Bundespräsidentenwahl: Die dunkelroten Verweigerer
Die Linkspartei war nicht Wulffs Königsmacherin. Dennoch hat sie die Chance vertan, Haltung und Bündnisfähigkeit zu beweisen und die eigene Wende einzuleiten.
Es wird nach dieser Bundespräsidentenwahl auf absehbare Zeit nichts gehen zwischen Rot-Grün und den Linken. Denn nicht nur Union und FDP haben ihren Kandidaten Christian Wulff zum Bundespräsidenten gemacht. Die Linkspartei hat einen nicht unbedeutenden Anteil daran, dass die Koalitionsfraktionen der Bundesversammlung im dritten und entscheidenden Wahlgang Wulff ins höchste Staatsamt hoben. Hätte sich die Linke früher und anders entschieden, wäre die Wahl womöglich anders verlaufen. Es hätte für den Gegenkandidaten Joachim Gauck reichen können.
Die Wahl des zehnten Bundespräsidenten zeigt: Die Linke ist eine Partei, die sich in der Außenseiterrolle gefällt. Mit der Entscheidung, ihren Wahlleuten in der Bundesversammlung für den dritten Wahlgang die Enthaltung zu empfehlen, hat sich die dunkelrote Truppe außerhalb des Kreises koalitionsfähiger politischer Kräfte gestellt. Sie verweigerte eine eindeutige Position , wo ein klares rot-grün-rotes Signal möglich gewesen wäre. Nach dem Rückzug der Linken-Bewerberin Luc Jochimsen war der rot-grüne Gegenkandidat Gauck damit chancenlos. Allerdings auch deshalb, weil ein Teil der Abweichler aus dem schwarz-gelben Lager sich in diesem entscheidenden Wahlgang dann doch hinter Wulff sammelte.
Die Wahl gibt gleichwohl auch Einblick ins Innenleben der Linkspartei: Sie ist an sich selbst gescheitert. Im entscheidenden Moment vermochte sie nicht, eine Haltung einzunehmen. Ohne eigene Präsidentschaftskandidatin stand sie hilflos und allein wie ein verloren gegangenes Kind. Trotzig fiel die Reaktion von Fraktionschef Gregor Gysi aus, als der Grünen-Wahlmann Werner Schulz öffentlich Verantwortungsbewusstsein der Linken forderte. Nicht politische Differenzen, nicht Gaucks Vergangenheit als Stasi-Aufklärer führten die Parteistrategen als Grund für die Wahlabstinenz an, sondern den Umstand, dass Rot-Grün vor der Nominierung Gaucks die Linken nicht einbezog. Solches Verhalten ist ziemlich unpolitisch.
Politisches Gestalten lebt von der Suche nach Gemeinsamkeit. Dazu gehört auch die Fähigkeit zum Kompromiss und zur Taktik. Dass Abstriche am eigenen Maximalziel nicht immer den gefürchteten Gesichtsverlust bedeuten, ist ganz links noch nicht angekommen. Als Partei, die den Willen des Volkes abbilden soll, hat die Linke versagt. Sie vermochte nicht, aus dem eigenen Schatten zu treten.
In der noch jungen Melange aus linken Gewerkschaftsfundis im Westen und den reststalinistisch belasteten Realpolitikern im Osten ist die Angst vor unkontrollierbaren Reaktionen im Parteiinnern noch zu groß. Gerade erst hat die gesamtdeutsche Linkspartei begonnen, mit der Diskussion eines ersten Grundsatzprogramms nach sich selbst zu suchen, innere Hemmnisse abzubauen und die Brüche innerhalb der Partei zu klären.
