Merkels Machtwort Die Basta-Kanzlerin
Angela Merkel will die Nörgeleien in der Koalition nicht länger hinnehmen und droht den Kritikern. Das könnte sich als gefährlicher Weg erweisen, kommentiert Ludwig Greven.
Wie verzweifelt muss Angela Merkel sein. Seit Wochen, verschärft seit der missratenen Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten, prasselt der Unmut über ihren Führungsstil auf sie ein. Sie binde Partei und Fraktion nicht ein, sie habe sich im Kanzleramt eingemauert, ja, sie führe nicht, und wenn sie etwas entscheide, dann gehe es auch noch schief, lauten die zahlreichen Anwürfe, die bis in die höchsten Partei- und Fraktionskreise reichen.
Merkel hat sich die zunehmende Revolte eine Weile angehört, zunehmend grollend, kann man vermuten. Nun schlägt sie zurück: Sollten sich derartige Nörgeleien aus den eigenen Reihen wiederholen, werde sie sich die einzelnen Kritiker persönlich vornehmen, kündigte sie drohend in der Unionsfraktion an.
Solche Machtworte mögen wirken, wenn einer wirklich die Macht hat. Wenn aber ebendiese Führungskraft infrage steht, können sie auch die eigene Machtlosigkeit offenbaren. Was, wenn die Kritik dennoch nicht aufhört? Wie will Merkel die Kritiker dann abstrafen? Indem sie sie öffentlich maßregelt? Das wird vielleicht einzelne unzufriedene Abgeordnete ruhigstellen, die dann nicht mehr aufzumucken wagen. Aber es geht am eigentlichen Problem vorbei.
Denn der verbreitete Unmut in der CDU und den beiden anderen Koalitionsparteien hat ja reale Gründe. Er entzündet sich an dem miserablen Erscheinungsbild des schwarz-gelben Regierungsbündnisses, das nichts recht hinbekommt, wie zuletzt die Gesundheitsreform, die meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt bleibt. Für diesen schlechten Zustand der Koalition, ihrem Wunschbündnis, ist aber nicht zuletzt die Kanzlerin verantwortlich. Sie trägt die Führungsverantwortung, die sie allzu oft vermissen lässt. Und es sind ja nicht die Nörgler, die die Arbeit einer an sich gut arbeitenden Regierung schlecht machen würden. Das erledigen deren Führungsleute regelmäßig schon selbst.
Die Warnung an die Kritiker geht jedoch auch deshalb fehl, weil sie die tieferen Gründe für die Unzufriedenheit in der Partei verkennt. Merkel hat die CDU ganz auf sich zugeschnitten. Sie hat, ohne das je so klar als Ziel ausgegeben zu haben, die Partei verändert. Sie hat sie gesellschaftspolitisch modernisiert, in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert. Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag war wieder von vielen Reformen die Rede. Doch von den wichtigsten, der Steuerreform und der groß angekündigten Systemumstellung im Gesundheitswesen, hat sich die Regierung inzwischen verabschiedet.
Die CDU fühlt sich von dieser kühl und rational, je nach Problemlage und dem Druck der Verhältnisse hin und her steuernden Vorsitzenden nicht mitgenommen und eingebunden. Die Mitglieder und führende Leute registrieren mit Schaudern, wie die CDU in der Wählergunst immer weiter absinkt, nach dem schon historisch schlechten Wahlergebnis im vergangenen September. Und sie sehen nichts, was diesen Trend umkehren könnte.
Für viele in der Partei wirkt Merkel entrückt, je länger sie als Kanzlerin diesem irrlichternden schwarz-gelben Bündnis vorsteht. Um sie ist es einsam geworden. Alle Rivalen entschwinden, von Roland Koch bis Jürgen Rüttgers und Christian Wulff. Damit verliert sie aber auch, wie die Sehnsucht in der Partei nach Koch zeigt, mächtige Mitstreiter, die ihr zur Seite stehen könnten, wie es Koch vor dem entscheidenden dritten Bundespräsidenten-Wahlgang getan hat. Merkel steht ziemlich alleine da, alle Macht in der Partei liegt nun bei ihr. Doch gleichzeitig wirkt sie so macht- und kraftlos wie nie zuvor.
