Rechtsextremismus Die Krise der NazisSeite 2/2

Berufsrechtsextremist Molau war in der NPD mit einem Putsch gegen den Vorsitzenden Voigt gescheitert. Es folgte ein Intermezzo in der DVU, von wo aus er nun versucht, kommunale Mandatsträger zur Pro-Bewegung zu locken. "Von Franz Schönhuber habe ich gelernt, dass Wahlerfolge ohne lokalen Unterbau nichts wert sind. Der hat immer von einem zu großen Anzug gesprochen, den man sonst nicht ausfüllen kann”, sagte er, als er vor zwei Jahren dieses Ziel noch für die NPD verfolgte.

Der ehemalige REP-Vorsitzende gilt als Molaus Vorbild. Und so versucht man nun bundesweit Mitglieder der gescheiterten Parteien DVU, der "Rechtsstaatlichen Offensive” (Schill-Partei) sowie der Republikaner für Pro zu begeistern. Einige der Angesprochenen berichten aber, dass bei Pro Deutschland zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft. Das größte Problem der Bewegung sind ihre fehlenden Aktivisten. Denn die Multifunktionäre von Pro sind eine durchsichtige Kulisse, die bei Bedarf verschoben wird. Etwa nach Berlin, wohin nun der Kölner Manfred Rouhs umziehen will, um die Stadt vor den Abgeordnetenhauswahlen im kommenden Jahr mit einer anti-islamischen, fremdenfeindlichen Kampagne zu überziehen. Die hatte seiner Bewegung bei den Landtagswahlen im Mai dieses Jahres 1,4 Prozent einbrachte. Eigentlich wollte man in den Landtag.

Ohnehin erfüllt die Pro-Bewegung viele ihrer Ankündigungen nicht. Deshalb gilt sie selbst unter Sympathisanten als unglaubwürdig. Der Verfassungsschutz behauptet, dass sie bei ihren Mitgliederzahlen maßlos übertreibt. In NRW hat man Medien und Lokalpolitiker in zwei Fällen mit angeblichen Immobilienkäufen in der Nähe von Großmoscheen an der Nase herum geführt. Und dann ist da noch die angebliche Millionenspende des rechtsextremen Millionärs Patrik Brinkmann, ein Molau-Intimus und ehemaliger DVU-Mann, die gar im eigenen Lager für einen Bluff gehalten wird.

Zuletzt hat man in einer Weise die Zusammenarbeit mit den REP beworben, die auf ein baldiges Verschmelzen hindeuteten. Doch der stellvertretender Bundesvorsitzende der Republikaner, Johann Gärtner, sagt auf Anfrage: "Wir haben doch nicht geheiratet, das ist doch unsinnig." Gleichwohl ist zu hören, dass man sich ab sofort gegenseitig unterstützen will: Bei den Wahlen in Berlin, wo es immer unwahrscheinlicher wird, dass die Republikaner selbst antreten, auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 2011. Dort wird Pro nicht antreten. Aber in keinem dieser Länder hat man eine Chance auf den Einzug ins Landesparlament. Es geht einzig darum, im Westen flächendeckend die NPD als organisierten Arm der rechtsextremen Bewegung abzulösen. Wegen der angestrebten Zusammenarbeit mit Republikanern und DVU wird sich Pro ohnehin radikalisieren.

Die NPD hat sich im Westen nach einer Kette von Wahlniederlagen als unverkäufliches Produkt erwiesen. Auch im kleinen Saarland, das Wirtschaftsunternehmen oft für Tests vor der bundesweiten Markteinführung eines Produktes dient. Die NPD witterte hier im vergangenen Jahr ihre Chance auf den Einzug in den Landtag – wegen der Krise, und dem dortigen Erstarken der Linken: "Bedenken Sie doch die alte Wahrheit: Links schaukelt sich mit rechts hoch, und rechts schaukelt sich mit links hoch", sagte Udo Voigt vor der Wahl, bei der die NPD schließlich auf 1,5 Prozent kam. Die Linken profitieren unterdessen wie kein anderer von der Krise in Deutschland.

