Noch nie konnte man im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin so viele leidenschaftliche Fürsprecher der Grünen finden wie am Montag. In der CDU-Parteizentrale lobte jeder, der vor ein Mikrofon trat, die Arbeit der Grünen in Hamburg. Und alle zeigten sich demonstrativ zuversichtlich, dass die schwarz-grüne Koalition auch nach dem Rücktritt von Ole von Beust unter einem neuen Ersten Bürgermeister weitergehe. "Er hat die Koalition so geführt, dass es gute Chancen gibt, dass auch sein Nachfolger diese Koalition fortführen kann", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Beust in Berlin. Auch der scheidende Bürgermeister äußerte sich vor einer Präsidiumssitzung der Bundespartei. Er verstehe die Irritation bei den Grünen, aber: "Ich sehe absolut keine Gefährdung von Schwarz-Grün."

Die Grünen sehen das allerdings längst nicht so eindeutig – auf Bundesebene und auch in Hamburg. "Ole von Beust hat gesagt, er steht als Person hinter einer modernen schwarz-grünen Politik", sagte Claudia Roth. Die Parteivorsitzende kritisierte, dass Beust einfach so die Brocken hinwerfe – es sei eine bürgerliche Null-Bock-Generation entstanden.

Das sehen auch die Hamburger so. "Der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie Ole von Beust zurückgetreten ist, sind absolut indiskutabel", sagte Krista Sager, Bundestagsabgeordnete aus Hamburg, ZEIT ONLINE. "Bei stürmischer See verlässt der Kapitän nicht die Brücke." Zwar gab es seit Tagen Rücktrittsgerüchte in den Hamburger Medien; dass von Beust als amtsmüde galt, war bekannt. Doch die Grünen sind davon ausgegangen, dass der Bürgermeister selbst an die Öffentlichkeit tritt und seine Entscheidung bekannt gibt – und nicht, dass aus seinem Umfeld die Information an die Presse durchgesteckt würde.

"Die Rücktrittsabsichten hatten uns erreicht", sagt Antje Möller, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GAL in der Hansestadt, "die konkrete Ausgestaltung hat uns aber überrascht." Enttäuscht reagierte auch Manuel Sarrazin, Beisitzer im Landesvorstand: "Ich verstehe das nicht. Ole von Beust war ein guter Bürgermeister."

Der Unmut der Grünen über den unerwartet schnellen Abgang des Bürgermeisters wird noch vom Ärger über dessen wahrscheinlichen Nachfolger überdeckt. Als Kandidat des CDU-Landesvorstands steht bereits Innensenator Christoph Ahlhaus fest. Am Montag wird die Bürgerschaftsfraktion über den neuen Bürgermeister entscheiden. Die Grüne Jugend kritisiert den Konservativen offen. "Einen Hardliner wie Christoph Ahlhaus als Bürgermeister sehen wir kritisch", schrieb deren Sprecher Gregor Dutz. In den nächsten Tagen werde es zur einer "Neubewertung der Koalition" kommen.

Die traditionell aufmüpfige Parteijugend steht mit ihrer Kritik nicht alleine da. Der Unterschied zwischen dem Parteikonservativen Ahlhaus und dem liberalen von Beust ist so groß, dass mancher Grüne schwerwiegende Probleme befürchtet. Die Parteilinke kritisiert Ahlhaus' Innenpolitik. Viele Parteimitglieder fragen sich, ob der 40-Jährige als Bürgermeister eine moderatere Rolle finden kann. "Herr Ahlhaus muss sich klar zum Koalitionsprogramm und den gemeinsamen Zielen bekennen", fordert die Landesvorsitzende Katharina Fegebank im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Ohne Ole von Beust wäre diese Koalition nie entstanden, heißt es bei der GAL. Der Freiherr und die Spitze der Grünen harmonierten auch zwischenmenschlich. Krista Sager, frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Hamburger Bürgerschaft und im Bundestag, kennt den scheidenden Bürgermeister lange. Er stehe für eine liberale Großstadtpolitik. Dieser Kurs müsse fortgesetzt werden. "Es gibt keinen Automatismus, dass Senat und Bürgerschaft nun einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt Sager.