Neue Regierung in NRW "Totalopposition wäre Quatsch"

Versöhnliche Töne in Nordrhein-Westfalen: Die CDU will mit der neuen rot-grünen Minderheitsregierung doch zusammenarbeiten – unter bestimmten Bedingungen.

Erst sprach er von einer "Regierung der Instabilität", von einem "morschem Gebälk", auf dem das neue Regierungsbündnis in Nordrhein-Westfalen stünde. Nun findet Karl-Josef Laumann, der neue Vorsitzende der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, versöhnlichere Worte. "Totalopposition wäre Quatsch", sagte er der Rheinischen Post und machte damit deutlich, dass er die Arbeit der neuen rot-grünen Minderheitsregierung nicht komplett blockieren will. Die Opposition müsse zwar auch über eine "Abteilung Attacke" verfügen. "Auf der anderen Seite möchte ich aber auch eine Opposition der Alternativen sein."

Weiter sagte Laumann: "Wenn Frau Kraft etwas vorlegt, was gut fürs Land ist und was der CDU-Politik entspricht – warum sollten wir dann nicht mitmachen?" Ob die CDU sich an diese Ankündigung hält, wird sich sehr bald herausstellen. Dann nämlich, wenn die von der  rot-grünen Minderheitsregierung geplante Reform der Stadtwerke zur Abstimmung steht. Das Vorhaben basiert noch auf einem Gutachten der schwarz-gelben Vorgängerregierung.

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Die neue Ministerpräsidentin Hannelore Kraft setzt auf wechselnde Mehrheiten im Parlament. Aller Voraussicht nach werden künftig vor allem die Abgeordneten der Linken für rot-grüne Gesetzesvorhaben stimmen – oder zumindest nicht dagegen.

Kraft hofft jedoch, dass auch die anderen beiden Oppositionsparteien mit der neuen Regierung kooperieren werden. "Bei Union und FDP sind die Wunden derzeit noch sehr tief", sagte sie. "Aber es kann sein, dass das nach der Sommerpause vielleicht schon wieder anders aussieht."

Schließlich hätten die Sondierungsrunden mit allen Parteien gezeigt, dass es durchaus Überschneidungen gibt. "Wir werden sehen, mit wem man was durch den Landtag bringen kann", sagte Kraft. "Ich hoffe, dass es eine stabile Regierung wird."

Auch ihre designierte Vize Sylvia Löhrmann appellierte an die staatspolitische Verantwortung von Schwarz-Gelb. "Ich hoffe, dass die anderen Fraktionen unserer Einladung folgen und da, wo sie es in der Sache richtig finden, auch mitstimmen."

Den jüngsten Äußerungen von Karl-Josef Laumann zum Trotz ist die Motivation bei CDU und FDP nicht sonderlich ausgeprägt, die neue Regierung zu unterstützen. So sagte der CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid am Mittwoch, es sei zwar offensichtlich, dass die Regierung "dringend Hilfe" brauche. Aber die sei von seiner CDU nicht unbedingt zu erwarten. Noch deutlicher wurden die Liberalen: Man werde "dem Linksbündnis mit konsequenter Oppositionspolitik entgegentreten".

Der Landtag hatte Kraft am Mittwoch im zweiten Wahlgang zur Ministerpräsidentin gewählt . Die 49-Jährige löst mit einer rot-grünen Regierung die schwarz-gelbe Koalition von Jürgen Rüttgers (CDU) ab. Sie ist die erste Ministerpräsidentin in der Geschichte Nordrhein-Westfalens .

 
Leser-Kommentare
  1. "Kraft hatte angekündigt, dass sie ihre Regierung paritätisch mit Männern und Frauen besetzen will." genau, geschlechterproporz vor kompetenz!

  2. ... als ein Nicht-Verlierer (anders als Herr Rüttgers) sich wirklich (und aufrichtig) des gemeinsamen Auftrags besinnt, den _alle_ in den Landtag gewählten Menschen haben, und auf den sie ihren Eid schwören...
    Man kann ja von außen nur appellieren, aber die Wahlergebnisse und vor allem -beteiligungen zeigen ja doch überdeutlich, dass die meisten Menschen "in diesem unserem Lande" die derzeitigen Politallüren übersatt haben.
    An die Hausaufgaben, Leute. Macht Politik für die, die Euch gewählt haben, und auch mal für die, die Euch NICHT gewählt haben.
    Überzeugungsarbeit muss man bei denen leisten, die "außen vor" sind - die "drinnen" sind, muss man nicht mehr groß überzeugen.