 
Leser-Kommentare
  1. … können viele Medien hierzulande auch nicht stolz sein. Da vergeht jahrelang kaum ein Tag, an dem nicht jede rechts von der CDU stehende Partei undifferenziert wörtlich oder sinngemäß als "brauner Abschaum" hingestellt wird.

    Und irgendwann ist dieses Bild auch in den Köpfen derjenigen, die bisher kein Problem damit hatten, diese Parteien zu wählen.
    Aber: Die hören dann natürlich nicht auf Protest zu wählen, sondern geben halt der Linkspartei ihre Stimme, einer Partei deren Normalisierung viele Medien spiegelbildlich zur Behandlung der anderen betrieben haben.

    Mit dem Ergebnis, dass die ganz großen Profiteure diejenigen sein werden, die in Persona schon einmal eine deutsche Diktatur (ich hoffe, das wird niemand sbstreiten) betrieben haben bzw. diejenigen, die vom sicheren Westen aus Beifall geklatscht haben (wer von beiden schlimmer ist mag jeder für sich entscheiden).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tisass
    • 25.07.2010 um 18:00 Uhr

    Und zwar im mehrfachen Sinne. Und das ist auch gut so. Ich möchte an dieser Stelle gar kein Fass über die verworrene und versponnene und in sich unstimmige Ideologie der Rechtsradikalen aufmachen.
    Es genügt wohl festzustellen, dass diese Rechtsradikalen Figuren oder Rechtspopulisten, wie man heute schönfärberisch zu sagen beliebt, viel zu unterbelichtet unfähig und Charakterschwach sind um langfristig politisch und gesellschaftlich Fuß zu fassen.

    Ich verweise auf das Beispiel Ronald Schill. Ja, es ist Abschaum und zwar auf der ganzen Linie.

    • tisass
    • 25.07.2010 um 18:00 Uhr

    Und zwar im mehrfachen Sinne. Und das ist auch gut so. Ich möchte an dieser Stelle gar kein Fass über die verworrene und versponnene und in sich unstimmige Ideologie der Rechtsradikalen aufmachen.
    Es genügt wohl festzustellen, dass diese Rechtsradikalen Figuren oder Rechtspopulisten, wie man heute schönfärberisch zu sagen beliebt, viel zu unterbelichtet unfähig und Charakterschwach sind um langfristig politisch und gesellschaftlich Fuß zu fassen.

    Ich verweise auf das Beispiel Ronald Schill. Ja, es ist Abschaum und zwar auf der ganzen Linie.

  2. Na da kann "Deutschland" ja ganz froh sein, dass hier die vielen "Nazis" weniger erfolgreich als im Rest der Welt sind...

    Wenig verwunderlich, bei einer Partei, die vom Verfassungsschutz derart infiltriert wird, dass für das BVerfG nicht mehr erkennbar ist, was die NPD Leute machen oder was die Arbeit der V-Leute darstellt.

    Die NPD ist nur eine Marionette des Verfassungsschutzes. Es ist sinnlos, darüber zu diskutieren, was diese Partei macht oder nicht.

    Besser wäre, wenn es die NPD nicht mehr gäbe (samt DVU) und endlich eine konservativ-demokratische Alternative rechts von der CDU gäbe. So in etwa das, was die "Linke" für das linke Spektrum darstellt.

    Maßstab darf keine Naziideologie sein, aber Themen wie fehlende Integration, zu viel Bürokratie durch die EU usw. müssen auch ihren Ausdruck finden, indem es eine Partei gibt, die sich für diese Themen einsetzt.

    Der Verfasser liegt falsch mit seiner Annahme, dass die "Nazis" anderswo erfolgreicher wären. In anderen Ländern gibt es jedoch oft eine starke Bewegung, die die o.g. Themen vertritt. Solche Parteien werden dann eben auch gewählt.