An diesem Grundgefühl wird sie durch autoritäres Gebaren nichts ändern. Sie kann die Partei nur wieder für sich gewinnen, wenn sie Diskussionen zulässt und die Stimmung an der Basis und unter den Abgeordneten ernst nimmt. Die für den Herbst geplanten Regionalkonferenzen sind hier der richtige Weg.
Eine Basta-Politik passt auch nicht zu Merkels Naturell. Ihr Vorgänger Gerhard Schröder hat auf diese Weise regiert, es entsprach seinem testosterongetriebenen Führungsstil. So wollte Merkel nie werden, sie kann es vermutlich auch nicht. Und Schröder ist auf diesem Weg am Ende gescheitert, weil er seine Politik nicht überzeugend erklärte und seine Partei nicht wirklich hinter sich brachte. Er hat zuerst die Macht in der SPD verloren, deren Führung er aufgeben musste, und schließlich die Kanzlerschaft. Merkel sollte das eine Lehre sein.
- Datum 07.07.2010 - 18:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 56
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in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert.
Durch ständige Wiederholung werden solche Aussagen auch nicht richtiger.
Ich empfinde solche Aussagen als dreist, als Mißbrauch von Medienmacht.
....dreist? Weil die CDU schon seit langer Zeit sozialdemokratisch ist? Da haben Sie recht. Das ist ja auch das Problem, das die Koalition hat. Die CDU/CSU trägt eine liberalere Politik nicht mit, weil sie eine sozio-ökonomische Gruppe vertritt, die in weiten Zügen von dieser Politik lebt.
"Sie hat sie - die cdU) gesellschaftspolitisch modernisiert, in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert."
Eben, die Richtung geht via Wirtschaftsdiktatur zu einem totalitären Staat unter der politischen Kontrolle der cdUcsUspdgrünefdp.
Ja ja, die Pfarrerstöchter
Denn wenn wir 'sozialdemokratisch' mit der Politik der SPD gleichsetzen, welche bekanntermassen in den letzten 30 Jahren sich von ihren vorhergehenden Inhalten verabschiedet hat, so stimmt die Aussage durchaus. Wer hingegen unter sozialdemokratisch demokratische Ansätze zur Überwindung der sozialen Frage versteht (demokratisch hier in doppeltem Sinne also im Sinne der Herrschaft des Volkes wie der Unterwerfung allen Gutes eben auch dieser Herrschaft), kommt nicht umhin festzustellen, diese Sozialdemokratie gibt es in der SPD immer weniger.
In diesem Sinne ist die Aussage nicht dreist, sondern sie spiegelt eine Denkrichtung wieder.
Spätestens mit der Großen Koalition und dem knappen Sieg der Union hat Frau Dr. Merkel erkannt, dass es rechts von der Mitte zu eng geworden ist und die CDU auch in der äussersten linken Mitte fischen muss, um in Deutschland im Bund regierungsfähig zu sein.
Nehmen wir ein symbolisches Beispiel: Die Kleidung bzw. das Outfit von Frau Dr. Merkel. Wie allen bekannt sein dürfte, werden die politischen Parteien und die groben politischen Strömungen in den Medien mit bestimmten Farben dargesellt. Es ist sicher keine Zufall, dass Frau Dr. Merkel seit 5 Jahren in schöner Gleichmässigkeit im SPD/ Linke-roten Kostüm vor die Presse/Kammeras tritt und eine sozialdemokratische Wirtschafts- und Sozialpolitik in Aussicht stellt.
Und unter wessen politischer Führung wurde die Commerzbank verstaatlicht?
....dreist? Weil die CDU schon seit langer Zeit sozialdemokratisch ist? Da haben Sie recht. Das ist ja auch das Problem, das die Koalition hat. Die CDU/CSU trägt eine liberalere Politik nicht mit, weil sie eine sozio-ökonomische Gruppe vertritt, die in weiten Zügen von dieser Politik lebt.
"Sie hat sie - die cdU) gesellschaftspolitisch modernisiert, in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert."
Eben, die Richtung geht via Wirtschaftsdiktatur zu einem totalitären Staat unter der politischen Kontrolle der cdUcsUspdgrünefdp.