  3. Ich sehe diese Minderheitsregierung als Riesenchance für die Politik, um wieder etwas näher ans Volk heranzurücken. Jetzt können die Abgeordneten zeigen, dass es ihnen wirklich um die Sache geht und nicht um die Partei.
    Ich finde eh, dass jede Partei etwas bietet, das interessant ist. Wenn da ein guter Mix entsteht, kann das weiterführen, als wenn Parteiprogramme durchgezogen werden, die immer etwas einseitig sind.
    Also zeigt den Kollegen in Berlin, dass sich Politik auch um die Sache (Volk) drehen kann.

    • TDU
    • 15.07.2010 um 11:42 Uhr

    Hört sich zumindest gut an, was da gesagt wird. Und ich hoffe, wir bleiben von innerparteilichem Zwist aber auch von Rot-Grüner Häme, die im Bund mittlerweile Oppositonsarbeit ersetzt, weitgehend verschont.

    Für mehr Konkurrenz für die Privatwirtschaft bin ich allerdings nicht, denn die Priavtwirtschaft ist schon wegen der Schwierigkeiten der Binnenkonjunktur gebeutelt genug.

    Und dadurch auf einfache Art Arbeitsplätze für Eigene- und Wahlklientel zu schaffen und das später als Verdienst eines wirtschaftlichen Fortschritts auszugeben, halte ich gar nichts.

    Da muss die Opposition aufpassen. Denn abgesehen davon, dass auch in NRW der Sozialismus nicht eingeführt werden sollte (das geben weder das Wahlergebnis noch die Umfragen her), wird mehr Staat natürlich von "der Linke" unterstützt und garantiert auch Unterstützung auf anderen Gebieten.

    Also sollte auch die Regierung nicht Macht vor Inhalt stellen.

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    Dass die Probleme der Privatwirtschaft in Bezug auf die geringe Binnennachfrage ja erst durch die astreine Lobby-Arbeit der Privatwirtschaft in Berlin entstanden sind (sprich: Niedrighaltung der Löhne, was natürlich keine hohe Binnennachfrage ermöglicht) scheint Ihnen wohl entgangen zu sein?

    Dass die Probleme der Privatwirtschaft in Bezug auf die geringe Binnennachfrage ja erst durch die astreine Lobby-Arbeit der Privatwirtschaft in Berlin entstanden sind (sprich: Niedrighaltung der Löhne, was natürlich keine hohe Binnennachfrage ermöglicht) scheint Ihnen wohl entgangen zu sein?

  4. Dass die Probleme der Privatwirtschaft in Bezug auf die geringe Binnennachfrage ja erst durch die astreine Lobby-Arbeit der Privatwirtschaft in Berlin entstanden sind (sprich: Niedrighaltung der Löhne, was natürlich keine hohe Binnennachfrage ermöglicht) scheint Ihnen wohl entgangen zu sein?

    Antwort auf "Hört sich gut an"
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    • TDU
    • 15.07.2010 um 13:23 Uhr

    Na klar, ohne Lobbyisten wäre alles viel besser. Und der rheinische Kapitalismus war im Grunde ein Rotes Projekt.

    • TDU
    • 15.07.2010 um 15:41 Uhr

    Das Verbot der mehrfach freien Mitarbeit (für mehr Staatseinnahmen) die Ausweitung der Minijobstunden und die Konzentration auf die Großkerne (bringen Mehr Steuern), die Verteuerung durch Ökosteuer, hat ja nicht nur das Benzi veteuert - alle diese Massnahmen von Rot - Grün oder SchwarzRot sind mir nicht entgangen.

    Die Verlagerung der Produktion ins Ausland war schon absehbar bevor es poltischerseits einen Protest gab. Und Nokia hätte auf die Wiedervorlage gehört vor Ablauf der Förderfrist. (CdU/FPD)

    Die Globalisierung ist halt auch ein Zwang. Dann muss man der Lobby aber auch entgegentreten. Denn staatliche Betriebe können auch nicht mehr zahlen, tun sie auch nicht.