    Es muss erlaubt sein, innerhalb der Grenzen, die durch das GG vorgegeben sind, national zu denken. Menschenverachtung sollte keinen Platz in der Gesellschaft bekommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "national zu denken".
    Sie vergessen, dass dies jetzt nicht und niemals wieder in Deutschland möglich sein wird. Dazu waren die Nazis während ihrer Herrschaft zu gründlich und haben dem Deutschen Volk bis in alle Ewigkeit das nationale Denken durch ihr Handeln verdorben.
    Richtig ist, dass Deutschlands Interessen auch weiter und vielleicht etwas stärker als bisher unabhängig von der EU vertreten werden müssen. Dabei allerdings gleich wieder in "links, mitte, rechts" denken zu wollen ist bereits im Ansatz ein Fehler.
    "konservativ-demokratisch" ist ein Oxymoron an sich.
    Wir brauchen keinen Nationalstolz (Stolz ist die Wurzel allen Übels), sondern ein vereintes Deutschland. Dann kommt auch die Integration von ganz allein.

    "national zu denken".
    Sie vergessen, dass dies jetzt nicht und niemals wieder in Deutschland möglich sein wird. Dazu waren die Nazis während ihrer Herrschaft zu gründlich und haben dem Deutschen Volk bis in alle Ewigkeit das nationale Denken durch ihr Handeln verdorben.
    Richtig ist, dass Deutschlands Interessen auch weiter und vielleicht etwas stärker als bisher unabhängig von der EU vertreten werden müssen. Dabei allerdings gleich wieder in "links, mitte, rechts" denken zu wollen ist bereits im Ansatz ein Fehler.
    "konservativ-demokratisch" ist ein Oxymoron an sich.
    Wir brauchen keinen Nationalstolz (Stolz ist die Wurzel allen Übels), sondern ein vereintes Deutschland. Dann kommt auch die Integration von ganz allein.

    • th
    • 23.07.2010 um 15:37 Uhr

    soviel Genauigkeit muss sein. Die richtigen Nazis sind doch inzwischen alle weit über 80. In gewissem Sinne wäre die Gleichsetzung der rassistischen Idioten im Europa von heute mit den Herrenmenschen, Kriegstreibern und Massenmördern von damals auch eine Verharmlosung der letzteren, nicht wahr?

    Ausserdem ist nicht jeder extrem Rechte ein Nazi, aber das zu verstehen ist wahrscheinlich zu viel verlangt.

    • xpol
    • 23.07.2010 um 15:37 Uhr

    ... Vorstellungen der Neonazis waren immer auf den eigentlich unpolitischen Wähler am Rande des sozialen Abseits ausgerichtet.
    Der wählt jetzt DIE LINKE - auch keine befriedigende Lösung.

  3. "national zu denken".
    Sie vergessen, dass dies jetzt nicht und niemals wieder in Deutschland möglich sein wird. Dazu waren die Nazis während ihrer Herrschaft zu gründlich und haben dem Deutschen Volk bis in alle Ewigkeit das nationale Denken durch ihr Handeln verdorben.
    Richtig ist, dass Deutschlands Interessen auch weiter und vielleicht etwas stärker als bisher unabhängig von der EU vertreten werden müssen. Dabei allerdings gleich wieder in "links, mitte, rechts" denken zu wollen ist bereits im Ansatz ein Fehler.
    "konservativ-demokratisch" ist ein Oxymoron an sich.
    Wir brauchen keinen Nationalstolz (Stolz ist die Wurzel allen Übels), sondern ein vereintes Deutschland. Dann kommt auch die Integration von ganz allein.

    Antwort auf "welch Wunder"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • th
    • 23.07.2010 um 16:58 Uhr

    Zitat:
    '"konservativ-demokratisch" ist ein Oxymoron an sich."'

    Erzählen Sie das mal den britischen Konservativen,
    den französischen Sarkozy-Wählern,
    den amerikanischen Republikanern,
    den CDU-Wählern ...

    mein lieber Mann, wie weit kann eigentlich die Optik verrutschen?

    "Konservativ" heisst doch nur, den hergebrachten, als "bewährt" angesehenen Zustand sowie bestimmte Traditionen bewahren zu wollen, und sich infolgedessen gegen viele Veränderungen zu stellen. Wenn man in einer Demokratie lebt, heisst also "konservativ", die Demokratie in ihrem jetzigen Zustand bewahren zu wollen.

    Wo meinen Sie, ist das Problem?

