Integration Widerstand gegen Özkans Medien-Sprachregeln

Niedersachsens Sozialministerin Özkan will die Medien in ihrem Bundesland auf eine Sprachregelung beim Thema Integration verpflichten. Die fürchten Gängelung.

Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Özkan hat in der Medienwelt erheblichen Wirbel ausgelöst : Die Ministerin will Journalisten eine "Mediencharta für Niedersachsen" unterzeichnen lassen. Mit dem Papier sollen sich die Pressevertreter unter anderem verpflichten, über "Herausforderungen der Integration zu berichten" und eine "kultursensible Sprache" anzuwenden. Mitte August sollte die Charta öffentlich von Journalisten unterzeichnet werden.

Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. "Unverblümter hat seit Langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen", sagte der Chefredakteur der Oldenburger Nordwest-Zeitung , Rolf Seelheim. "Wir haben im vergangenen Jahr für unsere Integrationsserie 'Gut angekommen' den 1. Preis von einer deutsch-türkischen Organisation bekommen. Das machen wir, ohne dass wir von der Landesregierung irgendwelche Handreichungen, Vorgaben oder feierliche Appelle brauchen", sagte der stellvertretende Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung , Matthias Koch.

Anzeige

NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte, der Vorschlag sei sicherlich "gut gemeint", doch der Vorgang "erscheint uns so problematisch, dass Medienvertreter eine in einem Ministerium formulierte Verpflichtungserklärung abzeichnen sollen".

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hält die Mediencharta für "absolut überflüssig". "Die Inhalte fließen bereits in die tägliche Arbeit der Journalisten ein", sagte die Geschäftsführerin des DJV-Landesverbandes Niedersachsen, Elisabeth Harries.

Dokumentation

Die "Mediencharta" von Aygül Özkan im Wortlaut:

"Der demografische Wandel verändert auch Niedersachsen: Wir werden weniger, älter und vielfältiger.

Dadurch ergeben sich neue, veränderte Zielgruppen für die Medien in unserem Land. Bereits 16 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Das wirkt sich auch auf die
Medienlandschaft aus.

Die Vertreter der niedersächsischen Medien betonen die Aufgabe, den Integrationsprozess in Niedersachsen zu unterstützen. Sie übernehmen die damit verbundene Verantwortung und erklären:

- in ihrer Berichterstattung über Sachverhalte und Herausforderungen der Integration zu berichten und zu informieren,
- eine kultursensible Sprache anzuwenden,
- die interkulturelle Öffnung zu fördern,
- die interkulturelle Kompetenz zu verstärken,
- Projekte hierfür zu initiieren und zu begleiten.

Hannover, den 16. August 2010" (Quelle: dpa)

Özkan versuchte, die Wogen zu glätten. Der bisherige Text sei nur ein Entwurf gewesen, betonte sie. "Die Charta war und ist als eine erste mögliche Diskussionsgrundlage gedacht." Eine Mail dazu an Journalisten habe aber nicht deutlich genug gemacht, dass es sich um einen Entwurf handeln sollte. "Insofern verstehe ich die Irritation und möchte klarstellen: Nichts liegt mir ferner, als die Unabhängigkeit der Medien in irgendeiner Form zu berühren."

Die 38-Jährige ist seit knapp drei Monaten im Amt, sie wurde vom damaligen Ministerpräsident Christian Wulff als erste türkischstämmige Ministerin in das Kabinett geholt. Bereits vor ihrem Amtsantritt sorgte sie mit der Äußerung für Aufsehen, dass in Schulen aus ihrer Sicht weder Kreuze noch Kopftücher erlaubt sein sollten. Damals nahm Özkan schnell wieder Abstand von ihrem Vorstoß .

 
Leser-Kommentare
  1. überflüssige Aktion, überflüssige Aufrege. Sprachregelungen sehen anders aus.

    Bitte legen Sie Ihre Meinung mit Argumenten dar. Danke. Die Redaktion/cs

  2. Bitte tragen Sie mit sachlichen Kommentaren zu einer guten Diskussion bei. Die Redaktion/cs

  3. Entfernt. Bitte begründen Sie Ihre Ansichten mit Argumenten, sodass eine sachliche Auseinandersetzung möglich wird. Die Redaktion/cs

  4. was ist unter einer

    "Kultursensiblen Sprache"

    zu verstehen,oder besser gefragt was verspricht sich
    die Ministerin davon?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ist doch völlig klar !