    Sie haben nur den Nachteil, dass diejenigen ausserhalb der KLientel noch weniger Chancen auf Arbeit haben. Siehe die ehemalige DDR, die dieses Prinzip ja gepflegt hat.

    Und der Staat kann nur nur Abeitsplätze schaffen unter der Bedingung, dass Verluste mit Steuern ausgelichen werden. Viellicht für viele ein Perspektive, auf jeden Fall für deijenigen, die das verwalten.

    • TDU
    • 15.07.2010 um 13:23 Uhr

    Na klar, ohne Lobbyisten wäre alles viel besser. Und der rheinische Kapitalismus war im Grunde ein Rotes Projekt.

    • TDU
    • 15.07.2010 um 15:41 Uhr

    Das Verbot der mehrfach freien Mitarbeit (für mehr Staatseinnahmen) die Ausweitung der Minijobstunden und die Konzentration auf die Großkerne (bringen Mehr Steuern), die Verteuerung durch Ökosteuer, hat ja nicht nur das Benzi veteuert - alle diese Massnahmen von Rot - Grün oder SchwarzRot sind mir nicht entgangen.

    Die Verlagerung der Produktion ins Ausland war schon absehbar bevor es poltischerseits einen Protest gab. Und Nokia hätte auf die Wiedervorlage gehört vor Ablauf der Förderfrist. (CdU/FPD)

    Die Globalisierung ist halt auch ein Zwang. Dann muss man der Lobby aber auch entgegentreten. Denn staatliche Betriebe können auch nicht mehr zahlen, tun sie auch nicht.

    Sie haben nur den Nachteil, dass diejenigen ausserhalb der KLientel noch weniger Chancen auf Arbeit haben. Siehe die ehemalige DDR, die dieses Prinzip ja gepflegt hat.

    Und der Staat kann nur nur Abeitsplätze schaffen unter der Bedingung, dass Verluste mit Steuern ausgelichen werden. Viellicht für viele ein Perspektive, auf jeden Fall für deijenigen, die das verwalten.

    • Chilly
    • 15.07.2010 um 11:58 Uhr

    Auch wenn es hier mit der Ausdauer einer tibetanischen Gebetsmühle wiederholt wird: Die LINKE muss rot-grünen Gesetzesvorlagen NICHT zustimmen. Es genügt völlig, wenn sich nur zwei Mitglieder der Fraktion bei der Abstimmung ENTHALTEN und somit eine etwas geringere Distanz zur Vorlage verdeutlichen als ein geschlossen blockweises NEIN-Stimmen im Sinne einer "Belgien-Opposition".

    Eine solche Zusammenarbeit, gar eine regelmäßige, mit CDU und FDP dürfte die LINKE ihrer Klientel bzw. Wählerschaft kaum vermitteln können, zumal mit zunehmendem Abstand der SPD von der Macht im Bund und dem immer deutlicher werdenden unsozialen Charakter der Merkel-CDU in der Schwarz-Gelben Koalition im Bund, die Menschen und v.a. auch die Wähler der LINKEN einen Kampf gegen diese konkrete Politik und nicht ein Nachkarten der (angeblichen und tatsächlichen) Fehler der SPD-Politik zwischen 1998 und 2009 wollen. Andererseits würden sich auch die konservativ-liberalen Parteien mit einer konsequenten "Belgien-Strategie" schwer tun. Ihre Wählerschaft ist in weiten Teilen staatstragend orientiert. Eine gemeinsame Obstruktionspolitik mit der LINKEN ist diesem Stammwählerbereich kaum zu vermitteln. Dies scheint auch der neue CDU-Oppositionsführer erkannt zu haben, zumal die Konsequenz in Form von Neuwahlen gerade die CDU und auch die FDP derzeit fürchten müssten, wie die der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Kraft könnte fast nicht Besseres passieren, als durch "Belgien" verursachte Neuwahlen.

    CHILLY

    • TDU
    • 15.07.2010 um 13:23 Uhr
    7. Ach ja

    Na klar, ohne Lobbyisten wäre alles viel besser. Und der rheinische Kapitalismus war im Grunde ein Rotes Projekt.

    Antwort auf "Privatwirtschaft"

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