    Übrigens, um die Diskussion abzukürzen: mit ein wenig Kenntnis der Geschichte der Weimarer Republik wüßten Sie, daß die Nazis damals keineswegs "konservativ" waren - die wollten die Verhältnisse umkrempeln, und in ihrem Sinne "modernisieren".

    Allerdings sind die damaligen bürgerlichen Konservativen, die keine Demokraten waren, sondern das Kaiserreich zurückhaben wollten, aus den bekannten Gründen auf die Nazi-Propaganda reingefallen, und haben sie an die Macht gebracht.

    • th
    • 23.07.2010 um 16:58 Uhr

    Zitat:
    '"konservativ-demokratisch" ist ein Oxymoron an sich."'

    Erzählen Sie das mal den britischen Konservativen,
    den französischen Sarkozy-Wählern,
    den amerikanischen Republikanern,
    den CDU-Wählern ...

    mein lieber Mann, wie weit kann eigentlich die Optik verrutschen?

    "Konservativ" heisst doch nur, den hergebrachten, als "bewährt" angesehenen Zustand sowie bestimmte Traditionen bewahren zu wollen, und sich infolgedessen gegen viele Veränderungen zu stellen. Wenn man in einer Demokratie lebt, heisst also "konservativ", die Demokratie in ihrem jetzigen Zustand bewahren zu wollen.

    Wo meinen Sie, ist das Problem?

    Übrigens, um die Diskussion abzukürzen: mit ein wenig Kenntnis der Geschichte der Weimarer Republik wüßten Sie, daß die Nazis damals keineswegs "konservativ" waren - die wollten die Verhältnisse umkrempeln, und in ihrem Sinne "modernisieren".

    Allerdings sind die damaligen bürgerlichen Konservativen, die keine Demokraten waren, sondern das Kaiserreich zurückhaben wollten, aus den bekannten Gründen auf die Nazi-Propaganda reingefallen, und haben sie an die Macht gebracht.

  4. ...ist doch, dass sie jedes Mal, wenn sie sich mit flachstem Populismus in irgendein Provinzparlament gebrüllt haben, sich sofort wieder aufgrund unterirdisch schlechten Personals (kein Wunder), Pöstchengeschachers und seltsamen Finanzgebarens selbst zerlegen.

    Das erinnert an... Richtig: an die FDP :-).

  5. Und sobald Nationalkonservatismus hierzulande nicht mehr in eine Schublade mit faschistoider Ideologie gesteckt wird entstehen und etablieren sich auch solche Parteien. So wie in allen anderen europäischen Ländern. Das ist zwar trotzdem nicht meine Coleur, aber ich halte es für sinnvoll nationalkonservative Bürger - solange sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen - in die Demokratie einzubinden.

    Deren Alternative ist ja nicht dass die sich denken "geh ich halt zur MLPD" sondern dass sie sich dann in die Schublade begeben in die sie eh gesteckt werden, zu den Rechtsextremen. Ich bin mir sicher dass die Parteien der Ewiggestrigen hierzulande endgültig in der Bedeutungslosigkeit versinken würden wenn zwischen ihnen und den bürgerlich-konservativen Parteien nicht so eine große Lücke im hiesigen Parteiensystem klaffen würde. Nur mal so als Denkanstoß.

    • WiKa
    • 23.07.2010 um 16:01 Uhr

    Es wir wohl auch nicht allzu viele Leute geben die einer in Deutschland ausbleibenden Verrechtung nachtrauern. Das typisch deutsche Krankheitsbild dafür, die maliziöse Hirn-Arm-Funktion, wird ja hierzulande schon seit 65 Jahren erfolgreich therapiert. Auch erheblich intensiver als in anderen Staaten. Die genannten Parteien sind auch nicht wirklich geeignet hier etwas zu erreichen. Ernstzunehmendes im rechten Spektrum gibt es nicht, dass ist dem Grunde nach mit Franz Josef Strauß ausgestorben. Auch seine Erben sind auf dem rechten Ohr ziemlich Taub, auch wenn man ab und an vermuten möchte, dass da noch was käme. Lassen wir doch die besagten Parteien ziehen …

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service