In Stuttgart ist die von Union und FDP vereinbarte Gesundheitsreform offenbar nicht gut angekommen. "Wir haben keinen großen Wurf gelandet", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . "Wir müssen die Kosten dämpfen, und wir müssen viel mehr Anreize zum Sparen ins System einbauen."

Zuvor hatten sich bereits die Regierungschefs von Sachsen und Bayern, Stanislaw Tillich (CDU) und Horst Seehofer (CSU) kritisch zu dem Kompromiss geäußert . Es gebe "erheblichen Gesprächsbedarf", wurde Tillich zitiert. Sein Amtskollege Seehofer sagte, mit dem Gesundheitskompromiss könne vielleicht für "einige Jahre" ein System stabilisiert werden, nicht aber auf Dauer. Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), ein vehementer Gegner der Kopfpauschale, äußerte sich ähnlich: Er sei "skeptisch", dass sich durch die Reform die Finanzlage der Kassen über das Jahr 2011 hinaus bessert. Er warnte zudem davor, unbegrenzt Kosten auf die Versicherten zu übertragen.

Mappus verteidigte hingegen den Beschluss, wonach auf die Arbeitnehmer höhere Beiträge zur Krankenversicherung zukommen . Die Menschen müssten sich grundsätzlich darauf einstellen, dass sie mehr Geld für Gesundheitsfürsorge und Alterssicherung ausgeben müssten, sagte der CDU-Politiker der Zeitung. Zudem seien in der Gesundheitspolitik "unpopuläre Entscheidungen" nun mal unumgänglich.

Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich am vergangenen Dienstag nach monatelangem Streit auf ein künftiges Finanzierungsmodell für die gesetzlichen Krankenkassen geeinigt. Hierfür soll 2011 der Beitragssatz von derzeit 14,9 wieder auf 15,5 Prozent angehoben werden. Sollte das Geld den Kassen ab 2011 nicht reichen, dürfen sie die Defizite mittels frei bestimmbarer Zusatzbeiträge ausgleichen. Diese müssten von den Versicherten gezahlt werden. Übersteigt der im Durchschnitt nötige Zusatzbeitrag zwei Prozent des Einkommens, soll die Differenz mit Steuermitteln ausgeglichen werden.