Ja ja, die Pfarrerstöchter
Denn wenn wir 'sozialdemokratisch' mit der Politik der SPD gleichsetzen, welche bekanntermassen in den letzten 30 Jahren sich von ihren vorhergehenden Inhalten verabschiedet hat, so stimmt die Aussage durchaus. Wer hingegen unter sozialdemokratisch demokratische Ansätze zur Überwindung der sozialen Frage versteht (demokratisch hier in doppeltem Sinne also im Sinne der Herrschaft des Volkes wie der Unterwerfung allen Gutes eben auch dieser Herrschaft), kommt nicht umhin festzustellen, diese Sozialdemokratie gibt es in der SPD immer weniger.
In diesem Sinne ist die Aussage nicht dreist, sondern sie spiegelt eine Denkrichtung wieder.
Spätestens mit der Großen Koalition und dem knappen Sieg der Union hat Frau Dr. Merkel erkannt, dass es rechts von der Mitte zu eng geworden ist und die CDU auch in der äussersten linken Mitte fischen muss, um in Deutschland im Bund regierungsfähig zu sein.
Nehmen wir ein symbolisches Beispiel: Die Kleidung bzw. das Outfit von Frau Dr. Merkel. Wie allen bekannt sein dürfte, werden die politischen Parteien und die groben politischen Strömungen in den Medien mit bestimmten Farben dargesellt. Es ist sicher keine Zufall, dass Frau Dr. Merkel seit 5 Jahren in schöner Gleichmässigkeit im SPD/ Linke-roten Kostüm vor die Presse/Kammeras tritt und eine sozialdemokratische Wirtschafts- und Sozialpolitik in Aussicht stellt.
Und unter wessen politischer Führung wurde die Commerzbank verstaatlicht?
die Medien bereits auf eine Palastrevolution einschiessen. Bloss was sind die Alternativen, wahrscheinlich Meister Koch, der seine Figuren langsam in Position bringt und dann gute Nacht D-land. Aber sie hat ja schon mal mitgeholfen ein Land gegen die Wand zu fahren und ihre Pension dürfte auch gesichert sein.
Und Bundeskanzler Frau Merkel als rational operiende Person dar zustellen ist auch interessant, opportun träffe es wohl besser.
"in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert"
Das muss sie wohl in einem Paralleluniversum gemacht haben, oder der Begriff Sozialdemokratie wurde neu definiert.
kein Problem damit. Liegt es doch im ureigensten Interesse der Union nicht mit Kapitän Merkel unterzugehen.
Und dahin treibt die Union mit dieser Regierung langsam.
Da hilft dann auch kein gebabbel von wegen "Schuldenbremse"... "Schuldenbremse?" ... "Schuldenbremse" mehr.
Bin mal gespannt, wie die Bundesfinanzen nach dieser unsäglichen "Tigerentenepisode" aussehen werden.
kein Problem damit. Liegt es doch im ureigensten Interesse der Union nicht mit Kapitän Merkel unterzugehen.
Und dahin treibt die Union mit dieser Regierung langsam.
Da hilft dann auch kein gebabbel von wegen "Schuldenbremse"... "Schuldenbremse?" ... "Schuldenbremse" mehr.
Bin mal gespannt, wie die Bundesfinanzen nach dieser unsäglichen "Tigerentenepisode" aussehen werden.
entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine angemessene Wortwahl und verzichten Sie trotz Ihrer Empörung auf beleidigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/km
...Helmut Kohl ist schon lange nicht mehr im Amt.
...Helmut Kohl ist schon lange nicht mehr im Amt.
Es kann falsch sein, was sie macht, aber vielleicht hat sie Nase voll von denen, die jederzeit und zu jedem Thema ins Mikrophon quatschen. Die waren doch so zahlreich, dass man sich ausser Westerwelle und Seehofer keinen Namen merken kann. Und selbst der siegesgewisse Arbeiterführer aus NRW hat doch auch den Karren vor die Wand gefahren. Auch wenn der Stillstand wegen dieser Wahl nicht richtig war.
Da waren sicher alle in der CDU froh, dass ihnen diese Verantwortung auch von ihr abgenommen wurde.
Als ein analytischer Mensch, der sie ist, wird ihr das alles schon lange auf den Nerv gegangen sein. Gegen die Bereitschaft, Diskussionenn zuzulassen, spricht das überhaupt nicht. Im Grunde ist sie vermutlich auch jemand, der erwartet, das anständig gearbeitet wird, ohne jedem ständig das Händchen halten zu müssen.
Und wie ihre Macht ausssieht, wird sich zeigen. Es ist wohl so wie im richtigen Leben. Wenns reicht sollte man "drauf hauen". Ohne Rücksicht auf die Konsquenzen und eigene Fehler. Verantwortung?
