Bundespräsident Wulff überzeugt, die Koalition nicht

Sympathisch, glaubwürdig, volksnah: In der deutschen Öffentlichkeit ist die Stimmung zugunsten von Wahlsieger Wulff umgeschlagen. Die Koalition sehen viele indes vor dem Ende.

Dem Image des neuen Präsidenten (Mitte) hat seine Wahl im dritten Anlauf nicht geschadet. Der schwarz-gelben Koalition schon

Dem Image des neuen Präsidenten (Mitte) hat seine Wahl im dritten Anlauf nicht geschadet. Der schwarz-gelben Koalition schon

Am Tag seiner Vereidigung kann sich der neue Präsident über einen kleinen Triumph in den Umfragen freuen. 72 Prozent meinten im ARD- Deutschlandtrend , dass Wulff ein guter Präsident werde. 58 Prozent äußerten in der repräsentativen Befragung durch Infratest dimap die Meinung, dass "am Ende mit Wulff der richtige Kandidat gewählt worden ist". Nur 35 Prozent fanden, dass "Joachim Gauck der bessere Präsident gewesen wäre". Vor der Wahl hatte dagegen in Umfragen meist der Kandidat der Opposition besser abgeschnitten.

Wulff als Person wird von den Bürgern außerdem schon jetzt sehr gut bewertet. 82 Prozent halten ihn für sympathisch, 74 Prozent für sehr glaubwürdig und 66 Prozent für volksnah. 80 Prozent sind der Meinung, dass Wulff Deutschland gut vertreten kann. Dass er über den Parteien stehen wird, glaubt dagegen allerdings weniger als die Hälfte der Deutschen (47Prozent). 

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Deutlich geschadet hat die lange Hängepartie am Wahltag dagegen dem Ansehen der schwarz-gelben Koalition und der Kanzlerin. 68 Prozent finden es eine "Blamage für Angela Merkel, dass Wulff so viele Stimmen aus dem eigenen Lager gefehlt haben". Wulff (51), der Kandidat von Union und FDP, hatte sich am Mittwoch erst im dritten Wahlgang gegen Joachim Gauck (70) durchgesetzt, den SPD und Grüne unterstützt hatten.

62 Prozent sind sogar der Meinung, dass "die Koalition aus Union und FDP nicht mehr lange halten wird". Nur 31 Prozent glauben an einen Neustart der Bundesregierung.

Nichtsdestotrotz gewinnt die Union in der Sonntagsumfrage gegenüber Juni einen Punkt hinzu. Sie liegt nun bei 33 Prozent. Auch die SPD legt einen Punkt zu und erreicht 30 Prozent. Das ist der beste Wert seit Februar 2008. Die FDP liegt unverändert bei fünf, die Grünen unverändert bei 17 Prozent. Die Kanzlerin hat jedoch deutlich an Sympathie eingebüßt. Sie ist auf der Beliebtheitsliste der deutschen Politiker, auf der sie lange stets entweder auf Platz eins oder zwei stand, mittlerweile hinter SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Grünen-Chefin Renate Künast zurückgefallen.

Heute legt Wulff seinen Amtseid auf das Grundgesetz ab. Dazu kommen Bundestag und Bundesrat zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Danach wird Wulff seine erste Rede als Staatsoberhaupt halten. Davon werden Hinweise auf seine Arbeitsschwerpunkte in den kommenden fünf Jahren erwartet.

Wulff sieht die drei notwendig gewordenen Wahlgänge nicht als Belastung für das Amt. "Man muss dieses Wahlprozedere positiv verstehen", sagte der bisherige niedersächsische Ministerpräsident. "Ich musste mich häufig im Amt bewähren. Ich hatte nie so viele Vorschusslorbeeren." Außerdem sei er sich immer sicher gewesen, am Ende der Bundesversammlung zu gewinnen.

Angesichts des Abstimmungsverhaltens der Linken, die Gauck auch im dritten Wahlgang nicht unterstützt hatten, schließt der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel eine Koalition mit der Linkspartei auf Bundesebene derzeit aus. "Man kann mit keiner Partei eine Bundesregierung im demokratischen vereinten Deutschland bilden, die offensichtlich noch mehr in der Vergangenheit lebt", sagte Gabriel in einem RTL-Interview. Es sei in der Linkspartei nicht durchsetzbar gewesen, einen Kandidaten zu wählen, der Aufklärer auch von DDR-Unrecht sei.

Gauck sagte im ZDF, es sei unklar, in welche Richtung die Linke gehe: "Kräfte, die sich nicht lösen mögen von diesem diktatorischen Projekt des Herrschaftskommunismus kämpfen um Positionen, und die aufklärerischen Kräfte kämpfen auch - und wir wissen nicht genau, wie das ausgehen wird."

Wulff kündigte an, im neuen Amt zu versuchen, der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Dabei müssten über die Parteien hinaus auch Bürgerinitiativen und einzelne Bürger besser eingebunden werden. "Parteien sind wichtig. Sie wirken an der politischen Willensbildung mit. Aber sie sind nicht die politische Willensbildung."