Beim Projekt Bundespräsident hat die Linke die Chance vertan, ihre Gestaltungskompetenz – sprich: Regierungsfähigkeit – auch oberhalb der Länderebene unter Beweis zu stellen. Bei Gaucks und Wulffs Wahl ging es nicht in erster Linie um die von der Linken verteufelten Auslandseinsätze der Bundeswehr oder um die Hartz-Reformen. Zu beiden Fragen hat Gauck eine Position, die Linken-Grundsätzen widerspricht. Ausschlaggebend hätte aber etwas anderes sein müssen.
Denn letztlich hat die Linke die Gelegenheit verpasst, endgültig mit ihrer Vergangenheit zu brechen. Das Projekt Gauck bot ihr die Chance, sich von dem DDR-Unterdrückungssystem loszusagen. Praktisch im Vorübergehen hätte sie es vorbehaltlos als Unrecht anerkennen können. Doch Gysis Leute scheuten, das Feindbild des Stasi-Aufklärers Gauck endlich von der Wand zu nehmen . Sie versäumten, im 20. Jahre nach der Wiedervereinigung den Blick nach vorn zu richten. Statt die Selbstreinigung zu beschleunigen, pflegt die Partei ihre radikalen Flügel.
Etwas Positives bleibt immerhin. Die derart demaskierte Linke ist nun innerhalb des Fünfparteiensystems wieder ein Stück besser zu berechnen. Sie hätte diesen einzigartigen Wahltag nutzen können, sich zu häuten und zu zeigen, dass sie eine regierungsfähige Gestaltungsmacht sein will. Nun aber ist klar, dass sich auf absehbare Zeit mit der Linkspartei nur verhindern, aber nichts gestalten lässt. SPD und Grüne werden ihre Lehre daraus ziehen.






Es stimmt teilweise was sie sagen - aber nicht komplett. Meine Frau ist Polin und hatte vor der NRW-Wahl spaßeshalber den WOM befragt - und auch just for fun beim zweiten mal (bei gleichen Antworten) auch mal die NPD reingekommen. Beim ersten mal war es wirklich die Linke, die an erster Stelle stand - beim zweiten mal die NPD. Meine Frau soll also wirklich als Polin die NPD wählen? Also bitte nicht darauf verlassen...
....dass eine Partei gegen ihre Grundsatzpositionen zu HartzIV oder Krieg einen Kandidaten aus taktischen Gründen unterstützen könnte, ist entlarvend. Wie kann man das erwarten? Das zeigt eine völlige Distanzierung von jeglichem Verständnis dessen, was Ethik traditionell bedeutet bzw bedeuten sollte und fordert letztlich einen radikal relativistischen Ansatz. Gepaart mit dem Grad der Hetze gegen Minderheiten und der allgemeinen Befürwortung von gegen Minderheiten gerichtete staatliche Maßnahmen, wie diese in letzter Zeit sich häufen, ist das beängstigend.
jeder Wortmeldung vorausschickt "Die DDR war ein Unrechtsstaat", dann bleibt sie für die Bürgerlichen die Pfui-Bäh-Bäh-Partei. Dieses Linken-Bashing ist nur noch lächerlich und eine Partei, die man zu Demutsgesten zwingen will, wird sich bei solchen Veranstaltungen dann auch eher spröde verhalten. Einsicht, wirkliche Einsicht kommt nur von innen, selten durch PC-Forderungen der Etablierten. Und Einsicht erfordert differenzierte Betrachtung, wovon auch CDUCSUFDPSPD ziemlich frei sind.
Ansonsten volle Zustimmung zu Matthias Breitinger.
Enthaltung ist doch keine Haltung. Dann hätte die Linke besser Frau Jochimsen im Rennen lassen sollen und sich weiter zu ihr bekennen. Aber so? Kollegialer Gruß - Tilman Steffen
Man kann so tun, als ob Gauck gegen(!) eine Schwarz-Gelbe Mehrheit(!!!) eine Chance gehabt hätte, aber das ist, wie sich im Wahlergebnis zeigt, einfach Unsinn. Sobald nicht mehr sicher war, dass die LINKEN Gauck nicht wählen, haben die Taktierer in CDU/FDP ihren Fraktionszwang Folge geleistet.