Die lassen gerade die "Quatschköpfe" vermissen. Man stelle sich einfach vor, die Linke hätte geblufft und Gauck im ersten Wahlgang gewählt.
Diese albernen "Ohrfeigen" im ersten und zweiten Wahlgang waren des Anlasses unwürdig.
Ich behaupte einfach mal , dass diese Frau gerade dabei ist, den kalten Krieg zu gewinnen.Sie ruiniert diese Land besser als es die Russen je gekonnt hätten.
Bitte verstehen Sie Ihren Kommentar als Diskussionsgrundlage und fügen Ihren Thesen ein paar Argumente hinzu. Danke. Die Redaktion/is
Nur ruhig Blut. wir gewinnen heute gegen Spanien, sind dann im Finale, werden Weltmeister und ganz Deutschland ist im Sommertraum. Angie hat gute Chancen, wieder ihren inkompetenten Führungsstil zu verschleiern.
Erst bei der nächsten Wahl erfolgt letztlich die Quittung für das Fehlverhalten von "Schwarz / Gelb".
Liebe Wähler bitte nicht´s vergessen und richtig entscheiden bei der nächsten Wahl!
Na wenn das mal kein Zeichen der Zeit war, Ihr Jinweis, dass Deutschland gegen Spanien gewinnt. Als Sie Ihren Kommentar geschrieben haben, wusste ja noch keiner, wie die Sache wirklich ausgeht und auch ich hatte gehofft, dass Deutschland gewinnt und befürchtet, dass Merkel sich noch ein paar Tuben Superklebstoff für Ihren Sessel im Bundeskanzleramt besorgt hatte. Jetzt aber, da wir wissen, wie das Spiel Deutschland - Spanien ausgegangen ist, bleibt die Hoffnung, dass auch der superste Superklebstoff nicht mehr die absolute Inkompetenz der Regierung überdecken kann und sich die Leute auf die notwendigen Schritte besinnen, bevor das Schiff ganz absäuft. Es hat schon ordentlich Schlagseite...
Na wenn das mal kein Zeichen der Zeit war, Ihr Jinweis, dass Deutschland gegen Spanien gewinnt. Als Sie Ihren Kommentar geschrieben haben, wusste ja noch keiner, wie die Sache wirklich ausgeht und auch ich hatte gehofft, dass Deutschland gewinnt und befürchtet, dass Merkel sich noch ein paar Tuben Superklebstoff für Ihren Sessel im Bundeskanzleramt besorgt hatte. Jetzt aber, da wir wissen, wie das Spiel Deutschland - Spanien ausgegangen ist, bleibt die Hoffnung, dass auch der superste Superklebstoff nicht mehr die absolute Inkompetenz der Regierung überdecken kann und sich die Leute auf die notwendigen Schritte besinnen, bevor das Schiff ganz absäuft. Es hat schon ordentlich Schlagseite...
Sie schreiben: "....in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik indes hat sie sie unter der Großen Koalition sozialdemokratisiert...."
Das ist nicht ganz richtig. Frau Merkel hat ihre Partei zwar der SPD angenähert.
Nur, das diese schon lange selber nicht mehr "sozial- demokratisch" geschweige denn links oder gar sozial-listisch ist. ( Schröder, Steinmeier, Clement, Münte lassen grüßen )
Insofern haben wir inzwischen einen mitte-links-neo-rechts- liberalen Parteieneinheitsbrei ohne wirkliche Wahlalternativen. ( siehe Wahlbeteiligung )
Ich warte auf den Versuch des Kapitals, die Linke dort auch einzureihen und endlich " auf Linie zu spenden ".
Massive Kritik aus den eigenen Reihen ist das einzige, was der CDU helfen kann, nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Es kommt immer mehr ans Licht, dass diese Kaiserin (und ihre Partei) keine Kleider anhat. Ich glaube es ist Frau Merkel noch gar nicht bewußt, wie wenig Ideen sie und ihre Partei für dieses Land haben. Was ist denn bitte ihr Programm, " an der Macht bleiben " - wahrscheinlich. Die FDP braucht hauptsächlich anderes Personal.
Die UNION allerdings braucht einen kompletten Erneuerungsprozess, nicht nach Rechts oder Links, sondern Richtung Vernunft und Zukunftsfähigkeit.
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