR" und "BRD"
    nicht im Takt.

    " Zersetzung" eines Systems durch Entscheidungen vom Schreibtisch - wann endlich sieht man Banker wieder in Betriebe - besteht noch Hoffnung od. kommt nach Basel II
    nur das Kreditvergabegesetz als Argument.

    Politiker haben dies erkannt- Köhler, Koch, Wulff, ....

    Bei der Kanzlerin fehlt der (Durchb....) Mut, die Motivation, die Begeisterung, stattdessen Monotonie in Mimik
    und Ausdruck geprägt mit viel Eigenlob(wofür).
    Und irgendwie schwebt über Ihren Kopf der Erich H. lächend
    und spricht " gutes Mädchen"

    Man, Man, Man.

  3. Wo Kommt sie her? Aha!
    In welcher Organisation wurde sie politisch sozialisiert? Aha!
    Hätten wir gedacht, dass 20 Jahre nach der Wende das Kanzleramt ein Staatsrat ist, dass in unseren demokratisch gewählten Gremien nur noch topdown entschieden wird, egal, wie "down" argumentiert wird? Ist das noch eine Demokratie? Und es ist schon ein Kunststück, dass so viele Spitzenpolitiker nun auch schon Politikverdrossenheit spüren und die Flucht ergreifen - einmalig in der deutschen Geschichte! Aber warum gebietet der Entwicklung in der CDU niemand Einhalt?

    • Harzer
    • 19.07.2010 um 17:45 Uhr

    schmiert euch Pommade ins Haar und wenn Ihr nicht auf den Mund gefallen seid, habt Ihr jetzt riesige Aufstiegschancen.

    Ein Adelstitel oder ein Name wie Schröder, Köhler,... Meier, Müller, Schulze können auch nicht schaden.

    Warum hört man noch nichts von Philipp Mißfelder ?

  4. Von den Märchen, Merkel sei sozusagen undercover-Sozialistin halte ich gar nichts. Dass Koch und v.Beust beider am 25.8.2010 zurücktreten, schon für etwas bemerkenswerter. Schlecht vorstellbar, dass der Andenpakt schon ganz Geschichte ist. Da kommt noch etwas (vermute ich).
    Aber Frau Merkel ist nach 5 Jahren schon da, wo Kohl nach 7 Jahren war. Und dieses Mal gibt es keine DDR, die es zu annektieren gäbe gegen die Lüge der blühenden Landschaften. Und die FDP ist eine Dilettantentruppe sondergleichen. Der Fall steht bevor, der Fall der M.
    Ich bin schon einmal gespannt auf die Dramaturgie.
    Es geht jetzt nur noch darum wie die B-Note für den künstlerischen Wert ausfällt.

  5. das die SPD aus dieser Phase nie ausgetreten ist und es steht zu erwarten, das dies bei der CDU nicht anders kommt.

    In der CSU scheint zu Guttenberg der einzige Lichtblick deutschlandweit, wobei sich noch herausstellen muss, ob er die Erwartungen auf Dauer erfüllen kann.
    Zumindest ist er dei einzige Politiker, dessen Handlungsweisen einer gewissen sinnhaften Logik folgen, statt Ideologie oder Lobbyisteninterssen.

    H.

    Antwort auf "Altbekannt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Moin,
    nein, gerade bei von Guttenberg habe ich einen vollkommen anderen Eindruck. Er wirkt auf mich eher wie ein Politikdarsteller, der die Rolle "Kantig" spielt, real aber eher konturlos ist. Dies wirkt vornehmlich deswegen, weil wirklich kantige Politiker inzwischen Mangelware sind.
    Richtig aber scheint zu sein, dass (noch) die SPD aus der derzeitigen Schwäche von schwarz-gelb relativ gut da steht. Jetzt wird sich in NRW zeigen, ob unser Land für eine Minderheitsregierung reif ist. Ein Modell, das in anderen Ländern längst normal ist. Es bietet durchaus Chancen, gerade weil man sich auch auf wechselnde Mehrheiten stützen kann. Dies funktioniert allerdings nur, wenn man zu Sacharbeit bereit ist. Ich weiß, ein weit gespannter Bogen, den ich aber ziehe, um eine Lösung aufzuzeigen. Bei meiner Befassung mit dem digitalen BOS-Funk, ein Bund/Länder-Thema, das bis in die Kommunen streut, habe ich aber bisher auf allen Ebenen eher eine konzertierte Nichtbefassung mit Sacharbeit festgestellt. Bei anderen Themen sehe ich es ähnlich.
    Die glatten Politikdarsteller sind auf dem Vormarsch, bei CDU, CSU und FDP ganz besonders, diese werden aber eigentlich gar nicht gebraucht.
    Beste Grüße
    Grabert

    Moin,
    nein, gerade bei von Guttenberg habe ich einen vollkommen anderen Eindruck. Er wirkt auf mich eher wie ein Politikdarsteller, der die Rolle "Kantig" spielt, real aber eher konturlos ist. Dies wirkt vornehmlich deswegen, weil wirklich kantige Politiker inzwischen Mangelware sind.
    Richtig aber scheint zu sein, dass (noch) die SPD aus der derzeitigen Schwäche von schwarz-gelb relativ gut da steht. Jetzt wird sich in NRW zeigen, ob unser Land für eine Minderheitsregierung reif ist. Ein Modell, das in anderen Ländern längst normal ist. Es bietet durchaus Chancen, gerade weil man sich auch auf wechselnde Mehrheiten stützen kann. Dies funktioniert allerdings nur, wenn man zu Sacharbeit bereit ist. Ich weiß, ein weit gespannter Bogen, den ich aber ziehe, um eine Lösung aufzuzeigen. Bei meiner Befassung mit dem digitalen BOS-Funk, ein Bund/Länder-Thema, das bis in die Kommunen streut, habe ich aber bisher auf allen Ebenen eher eine konzertierte Nichtbefassung mit Sacharbeit festgestellt. Bei anderen Themen sehe ich es ähnlich.
    Die glatten Politikdarsteller sind auf dem Vormarsch, bei CDU, CSU und FDP ganz besonders, diese werden aber eigentlich gar nicht gebraucht.
    Beste Grüße
    Grabert

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