    Die Presse soll Multikulti feiern und alle,vermutlich besonders tuerkische Einwanderer ueber den gruenen Klee
    loben.
    Hier in Schweden gibt es das schon.
    Öffentlich darf sich nur positiv ueber Einwanderer geäussert
    werden.
    Bei Straftaten darf die Nationalität der Täter nicht mehr genannt werden.
    Alles Andere ist Rassismus.

    Ich finde diese Frau kommt genau zur richtigen Zeit.
    Erst sollen die Kreuze weg,dann möchte sie die Presse gleichschalten,die doch ueberwiegend sowieso Einwanderer freundlich ist.
    Vielleicht geht ja langsam dem ein oder anderen ein Licht
    auf.

    so long

    gedacht hatte ich mir ja schon wen oder was die neu eingesetzte überflüssige Ministerin damit meinte,
    sie sollte sich besser damit beschäftigen ,welche
    unflätigen Ausdrücke von Menschen mit Migrations-
    hintergrund wir Deutsche zu hören bekommen,davon weiß sie
    selbstverständlich nichts,ich schon
    es kann doch nicht sein ,dass unserer Presse vorgeschrieben
    wird mit welchen Worten sie ihre Berichte zu veröffentlichen hat,nur um ja die Sensibilität oder das
    ständige Beleidigtsein von manchen Migranten nicht zu
    verletzen,
    dass es tatsächlich auch in Deutschland Methode ist ,
    die Herkunft von Straftätern nicht mehr anzugeben ,weiß ich von einem Kriminalbeamten,das war ja schon im Fall der ermordeten Ägypterin geschehen ,
    Erdogan hat Angst ,dass sich die Türken die hier leben
    zu sehr assimilisieren,dann wieder wurden extra eingerichtete Gymnasien für Migranten gefordert,ich meine sogar Kindergärten sollte es separat geben , Forderungen
    über Forderungen,alle aus einer Richtung.

    Ist doch völlig klar !

    Die Presse soll Multikulti feiern und alle,vermutlich besonders tuerkische Einwanderer ueber den gruenen Klee
    loben.
    Hier in Schweden gibt es das schon.
    Öffentlich darf sich nur positiv ueber Einwanderer geäussert
    werden.
    Bei Straftaten darf die Nationalität der Täter nicht mehr genannt werden.
    Alles Andere ist Rassismus.

    Ich finde diese Frau kommt genau zur richtigen Zeit.
    Erst sollen die Kreuze weg,dann möchte sie die Presse gleichschalten,die doch ueberwiegend sowieso Einwanderer freundlich ist.
    Vielleicht geht ja langsam dem ein oder anderen ein Licht
    auf.

    so long

    gedacht hatte ich mir ja schon wen oder was die neu eingesetzte überflüssige Ministerin damit meinte,
    sie sollte sich besser damit beschäftigen ,welche
    unflätigen Ausdrücke von Menschen mit Migrations-
    hintergrund wir Deutsche zu hören bekommen,davon weiß sie
    selbstverständlich nichts,ich schon
    es kann doch nicht sein ,dass unserer Presse vorgeschrieben
    wird mit welchen Worten sie ihre Berichte zu veröffentlichen hat,nur um ja die Sensibilität oder das
    ständige Beleidigtsein von manchen Migranten nicht zu
    verletzen,
    dass es tatsächlich auch in Deutschland Methode ist ,
    die Herkunft von Straftätern nicht mehr anzugeben ,weiß ich von einem Kriminalbeamten,das war ja schon im Fall der ermordeten Ägypterin geschehen ,
    Erdogan hat Angst ,dass sich die Türken die hier leben
    zu sehr assimilisieren,dann wieder wurden extra eingerichtete Gymnasien für Migranten gefordert,ich meine sogar Kindergärten sollte es separat geben , Forderungen
    über Forderungen,alle aus einer Richtung.

  5. Dass eine Ministerin erwartet, dass Journalisten irgendeine Selbstverpflichtung unterschreiben, hat schon einen schlechten Geschmack.

    Auf der anderen Seite: Dieser Artikel hängt völlig in der Luft, solange er nicht schreibt (oder einen Link dazu anbietet), was die Ministerin nun eigentlich inhaltlich an Sprachregelungen vorschlägt. Können wir dazu etwas erfahren?