Der neue Präsident warb auch für mehr Integration. "Wir müssen lernen, niemanden links liegen zu lassen. Wir müssen alle mitnehmen." Die ersten Auslandsreisen will er zur Europäischen Union nach Brüssel sowie nach Frankreich und Polen unternehmen. Für Oktober ist eine viertägige Reise in die Türkei geplant.

 
Leser-Kommentare
    • BerndL
    • 02.07.2010 um 7:39 Uhr

    Ich denke, es wird sich bald zeigen, dass ein guter Bundespräsident sein wird, der für die Zukunft und Einheit wichtige Impulsde geben wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 02.07.2010 um 9:37 Uhr

    ....als man ihn medial aufbaut. Tut man das nicht, macht man es wie bei Westerwelle, hat er keine Chance.

    Von seiner politischen Substanz her dürfte es den "rechten" Medien einfach sein, da er ist einer von ihnen. Für die "links" nahen Medien wird er es nimmermehr schaffen können, wenn er nicht das Credo der absoluten gesellschaftlichen Solidarität mit Würde in gewogene Worte packt.

    • joG
    • 02.07.2010 um 9:37 Uhr

    ....als man ihn medial aufbaut. Tut man das nicht, macht man es wie bei Westerwelle, hat er keine Chance.

    Von seiner politischen Substanz her dürfte es den "rechten" Medien einfach sein, da er ist einer von ihnen. Für die "links" nahen Medien wird er es nimmermehr schaffen können, wenn er nicht das Credo der absoluten gesellschaftlichen Solidarität mit Würde in gewogene Worte packt.

  1. ...Umfragen sind beweist diese nachdrücklich. Ich werde künftig alle Umfragen ausblenden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Überrascht sie der Stimmungswandel? Braucht er nicht. Es ist bekannt und belgegt, dass Menschen im Nachhinein oft ihre Meinung gravierend ändern, um mit einem Resultat besser leben zu können. Dauerhaft mit einem negativen Ergebnis leben zu müssen löst psychologischen Stress aus, also ändert man halt seine Meinung zum Ergebnis. Und in diesem Fall ist es besonders leicht: Nach der Bundestagswahl auf einmal Merkel und die damit verbundene Politik toll zu finden funktioniert nicht ganz so gut. Aber vom einen repräsentativen einflusslosen Schönschwätzer kann man schon mal zum anderen springen. Die Zahlen belegen nicht die Wertlosigkeit der Umfragen, sondern die Sprunghaftigkeit der Masse, sowie die relative Bedeutungslosigkeit des Bundespräsidenten in unserem politischen System.

    Überrascht sie der Stimmungswandel? Braucht er nicht. Es ist bekannt und belgegt, dass Menschen im Nachhinein oft ihre Meinung gravierend ändern, um mit einem Resultat besser leben zu können. Dauerhaft mit einem negativen Ergebnis leben zu müssen löst psychologischen Stress aus, also ändert man halt seine Meinung zum Ergebnis. Und in diesem Fall ist es besonders leicht: Nach der Bundestagswahl auf einmal Merkel und die damit verbundene Politik toll zu finden funktioniert nicht ganz so gut. Aber vom einen repräsentativen einflusslosen Schönschwätzer kann man schon mal zum anderen springen. Die Zahlen belegen nicht die Wertlosigkeit der Umfragen, sondern die Sprunghaftigkeit der Masse, sowie die relative Bedeutungslosigkeit des Bundespräsidenten in unserem politischen System.

  2. wurde von den Medien so stark manipuliert. Jetzt müßte es eigentlich auch der Letzte merken.

  3. Und ich könnte darauf wetten, dass wir Herrn Wulff noch zusammen mit unserer Kanzlerin bei einem Staatsbesuch in Südafrika sehen werden, um die ausserordentliche Bedeutung des afrikanischen Kontinents für die Integration von Kesuaeliübersetzern in Bottrop (im Rahmen des EU geförderten Projekts 'Schwalbenwanderung in der afrikanischen Savanne') zu unterstreichen.

    Gut so !

  4. Nur 23 Prozent halten es für das Beste, wenn die schwarz-gelbe Koalition bis 2013 weiterarbeitet.

    FDP bei 5%

    http://www.tagesschau.de/...

    • yeksaa
    • 02.07.2010 um 8:06 Uhr

    Ob mit oder ohne manipulativer Medienrummel, die politische show bedarf kaum noch Worte, denn diese bleiben einem schon im Hals stecken........

  5. ...meinen Vorrednern/-schreibern nur anschließen. Diese ach so verständnisvolle Berichterstattung fast aller Medien nach der BP-Wahl passt jetzt haargenau in diese unheilbare deutsche Umfrage-Neurose "Heute A, morgen B, übermorgen wieder A..."

  6. denn nichts können die Konservativen besser als Probleme aussitzen.

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