Bei der zu erwartenden Niederlage war die LINKE die einzige Partei, die Rückgrat gezeigt hat. SPD&Grün hat Gauck verheizt, und die CDU&FDP hat innerparteiliche Taktikspielchen gespielt.
Man kann so tun, als ob Gauck gegen(!) eine Schwarz-Gelbe Mehrheit(!!!) eine Chance gehabt hätte, aber das ist, wie sich im Wahlergebnis zeigt, einfach Unsinn. Sobald nicht mehr sicher war, dass die LINKEN Gauck nicht wählen, haben die Taktierer in CDU/FDP ihren Fraktionszwang Folge geleistet.
Bei der zu erwartenden Niederlage war die LINKE die einzige Partei, die Rückgrat gezeigt hat. SPD&Grün hat Gauck verheizt, und die CDU&FDP hat innerparteiliche Taktikspielchen gespielt.
die Linke KANNN Gauck nicht wählen und hat sich von daher völlig integer verhalten:
http://www.tagesspiegel.d...
Die einzigen, die klar erkennbar gegen den unsinnigen Krieg in Afghanistan und gegen Sozialabbau einsetzen.
Und die ihre Stimmen deshalb auch nicht hergeben für einen Kandidaten, auf den man sich zuvor n i c h t geeinigt hatte.
wirklich diese tollen Qualitäten hat, die man ihm in den letzten Tagen so nachgesagt hat, hätte er zwangsläufig die evtl. Wahl zum Präsidenten mit Hilfe linker Stimmen nicht annehmen dürfen.
Ein Konservativer läßt sich nicht von Leuten in's Amt wählen,
die er grundsätzlich als Feinde der Demokratie, ehemalige Stasileute (ost) bzw. durchgeknallte Chaoten (west) ansieht.
Wäre Gauck alllerdings auf die Idee gekommen, diese Stimmen anzunehmen, wäre er gleich bein Start so glaubwürdig gewesen wie Köhler beim Abgang.
Die Linkspartei hat einen nicht unbedeutenden Anteil daran, dass die Koalitionsfraktionen der Bundesversammlung im dritten und entscheidenden Wahlgang Wulff ins höchste Staatsamt hoben. Hätte sich die Linke früher und anders entschieden, wäre die Wahl womöglich anders verlaufen. Es hätte für den Gegenkandidaten Joachim Gauck reichen können.
Das ist schlicht und einfach gelogen. Die Linke hatte keinerlei Einfluss auf den Ausgang. Im Gegenteil, hätte die Linke eine Empfehlung für Gauck ausgesprochen, hätte sich Schwarz/Gelb entsetzt zusammengerottet und noch geschlossener abgestimmt.
Ich behaupte sogar, die Linke ist die einzigste der fünf Parteien, die sich anständig verhalten hat.
Rot/Grün hat die Wahl zu einem fiesen taktischen Spielchen verkommen lassen, dass die Wahl des Bundespräsidenten pervertiert. Gleichzeitig haben sie die Tür nach links zugeschlagen und so den linken Wählern von Rot/Grün ins Gesicht gespuckt. Die Wähler, die sich mal Gedanken machen und eine Perspektive in Rot/Rot/Grün sehen merken schnell, dass Rot/Grün nicht Frau Merkel loswerden will, sondern die Linke.
Schwarz/Gelb haben sich mit ihrer Parteisoldaten Taktik und den gegenseitigen Vorwürfen lächerlich gemacht und wieder deutlich gemacht, wie wenig sie von wahrer Demokratie halten.
Bleibt noch die Linke, die sich ganz einfach nach programmatischen Punkten entschieden hat. Dumm wäre sie gewesen das dreckige Spielchen Gabriels nach seinem aggressiven Auftreten mitzuspielen.
Genau so war es.
Genau so war es.
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