    • jolke
    • 23.07.2010 um 19:43 Uhr

    wenn in der tagesschau noch von "fremdenfeindlichkeit" oder "ausländerfeindlichkeit" anstatt von rassismus die rede ist, bei der WM immer noch das wort "scharzafrika" herumgeistert ...

    so lange der umgang mit menschen, die eine andere hautfarbe haben oder sich sonst wie optisch vom durchschnitt unterscheiden noch genauso inkompetent ist, wie der umgang mit frauen im 19. jahrhundert...

    da macht es tatsächlich sinn, denn herren von den medien mal ein paar leitlinien an die hand zu geben. wer solch eine freiwillige selbstverpflichtung nicht herzlich willkommen heißt, hat nicht verstanden, dass es hier um den weit verbreiteten rassismus geht, der sich durch sprachliche regelungen durchaus vermindern lässt. wieso kommen denn nicht mal echte rassismus-experten zu wort, anstatt irgendwelche konservativen angsthasen, die sich innerlich schon hinter so vielen barrikaden verschanzt haben, dass es muffelt...?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat: "da macht es tatsächlich sinn, denn herren von den medien mal ein paar leitlinien an die hand zu geben. wer solch eine freiwillige selbstverpflichtung nicht herzlich willkommen heißt, hat nicht verstanden, dass es hier um den weit verbreiteten rassismus geht, der sich durch sprachliche regelungen durchaus vermindern lässt."

    Und schon hat man das Orwellsche Neusprech. Wer die Macht hat bestimmt, wie etwas ausgedrückt wird. Aber die Manipulierung des Kulturguts Sprache dient ja einem guten Zweck: der Bekämpfung des Rassismus. Im Grunde geht es doch darum, Denkverbote zu errichten und eine noch extremere Form der Political correctness zu etablieren. Wir sollten uns also von den vorgeblich guten Zielen nicht täuschen lassen. Diese werden immer vorgegeben, wenn den Menschen die Freiheit genommen wird.

    Soll doch jeder so sprechen wie er möchte. Wer versucht, den Menschen/Medien eine politisch korrekte Sprache aufzudrängen ist in der Methodik totalitärer als ihm beliebt.

    • db72
    • 23.07.2010 um 21:40 Uhr

    Was soll das nun mit der Forderung nach 'kultursensibler Sprache' zu tun haben ?

    Der Begriff 'Schwarzafrika ' ist geographisch bedingt und wird ebenso in Schwarzafrika als Bezeichnung für die Region südlich der Sahara verwendet . Wollen sie nun den Schwarzafrikanern vorschreiben das sie dieses Wort nicht mehr benutzen dürfen ? Willkommen im politisch korrekten Kolonialismus.

    Zitat: "da macht es tatsächlich sinn, denn herren von den medien mal ein paar leitlinien an die hand zu geben. wer solch eine freiwillige selbstverpflichtung nicht herzlich willkommen heißt, hat nicht verstanden, dass es hier um den weit verbreiteten rassismus geht, der sich durch sprachliche regelungen durchaus vermindern lässt."

    Und schon hat man das Orwellsche Neusprech. Wer die Macht hat bestimmt, wie etwas ausgedrückt wird. Aber die Manipulierung des Kulturguts Sprache dient ja einem guten Zweck: der Bekämpfung des Rassismus. Im Grunde geht es doch darum, Denkverbote zu errichten und eine noch extremere Form der Political correctness zu etablieren. Wir sollten uns also von den vorgeblich guten Zielen nicht täuschen lassen. Diese werden immer vorgegeben, wenn den Menschen die Freiheit genommen wird.

    Soll doch jeder so sprechen wie er möchte. Wer versucht, den Menschen/Medien eine politisch korrekte Sprache aufzudrängen ist in der Methodik totalitärer als ihm beliebt.

    • db72
    • 23.07.2010 um 21:40 Uhr

    Was soll das nun mit der Forderung nach 'kultursensibler Sprache' zu tun haben ?

    Der Begriff 'Schwarzafrika ' ist geographisch bedingt und wird ebenso in Schwarzafrika als Bezeichnung für die Region südlich der Sahara verwendet . Wollen sie nun den Schwarzafrikanern vorschreiben das sie dieses Wort nicht mehr benutzen dürfen ? Willkommen im politisch korrekten Kolonialismus.

  6. ... bemerkt man leider eher bei der Ministerin, vor allem wenn es um die demokratische Kultur geht. Sowas passt doch eher in ein totalitäres Regime.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service